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Das Gründergrillen zieht Kreise und findet am 6. Juli 2015 das erste Mal auch in Ulm statt!

Auch die Ulmer möchten ihre Gründerszene besser vernetzen. Gründer, Unternehmer und Gründungswillige treffen sich, tauschen sich aktiv aus und pitchen ihre Geschäftsidee.

Interessiert? Dann kommt einfach vorbei. Adresse: Damn Burger, Karpfengasse 4, 89073 Ulm. Es gibt leckere Burger!

Hier geht’s außerdem zum Facebook-Event.

Gastinterview von Florian Schweer
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Im ersten Teil des Interviews mit Stuttgart Financial letzte Woche haben wir einiges über die Aufgaben und Initiativen von Stuttgart Financial erfahren.

Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit Thomas Munz und Dirk Sturz über die Gründe für Existenzgründer ihr Startup in Baden-Württemberg bzw. in Stuttgart zu gründen. Wir werfen außerdem einen Blick in die Zukunft und erörtern die Möglichkeit, das Startkapital für ein Startup über eine börsliche Plattform einzusammeln.

Baden-Württemberg gilt aktuell nicht unbedingt als erste Wahl, wenn es um die Standortentscheidung für Gründer geht. Berlin steht für Internet-Startups, Köln für die Kreativszene hoch im Kurs. Warum sollten sich Gründer für Baden-Württemberg bzw. den Standort Stuttgart entscheiden?

T. Munz: Da gibt es eine ganze Reihe von Argumenten für unsere Region. Wir haben im ersten Teil des Interviews über die starke Realwirtschaft in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart gesprochen. Dementsprechend haben Gründer hier eine gute Möglichkeit Lieferanten, Partner und natürlich auch Kunden in der Region für ihre Produkte und Dienstleistungen zu finden.

Ein weiteres Argument ist die geographische Lage. Durch die gute Anbindung können Unternehmer problemlos Kunden im Rhein-Main-Gebiet, der Rhein-Neckar-Region und im Großraum München erreichen. Der Weg in die angrenzenden Länder Frankreich, Österreich und Schweiz ist ebenfalls nicht weit.

Durch die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft in Baden-Württemberg finden Gründer auch erfahrene Unternehmer, die bereit dazu sind junge Unternehmer auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen.

Insbesondere die schwäbische Mentalität wird im Rest der Republik nicht ausnahmslos positiv wahrgenommen. „Der Schwabe“ ist mit vielen Klischees belegt. Sehen Sie dies als Hemmnis im Bezug auf die Attraktivität als Standort für Gründer?

D. Sturz: Nein, das stellt aus unserer Sicht kein wirkliches Hemmnis dar. Ich denke man sollte sich sein eigenes Bild machen und dann entscheiden was an den Klischees oder Vorurteilen tatsächlich dran ist. Viele davon lösen sich dann nämlich relativ schnell wieder auf. Außerdem haben wir ja insbesondere in der Region Stuttgart einen beträchtlichen Anteil von zugezogenen Fachkräften und viele Menschen mit ausländischen Wurzeln. Ich denke wir haben da eine gute Mischung unterschiedlicher Mentalitäten, auf die man im Arbeitsleben trifft.

Im Rahmen der Veranstaltungen, die wir (mit-)veranstalten, unterhalte ich mich auch immer wieder mit Menschen die für eine Stelle oder für ein Projekt hierher gezogen sind. Die allermeisten zeigen sich sehr positiv überrascht über die hohe Lebensqualität die Stuttgart zu bieten hat.

Gibt es bestimmte Charaktereigenschaften, die ein Gründer mitbringen sollte, um am Standort Stuttgart erfolgreich zu sein?

T. Munz: Ich denke, dass es für große Visionäre hier schwieriger ist als an anderen Standorten. Die Unternehmen und Menschen hier schätzen Bodenständigkeit und ein Stück weit auch die viel zitierte Hemdsärmlichkeit. Das Bild des Unternehmers, der selbst in der Produktion Hand anlegen kann und sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, ist hier sehr stark in den Köpfen verankert.

Im Endeffekt führt das dazu, dass sie als Gründer ihre Partner von ihren Fähigkeiten als Unternehmer überzeugen müssen und im Idealfall schon Ergebnisse als Zeugnis ihrer bisherigen Arbeit vorlegen. Das ist generell wichtig um Partner und Kunden zu überzeugen. Vielleicht urteilen wir hier in der Region ein bisschen kritischer als das an anderen Standorten geschieht.

