Nachdem am 19. März das Launch Event der Gründermotor Meisterklasse #5 stattgefunden hat, sind nun die 10 Teams ausgewählt worden, die in den nächsten 16 Wochen zusammen mit den Mentoren investment ready gemacht werden.
In die Gründermotor Meisterklasse #5 geschafft haben es Cytolytics, improveMID, Gauss Machine Learning GmbH, Expozed1, SACCHA, goodBot, HAYV, sereact, femfeel und SaySom.

Auch der Overallwinner des Start-up BW ASAP-Finales #5, improveMID, konnte beim Launch Event überzeugen. Nach dem sie sich durch den ASAP-Sieg einen Platz für das Launch Event des Gründermotors sichern konnten, heißt es für sie in den nächsten Wochen tatsächlich “Freitags ist Meisterklasse”.
Das Team aus Expertinnen für die Durchführung der gesetzlich verpflichtenden „psychischen Gefährdungsbeurteilung“ für kleine und mittelständische Unternehmen nutzt ein innovatives und datengetriebenes Tool, das es Unternehmen ermöglicht, psychische Gefahren frühzeitig zu erkennen und anzugehen.

Wir sind gespannt, wie es für die Teams die kommenden Wochen und Monate weitergeht, wünschen viel Erfolg und hoffen auf ein spannendes Finale des Gründermotors.

Paul-David Bittner vom Startup Center der Universität Tübingen hat uns Auskunft über die Entwicklung der Startup Förderung in Tübingen gegeben:

 “Als eines der Pionierprojekte im Bereich der Gründungsförderung wurde im Jahr 2015 die MedTech Startup School ins Leben gerufen, als ein 100-tägiges Innovations- und Entrepreneurshiptraining, um Gründungsideen in der Gesundheits- oder Life-Science-Branche mit umfangreicher Unterstützung weiterzuentwickeln. Das Projekt wurde zu einem vollen Erfolg und lockte eine Vielzahl von gründungsinteressierten Forschenden und Studierenden an. Im Laufe der Jahre gingen aus dem Programm viele aussichtsreiche Startups hervor, die mit ihren Innovationen die Gesundheitsbranche bereichern. Dazu gehören unter anderem MR Shim, Rehago, Striatech und Kegels4you.

Um fortan auch Gründerinnen und Gründer aus anderen Branchen zu unterstützen wurde das Programm weiterentwickelt und 2020 die Startup Academy ins Leben gerufen, die aus einem allgemeinen Teil besteht, der von spezifischen Teilen ergänzt wird. In den Entrepreneurship Essentials wird dabei essenzielles Wissen über eine Gründung an Interessierte aus allen Bereichen vermittelt und die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an ihren Geschäftsmodellen mithilfe des Business Model Canvas und anderen Tools. Die Life Science Series richtet sich an Gründungen aus dem Gesundheitsbereich und beschäftigt sich intensiv mit deren Herausforderungen und Bedürfnissen. Bei der Social Innovation Series können alle, die sich für soziales Unternehmertum interessieren ihre Projekte dort voranbringen. Schon im ersten Jahr haben viele junge Gründerinnen und Gründer die Programme erfolgreich durchlaufen und eines von ihnen – Prime Vector Technologies – wurde vom Bund mit über 20 Millionen € gefördert und beteiligt sich aktiv an der Impfstoffentwicklung gegen Covid-19.

Tübingen hat für Startups viel zu bieten ‒ aber sichtbar ist das bisher noch nicht. Die Startup:con Tübingen, organisiert vom Startup Center der Universität Tübingen, soll das ändern: Als Plattform, auf der Interessierte sich informieren und Akteure sich vernetzen können.

Oberbürgermeister Boris Palmer gibt mit einem Grußwort den Startschuss, für den virtuellen Marktplatz, der am 15. April von 16.30 bis 18.30 Uhr online stattfinden wird. Nach der Eröffnung stellen die Tübinger Startup Unterstützer in 90-sekündigen Pitch-Vorträgen sich und ihre Angebote vor und anschließend steht der digitale Marktplatz allen Besuchern offen. An virtuellen Ständen präsentieren zahlreiche Akteure aus der Region Angebote für angehende Gründerinnen und Gründer. Dabei sind unter anderem Cyber Valley, IHK Reutlingen, die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen sowie Anbieter von Startup- spezifischen Dienstleistungen wie Coworking Spaces, Workshops und Beratungen. Junge Startup-Teams aus Tübingen wie Cytolytics, Eye2you, Look! oder Your Company berichten aus der Praxis.

Sandra Gässler vom Startup Center der Universität Tübingen freut sich über die gute Resonanz: „Die Reaktionen auf unsere Initiative sind durchweg positiv. Unser Ziel ist es, dem Startup-Ökosystem in Tübingen mehr Sichtbarkeit zu verleihen und damit die Gründungskultur zu stärken und die Gründerszene zu beleben.“ Die Registrierung bis zum 9. April über die Website uni-tuebingen.de/gruenden möglich.

Ein Roman als Lehrbuch? Wer „The Goal“ von Eliyahu Goldratt gelesen hat weiß, dass sich ein auf den ersten Blick trockenes Thema wie Prozessoptimierung in eine spannende Geschichte packen lässt. Mit „Startup.mord – Erfolg kennt keine Grenzen“ greift Prof. Dr. Tobias Kollmann diese Grundidee auf und vermittelt eine Menge Startup-Wissen in Form eines Romans, welcher faktisch ein Krimi ist. 

Die Protagonisten Alexander König und Moritz Hansen gründen gemeinsam „AudioKing.com“, ein Startup mit dem Potential zum Unicorn. Als „Youtube für die Ohren“ schaffen es die Gründer bei „South by Southwest“ (kurz SXSW) die Aufmerksamkeit amerikanischer Internetgiganten auf sich zu ziehen. Die Kaufangebote schlagen sie aus und entscheiden sich den Weg zum Börsengang, dem Initial Public Offering selbst zu gehen. Mit dem Tag des IPOs von Audioking.com beginnt das Buch und die ersten Zeilen des Prologs zeigen, dass es nicht gut ausgehen wird. Der Mitgründer Moritz Hansen wurde wenige Wochen vorher ermordet aufgefunden und während CEO Alexander König sich auf dem Weg zum Erinnerungsfoto zur Bullenskulptur auf dem Börsenplatz lässt eine bekanntes Nachrichtenportal die Bombe platzen, welche den Aktienkurs auf Talfahrt schickt.

