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Startup Laserhub agiert im B2B als virtueller Blechbearbeiter und als effizienter Ansprechpartner.

„Unser Ziel ist es, den Beschaffungsprozess in einem B2B Umfeld auf ein ähnliches Niveau zu bringen, wie es die Einkäufer im B2C erleben“, berichtet Adrian Raidt, Gründer von Laserhub und zitiert Zalando und Amazon als bekannte Beispiele dafür, wie bequem der Ablauf von Bestellung bis Lieferung funktionieren kann.

Diesen Komfort will das Startup auf den Blechbereich übertragen. Laserhub agiert dabei als Ansprechpartner für beide Seiten: die Unternehmen, die Blechteile herstellen und diejenigen, die sie kaufen. Daher auch der Name. Über die Drehscheibe, den Hub, wird das Blech- oder Metallteil entsprechend geordert, mit oder ohne Laser bearbeitet und dann an den Kunden ausgeliefert. Alles aus einer Hand. Was unmittelbar einleuchtend klingt, war „eine lange Reise“, sagen die drei Co-Founder einhellig über die Genese ihres innovativen Geschäftsmodells.

Simpel und Effizient für die Kunden

„Wir betreiben eine online Plattform, über die wir für Kunden in der Industrie kundenspezifische Metallteile beschaffen“, beschreibt Adrian die Funktionsweise von Laserhub, dessen Initiator er war. Nach neun Jahren in der Industrie, während derer er sehr tiefe Einblicke in die Blechbearbeitung und die damit befasste, stark fragmentierte Branche gewinnen konnte, „dachte ich viel über die Auslastung der Maschinen nach und darüber, wie man mit den stark schwankenden Auftragseingängen zurechtkommt.“ Dass diese teuren Hightech Maschinen nicht rund um die Uhr laufen, damit wollte er sich nicht zufrieden geben.

Gegründet hat Adrian das Startup Laserhub im Juli 2017 und war zunächst mit seiner Idee alleine im Co-Working Space Wizemann zugange. Das Alleinsein war von kurzer Dauer. Schon im Dezember 2017 und Januar 2018 stießen mit Christoph Rößner und Jonas Schweizer zwei neue Co-Founder hinzu. Das Trio war komplett. Auch sonst mangelt es nicht an Dynamik: „Vor drei Monaten sind wir mit 16 Mann dort wieder ausgezogen“ – in ein frei gewordenes Büro in der Eberhardstraße, mitten hinein in die City.

Gründertrio Laserhub

Gründertrio mit perfekter Kompetenzaufteilung

„Wir sind jetzt drei Co-Founder bei Laserhub. Das ist ideal, weil wir drei ganz unterschiedliche Kompetenzen in diese Firma einbringen“, lautet Adrians‘ Diagnose. Christoph und Jonas nicken.

Adrian schaut auf Laserhub aus der Perspektive eines Maschinenbauers „mit stark prozessualer Denke, also mit dem Fokus darauf, wie man die Prozesse verbessern kann.“ Christoph lernte er auf einem Kongress kennen. „Dabei haben wir festgestellt, dass wir beide ‚Blech sprechen‘“, lacht der und berichtet, dass er die Branche aus genau der anderen Richtung kennengelernt hat. „Ich hatte bei meinem damaligen Arbeitgeber einen Inkubator aufzubauen versucht und ihn Adrian vorgestellt“, erinnert er sich. „Davor war ich im Unternehmen meiner Familie tätig, als Zulieferer für den Maschinenbau. Wir haben Blech und Metall mit Maschinen verarbeitet. Dabei spürte ich genau diesen Schmerz in punkto Auslastung der Maschinen live, den Adrian beobachtete.“ Als „perfekter“ Dritter im Bunde stieß mit Jonas ein Software- Entwickler hinzu. „In der raren Kombination, dass er nicht nur entwickeln kann, sondern gleichzeitig das Gesamtthema Digitalisierung aus strategischer Sicht sehr gut kennengelernt hat“, lobt Adrian.

Für Jonas reifte während seiner Elternzeit der Entschluss, sich beruflich zu verändern. Eine Ausschreibung in seinem Alumni-Netzwerk für einen CTO faszinierte ihn. „Total angefixt hat mich, dass ich mein Wissen über Softwareentwicklung, und das Wissen über Digitalisierung aus meinem zweiten Job als Berater anwenden kann auf eine super Branche“, sagt er und fügt hinzu: „Es war sofort offensichtlich, dass mir das Spaß machen würde und gründungswillig war ich auch.“ Beste Voraussetzungen, sich auf Laserhub einzulassen. Bereut hat er es seit fast zwei Jahren kein einziges Mal. „Ich hatte davor nie etwas mit Blech zu tun. Nun geh ich durch die Welt und sehe nur noch Blech“, ergänzt er schmunzelnd.

Tausche Frust gegen Sorgen

Das Faszinierende an ihrem Startup sei der Speed, mit dem sie nicht nur ans Werk gehen, sondern auch umsetzen. „Im Konzern reden viele mit. Meist sind mehrere Lenkungskreise vorgeschaltet, die man mit seiner Idee durchlaufen muss, bis die mehrfach nachjustierte Idee nach sechs bis neun Monaten bei der Geschäftsleitung landet. Und dann kommt es stark auf die gerade hier herrschende Großwetterlage an.“

Also alles besser mit einem Startup, das Freiheit und Schnelligkeit verspricht? „Es ist mindestens ein Tauschgeschäft – nach dem Motto, tausche Frust gegen Sorgen.“ Letztere zum Beispiel, weil das Gehalt nicht einfach am Monatsende kommt und viel Energie und Frustrationstoleranz vor- und auszuhalten sind. Christoph dazu: „Mit Sorgen kann man umgehen, man kann sie steuern und abbauen. Frust dagegen muss man ertragen und das ist grauslich.“

Einfach nur machen

Mit Vollgas ging’s deshalb an den Aufbau von Laserhub – mit Erfolg. Sichtlich zufrieden erzählt Adrian: „Exakt drei Monate nach Gründung hatten wir die erste live Transaktion auf der neuen Laserhub Plattform.“ Ein funktionierendes Produkt und Transaktionen mit echten Kunden binnen drei Monaten – das gelinge nur, wenn man fokussiert arbeitet. Ein weiterer Treiber sei sicherlich auch ein gewisser finanzieller Druck, aber vor allem der, dass „man keine 100 Leute fragen muss, um etwas zu tun – sondern wenn man einfach nur machen kann.“

Förderlich ist aus Christophs Sicht auch, dass Laserhub keine lange Historie und Tradition mit sich herumschleppe. „Dadurch hat man die Möglichkeit und die Freiheit, mit einem nicht perfekten Produkt auf den Markt zu gehen und möglichst früh Market Feedback zu bekommen.“ Das sehen die drei Gründer als das wesentliche Erfolgsgeheimnis. Dann der Rat und die gleichzeitige Erkenntnis: „Das würde ich auch jedem Corporate raten.“

Vorteil Startup: Mit Verve, Effizienz und Schnelligkeit an den Markt

Allen Startups rät Christoph eindringlich, möglichst früh an den Markt zu gehen, auch wenn das Produkt sich noch nicht richtig gut anfühlt oder noch gar kein Produkt ist, also noch nicht mal ein Prototyp, sondern ein Pretotype.

