Artikel in dieser Kategorie werden auf der Startseite gefeatured!

Sehr geehrte Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut, wie überrascht waren Sie mit welcher Wucht und Geschwindigkeit COVID-19 sich auf die Wirtschaft auswirkt?
Nach 10 Jahren ununterbrochenem Aufschwung war für mich absehbar, dass auch wieder andere Zeiten auf unser Land zukommen können. Schwierigeres Fahrwasser hatte sich in einigen Industriebranchen ja bereits im Verlauf des letzten Jahres abgezeichnet. Allerdings kommt die Wucht dieser weltweiten Krise, die ja zudem gar nicht auf wirtschaftliche Ursachen zurückzuführen ist, auch für mich überraschend. Aber wir haben schnell reagiert und das war auch notwendig. Schon Ende März konnten Soloselbstständige und kleine Unternehmen unsere Soforthilfe Corona beantragen. Seitdem haben wir viele weitere Hilfen auf den Weg gebracht, zum Beispiel weitere Liquiditätskredite, eine Krisenberatung und mit „Start-up BW Pro-Tect“ auch eine Überbrückungshilfe für Start-ups. Unser Ziel ist es, dass wir so viele Betriebe, Selbstständige und Start-ups wie möglich retten können. Wir dürfen uns aber auch nichts vormachen. Diese Krise wird tiefe Spuren hinterlassen und nicht jedes Unternehmen wird sie überstehen. 

Welche Anzeichen der Erholung sehen Sie?
Die gute Nachricht ist, dass die konsequenten Maßnahmen des Landes die Entwicklung der Infektionen eingedämmt haben. Schrittweise und verantwortungsvolle Lockerungen sind notwendige Bedingung für eine wirtschaftliche Erholung. Die aktuellen Zahlen des Verarbeitenden Gewerbes, die Stimmungsindikatoren und auch die Arbeitsmarktzahlen machen Eines ganz deutlich: Momentan stecken wir mitten in der Rezession. Unsere Hilfsprogramme und wirtschaftlichen Impulse sind deshalb umso wichtiger. Ich bin mir sicher, dass das Gesamtpaket an Stabilisierungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte seine volle Wirksamkeit entfaltet, das Konsumentenvertrauen stärkt und wir so zu einer allmählichen Erholung kommen können.

Quelle:  Martin Stollberg / Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Wirtschaftsministerin BaWü Hoffmeister-Kraut

Viele Startups, oft mit dünner Kapitaldecke, sind auch stark von den wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona betroffen. Welche Aktivitäten haben Sie denn in ihrem Haus in die Wege geleitet um Startups zu unterstützen und wie groß ist die Resonanz darauf? Wird es Anpassung der bestehenden oder noch weitere Maßnahmen geben?
Unser Ziel ist es, dass Gründerinnen und Gründer möglichst gut durch diese Krise kommen. Deshalb haben wir bereits Ende April das Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“ gestartet. Es richtet sich an Start-ups, die schon die erste Finanzierungsphase hinter sich haben, aber aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, etwa, weil jetzt geplante Finanzierungsrunden ausbleiben. Denn viele Investoren richten ihren Fokus jetzt darauf, ihre vorhanden Projekte gut durch die Krise zu lenken und investieren weniger in neue Geschäftsideen.

Die Förderung beträgt pro Start-up bis zu 200.000 Euro, in Ausnahmefällen auch bis zu 400.000 Euro, wovon 80 Prozent vom Land finanziert werden und 20 Prozent von privaten Ko-Investoren zu vergleichbaren Konditionen stammen müssen. Das Programm trifft bei den Start-ups auf eine große Nachfrage. Mehr als 30 Gründer-Teams durchlaufen derzeit den Auswahlprozess. Das Land hat zunächst 25 Millionen Euro bereit gestellt. Sollte diese Summe nicht reichen, dann werden wir gegebenenfalls nachsteuern.

