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Die Landtagswahl 2016 steht kurz bevor und wie vor zwei Jahren zur Kommunalwahl hatten wir die Parteien und Gruppierungen (CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, Piratenpartei, REP, NPD, ÖDP, Büso, Alfa, AfD, Tierschutzpartei, Die PARTEI), die sich hier zur Wahl stellen, zu ihren Positionen bezüglich Gründerthemen und Gründungsförderung befragt.

Die Fragen hatten wir an alle Parteien verschickt, die kandidieren und um Antwort bis zum 9. März 2016 gebeten. Die erste Antwort kam von der Tierschutzpartei, danach die der CDU, die dritte Antwort kam von Die PARTEI, vierte waren die Grünen und als fünfte antwortete die FDP. Die SPD antwortete gestern abend noch und bat um Aufschub bis zum Freitag. Von den restlichen Parteien erfolgte keine Reaktion. Sollten noch Antworten eintreffen, werden wir diese dann noch nachreichen.

Die jeweiligen Personen sind

  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz: Matthias Ebner, Bundesvorsitzender, Vorsitzender im Landesvorstand Ba-Wü
  • CDU: Katrin Schütz MdL (Generalsekretärin)
  • Die PARTEI: Knud Wetzel, Kandidat LTW BW Stuttgart 1
  • Die Grünen: Nadja Unger, Wahlkampfmitarbeiterin
  • FDP: Jan Packebusch, Stellv. Geschäftsführer

Hier findet ihr nun die Antworten, zur jeweiligen Frage sortiert und den Parteien bzw. Gruppierungen zugeordnet.

Wie setzen Sie sich für mehr Gründergeist in Baden-Württemberg gerade bei jungen Menschen ein?

Tierschutzpartei:

Menschen, die bio-veganen Landbau betreiben oder Unternehmen gründen wollen, die das Angebot an ökologischen bzw. umweltfreundlichen, veganen, fair produzierten und gehandelten Produkten bzw. Dienstleistungen erhöhen wollen, werden wir intensiv unterstützen, sowohl finanziell als auch ideell. Hierzu sind ausreichende Mittel notwendig, die die Angst vor Firmengründungen mindern sowie Aufklärungskampagnen über innovative, moderne, nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmen notwendig. Dies hilft so auch dabei, den dringend nötigen Wandel hin zu einer ethisch vertretbaren und nachhaltigen Wirtschaft einzuläuten. Das Alter von innovativen Köpfen darf jedoch nicht ausschlaggebend sein. Zur Unterstützung dieser Pläne wollen wir eine Landeskoordinationsstelle für ethische Innovation und Finanzierung einrichten sowie ein Netzwerk „Unternehmensgründung“ aufbauen. Bei diesem streben wir an, dass sich erfahrene aktive oder ehemalige Führungskräfte/Unternehmer_innen dazu bereit erklären, bis zu einem gewissen Maße ehrenamtlich bzw. für vergleichbar geringe Kosten eine fundierte Beratungs- und Betreuungsleistung anzubieten. Gleichzeitig sollten Unternehmensgründer_innen, die durch diese Unterstützung ein erfolgreiches Unternehmen auf die Beine gestellt haben, dazu verpflichtet werden, nach einer zumutbaren Zeit selbst in ein Betreuungsprojekt einzusteigen, um (zumindest ein Mal) ihre Erfahrungen an die Neugründer weiterzugeben. Weitere Positionen der Tierschutzpartei zur Wirtschaftspolitik finden Sie in unserem Grundsatzprogramm sowie unserem Wahlprogramm zur Landtagswahl auf den Seiten 18-22.

Die PARTEI:

Wir setzen hier schon im Kindergarten an, dass den jungen Menschen das Unternehmertum spielerisch nahe gebracht wird. Alles was das Kind dort malt und bastelt muss innerhalb eines gewissen Zeitraumes an Eltern, Verwandte, Nachbarn oder wildfremde Personen veräußert oder gegen Konsumgüter getauscht werden. Unterstützend werden Workshops und Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches in der Betreuungszeit angeboten. Merke: – Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Die Grünen:

Wir Grüne wollen eine Gründerkultur und auch eine dazugehörige Kultur der zweiten Chance in Baden-Württemberg zu verankern. Dies kann nicht von staatlicher Stelle top-down verordnet werden. Aber es können Rahmenbedingungen geschaffen werden, wie das durch die Landesregierung eingebrachte Schulfach Wirtschaft und durch unternehmerische Angebote an Hochschulen oder Fachhochschulen. Mit dem Ausbau und der Stärkung der Kontaktstellen Frau und Beruf wollen wir Frauen u.a. auch den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.

FDP:

Gerade Baden-Württemberg erfüllt die Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Gründungen. Weit über 80% der neugeschaffenen Unternehmen überstehen die ersten fünf Jahre. Ziel muss deshalb die Abbau von Angst und ein „Klima der zweiten Chance“ sein. Die FDP setzt sich für eine konsequente Vermittlung wirtschaftlichen Denkens an allen Schulen ein. Beispiele hierfür können Start-Up-Werkstätten als Planspiele sein. Oftmals steht zudem ein Berg von Bürokratie einer Gründung im Weg. Deshalb tritt die FDP für ein bürokratiefreies erstes Jahr für Existenzgründer ein. Demnach soll zu Beginn der Gründungsphase die Anmeldung des Gewerbescheines ausreichen. Und wir müssen am Zugang zum Kapital für junge Unternehmen arbeiten.

Wie wollen Sie BW als Standort für neue Gründungen und Startups attraktiver machen, so dass diese nicht bspw. nach Berlin abwandern?

Tierschutzpartei:

siehe Antwort auf Frage 1.

Die PARTEI:

Wir werden die Grenze zwischen Baden und Württemberg durch eine touristisch ansprechende bauliche Trennung markieren. Dadurch kann die Abwanderung eingegrenzt werden. Zudem wird auf dem Gelände der jetzigen Landeshauptstadt Stuttgart zum Zwecke der umweltfreundlichen Energiegewinnung ein Stausee eingerichtet. Dieser dient den Menschen des angrenzenden Wirtschaftsraumes zugleich als attraktives Naherholungsgebiet. So haben Gründer die Möglichkeit sich schnell zu erholen und sich mit neuer Kraft den anstehenden Projekten zu widmen.

