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Bundestagswahl 2017 – Fragen an die Parteien – letzter Teil

Wir haben die Bundestagswahl zum Anlass genommen ein paar Fragen zu stellen. Vielleicht hilft es euch das Kreuz “richtig” zu setzten. Die Fragen gingen an die Kandidaten in den zwei Wahlkreise in Stuttgart. Von der CDU bekamen wir von jedem Kandidaten eigenes Feedback, daher taucht die CDU zweimal auf. Wir posten in den nächsten Tagen die Antworten auf unsere Fragen. Heute letzer Teil 4.

(hier zum dritten Teil)

Befragte Kandidaten in Stuttgart sind:

CDU: Stefan Kaufmann und Karin Maag

FDP: Judith Skudelny und Volker Weil 

Grüne: Cem Özdemir und Anna Christmann

SPD: Michael Jantzer und Ute Vogt

Eine bitte hätten wir noch an euch: Geht wählen!

 

Warum sollten Gründer und Mitarbeiter von Startups für Sie / ihre Partei wählen?

 

Stefan Kaufmann (CDU): Bereits 2014 wurde die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung beschlossen und seitdem auch Start-ups besser gefördert. Aus der ganzen Welt kommen Menschen mit Ideen nach Deutschland, gründen Unternehmen und schaffen Arbeitsplätze. Wir werden sie ermutigen und unterstützen. Durch die steuerliche Forschungsförderung und ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz ebenso wie durch bessere Gründungs- und Wachstumsfinanzierung sowie weniger Bürokratie. Wir werden die Bedingungen für Wagniskapital weiter verbessern. Den Zugang für Startups zu Wagniskapital wollen wir auch über steuerliche Förderung erleichtern: Wer sich an Startups beteiligt, soll das bei der Steuer berücksichtigen können.

 

Karin Maag CDU: Gerade im Zeitalter der Globalisierung aber vor allem der Digitalisierung ist es wichtig, dass sich die Wirtschaft immer weiter entwickelt, um den Wirtschaftsstandort Deutschland auch in Zukunft attraktiv zu gestalten. Wir setzen uns, mit unserer Politik dafür ein, die Wirtschaft in diesem Umbruch zu stärken und damit eine gute Grundlage für Startups zu schaffen. Wir wollen vor allem die Schaffung zusätzlicher und zukunftssicherer Arbeitsplätze in Deutschland unterstützen, hauptsächlich in den Bereichen Digitalisierung, Biotechnologie, fortschrittlicher Umwelttechnologien sowie im Gesundheitsbereich. Dazu gehört auch, dass wir den Fachkräftezuzug erleichtern. Um es den Gründern zu erleichtern, wollen wir weniger Kontrolle und Regulierung. Unsere neuen Arbeitszeitmodelle sollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und damit das Berufsleben für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Startups angenehmer gestalten. Die von uns vorgesehenen Steuersenkungen, vor allem im Mittelstand, werden sowohl den Gründern als auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Gute kommen.

 

 

Judith Skudelny und Volker Weil (FDP): Wir Freien Demokraten setzen uns bereits seit Jahrzehnten glaubhaft und mit Nachdruck für Unternehmensgründer und für Wirtschaftsunternehmen im Allgemeinen ein. Denn gemeinsam bilden diese das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und sind maßgeblich für unsere Innovationskraft und unser wirtschaftliches Wohlergehen verantwortlich. Wer verantwortungsbewusst in die Zukunft blickt, dem wird klar, dass nur mit einer starken Start-Up-Szene der Innovationsstandort Deutschland gelingen kann. Darum hat es für uns höchste Priorität, dass Carl Benz und Robert Bosch nicht die einzigen Pioniere des Südwestens bleiben.

Mit Christian Lindner verfügen wir über einen Parteivorsitzenden, der nicht nur selbst Gründungserfahrung besitzt, sondern sich bereits in der Vergangenheit fulminant für die Belange von Start-Ups einsetzte. In folgendem Video aus dem Landtag von NRW stellt er seine Überzeugung eindrücklich unter Beweis: https://www.youtube.com/watch?v=m1xFN6nDoDY.