Wie verlaufen die Diskussionen bezgl. Unterstützungsprogramme für Startups in Berlin, bzw. mit ihren Kollegen in den anderen Bundesländern? Nachdem es aktuell um die Rettung der „Lufthansa“, Hotel & Gastronomie und Autobranche geht – gibt es überhaupt noch Gehör zu dem Thema Startups? 
Natürlich müssen wir auch in der Krise die Gründungsförderung vorantreiben. Innovative Geschäftsideen dürfen nicht verloren gehen. Wenn nach der Krise die Wirtschaft wieder anläuft, brauchen wir zukunftsfähige Geschäftsmodelle, die uns den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Standorten bringen. In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen im Land oder auch im Bund spüre ich immer wieder die Sorge um die Start-up-Szene. Viele Jungunternehmen sind ja potenziell der Mittelstand von morgen. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein 2 Milliarden Euro-Maßnahmenpaket für Start-ups angekündigt. Das beinhaltet auch weitere Hilfen in Zusammenarbeit mit den Ländern. Wir prüfen gerade, wie wir das in Baden-Württemberg umsetzen können.

Welche Chancen sehen Sie für Startups in der aktuellen Situation? 
Diese Pandemie ist ein Stresstest für jedes Geschäftsmodell. Aber motivierte und kleine Teams können auf diese Krise sehr viel flexibler reagieren als große Unternehmen. Das sehe ich als riesige Chance. Einige Start-ups stellen das bereits unter Beweis und richten ihr Geschäftsmodell auf die aktuellen Bedarfe aus. Ich bin mir sicher, dass viele Gründerinnen und Gründer aus der aktuellen Situation lernen können.  

Erster Startup Summit 2017

Ursprünglich war für den Sommer der nächste Startup Summit geplant. Wie ist denn die Planung, bzw. wird es eine Alternative für die Veranstaltung geben?
Schweren Herzens mussten wir den Summit 2020 verschieben. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber es gibt angesichts der Situation keine Alternative. Momentan richten wir unseren Fokus natürlich erst einmal darauf, die Start-ups in der Krise zu unterstützen und mit allen Stakeholdern im Gespräch zu bleiben. Aber wir arbeiten auch schon an einer digitalen Alternative zum Summit. Ich bin also zuversichtlich, dass wir die Anstrengungen, die wir bereits für unseren Summit 2020 unternommen haben, zu einem anderen Zeitpunkt nutzen können.

Vielen Dank für das Interview.

Fotos:  Martin Stollberg / Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und Startup Stuttgart.

Pitches von 26 Top-Teams von 18 Hochschulen und Universitäten aus ganz Baden-Württemberg, 100 Teilnehmer im Zoom-Meeting und 1.500 Views im Live-Stream – mit diesen beeindruckenden Zahlen endete das Launch Event der Gründermotor Meisterklasse #3 am 03.04.2020.

Die Initiative Gründermotor verbindet Startups, Corporates, Wissenschaft und Investoren, um die Gründerpersönlichkeiten und Wachstumsunternehmen von morgen zu formen. In der Meisterklasse geht es entsprechend darum, Startups aus dem Hochschulumfeld in einem viermonatigen Programm zur Investmentreife zu bringen. Beim Launch Event konnten die vielversprechendsten Bewerber das Format kennenlernen und sich einen Tag lang präsentieren. Beim abschließenden Pitch-Event ging es um Zweierlei: Zum einen die Gründermotorinitiatoren davon zu überzeugen, das richtige Team für die Meisterklasse zu sein und zum anderen einen von drei Preisen der Startup Challenge Region Stuttgart zu gewinnen. Das Ganze zu 100% online und remote.

Nachdem die 26 Startup-Teams den Tag über bereits in verschiedenen virtuellen Räumen Mentoring erfahrener Gründer erhalten und an ihren Pitches gefeilt hatten, wetteiferten sie am Abend um die begehrten Preisgelder und lieferten sich einen atemberaubenden Pitch-Marathon. Die Themen reichten von einem Voice-Assistenten für Ärzte, über eine Food-Tracking-App zum Kalorienzählen, bis hin zu Kleinserien von Lithium-Ionen-Batteriesystemen.  

