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Beinahe 9 Jahre ist es nun her, dass Harald Amelung die Initiative ergriffen und Coworking 0711, den ersten Coworking Space in Stuttgart, eröffnet hat. Auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis können Gründer die Arbeitsplätze und Infrastruktur die Coworking 0711 bietet nutzen – und das Konzept ist gefragt: Seit Januar 2017 gibt es einen weiteren Standort in Stuttgart, einer  in Esslingen ist in Planung. wir haben uns mit Harald unterhalten, über seine Pläne, die Bedingungen und seine Motivation hinter allem.

 

StaStu: Hallo Harald, danke für deine Zeit und das Interview, kannst du uns zu Beginn erst einmal erzählen wer du bist und was du machst?

Harald: Ich bin Gründer von Coworking0711, dem ersten Coworking Space in Stuttgart. Als freier Web-Entwickler wollte ich nicht mehr alleine im Home-Office arbeiten und weil es in Stuttgart noch keinen Coworking Space gab, habe ich die Initiative zur Gründung ergriffen. Das ist nun fast 9 Jahre her. Im Jahr 2010 startete Coworking0711 offiziell. Inzwischen sind wir seit fast sechs Jahren in Stuttgart-West in der Gutenbergstraße. Hier gibt es 350qm Platz, es gibt Meeting-Räume, feste und flexible Schreibtische, Einzel- und Gruppentische sowie kleine Büros.
Seit Januar 2017 ist ein weiterer Standort in Herrenberg, ca. 30km südwestlich von Stuttgart hinzugekommen. Der nächste Standort wird zur Zeit zusammen mit der Firmengruppe Metzger + Co. in Esslingen geplant und soll demnächst eröffnen.

Harald Amelung Gründer von Coworking 0711

StaStu: Was ist die Idee hinter Coworking und was kostet es?

Harald: Im Coworking Space arbeiten Selbstständige, Freiberufler, Kreative, Wissensarbeiter und Unternehmensgründer unabhängig voneinander zusammen. Auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis werden Arbeitsplatz und die Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Das Konzept geht aber über die Vermietung von Arbeitsplätzen hinaus.
Beim Coworking geht es um zwischenmenschlichen Austausch, um Gemeinschaften, die Werte und auch Güter teilen, um Offenheit, Kollaboration, Gründer- und Startup-Kultur. Coworking Spaces stehen für neue Modelle und Erwartungen geschäftlicher und gesellschaftlicher Gemeinschaft. Die Einflüsse reichen weit über die Grenzen des Coworking Space hinaus und erreichen Stadtteile, verschiedenste Gesellschaftsschichten und Zielgruppen. Weltweit betrachten öffentliche Institutionen als auch Unternehmen Coworking als Inspirationsquelle für neue Modelle von Arbeit und Kollaboration.

Eine Mitgliedschaft bei Coworking0711 ist schon ab 30 EUR pro Monat möglich. Ein fester Arbeitsplatz für einen ganzen Monat kostet 270 EUR. Ohne Mitgliedschaft kann man für 19 EUR ein Tagesticket nutzen.

 

StaStu: Für wen ist es das Richtige oder wichtiger, gibt es Leute, denen du es nicht empfehlen würdest?

Harald: In unseren Spaces gibt es eine gute Mischung vieler verschiedener Berufe. Viele ITler sind dabei, aber auch Journalisten, Texter, Autoren, Übersetzer, Ingenieure, Trainer,  Grafikdesigner. Wir sind grundsätzlich offen für jeden, der sich hier wohlfühlt und hier seine richtige Arbeitsumgebung findet. Eine Einschränkung müssen wir höchstens bei Tätigkeiten machen, wo viel telefoniert werden muss oder wo besondere Anforderungen an Diskretion und Vertraulichkeit gestellt werden.

Coworking-Space Stuttgart

StaStu: Wie lange bleibt jemand in deinen Räumlichkeiten, ist das meistens eine “Übergangslösung”?

Harald: Manche Mitglieder bleiben nur für ein paar Monate. Andere sind seit Beginn an dabei. Bei uns ist immer Bewegung. Und das ist auch gut so. Neue Leute bringen neue Impulse. Für manche ist Coworking eine Übergangslösung, für andere ist es genau die Arbeitsumgebung nach der sie gesucht und die sie gefunden haben.