D. Sturz: Wir beobachten, dass die Gründer in Baden-Württemberg durchschnittlich älter sind als an anderen Standorten. Viele Gründer haben nach Ausbildung und Studium zuerst einige Jahre als Angestellte gearbeitet und Erfahrung und auch Kapital für die Investition in ein eigenes Unternehmen gesammelt. Der Schritt in die Selbständigkeit erfolgt dann z.T. erst im Alter zwischen 40 und 50, wenn langjährige Berufserfahrung und finanzielle Reserven vorhanden sind.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Gründerszene in Baden-Württemberg?

D. Sturz: Wir sehen in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung in diesem Bereich. Das Thema Gründung hat durch viele Initiativen des Landes und auch der einzelnen Netzwerke und Förderer deutlich stärker an Bedeutung gewinnen können. Auch die Hochschulen tragen einen großen Teil dazu bei, ihre Studenten bereits während des Studiums mit dem Themenkomplex „Unternehmertum“ in Kontakt zu bringen. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zeigt auf, dass High Tech-Gründungen in Baden-Württemberg im Bundesvergleich besonders häufig erfolgreich sind. Gleichzeitig ist aber auch zu beobachten, dass die Existenzgründerquote in Baden-Württemberg sehr niedrig ist. Um seine Spitzenposition im Technologiebereich weiter halten zu können, muss Baden-Württemberg seine Potenziale voll ausschöpfen. Gründungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Daher sind wir bestrebt Gründern gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern bestmöglich zu unterstützen.

Stuttgart Financial hat seine Räumlichkeiten ja nicht nur im gleichen Gebäude wie die Gruppe Börse Stuttgart sondern ist auch durch die Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V. eng mit der Börse Stuttgart verbunden. Warum existiert bislang keine börsliche Plattform für die Finanzierung von Existenzgründern als Alternative zu den Crowfunding-Plattformen, die aktuell wie Pilze aus dem Boden schießen?

T. Munz: Eine börsliche Plattform aufzusetzen, um Geld für Startups einzusammeln, ist technisch keine große Herausforderung und kann theoretisch sehr schnell erfolgen. Im Vorfeld müssen allerdings einige grundlegende Aspekte beleuchtet und geklärt werden.

Der börsliche Handel ist heute von größtmöglicher Transparenz geprägt. Das bedeutet im Zusammenhang mit einer börslichen Plattform für Startups, dass wir alle Akteure davon überzeugen müssen sehr detailliert Auskunft über das jeweilige Gründungsvorhaben zu geben. Gründer und Produktentwickler sind insbesondere in der Startphase außerordentlich vorsichtig, wenn es um die Offenlegung von Informationen rund um ihr Vorhaben geht. Ihnen geht es darum, Innovationen zu schützen, einen Vorsprung in der Entwicklung zu bewahren und sich somit vor Wettbewerbern zu schützen. Auf der Investorenseite besteht der Wettbewerbsvorteil darin, früher und detaillierter von neuen Vorhaben zu erfahren als die Konkurrenz. Diese weit verbreiteten Verhaltensweisen stehen somit im Gegensatz zu den Ansprüchen, die zwangsläufig an Teilnehmer einer Börsenplattform gestellt werden müssten.

Darüber hinaus muss geklärt werden, wer im Nachgang an das Funding den funktionierenden Handel im Sekundärmarkt garantiert. Hier müssen ggf. Angebots- oder Nachfrageüberhänge ausgeglichen werden. Die Börse kann als Plattformbetreiber diese Aufgabe nicht leisten. Hier müssen sich einzelne Akteure bereit erklären die jeweiligen Spitzen auszugleichen um einen liquiden Handel zu gewährleisten. Liquidität ist wichtig für einen reibungslosen Handel und die Vermeidung von Verwerfungen bei der Preisermittlung. Die Rolle als Liquiditätsspender ist zwangsläufig mit Risiken verbunden und die Übernahme dieses Risikos muss vergütet werden. Wer kommt für diese Vergütung auf? Der Gründer der das Geld eigentlich für den Aufbau seines Unternehmens benötigt? Die Investoren? Alle gemeinsam? Sie sehen das sind sehr viele knifflige Fragen bei gegenläufigen Interessenlagen. Und dann haben wir auch noch die Thematik, dass wir unseren Anlegern kommunizieren müssen, dass es sich beim Investment in Startups um eine extrem risikoreiche Form der Anlage handelt.

