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Interview mit eMovements und was man mit 500.000 EUR anstellt

Im November 2016 hatten wir schon einmal über eMovements berichtet (ganzes Interview hier). Das Startup aus Stuttgart hat es sich zum Ziel gemacht mit ihrem eRollator ello Senioren im Alltag eine bessere Lebensqualität und mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen. Seit unserem letzten Gespräch hat sich bei dem schwäbischen Startup einiges getan, unter anderem hat ein Business Angel eine Investition von 500.000€ getätigt! Wir haben uns mit Benjamin Rudolph, neben Matthias Geertsema und Max Keßler einer der drei Gründer, darüber unterhalten, was das für eMovements bedeutet.

Wofür braucht ihr das Geld und wird das in absehbarer Zeit die letzte externe Finanzspritze sein?

Benjamin: Das zusätzliche Kapital kommt wie gerufen. Wir können damit die nötigen Materialien beschaffen, um die Serienproduktion des E-Rollators ello in Gang zu setzen. Somit ist eMovements finanziell gut aufgestellt. Eine weitere Kapitalerhöhung ist erstmal nicht geplant.

Dürft ihr etwas mehr über den Angel sagen?

Ja, einige Details kann ich verraten (lacht). Die 500 000 Euro haben wir von einem Investor erhalten, der einen mittelständischen Betrieb in der Nähe von Stuttgart führt. Er passt ganz gut zu uns, da er selbst auch einen technischen Background hat. Nun, vielmehr kann ich allerdings leider nicht erzählen.

Bereits vor der Angel-Investition war eMovements schon sehr erfolgreich in der Findung von Investoren. Stichwort Crowdinvesting, Finanzierung aus Landes-, Bundes-, und EO-Mitteln sowie das Accelerator-Programm :agile des EON-Konzerns. Habt ihr Tipps für andere Startups was die Investorensuche betrifft?

Masse statt Klasse! Nach diesem Prinzip haben wir Investoren gefunden, die zu eMovements passen. Ich denke den Ausschlag haben unser super Pitchdeck und der OnePager gegeben. Den sollten Gründer bei jeder Gelegenheit verteilen.

Je nach Projekt kann man auch über eine Schwarmfinanzierung nachdenken. Allerdings bedarf es schon etwas Aufwand, um eine erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagne zu planen. Ein wichtiges Learning: Es lohnt sich viel Arbeit zu in das Kampagnenvideo zu investieren.

Team von eMovements

Im Sommer plant ihr den Elektro-Rollator in einer kleinen Erstauflage auf den Markt zu bringen. Klappt das noch? Was sind dann eure nächsten Milestones für das Jahr 2017?

Ja, wir tun alles dafür, um den ello rechtzeitig ausliefern zu können. So haben wir inzwischen alle Teile in entsprechender Stückzahl bestellt und arbeiten aktuell an der „Zulassung“. Das heißt wir werden in den kommenden Monaten die Konformität erklären, dann geht es los. Unsere vielen Vorbestellungen abzuarbeiten wird im zweiten Halbjahr 2017 ein Kraftakt. Wir sind aber optimistisch, dass uns wir die Nachfrage bedienen können.

Bei unserem letzten Gespräch haben bereits kurz über die Finanzierung für die Rollatoren gesprochen. Euer Produkt ist kein Schnäppchen für die Senioren, die Rente heute häufig knapp. Seht ihr hier Probleme für eure Markteinführung?

Klar, ello ist kein Rollator des Schnäppchensegments. Die Entscheidung für einen höheren Preis haben wir aber bewusst so getroffen. Kunden sind bereit für mehr Lebensqualität Geld auszugeben, so die bisherigen Rückmeldungen. Der Trend zu mehr Mobilität im Alter hilft uns natürlich dabei und auch der eBike-Boom tut sein Übriges. Neben dem Barkauf planen wir auch eine Alternative anzubieten.

In Zusammenarbeit mit der Hanseatic Bank werden Interessenten den ello für 50 bis 80 Euro monatlich finanzieren können. Somit können sich auch Leute unseren E-Rollator leisten, die nicht alles auf einmal bezahlen können.

Plant ihr für die Zukunft neben den Märkten Deutschland, Österreich und Schweiz auch weitere Märkte anzugehen? Vielleicht Japan, die müssen sich immerhin mit einer immensen demographischen Alterung auseinandersetzen?

Nein, konkrete Pläne gibt es dazu noch nicht. Natürlich ist der asiatische Markt grundsätzlich spannend und wird von uns beobachtet. Allerdings ist für ein deutsches Unternehmen ungleich schwerer dort Fuß zu fassen. Deswegen konzentrieren wir uns zunächst auf unseren Heimatmarkt samt der genannten Nachbarländer.