Laserhub jedoch kam gleich mit einem Prototyp. Der Grund: „Bei uns war das wichtig, weil wir in einer sehr Corporate orientierten Umgebung unterwegs sind – als Berater hatte ich sehr viel mit großen Unternehmen zu tun; deshalb ist es mir sehr wichtig, diese Effektivität auf die Straße zu bringen“, erklärt Jonas. Gerade als Berater habe er festgestellt, „dass zu viel Geld den Jordan runterfließt, ohne eigentlichen Output zu generieren.“ Umso entscheidender war es für Laserhub, unter Beweis zu stellen, dass sie mit ihrem Startup „mit geringeren Mitteln etwas komplett neu aufbauen und das machen wir auch jeden Tag. Das macht einfach riesig viel Spaß.“

Schon jetzt macht Laserhub Umsätze in einstelliger Millionenhöhe mit mehr als 2.000 Kunden, für die das Startup bisher deutlich mehr als zwei Millionen Kilo Metallteile in die Welt verschickt hat. Um all das abwickeln zu können, ist die Zahl der Mitarbeiter zügig angestiegen, auf insgesamt rund 35. Das Fazit der Gründer: Wir sind auf gutem Weg.

Laserhub

Mit Risikokapital nachhaltig unterwegs

Und woher kommt das Kapital? „Wir sind risikokapitalinvestiert“, sagt Christoph. Laserhub investiert aktuell hauptsächlich in Menschen. „Mit diesen Menschen bauen wir möglichst schnell an unserem Geschäftsmodell weiter, um in der Industrie einen Fußabdruck zu hinterlassen und uns da vorwärts zu bewegen. Das heißt, mit diesem Geld von Investoren kaufen wir eine gewisse Schnelligkeit“, erklärt er. Das erklärt auch, dass Laserhub aktuell noch nicht profitabel ist. Denn wenn ein neuer Mitarbeiter kommt, ist er nicht sofort ein Umsatztreiber.

Die wirtschaftliche Abkühlung ist für Laserhub kein Problem. Im Gegenteil. „Wir spüren keinen Geschäftseinbruch, nicht zuletzt deshalb, weil wir de facto die vorher beschriebenen Ineffizienzen aus dem Markt nehmen“, erläutert Adrian. In solchen Zeiten beschäftigt sich die Industrie damit, wie sie effizienter werden kann, und gerade im Einkauf, so sagt man, liege das Geld. Entsprechend die Anstrengungen bei den Einkäufern, hier Geld einzusparen. Davon profitiert Laserhub, weil das Startup gerade hier Lösungen anbietet.

Ambitionierte Ziele realistisch angehen

Wie geht es weiter? Gibt es einen Fünf-Jahresplan. Ja, den gebe es. „Wir haben es mit einer sehr traditionellen Branche zu tun, die noch nicht digital ist. Unser Ziel ist es, diese Branche zu digitalisieren und letztlich an jeder Transaktion im Digitalbereich beteiligt zu sein“, so Christoph. Das könne über das heutige Geschäftsmodell funktionieren, doch es seien darüber hinaus viele andockende andere Geschäftsmodelle möglich, so dass, was auf den ersten Blick sehr groß klinge, wenn man es runterbreche, durchaus ein erreichbares Ziel sei.

„Unser Nahziel ist ganz einfach: Wir vervierfachen den Umsatz von diesem Jahr auf nächstes Jahr.“ Ja, das sei sehr ambitioniert, aber erreichbar und habe zur Folge, dass ein erfolgreiches Startup wie Laserhub weitere Investoren anlocken könne, mit deren Geld die drei Geschäftsführer wiederum in noch mehr gute Leute investieren können.

A propos Investoren. Folgende Tipps legen die drei Gründer potentiellen Gründungswilligen ans Herz: Wenn das Geschäftsmodell auf Venture Capital hinausläuft, müsse man sich im zweiten Schritt überlegen, welche Investoren am besten geeignet sind und auch zu den Gründern und deren Zielen passen. „Mit unseren Themen Code und Personal waren wir zwangsläufig im Thema Risikokapital drin. Dort die richtigen Investoren zu finden, war nicht einfach, wenngleich wir ein gutes Netzwerk in die Branche hatten“, betont Adrian. Weil man mit den Gesellschaftern regelmäßig zu tun hat, bestehe die hohe Kunst darin, die Investoren zu finden, „die über das Investment hinaus wirklich nachhaltig Wert bringen.“ Dazu müsse man mit den Leuten reden, sich auch trauen, eine Tür mal wieder zu schließen. Das braucht Zeit, Mut und Energie.

Die richtigen Kapitalgeber für sich gewinnen

Dann das positive eigene Fazit: „Wir sind super happy mit unseren Investoren. Aber das war ein Prozess von sechs bis neun Monaten, bis wir entschieden: Jetzt machen wir mit denen die Finanzierungsrunde.“ Wichtig sei daher, diesen Selektions- und Werbeprozess nicht zu unterschätzen. „Man sollte auch ein bisschen Spaß daran haben, sich mit klugen Leuten über das Geschäftsmodell und die Vision für das Geschäftsmodell zu auszutauschen.“

Seine Hausaufgaben hat das Gründertrio erfolgreich absolviert. Beim Standortthema Stuttgart schlagen zwei Herzen in der Brust von Adrian, Christoph und Jonas. Das Ökosystem in Stuttgart sei „super“, vor allem im B2B Bereich. „Tolle Kundenbasis, tolle Lieferantenbasis.“ Das Venture Capital allerdings sei anderswo besser ausgeprägt, auch die gesamte unterstützende Infrastruktur um Startups herum. Das Fazit: „Für uns ist Stuttgart der richtige Standort. Klare Nachteile: Stuttgart ist nicht bekannt und auch Baden-Württemberg nicht als Startup Hotspot. Es fehle ein gesunder Pool an Startups, „die auf einer gleichen Ebene oder sogar gerne darüber sind, so dass man sich gut austauschen kann.“