 

StaStu: Warum nach Stuttgart jetzt Herrenberg und Esslingen. Sind noch weitere Locations geplant?

Harald: Das hat sich zufällig ergeben. Eine Initiative aus der Stadt ist auf mich zugekommen und hat vorgeschlagen, in ihren Räumen einen Coworking Space zu eröffnen. Bei der Stadt stieß das auf offene Ohren und via einer Crowdfunding-Kampagne wurde bereits im Vorfeld der Eröffnung eine Anschubfinanzierung ermöglicht. Mich persönlich hat es gereizt auszuprobieren, ob Coworking auch in der Kleinstadt möglich ist. Und nach jetzt etwas mehr als einem Jahr kann ich ein positives Fazit ziehen. Es hat sich gut entwickelt und wir haben auch in Herrenberg eine
feine Community.

In Esslingen planen wir gemeinsam mit der Firmengruppe Metzger + Co. in deren altem Hauptsitz die Eröffnung eines Coworking Space, um die lokale Gründer und Startup-Szene, die doch etwas im Schatten der Landeshauptstadt steht, zu fördern und zu entwickeln.

Grundsätzlich halte ich Coworking Spaces aber auch für ein Instrument, was auch für Angestellte eine interessante Alternative zum Home Office und zum nervigen Berufs-Pendeln darstellt. Statt statt durch die halbe Stadt oder aus dem Umland in die Stadt hinein zu pendeln, kann man stattdessen in den nächsten Coworking Space gehen, der idealerweise nur ein paar Minuten mit dem Rad von der Wohnung entfernt liegt. Dort gibt es dann Möglichkeiten zur Vernetzung, kreativen und andersartigen Input, der die eigene Arbeit positiv beeinflussen kann. Daher bin ich durchaus offen für weitere Standorte hier in der Region Stuttgart.

StaStu: Gibt es einen Benefit für Startup Stuttgart Mitglieder? :)

Harald: Mitgliedern des Startup Stuttgart e.V. gewähren wir 10% Rabatt auf alle Tarife von Coworking0711.

 

StaStu: Du bist ja auch schon seit einigen Jahren im lokalen Startup Umfeld unterwegs. Nimmst du Veränderungen im letzten Jahr war?

Harald: Ja, ich bin ja Mitgründer der Initiative Startup Stuttgart und des Vereins. Wir sind damals angetreten, weil wir den Interessen und Wünschen der Startup Szene mehr Gehör verschaffen wollten. Und ich glaube das ist gelungen. Inzwischen wird die Stuttgarter Szene deutlich besser wahrgenommen und hat sich professionalisiert. Die Politik hat sich das Thema Startup- und Gründungsförderung auf die Fahnen geschrieben und auch die etablierte Wirtschaft sucht immer mehr den Austausch und die Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen. Aber jetzt gibt es keinen Grund sich auszuruhen, sondern gemeinsam sollten alle daran weiterarbeiten, dass sich eine solide Gründerkultur hier in der Region entwickelt.

 

Vielen Dank Harald für den Einblick in Coworking 0711 !

Jeder der sich angesprochen fühlt – sei es weil er sich im Home Office ebenfalls einsam fühlt, oder man noch Räumlichkeiten für das Startup sucht – schaut doch mal bei Coworking 0711 vorbei :)

Wenn man an Stuttgart denkt, stellt man nicht unbedingt direkt die Beziehung zu einem Standort für Künstler und Kreative her. In und um die Landeshauptstadt jedoch wächst die Kreativszene seit Jahren beständig, obwohl sie durch die übereilte Schließung des alten H7-Gebäudes an der Heilbronner Straße Ende 2011 einen wichtigen zentralen Anlaufpunkt verloren hat. Seitdem haben sich viele Kreative Alternativen in über die Stadt verteilten kleinen Büros, Ateliers oder Wohnungen gesucht. Zumindest im Stuttgarter Osten entwickelt sich mittlerweile wieder eine konzentrierte Gemeinschaft, die Stuttgart nicht nur als Stadt der Ingenieure und Autobauer zeigt.