Es gibt immer wieder Diskussionen in der Szene über die „Bedingungen“ für Startups in Stuttgart.Was sind eurer Erfahrungen bisher, würdet ihr wieder in Stuttgart gründen, bzw. in Stuttgart bleiben?

Ja, uns gefällt es in Stuttgart gut – aus mehreren Gründen:

Startup-Förderungen wie EXIST, Junge Innovatoren und der Innovationsgutschein BW sowie Netzwerkevents sprechen für den Standort. Und auch die IHK vor Ort bietet jede Menge Unterstützung wenn es um Patent- und Markenrecherchen geht.

Allerdings hat Stuttgart bezogen auf Verfügbarkeit von Personal, kreativen Köpfen und Investoren im Vergleich zu Berlin & Co. noch Nachholbedarf. Schließlich überlegt man es sich bei der hiesigen Arbeitsplatzsituation gut, ob man in ein Startup geht.

Derzeit gibt es einiges an Bewegung in der Startup Szene in Baden-Württemberg u.a. hat die Landesregierung das Thema höher auf die Agenda geschoben. Am 14. Juli wird es den Startup-Gipfel BW  geben, was würdet ihr dort dem Ministerpräsidenten und der Wirtschaftsministerin sagen, mit dem Ziel die Bedingungen für Gründer wie euch zu verbessern/ erleichtern?

Wir von eMovements können uns über fehlende Unterstützung kaum beklagen. Erst kürzlich hatten wir den Demografiebeauftragten des Landes bei uns. Aber natürlich gibt es immer Verbesserungspotenzial. Schön wäre beispielsweise, wenn sich Land und Städte mehr Startup-Lösungen bedienen. Bei Ausschreibungen hat man gegen große Unternehmen kaum Chancen. Zudem fände ich es gut, wenn das Land öfter mit „Erfindungen“ aus dem Ländle etwa mit deutschlandweiten Werbekampagnen präsentiert.

Zum Schluss, sucht ihr aktuell Mitarbeiter? Wer soll sich bei euch melden?

Ja. Im Bereich Software-Entwicklung könnten wir noch Unterstützung gebrauchen und freuen uns über Bewerbungen. Klarer Vorteil bei eMovements: Anstelle eines normalen 9to5-Jobs erwartet künftige Mitarbeiter eine erfrischende Startup-Atmosphäre. Ansonsten sind wir aktuell mit Ingenieuren, Produktdesignern, Vertrieb und Marketing recht gut aufgestellt.

Danke für das Interview und wir hoffen euch mal auf dem Gründergrillen in der Schankstelle zu sehen und drücken euch die Daumen für die Markteinführung!

Selbstverständlich, wir freuen uns! Danke für die spannenden Fragen.

Das Interview führte Franziska Müller von Startup Stuttgart e.V.

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Mehr Selbstständigkeit mit ello für Senioren – eMovements im Kurzportrait

Das Team von der eMovements GmbH verspricht mit ihrem eRollator ello mehr Selbstständigkeit und eine höhere Lebensqualität im Alltag von Senioren. Im September 2016 ist das Startup aus Stuttgart für ihren innovativen Rollator mit dem Wittener Gründerpreis Medizinwirtschaft ausgezeichnet worden. Auf der IT&Business im Oktober haben sie zusammen mit anderen Startups aus dem Startup Spot ausgestellt. Wir haben mit Benjamin Rudolph, einem der Mitgründer über ello gesprochen.

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10 Fragen an eMovements

Diese Woche haben wir unsere 10 Fragen an das Team von eMovements gestellt, die mit ihrem eRollator im Sommer 2014 u.a. das erste Landesfinale des Elevator Pitch BW gewonnen haben (damals noch unter dem Name e-buddy).

Wer seid ihr und welches Produkt oder Dienstleistung bietet ihr an?

eMovements entwickelt Mobilitätslösungen für Übermorgen. Unser erstes Produkt ist der eRollator, der Rollator der Zukunft. Er erweitert mit zwei eAntrieben die Mobilität des Nutzers. Eine umfassende Beleuchtung und die intelligente eBremse erfüllen den Sicherheitswunsch des Kunden.

Seit wann gibt es eMovements als Unternehmen und wie seid ihr auf die Gründungsidee gekommen?

Die Idee entstand schon 2012, als die Oma eines Gründers ein solches Produkt benötigt hätte. Zusammen mit dem aufkommenden Trend der eMobility wurde begonnen, erste Prototypen zu bauen und zu testen. Seit 2014 wird das Projekt durch uns drei Gründern Max Keßler, Matthias Geertsema und Benjamin Rudolph in Vollzeit vorangetrieben.

Logo_eMOVEMENTS

Was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr als Team zusammen gefunden?