Inzwischen ist das Team sehr international. So könne man wachsen, was mit einem Blick nur auf den regionalen Markt ausgeschlossen sei. Zudem bringe das Mindset mit Leuten von außen, die schon viele Startups gesehen habe, Laserhub definitiv weiter. Mit solchen jungen Talenten gestärkt will Laserhub ein Leuchtturm werden, dessen Erfolge über Stuttgart hinaus nach außen strahlen. Dann das Versprechen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Text und Fotos: S.Roeder

Startup Koena tec spart Energie für Endnutzer und erhielt Anschubhilfe vom M.Tech 

„Energie einzusparen, ist uns eine Herzensangelegenheit“, sagt Manuel Armbruster. „Das hat letztendlich auch den Ausschlag gegeben, dass wir sagten: Wir wollen in diesem Bereich aktiv werden.“ Manuel ist einer der drei Gründer des Stuttgarter Startup Koena tec. Wie Pirmin Boch und Malcolm Yadack kommt er aus dem Energiebereich. Der Motivationsschub entsprang dem Gefühl der Drei, etwas bewegen zu wollen. Orientierungs- und Starthilfe gab es knapp zwölf Monate lang vom Stuttgarter Accelerator M.Tech

Den M.Tech gibt es seit gut zwei Jahren. In dieser Zeit hat das Team mehr als 50 Gründungsvorhaben bei ihrem Gründungsprozess begleitet. Das Gründungsdatum hat Projektleiter Moritz Stahl genau im Kopf: „Uns gibt es seit dem 14. Juli 2017. An diesem Tag übergab uns Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut auf dem ersten Startup-Gipfel in Stuttgart offiziell die Co-Finanzierungserklärung. Damit war das Programm quasi geboren.“ Das M im Namen steht für den Bereich Mobility und Manufacturing, erklärt der Berater.

Moritz und Manuel von Koena

Das Programm, ein Acceleratoren-Programm, richtet sich an in der Frühphase. Aber nicht an x-beliebige, sondern solche, die Mobilität, Manufacturing und Engineering zum Inhalt haben. „Unser USP ist, dass wir nicht den Ansprüchen eines großen Unternehmens genügen müssen, sondern die Gründer neutral begleiten können. Dabei wissen wir eine breite Anzahl von Partnerunternehmen in unseren Reihen, unser sogenanntes Mobility & Manufacturing Board und das kann Türen öffnen“, unterstreicht Moritz die Vorteile von M.Tech. Wie der Name nahelegt, beschleunigt ein Accelerator die Vorgänge, weil er manch eine Klippe zu umschiffen weiß und über ein großes aktives Netzwerk verfügt.

Netzwerken als A und O

Wie aber fanden Manuel, Pirmin, Malcolm von Koena tec und M.Tech zueinander? „Wir von bwcon, kurz fürBaden-Württemberg connected und einer von derzeit fünf Projektpartnern und Initiatoren des M.Tech und hat die inhaltliche Projektleitung. Die andern Partner sind die Landeshauptstadt Stuttgart, WirtschaftsförderungRegion Stuttgart, TTI GmbH und wizemann.space. Bwcon, wo ich angestellt bin, machen schon seit vielen Jahren Vorgründungs- und Gründungsberatung im Technologiebereich. So haben sich auch Manuels und meine Wege schon relativ früh gekreuzt, nämlich Anfang des Jahres 2016“, erinnert sich Moritz. Manuel hatte damals einen der EXIT Hightech Gründungsscheine des Landes Baden-Württemberg ergattert und kam so mit dem Innovationsdienstleister bwcon in Kontakt. „Als Netzwerk kennen wir natürlich viele Leute, Unternehmen und gute Technologie-Startups, die wir aktiv für das M.Tech Programm ansprechen.“ Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte sich das Gründertrio beim M.Tech über die Homepage bewerben können. „Jeder ist meines Erachtens selbst dafür zuständig, sich Programme oder Acceleratoren rauszusuchen, die zur eigenen Person passen“, meint Manuel. 

Die Wahl der drei ehemaligen Absolventen der Hochschule für Technik in Stuttgart fiel nicht auf das Wizemann Space, in dem M.Tech ansässig ist und dessen mietfreie Nutzung für drei Monate Teil der Unterstützung durch den Accelerator ist, sondern auf den Steyg als Aktionsplattform von Koena Tec. Das hat einen rein praktischen Grund: Das Pendeln zwischen den Büros an der Hochschule und den Coworking Spaces im Steyg war räumlich problemlos möglich. Inzwischen haben alle drei Energieexperten ihre Beschäftigungsverhältnisse an der Hochschule gekündigt, um sich ganz auf Koena Tec konzentrieren zu können. Das Programm beim M.Tech Accelerator haben sie abgeschlossen. „Wir sind im November 2018 eingetreten und jetzt beim letzten Mobility Board Meeting im September offiziell verabschiedet worden. Seit zweieinhalb Jahren sind wir mit dem Studium fertig, hatten aber alle für die Anfangsphase der Selbständigkeit noch einen Job nebenher. Jetzt heißt es: Volle Pulle für Koena“.

With a little Help from M.Tech Accelerator

M.Tech sitzt im Wizemann Space nicht zuletzt, weil es ein Partner im Accelerator-Konsortium ist und in diesem Co-Working Space die Veranstaltungen von M.Tech stattfinden und eben auch Gründer hier arbeiten können. „Im Wizemann zu arbeiten, ist ein Angebot von uns, es ist kein Muss-Kriterium“, erklärt Moritz und fügt hinzu, dieses Angebot rühre nicht zuletzt daher, dass der M.Tech Accelerator Gründungsvorhaben in einer frühen Phase unterstützt. Denn, so weiß der Projektleiter aus Erfahrung: „Manche liebäugeln mit dem Gründungsvorhaben, haben aber auch noch eine feste Anstellung. Das bedeutet: Sie haben gar nicht die Kapazität, Vollzeit an ihrer Gründung zu arbeiten. Denen soll aber auch die Möglichkeit gegeben werden, in einem neutralen Umfeld einen potenziellen Kunden oder Partner zu treffen.“ Im Übrigen sei es ein Grundcharakteristikum des M.Tech Programms, dass man an ihm auch quasi von auswärts teilnehmen könne. „Um an den entscheidenden Veranstaltungen teilzunehmen, muss man nicht dauerhaft vor Ort sein aus Sorge, etwas zu verpassen.“ 

Die Auswahl der Gründungsvorhaben, die M.Tech inhaltlich unterstützt, geht über eine klassische Anfrage seitens der Gründer. „Wenn die Förderlinie und Branchenfokus passen, dann erörtern wir in einem persönlichen Gespräch das beiderseitige Commitment. Also, ob wir einerseits die Anforderungen des Gründungsvorhabens erfüllen können. Wir sind da transparent, versprechen nichts, was wir nicht halten können“, betont Projektleiter Moritz. Genauso schaue man, ob es sinnvoll ist, das ausgelobte Gründungsvorhaben aufzunehmen. 