Da ich im letzten Jahr viel auf Kunsthandwerksmärkten unterwegs war, sind mir ein paar Labels aufgefallen, über die ich an dieser Stelle etwas genauer berichten möchte. Diese sind zwar keine Startups im engeren Sinne, aber natürlich dennoch Gründer mit spannenden Geschäftsideen. Die folgende Vorstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gibt natürlich noch unzählige weitere Marken und Künstler aus Stuttgart und Umgebung. Gerade der Musik-, Fotografie- und Grafik-Bereich ist super lebendig.

Paula Popp

Da ist zum Beispiel das Mode-Label Paula Popp von Sabine und Heiko Heimberger aus (mittlerweile wieder) Nürtingen. Kennengelernt habe ich die Mode mit flippigen Designs schon 2010, damals noch im Mini-Atelier im H7. Paula Popp bringt mehrmals pro Jahr eine neue Kollektion für Frauen und Männer raus, immer unter einem neuen und frischen Motto – aktuell popphisticated – und lässt sich auch für die regelmäßig stattfindenden Modenschauen tolle Ideen einfallen.

neckarliebe

Auf Neckarliebe bin ich letzten Dezember aufmerksam geworden: Die junge GbR ist ein Zusammenschluss von Kreativen, die vor allem Wohnaccessoires made in Stuttgart mit viel Liebe anbieten. Derzeit gibt es mehrere Schlüsselanhänger mit alten Modellautos und Zündkerzen, Schalen und Vasen aus Beton sowie eine Bilder-Serie vom Stuttgarter Frühlingsfest. Da alle Beteiligten Neckarliebe nebenberuflich betreiben erklärt die bisher noch überschaubare Produktpalette.

Banner-Store 0711

Die 0711er Reihe ist sicherlich schon einigen ein Begriff. Für den eingefleischten Stuttgart-Fan, der seinen Stolz auch auf der Haut tragen möchte, ist da einiges dabei: 0711 bietet vor allem T-Shirts und Pullovern in verschiedenster Optik inklusive dem beliebten Fernsehturm-Motiv, kann aber auch mit schönen Accessoires wie dem “Mini-Stuttgart“ in der Streichholzschachtel, Tassen, Christbaumkugeln und sogar einem Stuttgart Memorie aufwarten. Außerdem gibt es für Unternehmen auch die Möglichkeit, spezielles 0711 Merchandise zu bestellen.

kristalfamily

Kristal Family aus dem beschaulichen Perouse bei Rutesheim nördlich von Stuttgart hingegen bietet funkige T-Shirts und Pullover sowie Taschen und Seesäcke im schön eigenwilligen, aber dennoch geradlinigen Streetwear-Design. Das kleine Label unterstützt außerdem die Oh Hi! Crew, ein 2009 gegründetes Künstler-Kollektiv aus Stuttgart.

taschentypen_logo

Zum Abschluss noch ein Ausflug in die Welt der Taschen: TaschenTypen bietet Taschen, die aus Second Hand-Hosen und -Jeans gefertigt werden. Upcycling, d.h. das Nutzen von gebrauchten Produkten in anderer Form durch Bearbeitung und Veredlung, erfährt gerade einen regelrechten Trend, in den sich auch die Taschen von Julian Kutteroff einreihen. Umgenäht und umgedreht sowie mit soliden Lederböden versehen, sind die Taschen immer handgenähte Unikate und für Frauen und Männern ein Hingucker.

Blutsgeschwister_Logo_klein

Etwas aus der Reihe tanzend: Nicht vergessen darf man natürlich die blutsgeschwister, die zwar mit ihrem alternativ-flippigen Mode-Label schon längst kein Jung-Unternehmen mehr sind (das Stuttgarter Label gibt es seit 2001), aber mit ihren zahlreichen Flaggschiff-Läden und ständig neuen Kreationen auf nationaler Ebene und auch international stetig wachsen und deren erfolgreiches Branding für viele als Vorbild gilt.

Viel Spaß beim Entdecken dieser und weiterer Designer-Marken aus Stuttgart und haltet die Augen offen nach Produkten made in Stuttgart, wenn ihr das nächste Mal durch die kleinen Läden in der Stadt oder über die Kunsthandwerksmärkte streift.