Nach intensiver Beratung kürte die Jury das Startup auvisus des Karlsruher Instituts für Technologie zum Sieger der Startup Challenge Region Stuttgart. Das Team nutzt künstliche Intelligenz, um den Self-Checkout in Kantinen durch Bildverarbeitung sofort und präzise zu ermöglichen. Felix Schweikardt überzeugte die Jury mit seinem Pitch und darf sich gemeinsam mit seinem Team über 500€ Preisgeld freuen. Der zweite Platz, dotiert mit 300€, ging an das Team von SAM-DIMENSION der Universität Hohenheim, die mithilfe von angewandter Drohnentechnologie gepaart mit KI für eine präzise Unkrautkontrolle sorgen und somit den Herbizideinsatz um bis zu 90% reduzieren. Mit umweltfreundlichen Verpackungskonzepten aus Reststoffen der Lebensmittelproduktion als Alternative zur Plastikverpackung für leicht verderbliche Lebensmittel sicherte sich das Startup SUPASO  der Universität Hohenheim den dritten Platz und 200€ Preisgeld.

Die Startup Challenge ist ein Wettbewerb der Startup Region Stuttgart und wird von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart initiiert. Die Preisgelder wurden in diesem Jahr von der MBG Baden-Württemberg gesponsert.

In ihren Pitches hatten die 26 Teams zwei Minuten Zeit, das Publikum von ihrer Gründungsidee zu überzeugen und durften sich danach 90 Sekunden den Fragen der Jury stellen. Diese bestand aus Förderern und Vertretern des Start-up Ökosystems der Region Stuttgart und beinhaltete neben erfolgreichen Gründungspersönlichkeiten Akteure der Wirtschaft und des Hochschulumfelds. Auch aus der Corporate Welt darf die Initiative auf Rückenwind zahlreicher innovativer und teils neuer Partner zählen. In dieser Meisterklasse wird das Programm durch VECTOR Informatik, DEKRA Digital, EnBW, Festo, MAHLE, STIHL und den VfB Stuttgart unterstützt.

Die erstmalig virtuelle Ausrichtung des Event ermöglichte es den Veranstaltern, eine landesweite Startup-Reise von Konstanz über Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart, Tübingen, Ulm bis nach Sigmaringen durchzuführen. Aus ganz Baden-Württemberg wählten sich die Teams in die Online-Konferenz ein und übermittelten in ihren Pitches ihre Begeisterung. Mit folgenden Worten resümiert Artur Oswald, Mentor und Founder von Retromotion, das Launch Event des vergangenen Freitags:  „13 Stunden non-stop virtuell…und trotzdem kurzweilig gewesen. Weiß nun, wie sich 2030 anfühlt. Einzigartiges Format, tolle Orga, top Teams“.

Text und Bilder: Matthias Schoettler

 

Duschbrocken – sympathische Startup-Gründer aus Stuttgart

Immer wieder freut man sich über lokale Erfolgsgeschichten, die nationale Bekanntheit und Größe erlangen. So haben auch Johannes Lutz und Christoph Lung den schwäbischen Erfinder- und Startup-Geist in die Welt hinausgetragen und sind jüngst in DER Startup-Sendung im deutschsprachigen Raum, in „Die Höhle der Löwen“, aufgetreten und konnten einen erfolgreichen Deal mit dem Löwen Ralf Dümmel erzielen.

Die beiden Gründer haben sich auf Reisen getroffen und nach einer ausgelaufenen Shampooflasche beschlossen, ein festes Shampoo in Form einer Seife, die aber keine Seife ist, zu produzieren und die auf Plastiktuben sowie die Nachteile des „alten“ Seifenstücks verzichtet.

Vom ersten Prototyp zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne

Unter dem Motto „Fest ist the best“ und „flüssig überflüssig machen“ tüftelten sie an dem Rezept für ihre 2-in-1 Dusch- und Shampoo-„Seife“ herum, um nach 20 Prototypen an ihrem finalen Ergebnis festzuhalten.

Nach der Pilotphase, in der die Seife in der eigenen Produktion mit einer Pizzateigmaschine hergestellt wurde, werden die „Duschbrocken“ inzwischen aufgrund der explodierten Nachfrage in zwei Seifenmanufakturen in Deutschland und Österreich hergestellt.