Somit weiß man bereits zu Beginn, wer dem Erfolg von Audioking.com zum Opfer fallen wird und wenn sich die Frage nach dem Mörder erst knapp 500 Seiten später klärt kommt dennoch keine Langeweile auf. Als Leser geht man mit den beiden Gründern auf die Achterbahnfahrt eines schnell skalierenden, mit Venture Capital finanzierten Startups. Die Reise führt zu bekannten Orten der deutschen Startup-Szene in Berlin, Köln, Düsseldorf und Hamburg. Die Reise startet an der fiktiven „University of Digital Business (UDB)“ mit zwei Studierenden, welche sich im richtigen Moment treffen und ihre Ideen zusammenbringen. Charaktere, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten und genau das Holzschnittartige, ja fast schon Überzeichnete macht auch den Reiz des Buches aus. Nur sehr wenige Startups nehmen überhaupt den Weg aus dem Hörsaal bis zum Börsengang, aber genau deshalb gelingt es auch alle relevanten Themen einzubringen. Begriffe und Konzepte aus der Startup-Welt wie Pitch-Deck, ESOP, Geschäftsmodell und Verwässerung werden nicht nur erwähnt, sondern scheinbar beiläufig erklärt. Auch die Kapitel des Buchs lassen die Reise miterleben, der Seed-Phase folgen die Startup- und die Expansions-Phase. Viel Erfahrung und offensichtlich auch eigene Erlebnisse stecken in diesem Buch. Ich muss an die langen Gesichter von mir betreuter Gründer denken, welche trotz guter Zahlen von Ihren Gesellschafter abgestraft wurden, weil die Ausgaben außerhalb des vereinbarten Korridors lagen. Genau das müssen die Gründer von Audioking.com erleben und schnell merkt man, wie es sich mit Investoren lebt, welche unterschiedliche Erwartungen haben. Man erlebt auch die Realität zwischen dem „Fake it ´til you make it“, welches Gründern oft empfohlen wird und dem Überschreiten des schmalen Grads, welcher von der guten Growth-Story zu unethischem oder gar kriminelles Verhalten führt. Vor diesem Hintergrund gibt es auch mehrere mögliche Motive am Mord des Mitgründers und CTO Moritz Hansen und auch hier geling es Tobias Kollmann den Spannungsbogen bis ganz zum Schluss zu erhalten. 

Fast muss man empfehlen, das Buch zweimal zu lesen, einmal für die Geschichte und dann noch einmal mit dem Notizblock in der Hand bzw. für die Studierenden mit Kontrollfragen, welche sich an jedes Kapitel anschließen lassen. Gefühlt fehlt zu meinem Glück nur der Foliensatz für das De-Briefing nach jedem Kapitel. Für mich kommt das Buch auf die Literaturliste für meine Studierenden, das Lesen dieses Romans ersetzt zwar keine eigene Startup-Erfahrung, ist aber eine gelungene Alternative für diejenigen, welche die Chance dazu noch nicht hatten. 

Buchrezension von Prof. Dr. Nils Högsdal

Baden-Württemberg gilt als Gründungshochburg für weibliche Startups – die treibende Wirtschaftskraft unserer Zukunft. Das Potenzial an unternehmerischen Frauen ist enorm.
Um eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft zu fördern und es Gründerinnen zu erleichtern den Einstieg in die Selbstständigkeit zu finden, haben die Gründerallianz Karlsruhe, die Stadt Karlsruhe und das GIG7 Kompetenzzentrum FeMale Business in Mannheim, den Female Founders Online Congress ins Leben gerufen, der vom 14. – 16. April 2021 stattfinden wird. Der Female Founders Online Congress findet 2021 ausschließlich online statt, bildet unterschiedlichste Branchen ab und ist zu 100% kostenlos. Dabei werden Themen wie Social Entrepreneurship, Female Leadership, Digitalisierung von Geschäftsideen und Finanzierungsmöglichkeiten genauso besprochen wie Vermarktung, Netzwerken und Sichtbarkeit. Die Veranstaltung wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg und der L-Bank Baden-Württemberg unterstützt.

Hier kannst du dich anmelden.

Die Landesregierung hat weitere Investitionen in das baden-württembergische Gründernetzwerk in die Wege geleitet. Gefördert werden unter anderem Projekte wie der Gründermotor und universitäre Entwicklungseinrichtungen. Ziel ist es, ein dezentrales Innovationsnetzwerk aufzubauen und Unternehmen von Anfang an zu unterstützen.

Hierzu haben wir vier Experten zum Gespräch eingeladen: Prof. Dr. Nils Högsdal (Hochschule der Medien – Prorektor Innovation), Adrian Thoma (Gründermotor, Pioniergeist, STEYG), Dr. Helmut Schelling (Vector Informatik GmbH & Vector Stiftung), Dr. Eric Heintze (Uni Stuttgart & Coral Innovation).

Der folgende Text stellt eine Zusammenfassung aus dem Dialog sowie den Maßnahmen der Regierung dar.


Als Antwort auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor die die COVID-19-Pandemie uns aktuell stellt, hat das Wirtschaftsministerium eine weitere Welle an Unterstützungen für das Start-up Ökosystem zugesagt. Der Titel: „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“.
Damit soll die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standortes weiter ausgebaut werden, indem die aktuell bereits erfolgreichen Programme sowie Gründungen aus der Wissenschaft gefördert werden.

Betont wird, dass diese Programme in der Vergangenheit u.a. High-Tech-Unternehmen hervorgebracht haben. Ein Beispiel hierfür ist CureVac, welches auch einst mithilfe des Programms „Junge Innovatoren“ gegründet wurde.
Der Transfer von der Wissenschaft zu Unternehmertum soll daher auch weiterhin fokusmäßig unterstützt werden. Dafür sollen alle baden-württembergischen Hochschulen motiviert werden, gemeinsam zu arbeiten und einen Austausch voranzutreiben. Das Ziel: Die Funken der Wissenschaft sollen weiter in die Wirtschaft überspringen können.

Gleichzeitig soll das Start-up Ökosystem ausgebaut und enger vernetzt werden, aber auch sichtbarer nach innen und außen aufgestellt werden. Hierfür könnten gemeinsame Standards für Gründungsförderungen in ganz BW aufgebaut werden und kooperierende überregionale Angebote unterstützt werden.
Das Start-up Ökosystem soll daher nicht nur mit Blick auf Stuttgart, sondern für ganz Baden-Württemberg enger zusammenrücken und gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Unterstützung des Landes wird daher auch in eine Kooperationsstruktur fließen, welche gemeinsame Synergien und Transferopportunitäten für Gründer aufdecken soll.