Das hört sich nicht danach an, dass Sie die Entwicklung eines Konzepts für darstellbar halten.

T. Munz: Wie gesagt, die Fragestellungen sind umfangreich und die Interessenlagen sehr komplex. Wenn sich die Beteiligten auf neue Wege einlassen und entsprechende Konzepte entwickeln, dann werden wir uns das mit Sicherheit anhören und unsere Expertise auf diesem Gebiet einbringen. Die Initiative dazu kann allerdings nicht von Stuttgart Financial ausgehen. Da sind die Gründer, Finanzdienstleister und Netzwerke gefragt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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Über den Interviewer

Florian Schweer

Florian Schweer ist Unternehmer und Gründer der FSBV GmbH. Vor der Gründung seines Unternehmens war er von 2003-2012 in unterschiedlichen Funktionen und in mehreren Unternehmen für die Gruppe Börse Stuttgart tätig.

Bildquelle Headerbild: Stuttgart Financial

Gastinterview von Florian Schweer
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Wenn man sich in der Stuttgarter Gründerszene umhört, wer Gründungsinteressierte unterstützt und vernetzt, hört man eigentlich immer wieder IHK, ifex und bwcon. Die Arbeit und die Angebote von Stuttgart Financial für Existenzgründer sind bisher eher nur Insidern bekannt. Ich finde das sollte sich ändern und habe mich mit Dirk Sturz, Diplom-Kaufmann und leitet Stuttgart Financial seit 2007, und Thomas Munz, Vorstand der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V. und Mitglied des Beirats von Stuttgart Financial, über ihre Arbeit und Initiativen unterhalten.

In Teil I des Interviews erfahrt ihr mehr über die Aufgaben und Initiativen von Stuttgart Financial und die Aktivitäten zur Förderung von Existenzgründern am Standort Stuttgart bzw. im Land Baden-Württemberg.

stuttgart-financial-logo

Was sind die Aufgaben von Stuttgart Financial?

Thomas Munz: Bevor wir auf die konkreten Aufgaben eingehen, würde ich gerne den organisatorischen Hintergrund von Stuttgart Financial kurz erläutern. Einer der Initiatoren für die Gründung von Stuttgart Financial ist die Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V. In der Satzung der Vereinigung haben wir uns neben dem Betrieb der Börse Stuttgart, der Förderung des Finanzplatzes Baden-Württemberg verschrieben und agieren als gemeinwohlorientiertes Unternehmen. Stuttgart Financial ist keine staatlich finanzierte Institution, sondern wird durch die Vereinigung und durch die Erträge aus dem Betrieb der Börse finanziert. Diese Konstellation ist in dieser Form einmalig in Deutschland.

Dirk Sturz: Stuttgart Financial versteht sich als Plattform zur Vernetzung der einzelnen Akteure am Finanzplatz Baden-Württemberg. Dazu zählt auch, Unternehmen und Finanziers zusammenzubringen. Gerade bei Existenzgründungen sehen wir hier noch Handlungsbedarf.

Sie haben vom Finanzplatz Baden-Württemberg gesprochen. Wenn man an Finanzplätze denkt, fallen einem in Europa eher Frankfurt oder London ein. Existiert tatsächlich ein Finanzplatz Stuttgart?

T. Munz: Sie haben natürlich dahingehend Recht, dass Stuttgart bzw. Baden-Württemberg nicht als großer Finanzplatz wahrgenommen wird. Das liegt insbesondere daran, dass wir in Baden-Württemberg eine extrem starke, mittelständisch geprägte Realwirtschaft haben. Die baden-württembergischen Finanzdienstleister bewegen sich mit der Realwirtschaft bei uns eher auf Augenhöhe. In den von Ihnen genannten Städten werden andere Industrien von der Finanzindustrie überstrahlt und in den Schatten gestellt. Wir halten das bei uns vorherrschende Verhältnis für ausgewogen und unterstützen insbesondere die Vernetzung von Real- und Finanzwirtschaft.

Wie sehen Ihre Aktivitäten und Initiativen aus, mit denen Sie den beschriebenen Plattformgedanken mit Leben füllen und die einzelnen Akteure miteinander vernetzen?