Die Grünen:

Baden-Württemberg hat grundsätzlich gute Bedingungen als Standort wegen seiner Innovationsfähigkeit und einer starken Industrie. Während Berlin zwar hip ist, haben baden-württembergische Start-Ups bessere Überlebenschancen und schaffen es langfristig bester, sich am Markt zu etablieren. Das wollen wir durch gezielten Dialog zwischen klassischer Industrie und Neugründungen fördern, indem z.B. die Industrie 4.0 Plattform der Landesregierung auch für Neugründungen geöffnet wird. Der neue Wagniskapitalfonds des Landes bietet gute Finanzierungsmöglichkeiten. Außerdem liegt uns die Stärkung der Ausgründungen an den Universitäten am Herzen, die wir z.B. mit der Innovationsallianz Baden-Württemberg gezielt vorantreiben. Die Ausweitung des Technologietransfers ist für uns ein wichtiger Hebel für mehr Gründungen.

FDP:

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die fehlende Versorgung mit Breitband in Baden-Württemberg. Wir wollen deshalb eine Investitionsoffensive auflegen, die in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro in schnelles Internet und neue Straßen investiert. Die finanziellen Mittel sollen der Landessstiftung Baden-Württemberg entnommen werden. Zusätzlich sollen Landesbeteiligungen auf den Prüfstand und gezielt veräußert werden. Außerdem braucht es attraktive Rahmenbedingungen – durch eine Politik, die Unternehmungen mehr Freiraum gibt und weniger Bürokratie auferlegt, für bezahlbaren Wohnraum sorgt, für ein gutes und vielfältiges Kita- und Bildungsangebot sorgt.

Wie wollen Sie mehr vermögende Mitbürgerinnen und Mitbürger als Business Angel für junge innovative Unternehmen in BW gewinnen?

Tierschutzpartei:

Das Land sollte Investitionen in junge innovative, ethisch vertretbare und nachhaltige Unternehmen finanziell unterstützen und bewerben.

Die PARTEI:

Wir werden eine Lotterie einführen bei der alle vermögenden Mitbürger/ innen teilnehmen. Somit wird sichergestellt dass jeder die gleiche Chance hat ein Business Angel zu werden. Zudem werden Bürger zu engagierten Business Angels die vorher noch nie was davon gehört haben.

Die Grünen:

Private Investoren sind wichtige Partner bei der Etablierung einer Gründerkultur, die Kultur der Business Angels ist in Baden-Württemberg gut etabliert. Aufgabe der Politik sehen wir Grüne vor allem darin, Best Practice Beispiele sichtbarer zu machen und gründungswillige Menschen mit potentiellen Investoren zu vernetzen. Gerade die Digitalisierung eröffnet hier gute Möglichkeiten und so wollen wir mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken alternative Gründungsfinanzierungen wie Crowdfunding unterstützen.

FDP:

Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen zur Förderung von Venture-Capital-Investitionen und zur Stärkung der Finanzierungsmöglichkeiten von Startups sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass es nicht bei diesem einen Schritt bleibt. Ein Venture-Capital-Gesetz ist nach wie vor dringend erforderlich. Die Landesregierung muss sich nun an die Spitze der Bewegung zur Förderung einer dynamischeren Gründungskultur setzen und ein solches Gesetz im Bundesrat initiieren. Auch die von CDU-Bundesfinanzminister Schäuble verfolgte Verschärfung der Investmentbesteuerung muss endgültig ad acta gelegt werden. Denn ein solches Anti-Startup-Gesetz würde die Finanzierungsmöglichkeiten für junge Unternehmen massiv verschlechtern. Noch mehr Startups würden den Weg ins Ausland suchen, weil potentielle Geldgeber wie etwa „Business Angels“ in Deutschland nicht mehr investieren.

Wie wollen Sie BW als Standort für Venture Capital Fonds attraktiver machen?
Tierschutzpartei:

Baden-Württemberg gilt bereits heute als Innovationsmotor. Dies wollen wir weiter unterstützen. Durch die in der Antwort auf Frage 1 genannten Maßnahmen soll auch Venture Capital Fonds deutlich gemacht werden, dass Stuttgart ein perfekter Standort für sie ist.

Die PARTEI:

Hier befinden wir uns noch in einem innerparteilichen Findungsprozess.

Die Grünen:

Über Initiativen der L-Bank, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und des Wirtschafts- und Finanzministeriums möchten wir die Venture Capital Landschaft in Baden-Württemberg weiter ausbauen. Von diesem Ausbau erhoffen wir uns einen weiteren Pull-Effekt von privaten VC-Fonds, die sich um die Stuttgarter Banken- und Börsenlandschaft ansiedeln. Durch die Reise unseres Ministerpräsidenten ins Silicon Valley in 2015 sind wir auch dran, Baden-Württemberg in der Welt bekannter zu machen, um mehr globales Kapital in die Region zu lenken. Steuerliche Anreize müssen auf Bundesebene gesetzt werden.

FDP:

Uns geht es vor allem darum, Baden-Württemberg insgesamt für solche Fonds attraktiver zu machen. Dafür müssen wir bessere Rahmenbedingungen für Venture Capital Geber schaffen, etwa indem rechtliche Beschränkungen für Investitionen (zum Beispiel vermeintlich mündelsichere Anleihen) überprüft und angepasst werden.

Wie wollen Sie Gründungen von Nichtakademikern fördern?

Tierschutzpartei:

Gründer_innen brauchen nicht unbedingt ein Studium, sondern v. a. eine gute Idee und einen gut durchdachten Businessplan. Siehe auch Antwort auf Frage 1.

Die PARTEI:

Wir unterscheiden hier nicht zwischen Akademikern sowie Nichtakademikern und werden allen 10 kleine Motivationssprüche die wir in Glückskeksen verstecken zusenden. Diejenigen die den Zettel mitessen werden wir von der Liste der förderungsfähigen Gründer wieder streichen.