Um das zu bewerkstelligen, so Dr. Eric Heintze und Prof. Dr. Nils Högsdal, wird von den Hochschulen ein sogenanntes „Dezentrales Innovationsnetzwerk“ abgezielt, welches dezentral in den verschiedenen Einrichtungen ansprechbar ist, aber gleichzeitig auf ein ganzes Netzwerk an Informationen, Hilfen und Partnerschaften zurückgreifen kann.

„Das Ziel muss sein, dass es egal ist, welche Postleitzahl das Start-up hat. Jeder soll auf die Angebote zugreifen können. Am Ende ist jedes Start-up ein Baden-Württembergisches.“

– Adrian Thoma

Gründer können sich in Zukunft daher auf noch engmaschigere Unterstützungsangebote und eine Betreuung von der „(Hoch-)Schule bis zum Erstinvestment“ freuen. Die Wichtigkeit von Kapitalgebern, die bereit sein, in junge Unternehmen zu investieren, wurde auch von Dr. Helmut Schelling gegenüber dem Ministerpräsidenten betont.

„Kapital kommt dann, wenn genug interessante Unternehmen in ein Stadium heranreifen, das für Investoren interessant ist.“

Dr. Helmut Schelling

Bis dahin müssten die jungen Samen u. a. mit öffentlichen Angeboten unterstützt und herangezogen werden. Die kritische Menge an investmentbereiten Start-ups sieht Herr Dr. Schelling bereits vereinzelt gegeben. Aber um diesem Ziel näher zu kommen, empfiehlt Herr Dr. Schelling den Gedanken, Gründer zu werden, bereits frühzeitig an die nächsten Generation heranzutragen. Er unterstreicht, dass nicht nur Hochschulen, sondern auch Schulen diesen Karrierepfad klarer herausarbeiten könnten.

Dr. Eric Heintze setzt sich nun schon seit einiger Zeit für die Unterstützung von Aktionen im universitären Raum ein. So leitet er auch das Projekt „Let US Start“, das in Kooperation mit der Vector Stiftung und der Universität Stuttgart Studenten darin hilft, an ihren Ideen zu arbeiten und das nötige Grundwerkzeug zum Gründen vermitteln. Bereits mehrere Hundert Studenten haben dieses Angebot wahrgenommen und sind nun auf verschiedene weitere Pfade aufgestoßen, unter anderem zur Meisterklasse des Gründermotors.

Die Meisterklasse geht nun bereits in ihre fünfte Runde und wurde seit dem ersten Durchgang ständig verbessert. So konnte der Mitveranstalter Gründermotor in den letzten Jahren organisch wachsen und somit mehr interessante Unternehmensunterstützer gewinnen, die wiederum mehr Investoren anlocken und dem Standort BW und Großraum Stuttgart mehr Aufmerksamkeit und Publizität geben.
Die Meisterklasse, so Adrian, wird weiterhin wachsen und mehr Unternehmen helfen, Investment-ready zu werden!

Hier sehen die Teilnehmer natürlich auch gewachsene Start-ups aufgefordert, öffentlich für den Standort einzustehen und den unternehmerischen Weg für die folgenden Generationen selbstverständlicher und greifbarer zu machen. Dafür ist beispielsweise der Gründermotor eine Möglichkeit, den aufkommenden Start-ups als Mentor beizustehen. Nils Högsdal, Professor für Innovation und Entrepreneurship, unterstreicht diese Aussage mit dem Verweis, dass das wie ein Turbolader für das Ökosystem wirken kann. Es wäre eine Situation, in der mehr Luft und Energie im Ökosystem den Gründermotor weiter anfeuert und allen im Ökosystem hilft.


Key-Takeaway:

Der Umbruch im baden-württembergischen Start-up Ökosystem muss weiterhin von innen heraus stattfinden. Die Weichen sind gestellt, viele Angebote sind bereits aktiv und können mit den neuen Mitteln der Landesregierung ihre Unterstützung ausbauen und gleichzeitig durch Kooperationen besser vermitteln. Gleichzeitig sollen der Standort Stuttgart und ganz Baden-Württemberg sichtbarer nach außen werden: Mit den bereits angesprochenen Angeboten und den bestehenden exzellenten Startups.


Pressemitteilung des Landes: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/exzellenzprogramm-fuer-gruenderkultur-an-den-hochschulen/

Bild Quelle: https://unsplash.com/photos/5QgIuuBxKwM?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink

Was zu tun ist – eine virtuelle Diskussionsrunde 

„Ich mag Stuttgart, hab‘ mich mittlerweile eingegliedert. Aber es gibt noch viel zu tun“, sagt Sascha Karimpour von Plug and Play Stuttgart mit einem wohlwollenden Zwinkern. Seine Überzeugung hätte als perfektes Motto zum Brainstorming unter engagierten Experten getaugt. Vor kurzem nämlich debattierten über die hiesige Startup Landschaft: Alexander Brem von der Universität Stuttgart und Professor für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, Alexander Diehl vom KI Netzwerk Cyber Valley und für das Thema Startups zuständig, Philipp Gneiting, bei Daimler verantwortlich für die Startup Autobahn und Open Innovation, sowie Sascha Karimpour, Geschäftsführer für das Silicon Valley Unternehmen Plug and Play Tech Center in Deutschland und für die Plattform Startup Autobahn in einer virtuellen Runde. Initiiert und moderiert wurde die Diskussion von Christoph Röscher, Vorstandsvorsitzender von Startup Stuttgart e.V.

Bei Startup Stuttgart arbeitet Christoph Röscher gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart daran, ein „White Paper“ zu verfassen. Darin sollen sich eine ganze Reihe von Stakeholdern dazu äußern, was aus ihrer Sicht die derzeitige Situation im Großraum Stuttgart ist, um daraus abzuleiten, was hierzulande passieren muss, damit sich das Startup Ökosystem noch weiter entfalten kann. Die Zielrichtung für alle Teilnehmer der Diskussionsrunde ist klar: Man will mit Startups noch erfolgreicher werden in der Region, das Potenzial ist da! 