 

Anna Christmann (Grüne): Die Grünen stehen für Aufbruch. Wir wollen unseren Wohlstand und unsere Umwelt durch Innovation und neue Technologien erhalten und nicht durch ein einfaches Weiter so. In diesem Punkt sind wir der Startup Kultur sehr nah. Ich selbst war mit dem Ministerpräsidenten 2015 auf einer Delegationsreise im Silicon Valley unterwegs und habe erlebt was es bedeutet, wenn eine ganze Region den Eindruck vermittelt: “Hier wird Zukunft gemacht”. Diesen Ehrgeiz brauchen wir auch wieder in Deutschland. Gerade Bereiche wie die Energiewende, Ressourceneffizienz oder social Entrepreneurship leben von Innovationen und einer hohen Dynamik, für die Startups ganz entscheidend sind. Deshalb streiten wir als Grüne ganz besonders für eine neue Gründerzeit – in Baden-Württemberg an der Landesregierung auch bereits mit ersten Erfolgen.

 

Michael Jantzer (SPD): Weil die SPD die einzige Partei ist, die die Anforderungen der neuen Ideen mit dem sozialen Zusammenhang der Gesellschaft versöhnen kann. Wir halten es für misslungen, wenn nur die Gründer selbst am Ende den Gewinn mitnehmen. Die Streiks er Uber-Fahrer in San Franzisco und die Proteste der Kantinenmitarbeiter bei Google halten wir für einen Hinweis, dass es so nicht laufen soll.

 

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Bundestagswahl 2017 – Fragen an die Parteien – Teil 3

Wir haben die Bundestagswahl zum Anlass genommen ein paar Fragen zu stellen. Vielleicht hilft es euch das Kreuz “richtig” zu setzten. Die Fragen gingen an die Kandidaten in den zwei Wahlkreise in Stuttgart. Von der CDU bekamen wir von jedem Kandidaten eigenes Feedback, daher taucht die CDU zweimal auf. Wir posten in den nächsten Tagen die Antworten auf unsere Fragen. Heute Teil 3.

(hier zum zweiten Teil)

Befragte Kandidaten in Stuttgart sind:

CDU: Stefan Kaufmann und Karin Maag

FDP: Judith Skudelny und Volker Weil 

Grüne: Cem Özdemir und Anna Christmann

SPD: Michael Jantzer und Ute Vogt

Eine bitte hätten wir noch an euch: Geht wählen!

 

Wenn über Startups gesprochen wird, kommt oftmals auch das Stichwort Bürokratieabbau. Haben Sie hierzu eine konkrete Maßnahme in Ihrem Wahlprogramm?

Stefan Kaufmann (CDU):  Wir sind beim Bürokratieabbau vorangekommen und haben Wirtschaft und Verbraucher in dieser Wahlperiode von Bürokratie entlastet. Der jährliche Bürokratieaufwand der Bürger wurde in dieser Wahlperiode um 8,5 Millionen Stunden reduziert. Seit 2015 gilt die „one-in, one-out“-Regel. Diese Regelung hat sich bewährt und wird weiter fortgesetzt. In unserem Regierungsprogramm 2017 sprechen wir uns zudem für die Einführung einer zentralen Anlaufstelle (One-Stop-Shop) speziell für junge Unternehmen bzw. Startups aus.

 

Karin Maag (CDU) : Siehe Antwort zuvor.

 

Judith Skudelny und Volker Weil (FDP): Bürokratieabbau um sich als Gründer „aufs Wesentliche“ konzentrieren zu können

  • Behördengänge reduzieren, sodass Gründung an einem einzigen Werktag und online möglich ist  Vorbild Estland
  • Eine zentrale behördliche Anlaufstelle für Gründer schaffen („One-stop Shop“)

 

Anna Christmann (Grüne):  Gründerinnen und Gründer wollen wir für zwei Jahre von nicht unbedingt nötigen Melde- und Berichtspflichten befreien. Beratung und Förderung erhalten sie aus einer Hand in „One-Stop-Shops“ – ein Hangeln von Behörde zu Behörde wollen wir vermeiden. Zudem soll die Umsatzsteuer einfacher werden, z.B. wollen wir dass mehr Unternehmen die Umsatzsteuer erst dann abführen müssen, wenn der Kunde gezahlt hat. Dafür soll die sogenannte Ist-Versteuerungsgrenze auf 2 Mio. Euro vervierfacht werden. Die Grenze für die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter soll auf 1.000 Euro deutlich steigen. Wir prüfen, ob Sozialversicherungsbeiträge für Gründerinnen und Gründer generell erst im Folgemonat fällig werden können.