Nach ihrem rasanten Erfolg und einer sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurden Johannes und Christoph von der Erfolgssendung „Die Höhle der Löwen“ kontaktiert, um dort mitzumachen. So erzählte uns Johannes, dass sie nach der Einladung nur eine Woche Zeit hatten um sich auf das „Casting“ vorzubereiten. Um nicht nur bei den harten Zahlen und Fakten sicher zu sein, sondern auch beim Pitch, bot das Team von VOX Unterstützung in Form eines Unternehmensberaters, der die Story nochmal von außen beleuchten und Tipps für den Pitch geben sollte.

Johannes Lutz & Christoph Lung, die beiden Gründer von „Duschbrocken“

Die Aufzeichnung zu „Die Höhle der Löwen“ – Blick hinter die Kulissen

Da die Aufzeichnung in Köln war, begab sich das Gründerteam für einen langen Drehtag gen Norden mit der Absicht, den Duschbrocken einem nationalen Publikum vorzustellen.

Höchstkonzentriert durchliefen sie Briefings durch das TV-Team, welches Sie den ganzen Tag betreute.

Der Dreh selbst dauerte insgesamt etwa zwei Stunden. So wurden die Gründer nach ihrem Pitch für etwa 1 ¾ Stunden von Fragen der Jury durchleuchtet – weit mehr als man im Fernsehen immer in der zusammengeschnittenen Fassung zu sehen bekommt. Da die Löwen jedoch im Vorfeld keine Infos zu den pitchenden Startups bekommen, ist die Länge der Fragen vor einem Investment auch verständlich.

Duschbrocken bei „Die Höhle der Löwen“ am 21.04.2020

Insgesamt waren Johannes und Christoph sehr zufrieden mit Ihrem Auftritt und konnten sich über einen Deal mit ihrem „Traum-Löwen“ Ralf Dümmel freuen. Sein breites Wissen und Netzwerk für den Vertrieb über Einzelhandelsketten und andere Vertriebswege ebnet den Weg für den Duschbrocken in vielen Läden.

Ausbau der Kapazitäten

Das Wachstum, von 100 bis 150 Duschbrocken pro Tag auf inzwischen mehrere tausend Duschbrocken/Tag, welche inzwischen in zwei Seifenmanufakturen in Deutschland und Österreich hergestellt werden, ist wirklich sehr bewundernswert. Doch ist bei den Gründern merklich der Boden unter den Füßen „hängengeblieben“, denn die Brocken werden weiterhin mit viel Liebe zum Detail in ihrer „Schaumstation“ verpackt und zu den Kunden CO² neutral versendet. Hierbei zählt die Nähe zum Kunden als einer der Hauptstärken des Unternehmens. Diese ermöglicht die hohe Individualisierung und führt zu der hohen Kundenzufriedenheit und zu Wiederholungskäufern, welche auch den Löwen imponierten.

Traum-Löwe Ralf Dümmel beim Test des „Duschbrocken“

Wirtschaftlicher Erfolg, so Johannes, kommt durch zufriedene Kunden. Nur wenn ein Mehrwert dem Kunden geliefert werden könne, habe ein Unternehmen langfristig eine Zukunft.

Tipps für Unternehmensgründer

Anderen Unternehmensgründern legt Johannes ans Herz, unkompliziert und unbürokratisch zu denken. Alle administrativen Tätigkeiten bieten keinen sofortigen Mehrwert – der Fokus muss zunächst auf dem Produkt liegen. Auch weil dieses Mantra in Deutschland nicht immer leicht umzusetzen ist, lohnt es sich, sobald das Produkt steht, externe Profis wie Rechtsanwälte, spezialisierte Steuerberater wie den „Startup Steuermann“ Tobias Sick von HWS oder Profis für den Online-Shop (um auch dem Ansturm nach der TV-Ausstrahlung gewachsen zu sein) mit an Bord zu holen und bestimmte Aufgaben abzugeben und auszulagern.

Durch ihren Auftritt bei der Höhle der Löwen mit mindestens 2 bis 3 Millionen Zuschauern hoffen die beiden Duschbrocken-Gründer ein weites Publikum zu erreichen und von in ihrem neuen Online-Shop zu überzeugen. Die Duschbrocken wird es daneben ab sofort auch flächendeckend im Einzelhandel zum Kauf geben.