In der separat geführten virtuellen Diskussionsrunde herrscht die gemeinsame Sicht, dass es noch viele Synergien zu heben gilt, das gesamte Ökosystem besser und wirkungsvoller zu vernetzen ist, die heute erfolgreichen Maßnahmen enger zu verzahnen sind und auch die Landeshauptstadt enger mit den umliegenden Kommunen zusammenarbeiten muss, um mehr internationale Sichtbarkeit und Schlagkraft zu bekommen. Eine Kirchturmpolitik wird nicht reichen, um die besten Gründer und Startups in der Region zu entwickeln, oder mit den besten Ökosystemen in Deutschland zu konkurrieren und Gründer aus anderen Regionen anzuziehen.

Diskussionsrunde – Philipp Gneiting

Leistungsstarkes Netzwerk ausbauen, Synergien stärken

Die Wünsche und Vorstellungen zumindest bei diesem Austausch zwischen Uni, Industrie, Cyber Valley und Startup Stuttgart waren allesamt klar konturiert: Daimler Innovationsmensch Gneiting wünscht sich ein funktionierendes Geflecht zwischen Großunternehmen wie seinem Arbeitgeber und Startups sowie einen regen Austausch mit Hochschulen und sonstigen Open Innovation Stakeholdern. Diehl ist motiviert, seine Erfahrungen aus der Zeit im Silicon Valley nach Deutschland und Europa zu bringen, lobt Baden-Württemberg als „sehr innovativ“.

Im Gegensatz zu Karimpour, der nach Stuttgart entsandt wurde, um mit Daimler die Startup Autobahn aufzubauen, traf Alexander Brem seine Wahl für die Stadt „sehr bewusst“. „Mich hat dieses Umfeld angezogen – was es hier schon gibt und vor allem die Perspektive, was man hier gemeinsam noch aufbauen kann.“ 

Karimpour: „Stuttgart bietet wirklich schon viel. Im Ökosystem sind viele Akteure, die sich mit Entrepreneurship auseinandersetzen und dabei auch helfen, den Unternehmensgründern das Gründen attraktiver zu gestalten.“ Allein für die Startup Autobahn zählt er auf, was es schon an beeindruckenden „Bordmitteln“ gibt: Derzeit gibt es mehrere Akzeleratoren, mehr als zehn Regierungs- und private Unterstützungsnetzwerke, Co-Working Spaces, drei bis vier herausragende Startup Events inklusive des Startup Weekends der Hochschule der Medien, Gründergrillen von Startup Stuttgart und vieles mehr, was die Startup Autobahn und Plug and Play aktiv unterstütze und wo man mitmache. Hinzu komme ein ziemlich weites Investorennetzwerk, von Angels bis hin zu solchen, die sich später bei Startups engagieren, wie beispielsweise Grazia und die BARS aus Stuttgart.

Schwäbischen Weg gehen

Zwar hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan, dennoch hakt und hapert es an vielen Stellen, so dass Stuttgart nach wie vor nicht als Startup Hotspot heraussticht. Woran das liegt, will Röscher wissen. Es sei ein Fehler, nur nach anderen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg oder München zu schielen, so einhellig die Meinung. Karimpour: „Wir sollten den schwäbischen Weg gehen, keine anderen Städte kopieren – da haben wir tolle Möglichkeiten.“ Die starke Industrie, der prägende Mittelstand der Region, die Weltmarktführer und Hidden Champions sind eine Basis, um die andere Regionen uns beneiden würden. Brem stimmt zu, betont als Zugezogener den starken individuellen Charakter einer Landeshauptstadt. „Wir müssen auf den Stärken von Stuttgart und dem starken Umland aufbauen, viele sehr gute Ressourcen sind schon vorhanden und müssen nur besser zusammengebracht werden. Wir müssen schauen, was gut zur hiesigen schwäbischen Mentalität passt, und das heißt, man schwätzt nicht immer über alles, sondern macht einfach“, so der gebürtige Niederbayer. Auch die erfolgreichsten Unternehmen in der Region haben einmal klein angefangen. Das „Gründer-Gen“, ist hier auch vorhanden, oft versteckt es sich wohl nur hinter der schwäbischen Bescheidenheit.

Konkret gehe es darum, den Mittelstand und Industrie, die es im Schwäbischen zuhauf gebe, die man aber gar nicht so auf dem Schirm beim Thema Startup habe, ins Boot zu kriegen. „Stuttgart als Chance sehen, dessen Region ein ganz anderes Spektrum“ bereithalte, dafür warben er und seine Mitstreiter. Man brauche die richtigen Mitspieler, müsse die Ressourcen koordinieren – das aber kann, so das Votum, keine Universität, keine Hochschule, kein Unternehmen, kein Ministerium alleine stemmen. Eine wichtige Rolle hat auch die Landeshauptstadt und die umliegenden Kommunen. Sie müssen das Startup Ökozentrum, an dem die Prosperität und das pulsierende Leben der Region hänge, als Chefsache begreifen. Wenn man auf den OB-Wahlkampf Stuttgart zurückschaut – wo war da der Fokus auf Innovation, Transformation der Wirtschaft, ideale Bedingungen für Gründer zu schaffen? 

Diehl beobachtet ein natürliches Fluidum innerhalb der Startup-Welt: „Es gibt Startups, die von Zürich nach Berlin gehen und Berliner Startups, die ins Silicon Valley überwechseln. Mit anderen Worten: Die Karawane zieht nach einer gewissen Zeit durchaus weiter. Dennoch sieht man, dass Standorte es schaffen aufzuschließen, wie zum Beispiel Zürich innerhalb weniger Jahre. Das sollte auch unser Ziel sein.“ Das Gute in Europa gegenüber Silicon Valley sei dieses Netz von Innovationszentren, nicht nur das eine Epizentrum. Stuttgart habe die reale Chance, sich mit gezielten Maßnahmen als ein Hotspot innerhalb dieses Netzwerks zu verankern. 

Diskussionsrunde – Alexander Brem

Kambrische Explosion von Kreativität

Ob speziell die Region Stuttgart den Mangel von 20 Jahren in drei Jahren aufholen könne, stand zur Debatte. Gerade weil in der Region so viele Global Champions und High Tech Unternehmen sitzen und damit auch sehr viel Geld, ist Diehl optimistisch, dass es der Region Stuttgart im Gegensatz zu anderen Regionen durchaus gelingen kann, ziemlich zügig aufzuschließen und zum Hotspot zu werden. Dazu sei allerdings Voraussetzung, auch einen Teil des „Schwäbischseins“, also behäbiges Auftreten und das Wirken im Verborgenen, bewusst aufzugeben. „Wenn das gelingt, können wir recht schnell eine Art Kambrische Explosion von Kreativität und Startup Gründungen allerorten entfachen.“ So dass Erfolgsgeschichten wie CureVac nicht die Ausnahme sondern die Regel werden. Diehl ist nicht allein in seiner Auffassung, dass in dem Moment, wo zwei oder drei tolle Startups in Stuttgart entstehen, die wirklich Zug haben, es in der Folge „schneller abgehe“.