T. Munz: Grundsätzlich liegt unser Fokus nicht auf der Ausrichtung eigener Veranstaltungen sondern eher auf der Unterstützung von Angeboten, die von anderen Veranstaltern initiiert und durchgeführt werden. Wir treten auf diese Weise nicht in Konkurrenz zu bestehenden bzw. entstehenden Angeboten auf. Das könnten wir mit unserem kleinen Team auch überhaupt nicht leisten. Es geht vielmehr darum bei Engpässen die Veranstalter als Partner zu unterstützen. Das kann beispielsweise durch die Vermittlung eines kompetenten Referenten aus unserem Netzwerk geschehen. Wir stellen auch regelmäßig unsere Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung oder sponsorn die Bewirtung. Wir unterstützen unsere Kooperationspartner je nach konkretem Bedarf.

D. Sturz: Unseren Partnern ist klar, dass wir keine Konkurrenz darstellen. Dementsprechend werden auch viele Vorschläge für Aktivitäten von Stuttgart Financial von Partnern oder der Politik an uns herangetragen. Im Laufe der Zeit ist eine große Bandbreite von unterschiedlichen Veranstaltungen umgesetzt worden. Das kann ein Kongress, ein Weiterbildungsangebot für Spezialisten zu einem bestimmten Thema, aber auch eine reine Spaßveranstaltung, wie beispielsweise unsere AfterWork Party oder das Pub Quiz sein.  Wir bieten somit einfach Gelegenheiten sich innerhalb der Branche kennenzulernen, regelmäßig wieder zu treffen und sich in einer angenehmen Atmosphäre, abseits von Besprechungen, Telefonaten mit Kunden und dem nächsten Termin, auszutauschen.
Darüber hinaus ist uns wichtig, dass unsere Angebote auch für die mittlere Führungs- bzw. die Arbeitsebene bei den Finanzdienstleistern in der Region interessant sind. Die Führungskräfte an den Spitzen der Unternehmen sind i.d.R. gut untereinander vernetzt. Wir wollen die Vernetzung in die Breite vorantreiben.

Gibt es auch spezielle Angebote für Gründer in Baden-Württemberg?

D. Sturz: Definitiv! Baden-Württemberg ist Innovationsland. Der Bedarf zur Förderung von Hightech-Gründungen ist dennoch hoch, um auch in den zukunftsträchtigen Branchen den Anschluss nicht zu verpassen und langfristig unsere Spitzenposition im Technologiebereich verteidigen zu können.

Aus diesem Grund betreiben wir gemeinsam mit der ifex unter der Marke VC-BW ein Netzwerk für Beteiligungskapital. Wir arbeiten hier eng mit den bestehenden Gründer- und VC-Netzwerken zusammen und verfolgen das gemeinsame  Ziel die Gründungsaktivitäten in Baden-Württemberg auch überregional sichtbar zu machen. Dies ist notwendig, um auch (größere) Investoren außerhalb Baden-Württembergs auf gute Ideen und unseren Unternehmer-Nachwuchs aufmerksam zu machen.

Die Internet-Plattform von VC-BW bietet Gründern einen guten Überblick zu den Themen Finanzierung, Investoren und Netzwerke. Neben aktuellen Beiträgen und Veranstaltungshinweisen können hier die jeweiligen Ansprechpartner der beteiligten Netzwerke gefunden werden.

VC-BW-Logo

Wir bieten mit dem jährlich stattfindenden Venture Capital-Pitch jungen Unternehmen mit einem großen Finanzierungsbedarf eine Möglichkeit sich vor potenziellen Investoren zu präsentieren [Anm. d. Red.: der nächste VC-Pitch findet am 29.01.2014 statt]. Sie erhalten auf diese Weise die Möglichkeit, Kontakte zu Investoren zu knüpfen und erhalten von diesen detaillierte Rückmeldung hinsichtlich ihrer Ideen, Produkte und ihrer Präsentation als Unternehmer. Die Auswahl der Unternehmen erfolgt über eine Jury, die mit Experten unserer Netzwerkpartner besetzt ist. Damit sichern wir ein Qualitätsniveau, durch das wir auch Investoren bspw. aus Hamburg oder München für die Teilnahme an dieser Veranstaltung gewinnen können.

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Über den Interviewer

Florian Schweer

Florian Schweer ist Unternehmer und Gründer der FSBV GmbH. Vor der Gründung seines Unternehmens war er von 2003-2012 in unterschiedlichen Funktionen und in mehreren Unternehmen für die Gruppe Börse Stuttgart tätig.