 

Michael Jantzer (SPD): Bürokratieabbau ist ein wichtiges Ziel. Wir wissen aber, dass das im Detail nicht so einfach ist. Bürokratie ist ja nicht nur Registergericht (was wir verbessern könnten) sondern auch Lohnsteuer, Brandschutz, Behindertenrechte und die vielen Berichtspflichten. Das werden wir angehen – aber es wird nicht einfach werden.

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Bundestagswahl 2017 – Fragen an die Parteien – Teil 2

Wir haben die Bundestagswahl zum Anlass genommen ein paar Fragen zu stellen. Vielleicht hilft es euch das Kreuz “richtig” zu setzten. Die Fragen gingen an die Kandidaten in den zwei Wahlkreise in Stuttgart. Von der CDU bekamen wir von jedem Kandidaten eigenes Feedback, daher taucht die CDU zweimal auf. Wir posten in den nächsten Tagen die Antworten auf unsere Fragen. Heute Teil 2.

(hier zum ersten Teil)

Befragte Kandidaten in Stuttgart sind:

CDU: Stefan Kaufmann und Karin Maag

FDP: Judith Skudelny und Volker Weil 

Grüne: Cem Özdemir und Anna Christmann

SPD: Michael Jantzer und Ute Vogt

Eine bitte hätten wir noch an euch: Geht wählen!

 

Welche Stärken und Schwächen sehen Sie im Raum Stuttgart, im Bezug auf ein erfolgreiches Startup Ökosystem und wie werden Sie sich persönlich (/Ihre Partei) dafür einsetzen?

 

Stefan Kaufmann (CDU): Aus meiner Sicht fehlt es in Stuttgart in erster Linie an bezahlbaren Gewerbeflächen für Gründer. Man sollte neue Baugebiete ausweisen. Das Land sollte seine Aktivitäten bei der Finanzierung von Startups weiter ausbauen – ein gut ausgestatteter Gründerfonds wie in Bayern wäre wichtig. Die Aktivitäten der Wirtschaftsministerin gehen in die richtige Richtung.

 

Karin Maag (CDU): Für ein erfolgreiches Startup-Ökosystem sind Hochschulen in der Umgebung sehr wichtig. Ein bereits bestehendes Startup-Netzwerk macht es den Startup-Gründern leichter sich in der Region anzusiedeln. Diese beiden Voraussetzungen sind in der Region Stuttgart gegeben und machen den Standort für Startups attraktiv. Die Konkurrenz für Startups bei der Personalfindung ist allerdings sehr groß. In der Region sind viele Global Players wie z.B. Daimler, Bosch, Festo etc. angesiedelt, die viele Absolventen mit hohen Gehältern locken.

 

Judith Skudelny und Volker Weil (FDP):

Stärken:

  • Große Vorbilder (Leuchttürme) wie Carl Benz und Robert Bosch, die auch als einfache Gründer begannen
  • Forschungsstarke Universitäten in Stuttgart und Tübingen  Universitäre Ausgründungen und KnowHow
  • Industrie-Cluster im Großraum Stuttgart  Riesiges Potential an Partnern und Kunden
  • Cyber Valley Initiative des Landes Baden-Württemberg
  • Umfangreiche Gründerseminare der IHK Stuttgart
  • Industrielle Wagniskapitalgeber (z.B. Robert Bosch Venture Capital) und Acceleratoren / Inkubatoren (z.B. StartUp Autobahn oder Arena2036)

 

Schwächen:

  • Mangel an (bezahlbaren) Co-working Spaces und kein großer Industriepark mit Maschinen zur Mitbenutzung
  • Attraktive Arbeitgeber erschweren Personalsuche für Start-Ups  Konkurrenzsituation
  • Kapitalintensive Gründungen mit langen Vorlaufzeiten (z. B. im MedTech-Bereich) wie sie Im Raum Stuttgart oft vorkommen, finden nur schwer Wagniskapital oder Kreditgeber
  • Stuttgart nicht so hip und attraktiv wie Berlin, Hamburg oder München