Die Grünen:

Uns Grünen sind Gründungen von Nichtakademikern äußerst wichtig. Mit der Startfinanzierung der L-Bank gibt es z.B. eine maßgeschneiderte Förderung für Handwerksbetriebe. Gefördert werden Vorhaben zur Existenzgründung durch Neugründung, Betriebsübernahmen oder Vorhaben zur Existenzfestigung innerhalb von 5 Jahren nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit. Der Gesamtkapitalbedarf darf 150.000 Euro je Gründer oder Unternehmer, insgesamt aber 600.000 Euro, nicht überschreiten. Gefördert werden gewerbliche Unternehmen aus Handwerk, Handel, Industrie, Dienstleistungs- und Kleingewerbe sowie Hotel- und Gaststättengewerbe. Außerdem haben wir die Gründungsberatungen reformiert, um Gründern bessere Unterstützung geben zu können.

FDP:

Das Handwerk ist eine der interessantesten Branchen, um sich in der Zukunft zu gründen. Damit künftig mehr Nichtakademiker mit ihrer Idee an den Markt gehen, brauchen wir zunächst mehr Facharbeiter und Meister, die über das notwendige Know-How verfügen. Deshalb ist die Stärkung der beruflichen Schulen und der dualen Ausbildung dringend notwendig. Die grün-rote Landesregierung hat in ihren Koalitionsvertrag eine starre Akademikerquote von 50 Prozent geschrieben. Das halten wir für einen Fehler. Wir wollen, dass Realschulen nicht gezwungen werden nach der Gemeinschaftsschulpädagogik zu unterrichten und wir werden die Plätze an den beruflichen Gymnasien ausbauen. Außerdem müssen bestehende Existenzgründerprogramme überprüft und für Nichtakademiker geöffnet werden.

Wie stehen Sie zu Privatinitiativen und Graswurzelbewegungen in der Gründerszene und wie wollen Sie diese in die Aktivitäten der Gründerförderung einbeziehen?

Tierschutzpartei:

Diese Bewegungen sehen wir absolut positiv und wollen sie unterstützen. Man muss in einen intensiven Dialog mit motivierten Menschen treten und sich ihre Wünsche und Bedürfnisse genau anhören, um entscheiden zu können, wie man sie bestmöglich fördern kann, jedoch immer unter den Prämissen, dass Gründungen ethisch vertretbar und nachhaltig sind.

Die PARTEI:

Prinzipiell ist das eine tolle Sache. Da dies ja eine unabhängige basisorientierte Initiative ist setzen wir uns dafür ein dass diese Initiative unabhängig bleibt.

Die Grünen:

Privatinitiativen und Graswurzelbewegungen sind ein äußerst fruchtbares Umfeld für Gründungen. Gründungsgeist darf nicht durch staatliches Handeln erdrückt werden. Darum setzen wir Grüne eher auf die Unterstützung dieser privaten Initiativen, als Gründungen von oben „verordnen“ zu wollen. Wir wollen die richtigen Rahmenbedingungen setzen, damit sich diese Initiativen entfalten können. Z.B. in dem wir Förderprogramme für sie öffnen, sie mit Business Angels zusammenbringen und Finanzpartner mit geeigneten Finanzierungsangeboten vermitteln.

FDP:

Privatinitiativen leisten einen wichtigen Beitrag, dass sich gründungswillige Menschen vernetzen und Erfahrungen austauschen können. Die „FuckUp-Night“ ist ein Beispiel für ein gelungenes Format, das aus einer privaten Initiative heraus entstanden ist. Wir werden in der Landesregierung das Know-How dieser Privatinitiativen nutzen, die Gründerförderung entsprechend weiterentwickeln und überlegen, an welchen Stellen eine direkte Einbeziehung der Privatinitiativen sinnvoll erscheint.

Wie wollen Sie dem Bedarf an bezahlbarem Büroraum speziell für Gründer und Startups begegnen? 

Tierschutzpartei:

Die Schaffung von bezahlbarem Büroraum muss, genau wie von bezahlbarem Wohnraum, staatlich unterstützt werden. Hierzu zählen v. a. die finanzielle Entlastung der Schaffung von günstigem Wohn- und Büroraum. Die Städte müssen zudem mehr gegen lange leerstehende Gebäude unternehmen. Eigentümer sind hier mehr in die Pflicht zu nehmen. Zudem setzen wir uns für Innovationsförderzentren mit Subventionen für Büros in den ersten Gründungsjahren ein.

Die PARTEI:

Wir werden dem sehr freundlich begegnen.

Die Grünen:

Bezahlbare Räumlichkeiten in urbanen Regionen sind wichtige Pfeiler für Gründungen, um nah an Kunden, an Geschäftspartner und am Puls der Zeit zu sein. Die Gründerzentren von Kommunen oder Kammern sind dabei von entscheidender Bedeutung. Kommunale Wirtschaftsförderungen wollen wir ermuntern, „shared office space“ einzurichten, wo sich Gründer zu fairen Mietpreisen niederlassen können. Aufgrund der unterschiedlichen Herausforderungen ist es aber schwierig, hier von Landesseite Patentlösungen anzubieten. Hier sehen wir vor allem die Kommunen in der Pflicht, die Bedarfe von Gründern bei der Flächenplanung zu berücksichtigen.

FDP:

Durch die Entbürokratisierung und Rücknahme überflüssiger Regelungen in der Landesbauordnung sind möglicherweise Kostensenkungen möglich. Darüber hinaus gibt es ein breites Angebot im Land: von Technologieparks bis hin zu den Gründerzentren an den Hochschulstandorten.

 

Die CDU schickte uns nur eine generelle Aussage, ohne speziell auf die Fragen einzugehen:

Um den Anschluss an zukünftige Geschäftsmodelle nicht zu verlieren, braucht ein rohstoffarmes Land wie Baden-Württemberg eine Gründerkultur, die von der Schule bis zur Universität unternehmerisches Denken vermittelt und auch das Scheitern von Geschäftsideen in Kauf nimmt. Führungsqualifikationen sollen nach den Vorstellungen der CDU Baden-Württemberg in die Lehrpläne und Studienordnungen Eingang finden. Wir werden den Wettbewerb um neue innovative Geschäftsmodelle für Produktion und Dienstleistungen vorantreiben und die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich in unserem Land ein Gründungsklima entwickeln kann.