Generell sei zu beachten, dass sich in der Gründungsphase die Geschäftsmodelle oder Anwendungsfelder von Startups schnell ändern können. „Man muss ein bisschen über den Tellerrand blicken und abwägen, ob die Branche die richtige ist, oder ob das Startup nicht vielleicht zunächst in einem anderen oder nahen Anwendungsfeld schneller Fuß fassen kann. Aber das ist alles ein Prozess, den man im Programm erarbeiten kann“, unterstreicht Moritz mit Nachdruck die Vorteile des Accelerators mit angeschlossenem Mentoring. „Wir können Türen öffnen, durchgehen müssen die Gründer allein.“

Zielsetzung bei M.Tech

Was ist die Zielsetzung des M.Tech Accelerator? Zielgruppe sind Gründungsvorhaben aus dem Mobilitäts- und Produktionsbereich. „Das kann relativ breit gefasst sein, kann Hardware sein, kann Software sein, kann eine Mischform sein. Da sind wir recht flexibel“, beschreibt Moritz die Auswahlkriterien und ergänzt: „Uns geht es darum, den Fit mit den Partnerunternehmen herzustellen“ Logisch, denn je besser das Zusammenspiel mit den Partnerunternehmen, desto höher die potenziellen Synergien für alle Beteiligten. Wesentlich dabei ist, dass die Partnerunternehmen interessant sind für die Gründer, dass sie attraktive Mehrwerte liefern können, Anwendungsfelder liefern können, im Zweifel Kapital liefern können. Und dass die Gründer ihrerseits eine interessante Technologie für die Partnerunternehmen darstellen. Für den M.Tech Accelerator bedeutet dies, „mit unserem Programm Gründungsvorhaben in einer vorwettbewerblichen Phase idealerweise bis hin zur Marktreife hin zu entwickeln.“ Sei es, dass es zur ersten Pilotanwendung im Markt kommt, dass das Startup erste Aufträge erhält oder das erste Kapital akquiriert.

Finanziert wird der M.Tech Accelerator als einer der Startup BW Landesacceleratoren, deren Programm unter anderem vom Wirtschaftsministerium und Geldern des Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Aktuelles Thema: Stabilisieren des Stromnetzes

Was ist das Geschäftsmodell von Koena tec, das M.Tech unterstützt? „Unsere ganz große Vision ist, dass wir mit unserem System das Stromnetz stabilisieren“, sagt Manuel, der bei Koena den Part des Geschäftsführers innehat. Diese Vision steckt programmatisch im Namen des Startup. Denn koena steht hawaianisch für stabilisieren und balancieren. Warum hawaianisch? Ist einer der Gründer passionierter Surfer? „Nein. Auf der Suche nach einem Namen, fanden wir, dass der Name sich einfach gut anhört“, sagt er lachend.

Aus dem Anliegen, grundsätzlich Energie einsparen zu wollen, entstand die Idee, in diesem Bereich professionell aktiv zu werden. Die Idee zu Koena Tec entstand dann Schritt für Schritt. „So ist das meines Erachtens immer bei Ideen. Es war also nicht so, dass wir die Idee hatten: Wir sparen im Gastronomiebereich Energie ein und machen das genau so, wie das Produkt auf dem jetzigen Stand dasteht. Denn ich glaube, man hat nie das fertige Produkt“, erklärt Manuel den Entwicklungsprozess. Gerade deshalb sind Acceleratoren wie M.Tech so wichtig, weil sie mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Wären auch andere Acceleratoren in Frage gekommen? „Klar“, sagt Manuel. Schließlich recherchiere man, wo und wie man mit seiner Gründungsidee am besten weiterkommen könne. „M.Tech war immer schon auf dem Schirm, weil die gut zu uns passen. Aber ich glaube, man muss sich nicht auf einen beschränken. Wir haben auch noch mit ein paar anderen gesprochen. Wenn ein anderer auch gepasst hätte, dann wären es eben zwei gewesen.“ Tatsächlich komme vielleicht bald ein neuer Accelerator bei Koena Tec dazu. „Dazu“, das sagt er ganz bewusst. Man solle den Begriff Accelerator nicht auf die Vorgründungsthematik beschränken. Vom Netzwerk eines Accelerators könne Koena auch weiterhin profitieren. Moritz nickt zustimmend.

Oh-Je-Tage überstehen 

Schon mal überlegt, alles hinzuwerfen, weil der Druck zu groß, die Angst vor der eigenen Courage übermächtig wurden? Manuel schüttelt entschieden den Kopf. Wenn ein Startup eine Gründungsidee hat, dann wolle es das auch mit Commitment vorantreiben. Muss der Accelerator dennoch einen gewissen Erfolgsdruck ausüben? Wiederum Kopfschütteln. „Druck entsteht da von ganz allein“, weiß Moritz. „Jedes gute Startup geht ambitioniert vor. Da müssen wir nicht noch Druck schüren. Wenn wir der ausschlaggebende Hebel wären, dass etwas geschieht, dann würde die Geschäftsidee am Markt relativ schnell untergehen.“ 

Koena Tec sieht sich gut aufgestellt. „Auch im Team haben wir uns sehr gut entwickelt, haben unsere Aufgaben gut verteilt, stehen jetzt wo wir stehen und sind motiviert, weiterzumachen.“ Klar, Momente des Zauderns habe jeder, nach dem Motto: „Oh Gott, was habe ich mir da bloß angetan“? Das, so Manuels Überzeugung,  sei „grundsätzlich auch ein Moment, den man miterleben muss. Aber ich glaube, bei uns war es nie so, dass die Gefahr bestand, dass einer hinschmeißen würde.“ 

Region mit viel Potenzial – „Da kommt noch einiges“

Den Vorwurf, Deutschland kleckere mit Unterstützung finanzieller wie ideeller Art, wo Länder wie die USA, China oder Israel klotzen, will Manuel nicht teilen. Er könne keine Vergleiche mit Ländern wie Amerika anstellen, weil er es nicht selbst erlebt habe. Mit Sicherheit gebe es aber dort wie auch hierzulande Vor- und Nachteile. „Es ist immer leicht, sich zu beschweren. Ich will nicht jammern, das hat keinen Sinn. Zumal ich glaube, dass es uns hier in Stuttgart ganz gut geht. Da wächst etwas heran und da ist in den letzten Jahren auch schon viel passiert und ich glaube, da wird auch in den nächsten Jahren noch viel passieren.“ Kurzum: Koena Tec sieht sich in Stuttgart „in einer ganz guten Umgebung. Das ist wichtig.“

Hat Tipps für andere Gründungswillige parat? „Nun packe ich vermutlich wohl bekannte Phrasen aus. Trotzdem befolgen wir sie bei Koena: Nicht aufgeben! Immer dran bleiben! Einfach machen, wenn man eine Idee hat! Und immer schön fokussiert bleiben!“ 

Text und Foto: S.Roeder

Das nächste Gründergrillen #79 findet am 16. Oktober in der Schankstelle statt.