 

Anna Christmann (Grüne): Stuttgart ist eine hocherfolgreiche Industrieregion. Das ist gleichzeitig Fluch und Segen. Der Arbeitsmarkt ist so gut, dass sich im Vergleich nur Wenige in die eigene Gründung wagen. Hier müssen wir ansetzen, und gerade junge Menschen ermutigen, einen eigenen Weg zu gehen. Das Stuttgart auch ein starker Wissenschaftsschaftsraum ist, müssen wir dabei nutzen. Ich halte es für zentral, die Kontakte zwischen den verschiedenen Sphären zu stärken: Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur müssen wir zusammenbringen, um daraus neue Ideen wachsen zu lassen. Als Stuttgarter Abgeordnete werde ich mich dafür einsetzen, dass es solche Foren vermehrt gibt und wir vorhandene Projekte wie den wizemann.space, das Social Impact Lab und Vereine wie Startup Stuttgart e.V. mit Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen. Vorbilder und Netzwerke sind entscheidende Faktoren, um zukünftige Gründer*innen zu ermutigen.

 

Michael Jantzer (SPD): Wie zuvor erwähnt, geht es uns darum in Stuttgart die lokale Vernetzung zu verbessern, indem wir das zu einem Thema bei der Planung des neuen Rosensteinviertels machen.

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Bundestagswahl 2017 – Fragen an die Parteien – Teil 1

Wir haben die Bundestagswahl zum Anlass genommen ein paar Fragen zu stellen. Vielleicht hilft es euch das Kreuz “richtig” zu setzten. Die Fragen gingen an die Kandidaten in den zwei Wahlkreise in Stuttgart. Von der CDU bekamen wir von jedem Kandidaten eigenes Feedback, daher taucht die CDU zweimal auf. Wir posten in den nächsten Tagen die Antworten auf unsere Fragen. Heute Teil 1.

(hier zum zweiten Teil)

Befragte Kandidaten in Stuttgart sind:

CDU: Stefan Kaufmann und Karin Maag

FDP: Judith Skudelny und Volker Weil 

Grüne: Cem Özdemir und Anna Christmann

SPD: Michael Jantzer und Ute Vogt

Eine bitte hätten wir noch an euch: Geht wählen!

Startup Stuttgart: Wenn Ihre Partei an der Regierung beteiligt sein wird, welche Schwerpunkte wird ihre Partei setzen um die Rahmenbedingungen für Gründer und Startups in Deutschland zu verbessern.

Stefan Kaufmann (CDU): Startups sind der Mittelstand von morgen; um deren Potenzial besser zu nutzen, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen:

  • digitale Bildung – unsere Schüler müssen digital fit sein, Lehrerausbildung und Lehrpläne müssen daran angepasst sein; technische Ausstattung vieler Schulen und Hochschulen ist ausbaufähig (Digitalpakt); Bildungscloud
  • bürokratische Hürden – sind für viele Gründer ein Problem, Gründen muss leichter werden (One-Stop-Shop); Startups sollten in den ersten drei Jahren von Melde- und Informationspflichten entlastet werden, vereinfachte Einstellung von Mitarbeitern aus Nicht-EU-Ländern; digitale und kundenorientierte Verwaltung
  • Arbeit 4.0 – braucht flexibleres Arbeitsrecht: mobiles und ortsunabhängiges Arbeiten sollte unbürokratisch ermöglicht werden, gesetzliche Tages- und Wochenhöchstarbeitszeiten sind zu flexibilisieren; trotzdem Arbeitnehmerschutz („offline“-Zeiten)
  • Gründergeist – muss vorgelebt werden (von der Schule bis zum universitären Spin-Off); brauchen positive Einstellung zum Unternehmertum, Gründerzeit (ähnlich der Familienpflegezeit) umsetzen (Gründen aus der Beschäftigung heraus erleichtern); Mut zur zweiten Chance
  • Gründungs- und Wachstumsfinanzierung – ist vielfältig; KfW-Förderdarlehen, INVEST-Zuschüsse, Hightech-Gründerfonds, EXIST-Programme; aber in Wachstumsphase fehlt oftmals Venture Capital – Gesetz zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustrechnung bei Körperschaften vom 20.12.2016 (Erhalt der Verlustvorträge im Fall von Eigentümerwechseln) und Pläne des BMF, bei der KfW einen „Tech Growth Fund“ für Gründer (10 Mrd. Euro) einzurichten