Die Duschbrocken im Einzelhandel nach der DHDL-Show

Mit dem Duschbrocken treffen die Gründer exakt den Nerv der Zeit – indem Sie darauf achten, ihre Produkte frei von Plastik, nachhaltig und vegan herzustellen. Neben diesen Zielen war es für die Gründer aber ebenso wichtig, dass sich der Duschbrocken gut anfühlt, sehr gut riecht und vor allem beim Duschen viel, viel schäumt!

Wir wünschen dem sympathischen Stuttgarter Startup weiterhin sehr viel Erfolg!


Text: Colin Lieb
Bilder: Johannes Lutz


Spoontainable produziert nachhaltiges und sogar essbares Besteck

„Wir konnten letztes Jahr über eine Million Löffel verkaufen und dadurch einen wirklich guten Markteintritt hinlegen“, berichtet Amelie Vermeer, Geschäftsführerin von Spoontainable. Löffel verkaufen? Ja, aber nicht etwa aus Edelstahl oder Silber. Es sind nachhaltig produzierte und gleichzeitig essbare Löffel für den Eisgenuss.

Spoontainable nennt sich das Startup, das an der Universität Hohenheim seinen Anfang nahm. Der Name ist ein Portmanteau aus Spoon (Löffel) und Sustainable (nachhaltig). Er klingt aber auch nach Entertainment und Spaß, kurzum: nach Nachhaltigkeit, die genussvollen Spaß erlaubt.

„Spoonie choc“ und „Spoonie classic“. Wer könnte dazu schon nein sagen? Doch die Eisdielen bleiben angesichts der Corona Pandemie natürlich auch in Deutschland erst mal geschlossen. Das trifft das Geschäftsmodell von Amelie Vermeer und Co-Gründerin Julia Piechotta mitten ins Herz. Die jungen Frauen nehmen es gelassen: „Wir machen das Beste daraus. Derzeit sind wir mitten im Umzug mit unserem Geschäft nach Heidelberg.“

Iss mich, ich schmecke lecker und bin nachhaltig  

„Wir wollen der Anbieter für nachhaltiges Einwegbesteck und -geschirr werden und damit die To-go-Branche revolutionieren“, sagt Jungunternehmerin Amelie. So sehr den engagierten Gründerinnen die Corona Pandemie einen Strich durch dieses Geschäftsjahr machen dürfte, so sehr dürfte ihnen das Plastikverbot, das nächstes Jahr für Einmalplastik gilt, positiv in die Hände spielen. 

Also nicht nur Löffel? „Wir sind da noch im Prozess. Der Unternehmensname könnte sich also nochmal ändern“, verrät Amelie. Doch das werde sich herausstellen, wenn sie weitere Produkte auf den Markt bringen. All das gelte es dann zu planen. „Die Spoonies sind unsere erste Marke. Und je nachdem, zu welchem Zeitpunkt wir weitere Besteckteile produzieren, kommen noch weitere Marken dazu.“

Wie steht es mit der Hygiene? „Man kann unsere Produkte mit den essbaren Waffeln vergleichen, die die Eisdielen ausgeben“, so Amelie. Im Übrigen seien die Spoonies in 500er Verpackungen abgepackt und vorschriftsmäßig einmal in einer Folie umgeschlagen.

Gleiche Interessen und Arbeitsauffassung

Amelie und Julia kennen sich seit ihrem Masterstudiengang Management in Hohenheim, den sie beide vor wenigen Wochen abgeschlossen haben. Bei Spoontainable haben sie die Aufgaben gut verteilt; Julia konzentriert sich auf Marketing und Finance, Amelie auf den Vertrieb und die Produktionskommunikation.

Wieso haben die beiden überhaupt gegründet, statt einem sicheren Job nachzugehen? „Wir sind in Hohenheim zu einer Projektgruppe hinzugestoßen, in der es darum ging, Alternativen zu Plastik zu entwickeln. Uns beiden hat das sehr viel Spaß gemacht. Zudem sind Julia und ich Menschen, die etwas anfangen und es dann auch gerne richtig machen.“ Deshalb haben die beiden Studentinnen das Projekt kurzerhand fortgesetzt, ein „super funktionierendes“ Rezept entwickelt für einen essbaren Löffel, ein Patent angemeldet und dann die Firma gegründet.