Gneiting unterstreicht diese Sicht und ergänzt: „Um zum Hotspot zu werden, müssen wir es als Stuttgart schaffen, uns ein unverwechselbares Profil zu geben. Das muss der Tatsache Tribut zollen, dass wir ein starkes B2B Land sind. Wir haben so viele Hidden Champions, so viele Global Player – das müssen wir zu unserem Vorteil nutzen.“ Dazukomme die weitere Herausforderung, die letztlich positive Situation, dass Stuttgart nicht nur ein starkes Gebiet habe, sondern viele. Dieses Netzwerk aus zusätzlichen Zentren wie Tübingen, Karlsruhe, Mannheim müsse eine Stärke Baden-Württembergs in der Wahrnehmung werden. „Dann haben wir die Chance, in bestimmten Themen hoch attraktiv zu sein.“ Für Startups und Investoren, versteht sich. 

Sog etablierter erfolgreicher Unternehmen läuft dem Gründerspirit zuwider

Ist die Region gar zu saturiert, zu erfolgreich durch Unternehmen wie Daimler, Porsche, Bosch und viele andere, so dass vielen Leuten gar nicht der Gedanke kommt, gründen zu wollen? Brem unterschreibt diese Sicht: „Wenn Studenten schon während des Studiums so viele Jobangebote haben, die so attraktiv sind – also nicht nur innovativ, sondern auch finanziell – dann ist das natürlich verlockend und diese Studierenden fallen demzufolge als Gründer aus.“ Und auch wenn die erfolgreichsten Gründer nicht unbedingt diejenigen sind, die frisch von der Uni weg gründen, sondern die mit vier- bis fünfjähriger Berufserfahrung, so gingen die dann von einem erfolgreichen Unternehmen zum andern, also nicht um auszugründen und auch nicht, um sich mit Startups zusammenzutun.

Man sei aber schon dabei, die Gründerkultur in die Köpfe der Studierenden hineinzubekommen. Durch frühphasige Veranstaltungen, Vorlesungen und niederschwellige Schnuppermöglichkeiten. „Da muss alles zusammenfließen und es braucht eine Runde Williger wie die unsrige, die es zu erweitern gilt. Ganz wichtig dabei, es braucht erfolgreiche Rollenmodelle aus der Region, die zeigen, dass in jedem ein Gründergen stecken kann und Gründung keine zweitklassige Option gegenüber einem Job in der Industrie sein muss. CureVac, Fahrrad.de, Teamviewer sind sehr erfolgreiche „erwachsengewordene“ Startups aus dem Großraum Stuttgart. Es fehlt die Aufmerksamkeit für solche Erfolgsgeschichten, um auch andere Gründungsinteressierte für Unternehmertum zu begeistern. 

Startup Autobahn – vor der Pandemie

Ausgründer an die Hand zu nehmen, das sei eine lange Reise, geschehe nicht von heute auf morgen. „Es muss Menschen geben, die das einfach tun und sich dich Bälle zuspielen“, sagt Brem, schaut auf seinem Monitor in die Runde und resümiert: „Wir haben neben unseren Jobs dieselbe Begeisterung, Startups zu fördern und zu fordern. Gemeinsam multipliziert sich das im positivsten Sinne.“

Im Ergebnis wünscht sich Gneiting, der mit seinem Team immer auf der Suche ist nach „the next big thing“, der nächsten großen Sache, noch mehr „WOW Startups“ à la What3Words und im vergangenen Jahr UBQ. Letzteres ist ein israelisches Startup, das Hausmüll einsetzt, um daraus im Upcycling Kunststoff herzustellen, mit dem perspektivisch Bauteile fürs Fahrzeug produziert werden sollen. „Damit unterstützen wir bei Daimler unsere Nachhaltigkeitsambitionen. Gleichzeitig haben wir mit dem Startup einen richtig coolen neuen Partner gefunden, den wir sukzessive weiter aufbauen zu einem wirklich potenten Zulieferer, der mehr für uns macht.“ Alleine hätte Daimler das wahrscheinlich so nicht geschafft. „Denn für unsere zigtausend Technologien haben wir nicht hundert Leute auf jedem Thema, sondern eben nur einen oder zwei.“ Und Karimpour ergänzt aus der Plug and Play Sicht: „Klar, wir hätten sehr gerne ganz viele Bewerbungen und Möglichkeiten, mehr erstklassige regionale Startups zu sourcen. Dann brauchen wir nicht auf der ganzen Welt zu scouten, und unsere Partner könnten mit lokalen Startups mit einem ähnlichen Mindset zusammenarbeiten.“

Cyber Valley – Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen

Runde der Willigen – „dann funktioniert’s“

Gerade weil es eigentlich alles gibt in der Region, müsse ein klares „Navigationssystem“ entstehen, das über Möglichkeiten aufklärt, das sagt, wohin man wann geht, das aber auch den Spirit Entrepreneurship vermittelt – nach dem Motto: Wenn Du Unternehmer werden willst, musst Du unternehmen. Das können andere nicht für den Betreffenden übernehmen, umso wichtiger ist „Leading by Example“ als Motivationsschub für potentielle Gründer. Brem dazu: „Ich glaube, es ist inzwischen doch ganz cool, ein Startup zu haben. Das hat sich über die letzten Jahre meines Erachtens geändert.“ 

Gneiting fordert insgesamt mehr Sichtbarkeit und Fokus in Stuttgart auf das Thema Startup, am besten über ein riesiges Startup-Fest auf dem Schlossplatz. Nicht als Einmal-Veranstaltung, sondern als regelmäßiges Get-Together. Gleichwohl sieht die „Runde der Willigen“ die Region als riesiges Potential. Es geht vordringlich darum, die einzelnen Erfolgsfäden zusammenzubringen und die gute Botschaft nach außen zu tragen – mit Fug und Recht auch etwas mehr selbstbewusst als bisher. Man habe es doch auch geschafft, Stuttgart als Feinstaubhauptstadt in der Presse zu platzieren, dann müsste es doch auch die Möglichkeit geben, als Startup Stadt stärker wahrgenommen zu werden – sagt ein Teilnehmer witzelnd.