Bildquelle Headerbild: Stuttgart Financial

Gastbeitrag von Michael Negele
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Am 17. Juli war ich auf der „Unternehmer im Dialog“ Veranstaltung, die von Ernst & Young organisiert wird und Teil des „Entrepreneur des Jahres“ Wettbewerbs ist. Als ich dort ankam war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich das richtige Outfit anhatte. Alle Besucher waren in Anzug gekleidet und ich hatte gar nicht daran gedacht, dass es sowas wie einen Dresscode gibt. Shorts & Shirt waren zwar nicht das Richtige, aber das hat die Veranstalter nicht gestört.

In einer der hinteren Ränge nahm ich Platz und fing an, zuzuhören was die drei erfolgreichen Unternehmer aus Baden-Württemberg zu erzählen hatten und ich schrieb wie immer mit. (Mein Kurzzeitgedächtnis ist nicht so gut, weshalb ich immer gezwungen bin, mitzuschreiben.)

Eingeladen waren Dr. Dirk Biskup, Geschäftsführer der CeGat GmbH, einem erfolgreichen Bio-Tech-Startup mit Sitz in Tübingen; Dr. Nikolas Stihl, Vorsitzender des Beirats der STIHL Holding AG & Co. KG und Dr. Stefan Wolf, Vorsitzender des Vorstands der ElringKlinger AG.

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Wie man Qualität weltweit sichert.
Wer als Startup an einem Hardware-Produkt arbeitet und dieses weltweit vermarkten möchte, kann von diesen drei Unternehmern viel lernen.

Dr. Nikolas Stihl setzt vor allem auf „Qualität entlang der gesamten Lieferkette“. Das heißt, dass von der Mitarbeitersuche bis zur letzten Schraube in einer Produktionshalle in China alles nach den eigenen Vorgaben funktionieren muss. Das heißt aber auch, dass man die „Zulieferer in den Griff“ kriegen muss und dass man ständig „Kontakt zu den Händlern und Kunden“ hat. Stihl erwähnte auch, dass bei der Konstruktion der Produkte vor allem folgendes zählt: möglichst wenige “Dinge” in einem Gerät einbauen und Gesundheitsrisiken wie auch Sicherheit beachten.

Wer als Gründer plant, im Ausland produzieren zu lassen kann von Dr. Stefan Wolf von ElringKlinger vor allem eines lernen: dass alle Werke weltweit „selber aufgezogen werden“. In allen Werken wird dann dieselbe Technologie genutzt und die lokalen Arbeiter „á la IHK Standards“ ausgebildet. Diese Mitarbeiter sind dann zwar danach sehr gefragt, aber auch das wird bedacht. Zum Beispiel bekommen chinesische Mitarbeiter nach fünf Jahren ein Auto geschenkt.

Von den drei Unternehmen war die CeGat GmbH, das nebenbei Gewinner des deutschen Gründerpreises ist, das einzige „Startup“. Dr. Dirk Biskup hat das Unternehmen mit seiner Frau Dr. Dr. Saskia Biskup gegründet. Die Idee hatten beide damals während eines Strandurlaubs in Florida „in den Sand gezeichnet“. Für Dr. Biskup sind vor allem ein ganz bestimmter Typ Mitarbeiter wichtig: „Leute mit roher Intelligenz, einem guten Abschluss, einer Promotion und wenig Erfahrung.“ Bei der CeGat GmbH gibt es dabei ein sehr wichtiges Prinzip: „Du darfst einen Fehler machen, aber nie verschleiern.“

Wenn möglich aus eigenen Mitteln finanzieren.
Interessant fand ich auch die Antworten zum Kapital der Unternehmen. Die Firma STIHL hat bisher alle großen Investitionen aus dem Cash Flow getätigt, wobei man bei “Einzelinvestitionen an die lokale Bank geht”. Das Ziel der Firma STIHL ist laut Dr. Nicolas Stihl, dass man strategisch selbst aus den eigenen Mitteln finanziert. Dabei will man möglichst nicht von “Jungen Analysten, die in Ihren Büros sitzen und keine Ahnung vom Tagesgeschäft haben” abhängig sein.

Die CeGat GmbH hat vor allem Dank des eigenen Erfolgs keine Probleme mit Krediten gehabt. Grund: Nach dem ersten Jahr war das Unternehmen schon im „Plus“. Beide Gründer achten darauf, dass „keiner in das tägliche Geschäft hinein redet“, weshalb sie sich letztes Jahr für ein strategisches Investment gegen Kapitalerhöhung mit der B. Braun Melsungen AG entschieden haben.