Wir freuen uns auf einen tollen Abend mit unserem Sponsor PKF WULF & Partner.

PKF WULF & PARTNER ist Euer Start-up Experte aus der Region mit überregionalen Kontakten, diese Mal beim Gründergrillen #79.

Sie unterstützen Euch bei

  • der Wahl der Rechtsform, Implementierung steuerlich optimaler Holdingstrukturen sowie der Gründung der Gesellschaften
  • der digitalen Übernahme der Finanzbuchführung und Gehaltsbuchführung
  • der Erstellung von Jahresabschlüssen und Steuererklärungen
  • anstehenden Finanzierungsrunden
  • Due Diligence Prüfungen

Der Branchenschwerpunkt liegt auf der ganzheitlichen Beratung von Start-ups. Näheres hierzu auf der Internetseite: https://www.pkf-stuttgart.de/Schwerpunkte/Branchen/Start-ups-10486

Kommt zum Gründergrillen #79 und informiert euch!

Unser kleines, aber feines Programm:

• 19:00Uhr: Gründergrillen beginnt
• 20:30 Uhr Der Speaker-Slot mit offenen Pitches: Startups stellen sich vor (normale Pitches, keine Anmeldung erforderlich)
• ca. 21:15 Uhr: Drinks n´ Chat

Wir freuen uns auf unseren Sponsor PKF und EUCH. Nutzt die Chance und stellt euch und euer Startup beim Gründergrillen #79 am 16.10 in der Schankstelle vor!

Euer Startup Stuttgart Team!

Hinweis:
Während der Veranstaltung werden Foto-/Film- und Tonaufnahmen erstellt, welche zum Zwecke der Veröffentlichung auf unserer Vereinswebseite www.startup-stuttgart.de und/oder unseren Social Media Kanälen verwendet werden. Mit der Teilnahme an der Veranstaltung erklärst Du dich mit der Veröffentlichung von Fotos/Videos einverstanden, auf denen auch Du abgebildet bist.

Das nächste Gründergrillen #78 findet am 24.September in der Schankstelle statt.

Wir freuen uns auf einen tollen Abend mit unserem Sponsor STARTUP AUTOBAHN.

STARTUP AUTOBAHN ist eine Innovationsplattform mit offenen Türen für Entrepreneure aus dem Mobilitätsbereich. Sie vermittelt zwischen Startups und Großkonzern und bringt damit spezifisches Tech-Know-how mit umfassender Automotive-Kompetenz zusammen. Ziel dabei: In 100 Tagen herausfinden, ob man für Kooperation oder Investment zusammen kommt.

Los geht es mit einem weltweiten Scouting aus mehr als 1000 Startups. In intensiven Arbeitsphasen mit unseren Fachexperten bewerten und filtern wir die Startups nach Themenclustern und qualifizieren ca. 30 zukunftsfähige Startups.

Jetzt wird’s spannend. Als potentieller Lieferant starten Startups zusammen mit der Daimler AG in 100 Tagen ein gemeinsames Pilotprojekt.

Den Abschluss krönt der finale Expo Day. Zwei Mal im Jahr stellen die Zukunftsträger ihre wegweisenden Pilotprojekte vor, rund um das umfassende Feld der Zukunft der Mobilität und der Produktion.

Kommt zum Gründergrillen #78 und informiert euch!

Unser kleines, aber feines Programm:

• 19:00Uhr: Gründergrillen beginnt
• 20:30 Uhr Der Speaker-Slot mit offenen Pitches: Startups stellen sich vor (normale Pitches, keine Anmeldung erforderlich)
• ca. 21:15 Uhr: Drinks n´ Chat

Wir freuen uns auf unseren Sponsor STARTUP AUTOBAHN und EUCH. Nutzt die Chance und stellt euch und euer Startup beim Gründergrillen #78 am 24.9 in der Schankstelle vor!

Euer Startup Stuttgart Team!

Hinweis:
Während der Veranstaltung werden Foto-/Film- und Tonaufnahmen erstellt, welche zum Zwecke der Veröffentlichung auf unserer Vereinswebseite www.startup-stuttgart.de und/oder unseren Social Media Kanälen verwendet werden. Mit der Teilnahme an der Veranstaltung erklärst Du dich mit der Veröffentlichung von Fotos/Videos einverstanden, auf denen auch Du abgebildet bist.

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Baden-Württemberg zu einem der führenden Startup Regionen Europas zu entwickeln. Frau Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst BaWü, und Frau Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau BaWü, haben dafür in ihren Ministerien diverse Aktivitäten gestartet.
Die Ministerinnen waren am Demo Day der Initiative Gründermotor vor Ort und wir haben das als Anlass genutzt, um mal nachzufragen wie das Zwischenfazit lautet.

Startup Stuttgart: Frau Ministerin Bauer, Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut im gemeinsamen Koalitionsvertrag haben sie in 2016 den Anspruch definiert „Wir werden Baden-Württemberg zur dynamischsten Gründerregion Europas machen.“ Woran werden sie am Ende der Legislaturperiode in 2021 entscheiden, ob die Regierung das Ziel erreicht hat und wie fällt ihr Zwischenfazit nach fast genau 3 Jahre nach Veröffentlichung des Koalitionsvertrags aus?

Hoffmeister-Kraut: Es hat sich in den letzten drei Jahren bereits vieles sehr positiv entwickelt. Mit der Landeskampagne „Start-up BW“ ist es uns gelungen, nahezu alle Partner und alle wesentlichen Angebote unter einem Dach zu bündeln und eine Community mit einem gemeinsamen Verständnis zu entwickeln. Diesen „neuen Spirit“ und die vielen neu eingeführten Instrumente tragen wir jetzt weiter in die Breite. Klar ist aber auch, dass hier große Kontinuität gefragt ist. Mit „Start-up BW@School“ bringen wir beispielsweise Gründerinnen und Gründer von Start-ups als Vorbilder mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Das begeistert Jugendliche für die berufliche Selbstständigkeit und fördert bereits heute das Unternehmertum von morgen. Solche Formate sind natürlich langfristig ausgerichtet.