Hierbei unterstützen wir ein Venture-Capital-Gesetz, das nach dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden soll und das als Bestandteil keine Steuerpflicht für Veräußerungsgewinne bei Streubesitzanteilen, keine Umsatzsteuer auf Management-Vergütungen und den Erhalt von Verlustvorträgen auch beim Wechsel der Anteilseigner vorsieht. Die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital ist ein Systemfehler. Private Investoren sollten bei Verlust ihr Wagniskapital steuerlich absetzen können, damit sich die Finanzierungsoptionen junger Gründer verbessert. Die CDU Baden-Württemberg könnte sich auch Fonds-Modelle mit der KfW-Bank vorstellen. Die L-Bank könnte hierbei die Rolle des Vermittlers übernehmen, um Missbräuche zu verhindern.

Eine dem Wirtschaftsministerium zugeordnete Stelle wird sich dezidiert um alle Belange von Startup-Unternehmen kümmern und als Plattform für innovative Kooperationen oder Cluster agieren. In der Gründungsphase wird diese Stelle alle Belange junger Unternehmen als One-Stop-Agency wahrnehmen und dabei den bürokratischen Aufwand auf niedrigem Niveau halten. Ein gründungsfreundliches Steuerrecht ist unverzichtbar. So sind z.B. monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen, enge Buchführungspflichten, Sozialbeiträge für Geschäftsführer gründungshindernde Elemente, die einer Unternehmensgründung eher im Wege stehen.

Bestehende Förderprogramme des Landes und der Verbände für Menschen mit Migrationshintergrund bei Unternehmensgründungen müssen ausgebaut und vernetzt werden. Das Land soll seine Aktivitäten eng auf das bereits bestehende, umfangreiche Beratungsangebot von IHK und Handwerkskammer für Existenzgründerinnen und Existenzgründer mit Migrationshintergrund abstimmen. Die CDU Baden-Württemberg wird sich dafür einsetzen, dass in einem Open-Data-Gesetz geregelt wird, dass offene Daten in freien Formaten frei verfügbar sind und eine wirtschaftliche Nutzung dieser öffentlichen Datenbestände möglich ist.

Wir bedanken uns bei allen, die auf unsere Fragen – insbesondere auch so knapp vor der Wahl – geantwortet haben.

Natürlich ist unsere Umfrage sehr einseitig und monothematisch. Und eine Wahlentscheidung solltet ihr nicht allein aufgrund dieser Antworten hier treffen. Insofern bleibt uns noch zu sagen: Informiert euch und geht zur Wahl.

Bildquelle: CC BY-ND 2.0 von Dennis Skley auf Flickr

Die Kommunalwahl steht kurz bevor und vor einer Woche hatten wir die Parteien und Gruppierungen, die sich in Stuttgart zur Wahl stellen, zu ihren Positionen bezüglich Gründerthemen und Gründungsförderung befragt.

In unserer E-Mail an die Parteien und Gruppierungen hatten wir um Antwort bis zum 16. Mai 2014 gebeten. Das schafften nur die Piraten. Von den anderen gab es bis zum Stichtag keine Reaktion. Am Montag, den 19. Mai kam eine Antwort der AfD per Brief. Weiterhin antworteten am Montag die FDP, Die Linke und die Grünen per E-Mail. Die Stadtisten und die Liste Junges Stuttgart wollten uns noch antworten, haben dies bis zur Veröffentlichung dieses Artikels aber nicht geschafft.

Update, 21.5. 8:45: Antwort der REP ergänzt
Update, 22.5. 13:40: Antwort der Stadtisten ergänzt

Die jeweiligen Personen sind

  • Piraten: Judith Peters, #4 auf der Piratenliste für die Gemeinderatswahl
  • FDP: Gabriele Reich-Gutjahr, Mitglied der Regionalversammlung
  • Die Linke: Christoph Ozasek, Regionalrat und Sprecher
  • Die Grünen: Matthias Filbinger
  • REP: Thomas Melber
  • Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen (Listenplatz 1)

Hier findet ihr nun die Antworten, zur jeweiligen Frage sortiert und den Parteien bzw. Gruppierungen zugeordnet.

Wie setzen Sie sich für mehr Gründergeist in Stuttgart gerade bei jungen Menschen ein?

Piraten, Judith Peters

Indem ich das Thema Gründung selbst vorlebe. Ich bin seit fast fünf Jahren selbständig. Parallel zum Wahlkampf bereite ich mit einem Freelancer-Kollegen eine GmbH-Gründung vor. In meiner Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis wissen die Leute, dass sie sich bei Fragen zum Thema Gründung an mich wenden können. Zudem habe ich schon viele Freunde dabei unterstützt, sich selbständig zu machen. Wenn man selbst Leute kennt, die gegründet haben, färbt das ab. Es inspiriert und motiviert. Wichtig ist es deshalb, Gründer mit Gründerwilligen und alten Hasen, also erfahrenen Unternehmenern, besser zu vernetzen und hier für regen Austausch zu sorgen. Das Gründergrillen und Startup Weekends sind da richtungsweisend – solche Gruppen und Initiativen sollten stärker unterstützt werden.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Wir sehen die Notwendigkeit, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein zu schärfen für Unternehmertum als Basis unseres Erfolgs in der Region. Es gilt jungen und älteren Leuten Mut zu machen, Ideen umzusetzen. Die Mentalität “suche dir einen sicheren Arbeitgeber” muss durch eine verstärkte öffentliche Wertschätzung für Gründer und Unternehmer verändert werden.

2010 hat die FDP Fraktion in der Regionalversammlung eine Anhörung gemacht, zum Thema “Quo vadis Produktion”, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir in der Region mitten drin sind im Strukturwandel und mehr Gründergeist brauchen. http://www.demokratie-online.de//quovadisRegion.htm

Wir werden dazu eine weitere Anhörung durchführen.