Die besten Leute finden und einstellen.
Das Bio-Tech Unternehmen CeGat GmbH, das vor allem darauf setzt, schnellere und bessere Auswertungsmethoden für die Sequenzierung von DNA & RNA zu erstellen, sucht vor allem nach Fachärzten für Humangenetik, von denen es nur sehr wenige in Deutschland gibt.

Die Elring Klinger AG und STIHL suchen vor allem nach den besten Entwicklungsingenieuren. In beiden Unternehmen wird dabei sehr früh viel Wert auf Verantwortung gelegt. „Wer als Ingenieur anfängt, hat von vorne rein die Verantwortung für das gesamte Projekt.“, sagt Dr. Nikolas Stihl. Um die besten Leute zu finden werden Kontakte zu Hochschulen geknüpft und gepflegt.

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Was tun diese Unternehmen gegen Datenklau und das Kopieren von Patenten?
Ein Gast hat am Ende der Diskussion diese Frage gestellt, die auch mich sehr beschäftigt. Vor allem durch die jetzige Diskussion mit der NSA und deren PRISM-Programm. Darauf antwortete Dr. Wolf, dass „Zeichnungen nicht ausreichen“, um ihre Produkte nachzubauen. Der Grund: Der Produktionsprozess ist sehr schwer nachzuvollziehen. Um das Risiko gering zu halten finden alle Basis-Entwicklungen nur in der Zentrale statt. Dr. Stihl fügte hinzu, dass Software sowieso keine Patente hätten, sondern „Verschlüsselungen von Steuerungen“.

Power to the Ländle
Wie man hoffentlich lesen kann, können wir sehr viel von erfolgreichen Unternehmen aus dem „Ländle“ lernen. Vor allem für Startups, die Hardware bauen, gibt es hier viele Unternehmen, die bereit sind zuzuhören, zu helfen und vielleicht sogar zusammenzuarbeiten.

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Über den Autor

Michael Negele
Michael Negele

Michael Negele ist Marketing-Fachmann. Er hat sich auf den Aufbau von Vertriebsnetzwerken online spezialisiert. Michael hat im Jahr 2010 sein Medienmanagement-Studium (B.A.) abgeschlossen. Nach seinem Studium hat er drei Jahre lang für ein Startup namens Kupilka in Finnland als Sales & Marketing Manager gearbeitet. Während dieser Zeit war er für den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzwerkes von Grund auf zuständig. Danach machte sich Michael zum ersten Mal in Helsinki selbständig, bis er sich nach einem Jahr für den Umzug nach Stuttgart entschied. Michael hat in Rwanda, USA, Finnland und Deutschland gelebt und spricht fließend Deutsch, Englisch und Französisch.

Unsere StartUp Stuttgart-Mentorin und Steuer-Fachfrau Iris Anesi bietet am 12. Juli 2013 um 16 Uhr ihre nächste Online-Sprechstunde rund um das Thema “Steuern im Unternehmen” an. Im Rahmen dessen steht sie euch zu all euren Fragen Rede und Antwort.

Damit alle Teilnehmer von der Sprechstunde profitieren können, ist die Teilnehmerzahl auf 12 begrenzt. Die Sprechstunde ist kostenfrei, allerdings ist eine Vorab-Anmeldung hier auf Eventbrite notwendig, um an der Sprechstunde teilnehmen zu können.

Etwa eine Stunde vor der Veranstaltung bekommen alle Teilnehmer die Zugangsdaten zum dozeo Meetingraum per E-Mail zugesendet. Für die Teilnahme am Meeting muss kein zusätzliches Programm installiert werden.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Unsere StartUp Stuttgart-Mentorin und Steuer-Fachfrau Iris Anesi bietet am 10. Mai 2013 um 16 Uhr ihre erste Online-Sprechstunde rund um das Thema „Gründen und Steuern im Unternehmen“ an, im Rahmen dessen sie euch zu Fragen Rede und Antwort stehen wird.

Damit alle Teilnehmer von der Sprechstunde profitieren können, ist die Teilnehmerzahl auf 8 begrenzt. Die Sprechstunde ist kostenfrei, allerdings ist eine Vorab-Anmeldung hier auf Eventbrite notwendig, um an der Sprechstunde teilnehmen zu können.

Spätestens einen Tag vor der Veranstaltung bekommen alle Teilnehmer die Zugangsdaten zum dozeo Meetingraum per E-Mail zugesendet.

Wir freuen uns auf dieses neue Veranstaltungsformat und eure Teilnahme!