Ministerin Hoffmeister-Kraut

Bauer: In den letzten Jahren haben zahlreiche Maßnahmen des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums erfolgreich dazu beigetragen, die Gründerszene in Baden-Württemberg neu zu beleben. Ich sehe einen großen Mehrwert im Förderprogramm „Gründungskultur in Studium und Lehre“. Mit diesem bundesweiten Programm unterstützen wir die Hochschulen dabei, Studierende möglichst früh für die unternehmerische Selbständigkeit zu begeistern. Im Landeshochschulgesetz gibt es jetzt die Möglichkeit für Hochschulen, Ausgründungsvorhaben ihrer Studierenden, Absolventinnen und Absolventen und ihrer Beschäftigten für bis zu drei Jahre innerhalb der Hochschule Raum zu geben. Junge Unternehmerinnen und Unternehmer werden damit gerade in der ersten Phase der Unternehmensentwicklung unterstützt.

Startup Stuttgart: Wenn sie auf BaWü im Vergleich zu den anderen Bundesländern schauen, wo sehen sie die Stärken, Schwächen ggü. den anderen Ländern? Womit wollen sie punkten, um die besten Gründer zu halten oder nach BaWü zu holen?

Hoffmeister-Kraut: Unser Gründungsgeschehen ist sehr vielschichtig und wesentlich stärker auf B2B konzentriert als im Silicon Valley, in China oder in Berlin. Bei uns sind Gründungen außerdem nachhaltiger und geographische recht gleichmäßig im Land verteilt. Wir sind mit unseren vielen „Hidden Champions“ im Mittelstand und großen Industrieunternehmen gut aufgestellt. Doch im digitalen Zeitalter sind es immer öfter junge und agile Start-ups, von denen disruptives Geschehen ausgeht. Bei der Weiterentwicklung des Gründerlands Baden-Württemberg setze ich deshalb auch auf die bessere Zusammenführung von Start-ups, Mittelstand und Corporates. Baden-Württemberg muss den nationalen und internationalen Wettbewerb noch offensiver annehmen und seine besonderen Stärken als Start-up-Standort für innovative und technologieorientierte Gründungsvorhaben besser vermarkten. Als „the Place 4B2B“ gelingt es uns zunehmend, auch auf internationalen Messen und Start-up-Festivals wie Slush oder South by Southwest zu punkten.

Bauer: Einmalig in ganz Baden-Württemberg ist, dass bodenständige Großkonzerne mit internationaler Ausrichtung mit Technologiebegeisterten, kreativen Gründerinnen und Gründern zusammentreffen. Die großen Unternehmen haben das Potenzial der „Start-up-Generation“ verstanden. Und durch die räumliche Nähe entsteht auch ein ganz eigenes Innovationsgefüge.

Grundlage dessen ist – und das ist aus meiner Sicht der wohl nachhaltigste Wettbewerbsvorteil –, dass Forschung und Innovation in Baden-Württemberg sowohl in der Spitze als auch in der Breite wettbewerbsfähig aufgestellt sind. Die dezentrale Hochschul-, Forschungs- und Innovationslandschaft stellt sicher, dass es in allen Regionen Hochschulen (Universitäten aber auch Hochschulen) mit breiter fachlicher Ausrichtung gibt, die als regionale Innovations- und Gründungszentren wirken können.

Startup Stuttgart: Das Feedback aus der Startup Community ist trotz vieler angestoßener Aktivitäten der Landesregierung eher zurückhaltend. Ist das aus ihrer Sicht nur ein „Kommunikationsproblem“ oder gibt es auch Anlass zur Selbstkritik?

Ministerin Bauer

Bauer: Es besteht kein Anlass zur Selbstkritik, aber wir wissen, dass mehr erfolgreiche Gründungen nach wie vor nötig sind. Wir versuchen immer, unsere Maßnahmen noch besser auf die Bedürfnisse der Gründerinnen und Gründer abzustimmen. Dafür dienen auch regelmäßige Workshops, wo sich Hochschulen mit Start-ups austauschen. Erfolgreiches Beispiel ist das Förderprogramm „Junge Innovatoren“ des Wissenschaftsministeriums und Wirtschaftsministeriums, in dem mehr als 260 innovative Gründungsideen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert werden konnten. Es hat die Bedürfnisse der Start-ups gedeckt und war darüber hinaus Vorbild für das EXIST-Gründungsstipendium.

Hoffmeister-Kraut: Über 5.000 Teilnehmende beim „Start-up BW Summit 2019“ sind für mich kein zurückhaltendes Feedback. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass an vielen Orten eine neue Aufbruchsstimmung entstanden ist. Gründungskultur kann aber nicht isoliert als Aufgabe der Politik betrachtet werden. Auch Unternehmen, private Investoren, die Kommunen, Kammern und Verbände, letztlich alle Beteiligten müssen ein anderes Verständnis von Risiko und Start-up-Unterstützung entwickeln, wenn wir die Gründungsdynamik spürbar erhöhen wollen. Solch ein Kulturwandel vollzieht sich nicht von heute auf morgen. Dafür setzten wir zum Beispiel mit Start-up BW Pre-Seed und unserem Start-up BW Summit starke, durchaus auch international beachtete Impulse, für die wir sehr viele positive Rückmeldungen aus der Start-up Community erhalten.

Startup Stuttgart: Frau Bauer, in anderen Ländern (z.B. USA, Israel) sind Hochschulen die wichtigste Keimzelle für Startups. Wir, wie andere auch, sehen hier einen großen Nachholbedarf in BaWü Studenten für das Gründen zu begeistern und auch dabei zu unterstützen. Gibt es hier Ideen wie Sie das nicht nur über Programme an Hochschulen fördern, sondern auch gezielt einfordern können?

Bauer: Kreativität kann man nicht diktieren und Risikobereitschaft nicht verordnen, aber beides kann mit Angeboten an den Hochschulen gefördert werden. Mit dem Programm „Gründungskultur in Studium und Lehre“ werden die Hochschulen ermutigt, das Gründungsthema früh im Studium zur Sprache zu bringen und auch curricular einzubinden. Das Programm läuft sehr gut. Einige Hochschulen erreichen mittlerweile alle Studierenden schon im ersten Semester. Wir haben daher die Förderung der laufenden Projekte über das Jahr 2019 hinaus verlängert und unterstützen nunmehr insgesamt 23 Hochschulen.