Die Linke, Christoph Ozasek

Der Weg in die Selbstständigkeit ist ein wesentlicher Motor für einen innovativen Wirtschaftsstandort. Existenzgründer_innen schließen Versorgungslücken, bringen neue Technologien aus der Forschung an den Markt oder bereichern das kulturelle Leben als Kreativschaffende. Viele Start-Up-Gründer_innen schaffen nicht nur für sich selbst eine wirtschaftliche Existenz, sondern auch für viele weitere Menschen neue Arbeitsplätze, und brauchen deshalb gute Rahmenbedingungen durch qualifizierte Beratung, Zugang zu Kapital und eine überschaubare Kostensituation, z.B. durch niedrige Mieten und Pachten. Deshalb sind Existenzgründer-Netzwerke, z.B. an den Hochschulen, bei den Kammern und der kommunalen oder regionalen Wirtschaftsförderung wichtig. Denn ohne ein tragfähiges Konzept und gute Begleitung ist das wirtschaftliche Scheitern oft vorprogrammiert. Die Kommune selbst kann keinen Gründergeist wecken. Aber sie kann die Randbedingungen für Existenzgründer optimieren.

Die Grünen, Matthias Filbinger

Die Informationen für potentielle Gründer müssen noch intensiver an diese Zielgruppe gelangen. Die Region Stuttgart ist von der Automobil- und Zuliefererindustrie geprägt. Der Wandel im Mobilitätsverhalten und das Angebot hierfür  wird viele neue technische Betätigungsfelder sowohl für Entwickler wie auch für Hersteller entstehen lassen. Das ist Aufgabe des Marketings der Region. Die  Barrieren für junge Gründer müssen herabgesetzt werden, der Gründungsprozess muss schnell und effizient von Statten gehen. Der Dschungel von Vorschriften ist hier verfügbar:  http://www.startothek.de/startothek-anwendung/gruender

REP, Thomas Melber

Gründergeist läßt sich nicht verordnen, er muß aus den Menschen selber kommen – Erziehung zur Selbstständigkeit wäre ein erster Ansatz.

Das ist aber eine gesamtgesellschaftliche Frage, ebenso wie die Minimierung der Konsequenzen eines möglichen Scheiterns.

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Abbau formaler Hürden, soweit rechtlich zulässig. Gegebenenfalls auch Einführung von Pauschalen statt exakter Buchführung während der Startphase (max. 2 Jahre).

Unterstützung in Form von Gewerberäumen, die von der Stadt günstig zur Verfügung gestellt werden (max. 3 Jahre).

Wie wollen Sie Stuttgart als Standort für neue Gründungen und Startups attraktiver machen, so dass diese nicht bspw. nach Berlin abwandern?

Piraten, Judith Peters

Es gibt bereits zahlreiche Angebote und Ansprechpartner wie z.B. Gründercoachings, KfW-Kredite, die IHK, die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart, die MFG Innovationsagentur etc. Das Problem ist aber, dass es viel zu viele Angebote gibt, die zudem auch oft kaum bekannt sind. Es ist wichtig, bestehende Angebote bekannter zu machen. Dann müssten bestehende Angebote gebündelt werden. Es sollte in Stuttgart EINE zentrale Anlaufstelle geschaffen werden, einen One-Stop-Shop für Gründer, bei der Gründerwillige zunächst einmal kostenlos Antworten auf all ihre Fragen bekommen. Hier könnte man evtl. die IHK zu diesem EINEN Anlaufpunkt aufbauen – ob für „normale“ Gründungen oder Startups. Von dort aus könnten die zukünftigen Gründer auf die bereits bestehenden Angebote verwiesen werden. Wenn diese EINE Anlaufstelle schon existiert, ist sie leider noch nicht bekannt genug ;-)
Neben diesem „One Stop Shop“ sollte Stuttgart aber auch eine langfristige Vision entwickeln und eine übergeordnete Idee formulieren. Wo will Stuttgart in 10 Jahren stehen? Und wie wollen wir das erreichen? Wir brauchen eine Gründer-Strategie – daraus kann dann auch lokaler Gründergeist erwachsen, der die Stadt Stuttgart sehr attraktiv macht.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Es gibt in bestimmten Branchen sicher eine Tendenz nach Berlin zu gehen oder in andere Städte der Welt. Das ist gut so und erweitert den Horizont. Wichtig ist, dass sie spätestens dann, wenn sie wachsen wieder zurück kommen. Weil sie hier das finden, was wichtig ist: Geld, Gewerbeflächen, Mitarbeiter, ein innovatives Klima, Austausch mit anderen aus der Branche…

Wir haben den Verband Region Stuttgart aufgefordert, von anderen Regionen zu lernen und bei den Planungen zu berücksichtigen http://www.demokratie-online.de/antrag_vergleich.htm

Wir haben eine “Woche der Begegnung” beantragt http://www.demokratie-online.de/europa.htm, die dazu beitragen soll, die Region Stuttgart bei jungen Menschen aus Europa bekannt zu machen.

Die Linke, Christoph Ozasek

Die bestehenden Netzwerk-Strukturen haben sich als geeignet erwiesen, um Existenzgründern den richtigen Weg zu weisen. Diese Strukturen reichen heute vom ESF-finanzierten Gründerbüro im Stuttgarter Rathaus bis hin zu überregionalen Organisationen wie BioRegio STERN in der Life Science-Branche. Auch sind die Förderbedingungen durch das Landeswirtschaftsministerium durch ein neues Gutscheinsystem in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Den Einfluss kann und sollte die Stadt in zwei Bereichen verstärken: Die Stadt muss Raum für Existenzgründer bereithalten, der zu Konditionen angeboten wird, die deutlich unter den üblichen Marktmieten zu erhalten ist, bzw. für eine Produktentwicklungsphase mietfrei bezogen werden kann. Hier könnte z.B. der Eiermann-Campus in Vaihingen (ehemalige IBM-Zentrale) eine Chance sein, sofern die Stadt wie von uns vorgeschlagen das Areal selbst übernimmt und dort einen Gründerschwerpunkt für Start-Ups und Kreativschaffende etabliert, anstatt den Campus einem renditeorientierten Investor zu überlassen. Auch Areale wie das Werk8 sollten Ämter-seitig positiv begleitet werden, anstatt eine Blockadehaltung einzunehmen. Zum Zweiten muss die Stadt als Miteignerin der LBBW dafür Sorge tragen, dass die Existenzgründerfinanzierung eine hohe Priorität erhält.