Positive Entwicklungen weiter schärfen

Auch Christoph Röscher von Startup Stuttgart e.V. sieht sich am Ende der Debatte bestätigt: „Wir haben als Region 100 Jahre Erfahrung in Unternehmertum und auch sonst beste Voraussetzungen. Wir müssen die Leute noch mehr für das Thema Gründung begeistern und die harten und soften Rahmenbedingungen optimieren. Es gibt keinen Grund, warum die Region Stuttgart nicht eine führende Rolle im Startup-Ökosystem Deutschland einnehmen sollte“ 

Sascha Karimpour setzt den überzeugenden Schlusspunkt: „Ich war überall auf der Welt. Und, ja, ich mag Stuttgart, habe mich mittlerweile eingegliedert – aber es gibt noch viel zu tun.“ – Im Vergleich zu anderen Städten: „Wir sind keine Weltstadt. Das ist auch ok. Aber man kann die Stadt trotzdem ein bisschen attraktiver gestalten und Neuankömmlinge mehr willkommen heißen. Startups bedeutet oft viele junge Leute, die auch ein bisschen Szeneleben möchten und da kann man hier noch etwas tun“, bemerkt er zwinkernd. 

Text: S. Roeder

Fotos: Startup Autobahn, Cyber Valley, Horst Eisele, Startup Stuttgart e.V.

Für alle, die noch ein tolles Ostergeschenk für ihre Lieben suchen, haben wir drei Geschenkideen von nachhaltigen Stuttgarter Startups.

Biokosmetik von panakeea

panakeea ist ein junges Startup aus Korntal-Münchingen, das seine Biokosmetik erst seit April 2020 verkauft.

panakeea steht für ehrliche, pflegende Biokosmetik – made bei uns, im Schwabenländle. Dank außerordentlich hohem Bio-Anteil ist jedes Produkt der neuen Marke garantiert zu 99 Prozent bio und zu 100 Prozent natürlich. Zertifiziert sind sie mit Ecocert Cosmos Organic, außerdem PETA Cruelty Free, fast alle Produkte sind vegan und tragen das Siegel von The Vegan Society.

Alle Produkte sind regional und nachhaltig durchdacht, dermatologisch getestet, wirksam und wohlduftend.

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Scrunchies von COLURUNCHIE

Du bist ein*e Scrunchie Liebhaber*in? Dann schau doch mal bei COLOURUNCHIE vorbei. COLOURUNCHIE ist eine junge Brand aus Stuttgart, deren Fokus auf 100% Nachhaltigkeit liegt! Zeitlose und farbenfrohe Designs, kombiniert mit einer tollen Funktion in nur einem Scrunchie. Fair Trade ist ein Muss, Antonia & Pia produzieren ihre Haargummis lokal in einer Behindertenwerkstatt in Stuttgart, Feuerbach. Jeder Scrunchie spendet an eine Organisation, welche sich für einen Grünen Planeten einsetzt!

Das junge Startup verkauft erst seit Anfang März, du hast also die Chance einen der ersten Scrunchies zu ergattern.
Du findest COLOURUNCHIE auf Instagram und Etsy!

Nachhaltige Kaffeekapseln von rezemo

Bei rezemo findest zu die einzige Kaffeekapsel, die zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Die Kaffeekapseln, die aus Holz aus nachhaltiger, PEFC-zertifizierter Forstwirtschaft produziert werden, können nach Gebrauch vollständig an die Natur zurückgegeben werden. Auch bei der Auswahl der Kaffeebohnen achtet das Stuttgarter Startup auf ökologische Anbaumethoden und faire Löhne der Kaffebauern.

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Der Gründungsradar des Stifterverbandes vergleicht Hochschulprofile in der Gründungsförderung an deutschen Hochschulen. Bereits zum fünften mal hat der Gründungsradar untersucht, welche Anstrengungen die Hochschulen für die Stärkung der Gründungskultur vornehmen. Betrachtet werden die Hochschulen explizit in den Bereichen Gründungsunterstützung, -qualifizierung, und -sensibilisierung. Großen Wert legt die Untersuchung auch auf die tatsächlichen Gründungsaktivitäten, die aus den Bemühungen der Hochschulen hervorgehen.

In den letzten acht Jahren, in denen der Gründungsradar die Hochschulen verglichen hat, ist einiges geschehen. Gründung hat sich vom absoluten Nischenthema zum erklärten Ziel vieler Hochschulen entwickelt.

Das zeigt sich auch deutlich in Zahlen. Im Jahr 2019 wurden 2.176 Gründungen an den Hochschulen gemeldet und mittlerweile werden 7.489 Veranstaltungen angeboten, wovon circa die Hälfte außercurricular sind.

In den drei Kategorien große Hochschulen, mittlere Hochschulen und kleine Hochschulen kam es zu spannenden Ergebnissen.

Das Karlsruher Institut für Technologie konnte sich bei den großen Hochschulen deutschlandweit den 6. Platz sichern, die Universität Stuttgart belegt den 12. Platz. Bei den mittelgroßen Hochschulen erreichte die Hochschule der Medien den 3. Platz, dicht gefolgt von der Hochschule Reutlingen auf Platz 5. Unter die Spitzenplätze der kleinen Hochschulen hat es die SRH Hochschule Heidelberg mit dem 4. Platz geschafft.

Die gesamten Ergebnisse findest du hier.

Myconics konnte trotz eines sehr starken Jahres 2020 keine Anschlussfinanzierung sicherstellen und wird am 28. März schweren Herzens eingestellt. Das Stuttgarter Startup hat im letzten Jahr bewiesen, dass sich Nachhaltigkeit und Design nicht gegenseitig ausschließen, sondern bestens ergänzen. Mit Hilfe einer eigens entwickelten KI und einem Netzwerk in ganz Europa hat myconics einzigartige und ästhetische Mode- und Wohnaccessoires aus ökologischer und sozialverträglicher Herstellung gefunden und online zusammengestellt. So konnte das Startup “Manufakturen und Kleinbetrieben mit reicher Handwerkskunst und einzigartigen Produkten mehr Sichtbarkeit geben.” 

Seit Mitgründer Sebastian 2017 auf seiner Reise durch die Mongolei und den Iran die Idee hatte  “Menschen mit besonderen Fähigkeiten für Handwerkskunst einen Zugang zum Europäischen Markt” zu geben, verfolgte das Team die gemeinsame Vision und gründete Ende 2018 myconics. Doch obwohl 2020 ein besonders erfolgreiches Jahr für myconics war, in dem 15 000 Neukunden gewonnen werden konnten, hat das nachhaltige Startup keine weitere Finanzierung erreicht und beendet somit die Weiterentwicklung der Geschäftsidee.