Startup Stuttgart: Wir bekommen viele Anfragen um z.B. Investoren mit Gründern zu vernetzen. Leider gibt es heute keine Übersicht von Startups die aus Hochschulen heraus gegründet wurden, könnte man nicht so eine Liste mit allen Startups veröffentlichen?  

Bauer: Wir arbeiten gemeinsam daran, die Hochschulen und deren Startups im Rahmen der Landeskampagne Start-up BW sichtbarer zu machen. Dennoch: Nur eine Liste im Internet kommt der Dynamik bei den Ausgründungen nicht entgegen. Gerade in der frühen Phase einer Gründung steht sehr viel auf dem Spiel.

Eine Datenbank ist eher ein ergänzendes Instrument. Wichtiger ist es, Investoren und Gründerinnen und Gründer besser zu vernetzen. Beispiel ist der Wettbewerb Start-up BW ASAP, der im letzten Wintersemester erstmalig erfolgreich durchgeführt wurde. Insgesamt 61 Gründerteams aus 22 Hochschulen haben sich beteiligt.

Mit solchen Programmen oder Formaten gelingt es, den spannendsten Gründungsprojekten aller baden-württembergischen Hochschulen landesweite Sichtbarkeit und damit Zugang zu Investoren und Partnern zu bieten. 

Startup Stuttgart: Im Großraum Stuttgart gibt eine Vielzahl von Hochschulen, was spricht dagegen ein gut ausgestattetes Gründungszentrum über alle Hochschulen zu etablieren und damit auch die Vernetzung (auch zwischen den Studenten) zu verbessern, anstatt an jeder Hochschule eigene kleine „Insel-Zentrum“ zu betreiben?

Bauer: Wir brauchen beides: Leuchttürme und Lagerfeuer. Der Einstieg in das Gründungsthema muss so einfach wie möglich sein. Studierende benötigen auf direktem Wege Ansprechpartner, die auch auf kleineren Veranstaltungen da sind. Es gibt schöne Ansätze mit Makerspaces und Containern mit räumlicher Präsenz in unmittelbarer Nähe zur Cafeteria, wo sich die Studierenden zwischendurch aufhalten. Das sind die Lagerfeuer.

Gleichzeitig denke ich, dass Stuttgart ein echter Leuchtturm guttut. Erst letztes Jahr war ich in Paris zu Besuch beim weltweit größten Startup-Campus „Station F“. Ein solches, international sichtbares Gründerzentrum ist ein Magnet, auch für internationale Gründer und Investoren.

Für einen solchen Leuchtturm braucht es ein nachhaltiges Konzept, das auch die vorhandenen Gründungskapazitäten vor Ort berücksichtigt. Mit der Startup Autobahn in der ARENA 2036, dem Innovationscampus „Cyber Valley“, den Gründungs- und Beratungsstrukturen an den Hochschulen aber auch den diversen Inkubatoren, Accleratoren und Co-Working-Spaces wie z.B. dem Code_n Spaces oder dem Wizemann Areal bieten sich in Stuttgart zahlreiche und vielfältige Anknüpfungspunkte.

Ich sehe allerdings auch die Privatwirtschaft in der Pflicht. In großen internationalen Start-up Zentren arbeiten Politik und Wirtschaft Hand in Hand. Es bedarf gemeinsamer Finanzierungskonzepte und eines abgestimmten Vorgehens.   

Startup Stuttgart: Frau Hoffmeister-Kraut mit Startup BW haben Sie vor rund 2 Jahren eine Dachmarke für Startup Aktivitäten BaWü geschaffen und der Startup Summit wurde bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ausgetragen. Sind Sie mit den Ergebnissen bisher zufrieden?

Hoffmeister-Kraut: Auf jeden Fall, das Konzept unserer neuen Landeskampagne beinhaltet eine ganze Reihe von neuen Instrumenten, beispielsweise unsere Start-up Acceleratoren, unsere neue Frühphasenfinanzierung „Start-up BW Pre-Seed“ oder „Start-up BW Local“. Unser Wettbewerb für „Gründungsfreundliche Kommunen“ ist in dieser Form europaweit einzigartig. Bewährte Angebote, zum Beispiel die Innovations- und die Beratungsgutscheine, haben wir in das neue Konzept zur Gründungsförderung integriert. Besonders erfolgreich war unser 2. Start-up BW Summit mit über 350 Start-ups aus Baden-Württemberg und vielen internationalen Gästen. Und ich kann Sie schon heute zu unserem nächsten Start-up BW Summit im Juli 2020 einladen. Der wird, so viel kann ich schon verraten, noch internationaler ausgerichtet sein.

Startup Stuttgart: Sie haben sich auf ihren Delegationsreisen in Israel, China, Baltikum, USA auch immer mit dem Thema Startup auseinandergesetzt. Was haben Sie dort gesehen, wo einerseits die Politik in D/BaWü bessere Rahmenbedingungen setzen sollte und wo sehen Sie auch Eigenverantwortung bei der Community? 

Hoffmeister-Kraut: Es ist beindruckend, welche Dimension und konsequente Geisteshaltung bei der Umsetzung des Innovationstransfers durch Start-ups gerade in Israel oder im Silicon Valley herrscht. Bei „Start-up BW Pre-Seed“ hat uns ein israelisches Programm sehr inspiriert. Ich bin überzeigt, dass wir uns an den besten und erfolgreichsten Start-up-Ökosystemen orientieren und mit diesen kooperieren sollten, um auf internationales Top-Niveau zu kommen. Dass Israel beim Summit unser Partnerland und mit 20 Start-ups in Stuttgart vertreten war, ist ein sehr guter Schritt. Und auch wenn die Landesregierung vieles unternimmt und wichtige Impulse setzt – erfolgreich sind wir nur gemeinsam. Ein zentrales Element von „Start-up BW“ ist eine noch bessere Vernetzung und Unterstützung der Akteure aus den Start-Up-Ökosystemen in Baden-Württemberg und der enge Austausch mit der Start-up Community. Das setzt voraus, dass sich auch vor Ort Menschen dafür begeistern und einsetzen. An dieser Stelle daher mein ausdrücklicher Dank an alle, die sich ehrenamtlich beim Start-up-Stuttgart e. V. engagieren.

Bauer: Ich habe bis heute zahlreiche Start-up Hot-Spots besucht und habe mich mit den dortigen Akteuren unterhalten. Eine „one-size fits all“ Formel gibt es nicht. Jedes Ökosystem hat sich aus den spezifischen Rahmenbedingungen entwickelt und vermeintliche Nachteile zu ihrem Vorteil genutzt. Was aber alle vereint, ist der grundsätzliche Glaube daran, dass „the next big thing“ direkt hinter der nächsten Ecke liegt. Das Vertrauen darauf, dass aus jeder Idee ein erfolgreiches Unternehmen werden kann, erzeugt ein ganz eigenes, offenes Gründungsklima.