Die Grünen, Matthias Filbinger

Stuttgart ist ein Ausbildungsstandort von höchstem Ruf und hervorragender Qualität. Die gründungswilligen Studierenden müssen frühzeitig von einer Gründerszene begeistert werden. Hier ist in erster Linie das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung gefragt.

REP, Thomas Melber

ich denke, der Standort Stuttgart ist attraktiv – es kommt natürlich darauf an, in welchem Bereich man gründet

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Durch den Erhalt bzw. Ausbau einer Stadt mit positiven „weichen“ Standortfaktoren, d. h. beispielsweise auch Treffpunkte für Subkultur, in die gerade Mitarbeiter kreativer Start-Ups gerne pilgern.

Förderung von gemeinschaftlich nutzbarer Infrastruktur, um Miete und sonstige Kosten klein zu halten.

Wie wollen Sie mehr vermögende Mitbürgerinnen und Mitbürger als Business Angel für junge innovative Unternehmen in Stuttgart gewinnen?

Piraten, Judith Peters:

Der Schwabe an sich ist ja sehr sparsam und scheut eher finanzielle Risiken. In riskante Startups einzusteigen, ist also ein Thema, das eher schwer zu vermitteln wäre. Die Lösung könnte z.B. sein, die Startup-Gründer von Anfang an seitens der Stadt gut zu begleiten und sie von der Idee bis zur Umsetzung mit Rat und Tat zu unterstützen, so dass ihre Geschäftsidee Hand und Fuß hat – also z.B. zunächst durch die Stadt „anschieben“. Diese Startups, ihre Idee und ihr finanzieller Bedarf könnten anschließend wenn sie ausgereifter sind, z.B. wie bereits auf http:http://startup-stuttgart.de//, präsentiert werden – mit dem Ziel, sie stärker mit den Bürgern zu vernetzen und neben der Stadt Stuttgart weitere Unterstützer zu finden. Also sozusagen ein schwäbisches Kickstarter für Startups. Das wäre eine Idee, die es doch mal wert wäre, in Stuttgart diskutiert zu werden.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Wir haben den Verband Region Stuttgart aufgefordert, zunächst mehr Transparenz bzgl. der Verfügbarkeit von Risikokapital zu schaffen. .http://www.demokratie-online.de/Risikokapital.htm

Wie werden den Wunsch einbringen, ein Modell zu konzipieren, das Menschen der Region ermöglicht, sich an guten Ideen auch mit kleinen Beträgen zu beteiligen.

Die Linke, Christoph Ozasek

Diese Aufgabe sehen wir nicht als Aufgabe der Gemeinde. Wir unterstützen aber die Aktivitäten der Business Angels. Wichtig ist eine enge Vernetzung mit den Wirtschaftsförderern und bestehenden Existenzgründereinrichtungen.

Die Grünen, Matthias Filbinger

Viele erfolgversprechende Gründungen scheitern nach kurzer Zeit bereits wegen mangelnder Liquidität. Sicherheiten für Kredite sind kaum vorhanden. Kreditinstitute tun sich schwer bei den strengen Auflagen von Basel II und III ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Entwicklung eines Pools von Business-Angels, welcher auch unter der Schirmherrschaft einer Stiftung oder der IHK stehen könnte, wäre eine einfache und wirkungsvolle Lösung. Beispiel:http://www.business-angels-region-stuttgart.de/

REP, Thomas Melber

wohl Landes- / Bundessache (steuerliche Behandlung von Investitionen, u.a.)

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Durch gutes Zureden und durch Überzeugung mit Erfolgsbeispielen aus der Vergangenheit. Obendrein könnte man jährlich eine Medaille verleihen an den Business Angel, der das erfolgreichste Start-Up begleitet hat (Sowjet-Prinzip des „Helden der Arbeit“ – weil Geldpreise solche Leute nicht mehr glücklich machen).

Wie wollen Sie Stuttgart als Standort für Venture Capital Fonds attraktiver machen?
Piraten, Judith Peters:

Venture Capital Fonds investieren zunächst einmal in gute Ideen und vielversprechende aufstrebende Unternehmen – relativ unabhängig davon wo sie sich befinden. Die guten Startup-Ideen, die in Stuttgart entwickelt werden, müssten national sichtbarer gemacht werden.
Wenn es Stuttgart schafft, die bestehende lebendige Startup-Szene weiter zu entwickeln (z.B. durch die Förderung der Cross-Cluster Politik http://fuerstuttgart.de/docs/foerderung-der-cross-cluster-politik-und-entstehung-virtueller-cluster/) und Stuttgarter Startups deutschlandweit und international bekannt zu machen, kommen auch die Kapitalgeber und schauen sich an, was es hier sonst noch so gibt. Andererseits übernehmen ja bereits lokale Unternehmen die Rolle des Kapitalgebers. Bosch macht es mit der Robert Bosch Venture Capital GmbH sehr erfolgreich vor, wie man Startups unterstützen kann.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Siehe oben, Ziff. 3 und 6

Die Linke, Christoph Ozasek

In den USA nimmt die Risikofinanzierung einen deutlich höheren Anteil ein als in Deutschland und Europa. Wir sehen kapitalmarkt- und renditeorientierte Finanzierungsmechanismen kritisch, denn meist steht keine langfristige Beteiligung im Fordergrund, sondern der Gewinn aus dem Verkauf der Beteiligung. Auch werden viel zu oft innovative Start-Ups von großen Konzernen aufgekauft und geschluckt. So wird eine höhere Branchenvielfalt verhindert. Aus unserer Sicht sind Finanzierungsmodelle über öffentlich-rechtliche Banken zu bevorzugen. Auch die Unternehmensform der Genossenschaft halten wir für eine sehr geeignete Rechtsform für die Existenzgründung und Kapitalisierung.