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Südlich von Stuttgart in Ehningen, liegt das Landhaus Feckl. Ein 1-Sterne Restaurant mit angeschlossenem Hotel, Apartments, Veranstaltungsflächen und einer Kochschule. Eine denkbar schlechte Kombination während der Pandemie. Wie die gesamte Branche ist auch dieser Betrieb von den Auswirkungen betroffen.

Mit Beginn im ersten Lockdown Ostern 2020 wurde ein neues Geschäftsmodell ausprobiert: wechselnde Gerichte auf Sterne-Niveau zum Abholen. Die Essen werden von Franz Feckl mit seinem Team speziell dafür entwickelt und für den Gast vorbereitet und „vorgekocht“. Der Kunde muss nur die letzten Koch-Handgriffe erledigen, um das Essen zu genießen. 

Wir haben uns mit Franz Feckl, der gemeinsam mit seiner Frau Manuela den Betrieb leitet, getroffen, um über die Pandemie zu sprechen. Franz kommt ursprünglich aus Oberbayern, aus einem kleinen Dorf in der Nähe vom Mühldorf am Inn. Seine Eltern hatten eine kleine Gastwirtschaft. Er wäre gerne Profifußballer geworden, sein Vater entschied aber, dass er stattdessen mit 15 eine Kochlehre anfängt.

Beruflichen trieb es ihn zu Stationen in die Schweiz, zu Heinz Winkler, zu Eckart Witzigmann ins Tantris, 1981 wurde er Küchenchef im Hotel Walter’s Hof auf Sylt, wo er auch seine zukünftige Ehefrau kennenlernte. Gemeinsam pachteten sie das Schloss Höfingen bei Leonberg, bevor sie September 2000 ihren Betrieb in Ehningen eröffneten.

Franz Feckl

Seit rund 34 Jahren hält er durchgehend seinen Michelin Stern und er hat über 150 Lehrlinge ausgebildet. Besonders Stolz ist er auf seine Azubi Johanna Altmann, die in 2020 die beste Kochauszubildende in ganz Deutschland war. Zu seinen ehemaligen Azubis gehört unter anderem Anton Schmaus, Chefkoch der Fußballnationalmannschaft und 1-Sternekoch in Regensburg.

Startup Stuttgart: Hallo Herr Feckl, wir sind hier etwas abseits von Stuttgart, wie kommt man dazu, in Ehningen ein Sternerestaurant zu eröffnen?

Franz Feckl: Das ist eine längere Geschichte. Nachdem meine Frau und ich uns auf Sylt kennengelernt und 1985 geheiratet hatten, wollten wir uns selbstständig machen. Wir haben bei Brauereien nach verfügbaren Betrieben angefragt und da wurde uns das Schloss Höfingen in Leonberg angeboten. Wir haben das dann 15 Jahre geführt. Ein guter Gast und Freund hat uns auf die Möglichkeit, ein Restaurant in Ehningen zu eröffnen, aufmerksam gemacht. Nachdem wir uns dazu entschieden hatten, diesen Schritt zu gehen, wurde in Ehningen der neue Betrieb gebaut, während wir noch Schloß Höfingen führten. Es war irre. Am 15. September 2000 haben dann alle Mitarbeiter vom Schloss Höfingen, inklusive der Spülfrau, in Ehningen angefangen.

Es war wie ein Sechser im Lotto, zumindest die ersten 8 Jahre. Irgendwann hatte ich 18 Köche, wir haben geackert und viel riskiert. Wir haben bis zu 150 Gäste auf Sterne-Niveau bedient, da gibt es nicht viele Betriebe, die das konnten. Allerdings kam die Weltwirtschaftskrise und damit waren dann erst mal alles Geschäftsessen weg.

Die Kunden von den großen Konzernen aus der Region, Daimler, HP, IBM usw. kamen nicht mehr. Die Jahre 2008 bis 2011 waren hart. Wir mussten uns umstellen, mehr Fokus auf Privatkunden, was aber sehr gut funktionierte. Und jetzt sind wir in die nächste Katastrophe reingeschlittert, wie alle meine Kollegen auch.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Nun sind wir rund ein Jahr in der Pandemie und die Gastronomie und Hotellerie gehört sicherlich zu dem am härtesten getroffenen Branchen.

Franz Feckl: Also, sorry, ich hoffe ich darf ganz ehrlich sein. Ich bin schon echt angefressen, dass das nicht besser läuft. Am Anfang war es für alle gleich schlimm und da habe ich auch viel Verständnis für die Regierung gehabt, was die so machen. Und wir haben uns alle beruhigt und gesagt, es geht nicht anders. Aber der zweite Lockdown seit November! Da muss ich sagen „Hallo!“, die haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die haben den Sommer verstreichen lassen. Die haben zwar immer von einer zweiten Welle gesprochen, waren aber nicht vorbereitet. Und jetzt?! Was da läuft, ist einfach unfassbar. Unfassbar. In den Baumärkten und den Einkaufszentren laufen die Leute rum. Es freut mich für jeden, der sein Geschäft betreibt und aufmachen kann, ehrlich. Aber schauen Sie sich um, wir haben hohe Räume, Tische auseinandergezogen, wir haben ein Hygienekonzept. Nein, die Gastro war und ist nicht der Verursacher.

Startup Stuttgart: Was halten Sie von den staatlichen Hilfen?

Franz Feckl: Ja, es gibt staatliche Hilfen und Soforthilfen. Wir mussten auf die Auszahlung warten. Irgendwann waren wir so im Minus, ich musste zur Bank gehen und Geld leihen und das muss ich in meinem Alter auch wieder zurückzahlen.

Startup Stuttgart: Viele Spitzengastronomen in der Region haben komplett zu, sie gehören zu den Wenigen, die versuchen, mit neuen Konzepten durch die Pandemie zu kommen. 

Franz Feckl: Not macht erfinderisch. Mein Sohn Julian arbeitet in einem Food-Startup und irgendwann am Anfang der Pandemie hat er gesagt „Papa, willst du jetzt nur die Füße stillhalten? Wollen wir was machen?“.

Wir haben dann mit meiner Frau und meinen erfahrenen Köchen gebrainstormt. Die Idee: Sterneküche für zu Hause. Wir haben top Produkte, bereiten alles professionell vor und der Gast bekommt die Gerichte in Essenspaketen zu 95% fertig und muss nur die letzten Handgriffe daheim machen.