Was mir gerade in den USA aufgefallen ist: Unternehmerinnen und Unternehmer denken sehr frühzeitig an den internationalen Markt, z.B. in Asien. Auch wenn es in Baden-Württemberg aufgrund seiner starken KMU-Ausprägung zahlreiche potentielle Kunden gibt, sollten auch junge Gründer frühzeitig global denken. 

Startup Stuttgart: Die Geschäftsmodelle von Startups hängen nicht immer mit der Digitalisierung zusammen, aber natürlich bietet die Digitalisierung große Chancen die wir auch im Ländle nutzen sollten. Gleichzeitig herrscht bei uns in vielen Bereichen eher Schneckentempo. Als Wirtschaftsministerin sind Sie ja auch daran interessiert gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Wann kann man denn endlich mal im ICE oder im Auto von Stuttgart nach Laiz ohne Funkabbruch telefonieren und surfen?

Hoffmeister-Kraut: Für das Hightech-Land Baden-Württemberg ist eine möglichst flächendeckende Mobilfunkversorgung von zentraler Bedeutung. Es ist die Aufgabe der Telekommunikationsunternehmen, für eine angemessene und ausreichende Mobilfunkabdeckung zu sorgen. Ein vollständiger Lückenschluss im Mobilfunknetz wird dennoch wohl nur mit Unterstützung der öffentlichen Hand möglich. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass sie bis zum Sommer 2019 eine Gesamtstrategie für einen möglichst flächendeckenden Mobilfunk vorlegen wird. Aber mir ist in noch ein anderer Aspekt sehr wichtig: Das Mobilfunknetz kann nur dann den erforderlichen Standard erreichen, wenn in der Bevölkerung auch die Akzeptanz für zusätzliche Mobilfunkmasten vorhanden ist. Wer ein leistungsfähiges Mobilfunknetz möchte, muss grundsätzlich auch bereit sein, einen Sendemast vor der eigenen Tür zu akzeptieren. Ansonsten werden wir keine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Baden-Württemberg hinbekommen.

Startup Stuttgart: Der Anlass des Gesprächs heute ist die Initiative Gründermotor in Stuttgart. Was erhoffen sie sich von der Initiative?

Gewinner Jury Preis mit Helmut Schelling (Vector), Ministerin Bauer und Hoffmeister-Kraut

Bauer: Die Gründermotor-Initiative kann dazu beitragen, die Hochschulen im Bereich der Gründungsunterstützung noch besser miteinander zu vernetzen und gleichzeitig vielversprechenden Gründungsvorhaben bis zum erfolgreichen Markteintritt zu unterstützen. Sie kann auch dazu beitragen, dass ein „Gründungsmiteinander“ entsteht.

Hoffmeister-Kraut: Der Technologietransfer durch Ausgründungen von Start-ups aus Universitäten und Hochschulen spielt eine wichtige Rolle. Hier stehen Frau Bauer und ich in einem engen Austausch. Wichtig ist, die Förderangebote auf dem Campus in eine ganzheitliche Konzeption der baden-württembergischen Gründungsförderung einzubetten. Gerade an diesen Schnittstellen kann die Initiative Gründermotor in Stuttgart einen positiven Beitrag leisten.

Startup Stuttgart: Worauf werden sie heute beim Demo Day genau schauen, bzw. was interessiert sie heute besonders?

Hoffmeister-Kraut: Ich bin ich sehr gespannt auf die Gespräche mit den anwesenden Start-ups, auf ihre Geschäftsmodelle und darauf zu erfahren, wie sie mit ihren Ideen den zukünftigen Herausforderungen begegnen wollen.

Bauer: Ganz besonders freue ich mich auf die kreativen Gründungsideen. Ich bin gespannt, welche Lösungen die jungen Studierenden für die Probleme und Herausforderungen der Zukunft entwickelt haben. Ich will auch mit den Gründerinnen und Gründern und mit den Investoren ins Gespräch kommen.

Startup Stuttgart: Was genau ist ihre Rolle bei Gründermotor?

Bauer: Gemeinsam mit meiner Kollegin, Frau Dr. Hoffmeister-Kraut, begleite ich die Entwicklung und Umsetzung der Gründermotor-Initiative von Anfang an. Da wir vom Mehrwert der Initiative überzeugt sind, haben wir uns bereit erklärt, die Schirmherrschaft für den DemoDay der ersten Meisterklasse zu übernehmen. Und wir unterstützen Herrn Dr. Schelling und Herrn Thoma bei der Weiterentwicklung der Initiative.   

Hoffmeister-Kraut: Ganz genau, das machen wir natürlich sehr gerne, denn diese Initiative setzt einen wichtigen Impuls zur Stärkung der Gründungsaktivitäten an den Hochschulen der Region Stuttgart. Sie trägt dazu bei, dass wir mit vereinter Kraft die Gründungskultur vorantreiben.

Startup Stuttgart: Soll das ein Modell für ganz BaWü werden?

Bauer: Ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, dass in die Gründermotor-Initiative weitere Hochschulpartner auch außerhalb des Großraums Stuttgart aufgenommen werden. In der Flexibilität der Initiative sehe ich hier einen großen Vorteil.   

Startup Stuttgart: Jeden Monat betreiben wir das Gründergrillen in Stuttgart und erreichen so pro Jahr bis zu 1000 Gründer und Gründungsinteressierte. Wir würden uns freuen sie mal vor Ort zu begrüßen.

Hoffmeister-Kraut: Ich nutze solche Gelegenheiten gerne und bewusst im ganzen Land, um mit Gründerinnen und Gründern möglichst häufig ins Gespräch zu kommen. Ich freue mich über die Einladung und bin gerne am 8. Juli dabei, wenn auch das Landesfinale unseres Start-up BW Elevator Pitch stattfindet.

Startup Stuttgart: Wir freuen uns darauf. Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Andreas Dalferth

Drei Minuten pitchen und fünf Minuten Fragerunde durch die Jury an das jeweils pitchende Team. Das war das Hauptprogramm des halbtägigen Demo Day zum Abschluss der ersten Gründermotor Meisterklasse am 19. Juni. Davor gab es Zuspruch und Gratulation aus Ministerinnenmund für das neue Modell, das als Bindeglied zwischen Hochschulen und Wirtschaft fungieren soll. Sowohl Theresia […]