Die Grünen, Matthias Filbinger

VC wird auch in Stuttgart bereits zur Verfügung gestellt. Mittlerweile hat sich hier jedoch das Internet als Plattform etabliert. Z.B.:  http://www.vc-magazin.de/

REP, Thomas Melber

idem.

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Gegenfrage: Spielt der Standort des Kapitalfonds in der heutigen Zeit und einer globalisierten Welt eine Rolle?

Wie wollen Sie Gründungen von Nichtakademikern fördern?

Piraten, Judith Peters:

Jedes Startup ist eine Gründung, aber nicht jede Gründung ein Startup. Die IHK macht bereits einen guten Job, Gründungen z.B. im Bereich Handwerk zu unterstützen und zu begleiten. Nichtakademiker, die Startups gründen wollen, mangelt es meistens auch daran, woran es Akademikern in der gleichen Situation mangelt: Zugang zu Information, Geld und Netzwerken. Wenn man hier der einen Gruppe hilft, hilft man auch der anderen. Die Lösung könnte ein lokales Gründerzentrum sein.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Dazu gibt es bei uns keine gesonderten Überlegungen gegenüber Akademikern. Unternehmertum kann viele Gesichter haben. Generell sind neben Fachwissen Geld und Personen, die dem Unternehmensgründer den Rücken stärken, wichtig für den Erfolg. Mikrokredite mit Bürgen wie im Modell von Yunus , sind ein guter Ansatz, den wir befürworten. Persönlich habe ich den Schritt ins Unternehmertum mit Franchise gemacht und biete als Master-Franchise Franchise-Lizenzen. Man muss nicht alles selbst erfinden. Im Rahmen der Wirtschaftsförderung müssen die vielfältigen Möglichkeiten noch besser aufgezeigt werden.

Die Linke, Christoph Ozasek

Qualifizierung in kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Belangen in staatlich anerkannten Seminaren steht hier ganz besonders im Vordergrund. Bestehende Angebote müssen in hoher Qualität und diskriminierungsfrei vorgehalten werden.

Die Grünen, Matthias Filbinger

Insbesondere Handwerksbetriebe werden von Nichtakademikern betrieben. Zur Sicherung der Zukunft des Handwerks halten wir Übernahme- und Finanzierungshilfen für unabdingbar. Städtische Bürgschaften wären auch hier hilfreich.

REP, Thomas Melber

soweit mir bekannt kann sich jeder Gründer an die KfW u.a. wenden, für eine Unterstützung ist kein akademischer Grad erforderlich, sondern ein tragfähiges Geschäftsmodell

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Handwerksmeister in Rente als Begleiter während des Einstiegs gewinnen, evtl. auch fachfremd, d.h. einen Buchhalter i. R. für einen Sanitärstarter, der sich zwar im Rohre verlegen auskennt, weniger jedoch in der Buchführung. Evtl. für solche Personen ein Budget im Haushalt vorsehen.

Außerdem durch unser „1000 Akkuschrauber“-Programm, das bereits Jugendliche ans Selbermachen heranführen soll (allerdings dabei in ihrem Viertel zur Verschönerung).

Wie stehen Sie zu Privatinitiativen und Graswurzelbewegungen in der Gründerszene und wie wollen Sie diese in die Aktivitäten der städtischen Gründerförderung einbeziehen?

Piraten, Judith Peters:

Diese privaten Initiativen und Treffen sind oft die Saat für Startups. Dort entstehen Netzwerke fürs Leben und wegweisende Geschäftsideen. Daher würde die Stadt Stuttgart wirtschaftlich sehr davon profitieren, wenn sie solche Initiativen und Events noch stärker unterstützen und prominenter bewerben würde. Es gibt bereits z.B. Startup-Weekends und Gründergrillen. Ein jährliches Gründer- und Startup-BarCamp, das Gründer in der Anfangsphase mit erfahrenen Startup-Leuten zusammenbringt, könnte eine gute Ergänzung in der Stuttgarter Startup-Landschaft sein. Mit von der Stadt gesponsorten Räumen und Verpflegung wäre da schon viel geholfen.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Als FDP sehen wir zuerst die Privatinitiative, dann den Staat. Der Staat muss gute Rahmenbedingungen schaffen und kann dort, wo er selbst als Investor auftritt, Innovation fördern. Als Region Stuttgart sollten wir uns positionieren als die Region, die am innovativsten ist bei den Themen ‘sparsamen Umgang mit Ressourcen, Energieeffizienz und Mobilität” und folglich die meisten Unternehmensgründungen auf diesem Feld vorweisen kann

Die Linke, Christoph Ozasek

Je spezialisierter Gründer_innen in einzelnen Branchen beraten werden, desto besser. Für Anregungen, wie die Einbindung von Graswurzelinitiativen in die städtische Gründungsförderung verbessert werden kann sind wir immer offen.

REP, Thomas Melber

Privatinitiative ist zu begrüßen, wobei diese natürlich ihre Schwerpunkte „nach persönlicher Neigung“ setzt

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Jegliche Form der Unterstützung während der Gründungsphase begrüßen wir. Umso mehr, je weniger sie den städtischen Haushalt belastet.

Eine Einbeziehung sollte derart erfolgen, dass in städtischen Publikationen auf die Kontaktadressen hingewiesen wird.

Wie wollen Sie dem Bedarf an bezahlbarem Büroraum speziell für Gründer und Startups begegnen? Wie stehen Sie bspw. zu der Forderung nach einem lokalen Gründerzentrum, wie sie im Bürgerhaushalt eingebracht wurde (https://www.buergerhaushalt-stuttgart.de/vorschlag/3762)?