„Wir sind da mit der Zeit einfach reingepurzelt“, schmunzeln sie. Damit stand auch bald die Entscheidung, es mit einem Alleingang zu versuchen und den neben dem Studium ernsthaft zu verfolgen. „Es lief tatsächlich super an, und wir hatten so tolles Feedback, dass wir uns nach dem Studium jetzt komplett selbständig gemacht haben“, bilanziert Amelie. 

Straffes Zeitmanagement und gutes Team

Die größte Herausforderung für die beiden Frauen war die Zeit. „Als wir kurzerhand beschlossen hatten, die Firma großzuziehen, brauchten wir ein richtig gutes Zeitmanagement, da wir darüber hinaus noch in Vollzeit studierten und zudem noch Nebenjobs hatten.“ 

Das sei sehr anspruchsvoll gewesen, funktioniere aber mit einem guten Team. „Man hat halt weniger Freizeit als die Kommilitonen“, resümiert Amelie und fügt lachend hinzu: „und wie vermutlich fast jedes Startup hatten wir natürlich Finanzierungsprobleme.“ 

Spoontainable ist komplett eigenfinanziert. Eine Crowdfunding Kampagne haben sie vor zwei Jahren gemacht und dabei rund 12.000 Euro gesammelt. „Das hat uns am Anfang sehr geholfen, weil allein Patent, Anwaltskosten und Gründung ordentlich Geld verschlucken“. Seitdem tragen sie sich über ihre Umsätze, zahlen sich bisher noch nichts aus. „Aber das kommt dann natürlich mit der Zeit“, zeigen sich beide zuversichtlich. Die schwarze Null jedenfalls haben sie erreicht.

Und wie soll es weitergehen? Auch da sind die Gründerinnen ambitioniert. Letztes Jahr konnten sie über eine Million Löffel verkaufen und somit einen wirklich guten Markteintritt hinlegen. Diesen Erfolg wollen sie jetzt weiterverfolgen. „Vielleicht ab Sommer“, hoffen beide.

Probleme lösen, ohne neue zu kreieren

Was macht die beiden so sicher, dass ihre Erfolgskurve steil nach oben verläuft? „Wir haben als USP, Unique Selling Point, dass wir nicht nur essbares Besteck herstellen, sondern auch nachhaltiges“, betont Amelie und erklärt, Spoontainable verwende Reststoffe der Lebensmittelindustrie, also Produkte, die üblicherweise weggeworfen werden. „Wir upcyceln diese Reststoffe und machen daraus unsere Spoonies.“ Wer ihr Besteck nicht essen wolle, könne es guten Gewissens einfach wegwerfen. Weder zum Schaden der Umwelt, noch sei es Lebensmittelverschwendung. 

Was den Gründerinnen von Spoontainable besonders wichtig ist: „Wir provozieren kein neues Problem. Im Gegenteil. Wir gehen zwei Probleme gleichzeitig an und lösen sie.“ Außer dass sie dem Plastik als Essgeschirr den Kampf angesagt haben und eine essbare Lösung aus Reststoffen anbieten, gleichen sie ihren CO2 Ausstoß nach eigenen Aussagen komplett aus. Zudem sind die Produkte vegan. Einer der Spoonies ist auch glutenfrei. „Wir versuchen wirklich, die komplette Lieferkette so nachhaltig wie möglich zu gestalten.“

Skalierbare Rezepte und einfaches Erfolgsrezept

Das Ziel ist klar definiert: Mit Spoontainable wollen Amelie und Julia der Anbieter Nummer eins für nachhaltiges Einwegbesteck werden und mit Löffeln, Gabeln, Messern, Rührstäbchen und vielleicht sogar Geschirr dafür eine breite Produktpalette aufbauen. 

Die Grundrezepturen aus Kakaoschalenfasern und Haferfasern sind gleichfalls erweiterbar. Doch die beiden Gründerinnen wollen sich nicht verzetteln, konzentrieren sich derzeit auf ihre Spoonies mit zweierlei Geschmacksrichtungen, der neutralen und der mit leichtem Kakaogeschmack.