 

Karin Maag (CDU): Besonders wichtig ist für viele Startups eine finanzielle Förderung. Eine Förderung durch eine Beteiligungsgesellschaft soll ab Anfang nächsten Jahres möglich sein. Wir werden die Bedingungen für das Wagniskapital weiter verbessern. Ebenfalls werden wir bis 2019 einen Masterplan erarbeiten, der umfassende Förderungen garantiert und unnötige Bürokratie verhindert. Gerade junge Unternehmen müssen sich auf ihr Unternehmen konzentrieren können und dürfen nicht von bürokratischen Arbeiten abgelenkt sein.

 

Judith Skudelny und Volker Weil (FDP): Ein Bildungswesen, das den Gründergeist stärkt

  • Flächendeckende Einführung eines Schulfachs „Wirtschaft“
  • Möglichkeit für Studierende, für Gründungen Urlaubssemester zu nehmen
  • Fächerübergreifendes Lehrangebot zum Thema Existenzgründung an Lehrstühlen anbieten

Bürokratieabbau um sich als Gründer „aufs Wesentliche“ konzentrieren zu können

  • Behördengänge reduzieren, sodass Gründung an einem einzigen Werktag und online möglich ist
  • Eine zentrale behördliche Anlaufstelle für Gründer schaffen („One-stop Shop“)

Steuerliche Entlastung um Investitionen finanzieren zu können

  • Steuerzahlung erst, wenn Umsätze oder Gewinne tatsächlich anfallen (Ist-Besteuerung), nicht bereits bei erwarteten Umsätzen oder Gewinnen (Soll-Besteuerung)
  • In den ersten drei Jahren nach Gründung Freibetrag bei Gewerbesteuer verdoppeln
  • Freibetrag für Kapitalgesellschaften dem für Personengesellschaften angleichen
  • Gründungen und Kleinstunternehmen von einem Zwang zu möglicher Mehrfach-Kammerzugehörigkeit befreien
  • Unternehmer im Nebenerwerb unterhalb eines Gewerbeertrages von 10.000 Euro jährlich (Grundfreibetrag) von Kammerbeiträgen entlasten

Unternehmensfinanzierung und Wagniskapital stärken

  • Einführung eines Venture-Capital-Gesetzes, das umfassend und ganzheitlich beste Bedingungen für Wagniskapital in Deutschland schafft
  • Abbau der Substanzbesteuerung – wie etwa bei den Hinzurechnungsvorschriften in der Gewerbesteuer
  • Ende der (steuerlichen) Diskriminierung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital,
  • Keine Einschränkungen bei Verlustvorträgen
  • Bilanzierbarkeit von Investitionen in eigene Intellectual Property
  • Pensionskassen, Versorgungskassen und Versicherungen in Deutschland Finanzierung von Startups nach dem Vorbild des „Zukunftsfonds Schweiz“ ermöglichen
  • Finanzierungsmodelle wie das Crowdfunding stärken
  • Vorschriften für diese Investitionen, beispielsweise bei Prospektpflicht oder Selbstauskunft, so anpassen, dass sie unkomplizierter und attraktiver werden, ohne den Investorenschutz zu vernachlässigen

Rechtliches Fundament für Sharing Economy schaffen anstatt Verbote

  • Schaffung eines zeitgemäßen Rechtsrahmens für traditionelle und neue Geschäftsmodelle wie die sogenannte Share Economy, insbesondere in der Personenbeförderung (inklusive Taximarkt) oder zur Nutzung von Wohnraum
  • Personenbeförderungsleistungen außerhalb einer Taxi-Konzessionsvergabe gestatten
  • Vermietung für private Vermieterinnen und Vermieter vereinfachen, die nicht hauptberuflich vermieten („Homesharing“ also die wiederholte kurzzeitige Vermietung der selber bewohnten Wohnung bei eigener Abwesenheit oder Teile davon bei eigener Anwesenheit)