Meine Frau hat Kunden über Whatsapp über das Angebot informiert und die haben dann wieder gefragt, ob sie es ihren Freunden weiterleiten dürfen! Ostern 2020 haben wir die ersten Essenspakete vorbereitet. Und wie viele! Es war unvorstellbar! Es war ein großer Erfolg und diesen Umsatz haben wir schon ganz gut gebrauchen können. Es ging uns aber auch darum, mit den Gästen während der Pandemie in Kontakt zu bleiben.

Durch dieses neue Geschäft konnte ich meine Köche endlich wieder aus der Kurzarbeit holen. Es bleibt ja auch keiner gerne zu Haus, um Däumchen zu drehen. Das gesamte Team freut sich echt wieder arbeiten zu können und es bleibt auch mehr Kohle für sie am Ende des Monats. Ich bin nicht der Daimler, der 98% bezahlen kann. Also wir haben das schon brauchen können. Im Service haben wir leider bereits Fachkräfte verloren, die jetzt zum Beispiel im Krankenhaus am Empfang arbeiten.

Team Feckl

Startup Stuttgart: Sind Sie froh, diesen Weg gefunden zu haben?

Franz Feckl: Ich bin doch kein Almosenempfänger. Ich möchte arbeiten und bin froh über diesen Weg. Und mein guter Musikerfreund Clemens König, der erzählt von seinen Bekannten, super Musiker, die jetzt im Supermarkt Regale einräumen.

Startup Stuttgart: Wie schwierig ist es, Sterneküche über diesen neuen Vertriebsweg zu verkaufen?

Franz Feckl: Es geht nicht mit jedem Gericht. Fisch ist schwierig. Wir probieren vorher alles aus, wie kommt es beim Gast an, welche Schritte gibt es zu tun und wir lernen auch kontinuierlich dazu. Jedes Gericht hat jetzt eine Farbe in der Kochanleitung. Die Zutatenverpackungen sind entsprechend farblich markiert, damit der Kunde diese schneller bei der Zubereitung findet. Die Kochanleitung legen wir jetzt immer schon in die Kochbox, nicht jeder Gast konnte die daheim ausdrucken. Beim Rostbraten, der zuerst aufgewärmt, bevor er in der Pfanne nachgebraten werden muss, schreiben wir zum Beispiel „im heißen Leitungswasser“ erwärmen. Die Gefahr war zu groß, dass Wasser vom Wasserkocher zu heiß wäre und der Rostbraten komplett durchgegart wird.

Wir mussten auch unsere Endkontrolle beim Verpacken der Pakete kontinuierlich verbessern, wir sind jetzt bei einer Dreifachkontrolle. Wenn eine Zutat beim Gast fehlt, ist das sehr ärgerlich. Inzwischen haben wir aber fast keine Reklamationen mehr.

Mein Sohn hat sich mit der Bestellsoftware auseinandergesetzt und uns ein kleines Fotostudio eingerichtet. Ich sehe, dass diese neue Aufgabe meinem Team Spaß macht. Die Essen zu fotografieren, die Texte für die Kochanleitung zu schreiben, die Webseite zu pflegen. Das entwickelt sich so im Team und die jungen Köche müssen damit auch umgehen können, ich kann das nicht.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Werden Sie nach der Pandemie mit dem Konzept weitermachen?

Franz Feckl: Ja, auf alle Fälle. Wir haben jetzt schon Gäste, die jede Woche ihre acht Portionen Spätzle holen *lacht* wir haben aber auch festgestellt, dass wir neue Kunden gewonnen haben. Es ist also auf jeden Fall ein schönes Zusatzgeschäft und wenn wir perspektivisch wieder samstags 40-60 Gäste im Restaurant empfangen können und zusätzlich 30-40 Kochpakete vorbereiten müssen, brauche ich wieder ein paar Köche mehr.

Unser Plan ist es, auch den Shop auszubauen. Irgendwann gibt es unsere Hummersuppe im Glas, die Pfeffermischung oder meinen Kalbsfonds. Also, wir haben da noch ein paar Ideen.

Startup Stuttgart: Was möchten Sie an ihrem Konzept noch verbessern?

Franz Feckl: Ich würde gerne von dem Müllberg wegkommen. Wir haben lauter Einzelportionen, was für unsere Logistik und Vorbereitung gut ist. Aber der Müllberg beim Gast muss kleiner werden. Es ist nicht zeitgemäß. Mein Sohn hat durchgesetzt, dass wir teure Verpackungen einsetzen, die recycel- und kompostierbar sind.

Startup Stuttgart: Auf welche Gerichte kann man sich aktuell freuen und was ist denn ihr Leibgericht?

Franz Feckl: Wir haben gerade das Oster-Kochpaket mit Spargel und Lamm auf die Webseite genommen. Lecker ist auch unsere Bouillabaisse von Edelfischen oder etwas ganz Feines – eine Roulade von der Maispoularde in Pommery-Estragon-Sauce.

Ich esse gerne einfach ein Wiener Schnitzel und einen geilen Kartoffelsalat dazu. Oder einen Schweinsbraten, einer mit dieser Kruste, das gibt es kaum noch. Denn je einfacher, desto besser ist es oft. Weil einfach weniger, oft mehr ist. Und das kriegst du erst im Laufe der Zeit raus.

Anleitung

Startup Stuttgart: Eine Frage zum Schluss, wie sind Sie und ihre Frau, als Bayern inzwischen in Schwaben angekommen?

Franz Feckl: Sehr gut. Also das Geschäft, was wir machen, da möchte ich nicht in Bayern sein. Also in München hätten wir es toll, aber ich kenne die Gastronomie auf dem Land in Bayern. Wir wissen, was es heißt, da Gastronomie zu machen. Da möchte man den Schweinsbraten immer noch für unter 10 Euro und der muss links und rechts vom Tellerrand ragen. Hier ist es schon ein anderes Essensniveau, eine andere Essenskultur. Und deswegen fühlen wir uns hier auch sehr wohl. Und ich sage immer: den Schwaben, wenn du den mal hast, ist das ein sehr treuer Gast. Natürlich ist der Anspruch auch hoch, aber das ist ja in Ordnung. Ich habe ja auch einen Anspruch an mich selber, dass es super sein muss.

Startup Stuttgart: Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Christoph Röscher

Fotos: Landhaus Feckl – teilweise von vor der Corona Pandemie