„Das wichtigste ist meiner Meinung nach wirklich das Team – dass es sich so gut es geht ergänzt und dass man mit dem Team auch wirklich durch alle Phasen, auch die schwierigen, gehen kann“, sind sich Amelie und Julia sicher.

Außerdem sei es wichtig, in jeden Wettbewerb zu gehen, der sich anbiete. „Nutzt jede Möglichkeit, um Eure Idee vorzustellen“, so der Rat. Amelie und Julia haben letztes Jahr an sehr vielen Wettbewerben teilgenommen. „Das Feedback und die ganze Medienaufmerksamkeit, die man da bekommt, das ist wirklich sehr wertvoll.“ Die beiden Gründerinnen haben nicht nur teilgenommen, sie konnten auch häufig gewinnen, wie ein Blick auf die vielen Pokale und Urkunden im Regal ihres neuen Büros verrät.

Momentan sind sie wieder zu zweit, nachdem sie zwischenzeitlich einen Praktikanten bei sich hatten. Aber sobald die Krise vorbei ist, wollen sie ihr Team ausbauen.

Text: S.Roeder
Bilder: Amelie Vermeer


Regelmäßig werden auf der ganzen Welt Startup Weekends organisiert und durchgeführt. Diese helfen angehenden Unternehmern und Gründern dabei, ihre Fähigkeiten auszubauen und sich Netzwerke in ihrer Region aufzubauen. Zudem wird in Teams für bis zu 54 Stunden mit Hochdruck an Ideen gearbeitet, um diese am Ende vor einer Jury zu pitchen und wertvolle Preise zu gewinnen. Diese sollen es erleichtern, anschließend die Gründung bzw. die Umsetzung der Idee anzugehen.

Um euch Vorfreude auf die Startup Weekends in 2020 zu machen, haben wir hier einen Rückblick zum Startup Weekend 2019 in Reutlingen verfasst. 

Am 27. September letzten Jahres war es in Reutlingen endlich soweit: die Karten waren verkauft, das Essen organisiert, die Sponsoren gefunden und ab 18:00 Uhr trafen die ersten Teilnehmer ein. Das Startup Weekend, organisiert von ehemaligen Teilnehmern und vom Center for Entrepreneurship an der Hochschule Reutlingen, konnte beginnen. 

Nach einer Vorstellungsrunde der Eventorganisatoren und Comunityleaders ging es gleich los mit dem Pitchen von potentiellen Startup Ideen, an denen noch nicht gearbeitet worden war. Obwohl viele noch keine oder wenige Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht hatten, kamen zügig über sechs Vorschläge vor die Runde, was für den Innovationsgeist der Teilnehmer sprach. Die Teams wurden gebildet, wobei nur Ideen weiterverfolgt wurden, welche mindestens drei weitere Mitglieder anwerben konnten. Anschließend durften sich die Teams, ausgerüstet mit Aufgaben, Motivation und ganz viel Red-Bull bis in die Nacht hinein organisieren und austauschen. 

Am zweiten Tag ging es direkt früh weiter. Neue Ideen oder Ansätze wurden mit den extra angereisten Coaches und Mentoren besprochen. Bereitgestellte Schemas (z.B. Value Proposition Canvas, Business Model Canvas) halfen den mitunter unerfahrenen Teilnehmern konkrete Ansätze zu finden und der Gründungsidee ihre Fehler, Schwachstellen oder Opportunitäten zu entlocken.

Nach dem bereitgestellten Lunch mussten die Ideen in ihren Grundsätzen finalisiert werden. Da das Wochenende nun mal aus nur insgesamt 54 Stunden bestand, waren die nächsten Schritte: einen Prototyp erstellen, diesen durch fremde Testpersonen validieren und gegebenenfalls pivoten, bevor am Abend ausgelassen gefeiert wurde.

Da am letzten Tag mittags die Jury zum finalen Pitch angekündigt war, war am Sonntag die Hektik groß. Präsentationen wurden vorbereitet und die Pitches mit Experten trainiert und perfektioniert. Um 18 Uhr war es dann soweit. Die Jury hörte sich unter tosendem Applaus die Pitches an und gab nach längerer Beratung die drei Gewinnerteams preis.