 

Anna Christmann (Grüne): Für die Herausforderungen unserer Zeit benötigen wir vor allem kluge Köpfe mit mutigen Ideen. Wir Grüne sehen daher in einer neuen Gründerkultur ein besonderes Potential im Bereich der ökologischen und sozialen Innovationen, die unsere Gesellschaft dringend benötigt. Konkret wollen wir deshalb Gründer*innen mit einem zinslosen Gründerdarlehen von 25.000 Euro unterstützen, um ihre Ideen zu verwirklich. Gerade eine einfache Startunterstützung ist es, die oft fehlt, um eine Idee in die Praxis umzusetzen. Die kleinen Kreativen sind auch bei den wenigen Maßnahmen der Großen Koalition im Bereich Gründungen bisher hinten runtergefallen. Für einfachere Kapitalgewinnung schaffen wir bessere Bedingungen für Wagniskapital mit einem Venture Capital Gesetz und stärken Crowdfunding.

 

Michael Jantzer (SPD): Wir sehen drei Bereiche, die wir offensiv angehen müssen: die lokalen Bedingungen für Startup können verbessert werden. In Stuttgart setzen wir uns für den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur im Bereich der Wagenhallen im Rahmen des neuen Rosenstein ein.

Die Finanzierung von Startups sollte nur in Sonderfällen mit öffentlichem Geld erfolgen. Aber die öffentliche Hand kann durch die Vereinfachung von Abläufen dafür Sorgen, dass Finanzierungen erleichtert werden.

Das Thema Bürokratieabbau sprechen Sie weiter unten selbst an. Die Hürden zur Gründung eines Startups sind hoch – hier könnten wir uns erleichterte Einstiegsregelungen vorstellen.

Aber wir sind nicht nur im Wahlkampf: auch Startups müssen am Ende zeigen, dass sie in der Lage sind, Gewinne zu machen und sozialversicherungspflichtige Stellen zu schaffen. Hier streben wir eine Verbesserung der Beratungskultur an und möchten hier auch die Gewerkschaften ins Boot nehmen.

 

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Bundestagswahl 2017 – Startups im Fokus

 Am 24. September ist es soweit: Die nächste Bundestagswahl steht an. Wohin man derzeit geht, fährt oder läuft ist alles voller Wahlplakate und Wahlwerbung. Wir haben Adrian Thoma vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. gebeten hinsichtlich dem Thema Startups und Regierung einmal Stellung zu nehmen: was in den letzten Jahren erreicht wurde, woran gearbeitet werden muss und welche Wünsche er an die kommende Regierung hat.

 

Gastbeitrag von Adrian Thoma (BVDS).

Am 24. September ist Bundestagswahl in Deutschland und das Thema Digitalisierung ist politisch relevant wie nie zuvor. Startups spielen bei der Digitalisierung eine zentrale Rolle. Als Bundesverband Deutsche Startups e.V. verstehen wir uns als die politische Stimme der Startups in Deutschland.

In den vergangenen vier Jahren haben wir in dieser Rolle einige Meilensteine erfolgreich begleitet, unter anderem die Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen bei Anteilsübernahmen, die Steuervorteile bei Veräußerungsgewinnen von Streubesitz sowie die Schaffung des „Neuen Marktes 2.0“. Auch auf Landesebene erleben wir in Baden-Württemberg eine Wiederbelebung der Startup-Politik, kürzlich erst zu bewundern auf dem gut besuchten Startup Gipfel Baden-Württemberg . Es ist also viel Positives zu verzeichnen.

Einige Hürden gilt es aber noch zu überwinden. Der Umstand beispielsweise, dass die politischen Vorstöße bislang oftmals über Förder- und damit Steuergeld-Logik funktionieren, scheint wenig unternehmerisch. Besser wären eine intelligentere Regulierung, so dass beispielsweise auch große Kapitalsammelstellen wie Pensions-Fonds in Startups investieren dürfen.