Piraten, Judith Peters:

Aus eigener Erfahrung als Selbständige und Gründerin weiß ich: Ein lokales Gründerzentrum wäre sehr sinnvoll. Wir brauchen in Stuttgart eine zentrale Anlaufstelle für Gründerwillige, einen One-Stop-Shop, damit Gründer ihre wertvolle Zeit im Frühstadium nicht mit der frustrierenden Suche nach Informationen und Unterstützung verschwenden. Das werde ich definitiv unterstützen.
Zum Thema Büros: Sogar in Stuttgart gibt es bezahlbaren Büroraum. Bestes Beispiel ist das Coworking in der Gutenbergstraße. Aber sobald man etwas größeres braucht, stellt man fest, dass günstige Büroflächen zum großen Teil informell vergeben werden. Wenn man keinen Zugang zu den entsprechenden Netzwerken hat, kriegt man von diesen günstigen Büroräumen auch nichts mit. Gründerwillige sollten also besser in diese Netzwerke eingebunden, entsprechende Büroräume auf einer zentralen Plattform gesammelt und kostenlos vermittelt werden. Diesen Service könnte in Zukunft auch das Gründerzentrum anbieten.

FDP, Gabriele Reich-Gutjahr

Die Region weist Flächen aus. Was die Gemeinden dann machen, liegt in deren Ermessen.

Die Linke, Christoph Ozasek

Wie in Frage 2 bereits angeschnitten sehen wir hier eine Aufgabe der Stadt. Auch kann die von uns mehrfach beantragte aber bisher noch nicht umgesetzte Leerstandsabgabe für leer stehende Gewerbe- und Büro-Immobilien Anreize zur Preissenkung bieten. Das käme Start-Ups entgegen. Ein kommunales Gründerzentrum könnten wir uns durchaus vorstellen, z.B. am Standort Eiermann-Campus in Vaihingen.

Die Grünen, Matthias Filbinger

Ein Gründerzentrum ist zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in die Selbständigkeit und die weitere Entwicklung. Als Standort bietet sich u.a. der Eiermann-Campus (ehemaliges IBM-Gelände) an.

REP, Thomas Melber

als Zwischennutzung städtischer Immobilien kann ich mir die Einrichtung von Gründerzentren vorstellen, dies ist aber auch abhängig von der erforderlichen Infrastruktur (Labor, Reinraum, u.a.);

Hochschulen u.ä. Einrichtungen (MPG) haben sich als Inkubatoren ja auch bewährt

Die Stadtisten: Dr. Ralph Schertlen

Ein Gründerzentrum finden wir klasse!

Es gibt genügend leerstehende Bürofläche in Stuttgart. Durch Gespräche mit Eigentümern sollte diese Fläche Gründern günstig (und städtisch gefördert) zugänglich gemacht werden.

Ferner setzen wir uns dafür ein, auch mal ein Auge zuzudrücken, wenn es um formale Dinge geht, d.h. wenn z.B. bei einem 3-Personen-Startup getrennte Toiletten für Männer und Frauen fehlen, dies aber von allen akzeptiert wird und bei weiterem Wachstum der Firma auch behoben wird.

 

Von der AfD erreichte uns nur eine allgemeine Antwort per Briefpost. Die AfD könne als junge Partei noch nicht jedes Politikfeld „beackern“ und habe deshalb auch zu Unternehmensgründung keine festgefügte Parteimeinung.  „Dedizierte, konkrete Antworten auf Ihre Einzelfragen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben.“ Sie verweisen auf ihre Grundprinzipien:

Eines unserer Prinzipien ist „Subsidiarität“, also Hilfe zur Selbsthilfe. Wer die Initiative ergreift, eine Geschäftsidee umzusetzen und ein Unternehmen zu gründen, soll in diesem Unterfangen bestärkt werden. Die vielfältigen bürokratischen, juristischen und fiskalischen Hindernisse, denen sich ein Unternehmensgründer gegenübersieht und die sein Vorhaben behindern und verteuern, sind uns ein Dorn im Auge. Die AfD wird mit ihren noch schwachen Mitteln dagegen ankämpfen, wo immer sie kann.
Ein weiteres Prinzip der AfD ist „Rationalität“. Wenn ein Gemeinderat sich für oder gegen die Ansiedlung eines Unternehmens ausspricht, dann muss dies schlüssig, logisch, nachvollziehbar begründet sein. Eine Entscheidung „aus dem Bauch heraus“ oder nach dem Motto „das machen wir immer so“, lässt die AfD nicht gelten.
Ein drittes Prinzip der AfD ist „Marktwirtschaft“. Eine Geschäftsidee muss sich im Markt bewähren und tragfähig sein. Der Staat oder die Gebietskörperschaften dürfen keine Steuergelder aufwenden, um Unternehmen zu finanzieren oder Venture-Kapital bereitzustellen. Der Staat selbst ist in den meisten Fällen kein guter Unternehmer!
Subventionen dürfen allenfalls für gesellschaftlich wünschenswerte, wirtschaftliche Aktivitäten gewährt werden und auch nur in Form von Abgaben- oder Steuerbegünstigungen, niemals als direkte Geldzahlungen. Allzu oft wurde und wird gegen diesen Grundsatz verstoßen; viele Unternehmen, ja ganze Wirtschaftszweige hängen am Subventionstropf, in der Summe zum Nachteil unserer Volkswirtschaft.

 

Thomas Milber von den REP ergänzte seine Antworten noch:

Über IHK / HWK kann man die Unternehmen in Stuttgart sicher einmal zu einem „round table“ zum Thema Venture Capital zusammenbringen.

Ich selbst habe die Szene anfang des Jahrtausends intensiv beobachtet, und damals gab es keinen Mangel an Initiativen und Veranstaltungen. Vielleicht ist das allgemein etwas eingeschlafen bzw. wird nicht mehr so gehypt (damals gab es auch noch den „Start up“ Wettbewerb und eine jährliche Gründermesse).

 

Wir bedanken uns bei allen, die auf unsere Fragen – insbesondere auch so knapp vor der Wahl – geantwortet haben.

Natürlich ist unsere Umfrage sehr einseitig und monothematisch. Und eine Wahlentscheidung solltet ihr nicht allein aufgrund dieser Antworten hier treffen. Insofern bleibt uns noch zu sagen: Informiert euch und geht zur Wahl. Insbesondere bei der Kommunalwahl habt ihr direkt vor eurer Haustür die Möglichkeit, mitzuentscheiden. Also seid dabei!

Bildquelle: CC BY-ND 2.0 von Dennis Skley auf Flickr