Max und Matthias kannten sich bereits von einer gemeinsamen Exkursion während des Studiums. Unseren dritten Mitgründer Benjamin haben wir gezielt gesucht und auf einem Startup-Speed-Dating gefunden.

Was waren bei der Umsetzung von eMovements bisher die größten Herausforderungen?

Bei der Entwicklung und Vermarktung des eRollators sind vor allem die Themen Usability, Zulassung und Finanzierung anspruchsvoll. Es erfordert viel Erfahrung und zahlreiche Tests, um ein Produkt zu entwickeln, was gerne und einfach von älteren Menschen benutzt werden kann, da diese z.T. andere Anforderungen haben als eine jüngere Zielgruppe. Als Medizinprodukt muss der eRollator eine entsprechende Zulassung haben, was ein aufwendiges und kostenintensives Verfahren bedeutet. Schließlich ist ein Serienanlauf mit hohen Investitionskosten verbunden. Hierfür sind wir aktuell auf Kapitalsuche und werden in den kommenden Wochen an einigen Investoren-Events teilnehmen.

Im Juli 2014 habt ihr ja die erste Runde des Elevator Pitch BW gewonnen. Was hatte der Gewinn für Auswirkungen auf eure Idee und was hat sich alles seitdem getan bei euch?

Der Gewinn war ein wichtiger Meilenstein und hat uns neben viel Aufmerksamkeit in der Presse auch Selbstvertrauen in unsere Idee und das Produkt gegeben. Im Nachgang mussten wir das Produkt allerdings noch deutlich abändern, damit es von der Zielgruppe auch akzeptiert wird und einfach benutzt werden kann. So ist aus dem damaligen e-buddy, dem Begleiter mit integriertem Tablet-PC und umfangreicher Sensorik, ein eRollator mit echtem Mobilitätsmehrwert sowie einem ausgereiften, intuitiven Bedienkonzept geworden.

Team eMovements

Warum habt ihr euch für Stuttgart als Standort entschieden und nicht wie viele andere junge Unternehmen für Berlin?

Ein Umzug nach Berlin stand für uns nie zur Debatte. Wir haben in Stuttgart studiert und uns hier kennen gelernt. Auch werden wir hier optimal unterstützt, z.B. durch die Universität Stuttgart. Es gibt in der Region zahlreiche Veranstaltungen, auf denen man mit potentiellen Investoren in Kontakt treten kann. Unserer Meinung nach steht einer Unternehmensgründung in Stuttgart nichts entgegen.

Was möchtet ihr Gründern speziell als Tipp mitgeben, wenn sie in Stuttgart (und der Region) gründen möchten?

Wir würden jedem raten, die vorhandenen Netzwerke zu nutzen und möglichst viele Veranstaltungen zu besuchen. Stuttgart hat inzwischen einiges zu bieten. Am besten Mitglied werden im Startup Stuttgart e.V. und Veranstaltungen in der IHK, von Accelerate Stuttgart, vom Startup Campus Stuttgart und vor allem das Gründergrillen besuchen. Wärmstens können wir auch den kostenlosen Service im Informationszentrum im Haus der Wirtschaft empfehlen, wenn es darum geht, Marken und Patente zu recherchieren.

Angenommen ihr hättet die Chance einen Tag lang Bürgermeister von Stuttgart zu sein, was würdet ihr verändern?

Einer von uns würde sofort alles dran setzen eine Stadtmaut einzuführen und die Einnahmen daraus in den ÖPNV investieren. Auch würde er versuchen den Neckar besser zu erschließen. Zusammen würden wir ganz uneigennützig mehr eAufladestationen fördern, an denen eRollatoren jederzeit aufgeladen werden können.

Mit wem würdet ihr gerne einmal essen gehen und warum?

Gerne würden wir mit Herrn Zetsche essen gehen, um uns mit ihm über unsere Unternehmung zu unterhalten. Nicht umsonst titelte die Stuttgarter Nachrichten „Der Mercedes unter den Rollatoren“. Auch würden wir gerne darüber sprechen wie Daimler sich mit Startups noch besser aufstellen könnte. Die Stadtmaut würden wir natürlich nicht erwähnen.

Was sind eure nächsten Ziele mit eMovements und wo seht ihr euch in fünf Jahren mit dem Produkt bzw. Unternehmen?

Wir haben in mehreren Zyklen ein serienreifes Produkt entwickelt, dass wir nun gerne als Firstmover an den Markt bringen möchten. Dazu führen wir im Februar noch zahlreiche Gespräche. Der Markt ist riesig und das Interesse, zu unserem Glück, ebenso. In 5 Jahren wird unser eRollator zum Straßenbild gehören und auf Wunsch mit jeder S-Klasse mit ausgeliefert werden.