Mehr Anreiz für private Investition anstatt staatliche (Über-) Förderung wäre grundsätzlich wünschenswert. In den nächsten Jahren werden die entscheidenden politischen Weichen gestellt bei Frage, ob Deutschland die viel zitierte Rückrunde der Digitalisierung gewinnen wird. Drei Anregungen, die gerade in Baden-Württemberg einen positiven Einfluss darauf nehmen könnten:

1. Gründerstipendium für alle

Das Exist Gründerstipendium ist ein exzellentes Förderinstrument für Akademiker, das in Baden-Württemberg durch das Programm Junge Innovatoren sogar verlängerbar ist. Jetzt muss der nächste Schritt folgen: ein Gründerstipendium für alle. Gerade in Baden-Württemberg, in dem Land mit den meisten B2B-Gründungen im Landesvergleich, müssen wir Menschen in beruflichen Kontexten die Gründung weiter vereinfachen, um diesen Standortvorteil auszubauen. Denn: Gründungsideen entstehen oftmals aus den vom Gründerteam persönlich erfahrenen Herausforderungen und unbefriedigten Kundenbedürfnissen. Wenn wir an die großen Themen wie Industrie 4.0 und Internet of Things denken, sollten wir daher vor allem die Gründer ins Rennen schicken, die entsprechende Erfahrungen und Problemstellungen aus der beruflichen Praxis mitbringen.

2. Ausländische Fachkräfte und Gründer willkommen heißen

Eine Studie aus den USA sagt, dass mehr als die Hälfte der Unicorns – also der Startups die mit mehr als einer Milliarde USD bewertet sind – einen Einwanderer im Gründerteam hatten. Dem gegenüber hat Baden-Württemberg die niedrigste Gründerquote was Nicht-Deutsche angeht. Hier ist also noch viel ungenutztes Potential vorhanden.  Wir fordern ein Zuwanderungsgesetz, das nicht nur die konsequente Umsetzung von Welcome-Centern, Englisch-Kenntnisse der Behörden und eine schlanke Bürokratie bei Gründungsvorhaben vorsieht, sondern vor allem einen Bewusstseinswandel erzeugt: als Bundesrepublik müssen wir uns aktiv einschalten und – um es in der Startup-Sprache zu beschreiben – eine Active Sourcing & Development Strategie zur Gewinnung der talentiertesten Köpfe im internationalen Staaten-Wettbewerb entwickeln und betreiben.

Gerade in Zeiten von Trump & Co ist Deutschland zunehmend attraktiv für Talente aus der ganzen Welt, die identifiziert, angesprochen, gewonnen und gehalten werden wollen.

3. Mehr Gründer/-innen braucht das Land

Die Gründerquote ist auf einem historischen Tief. Schuld“ daran ist die gute Konjunktur. Esbenötigt also einen starken Schub an unternehmerischer Initiative, angefangen in den Schulen, in denen Schülerfirmenprojekte Pflicht und eine zeitgemäße IT-Infrastruktur Standard sein sollten, bis hinein ins Studium, wo Entrepreneurship Education vor allem auch in MINT-Fächern verpflichtend angeboten und Professoren nicht nur über die Anzahl ihrer Veröffentlichungen und Doktoranden incentiviert werden sollten, sondern auch über die Anzahl der Ausgründungen, die sie begleiten.

Wer mehr über die Position des Verbandes erfahren will: mit der Deutschen Startup Agenda haben wir als Bundesverband einen umfassenden Maßnahmen Katalog entwickelt. Eine Bitte zu guter Letzt an alle Gründerinnen und Gründer: Nutzt eure Stimme – geht wählen!

Adrian Thoma, Seriengründer und Mitglied im Bundesvorstand des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V.

 

Adrian Thoma, ist Seriengründer, Business Angel und Startup Vertreter. 2008 gründete er seine erste Firma Simpleshow, die er 2013 mit knapp 80 Mitarbeitern auf 3 Kontinenten verkaufte. Seit 2016 ist Adrian Mitglied im Bundesvorstand des Bundesverbands Deutsche Startups e.V.

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. wurde im September 2012 in Berlin gegründet. Der Verein erläutert und vertritt die Interessen, Standpunkte und Belange von Startup-Unternehmen gegenüber Gesetzgebung, Verwaltung und Öffentlichkeit.