Gewinnerteams: Die Gewinnerteams waren: #3 Fin-Night, #2, Sparfuchs, #1 Deine IT-Helfer (heute: Remca).

Nach einem gemeinsamen Grillabend verabschiedeten sich die Teilnehmer und nahmen wertvolle Erfahrungen sowie neu gewonnene Freundschaften mit. 

Herzlichen Dank an Markus Flammer (Stadt Reutlingen), Tobias Sick (Startup Stuttgart e.V.), Mario Buric (Crowd Nine), Christopher Schmidhofer (Wexelwirken), Osiander und die Sponsoren für die Bereitstellung der schönen Preise!

Ein großes Dankeschön geht an unsere Juroren Michael Gebhard, Isabelle Elser, Nisha Munzig und Mario Buric für ihre hervorragende Arbeit und an die Sponsoren.

Bezüglich Startup Weekends für dieses Jahr halten wir euch selbstverständlich auf dem Laufenden. In Reutlingen wird das Startup Weekend voraussichtlich wieder im September stattfinden.

Bis zum nächsten Event!


Text: Colin Lieb
Bilder: Colin Lieb

Online Expertise von Experten im Minutentakt

Was tun mit dem alten „Schinken“ der Großeltern? Kann man das Ölgemälde vielleicht zu Geld machen? Wenn ja, was könnten es wert sein? Solche und andere Fragen landen auf dem Schreibtisch von Andreas von Brühl. Der 33 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg hat deshalb als Ergänzung zu seinem Auktionshaus noch ein online Startup gegründet – mit dem Namen estimando, was soviel wie ‚zu schätzen / einzuschätzen‘ bedeutet und somit schon aussagt, was es mit der Plattform auf sich hat.

„Wenn es um Kunst und Antiquitäten geht, gibt es mittlerweile auf ziemlich jedem TV Sender ein eigenes Format“, weiß Andreas. Der Gründer ist selbst demnächst in der RTL Sendung „Kitsch oder Kasse“ zu sehen. Das sei gut für seine neu gegründete Plattform estimando, weil es Aufmerksamkeit für ihn und sein Wirken mit sich bringe. Der Jungunternehmer mit dem Auktionshaus von Brühl im Stuttgarter Westen, das er seit mehr als fünf Jahren betreibt, hat aufgrund der vielen Anrufe und E-Mails an sein Haus erkannt, wie wichtig ein Multikanal-Ansatz auch für seine Branche ist. Schon seit 14 Jahren ist Andreas selbständig, so dass ihm das Startup estimando keinen Schweiß mehr auf die Stirn treibt. Der Vater von bald vier Kindern weiß, worauf er sich eingelassen hat.

Auf Nachlassauflösungen spezialisierter Quereinsteiger

„Wir haben beschlossen, uns auf Nachlassauflösungen zu spezialisieren“. Es gehe ihm darum, Menschen zu helfen, ihre Wertobjekte zu einem fairen Marktpreis zu verkaufen. Mit estimando gelinge es ihm, Experten, Verkäufer und Käufer zusammen zu bringen – zu reellen Konditionen. Seine Expertise erhält ein Antragsteller binnen zwei Tagen – für eine Gebühr von 19 Euro. Je präziser die Angaben von Kundenseite, desto besser können die Experten ihre Expertise erstellen. Andreas kooperiert mit Experten aller Fachrichtungen. Den für ein Objekt jeweils am besten geeigneten Experten sucht der estimando spezifische Algorithmus heraus.

Während seines Studiums hin zum Bachelor of Arts hatte Andreas noch keine Erfahrung mit Kunst. „Den ersten Berührungspunkt hatten wir, als wir ein Haus kauften, das noch komplett voll war mit Gegenständen“, erzählt er und erinnert sich, dass er als kleines Kind immer mal wieder auf einen Flohmarkt mitgenommen wurde. „Aber eigentlich bin ich ein Quereinsteiger.“

Think local, act global

„Mein bester Kumpel und der Entwickler der estimando Site ist vor zehn Jahren nach Brasilien ausgewandert“, erzählt Andreas. So stand unmittelbar fest, dass der Ansatz und Anspruch ein internationaler sein würde. „Eigentlich wollten wir die .com Adresse für estimando, um diesen globalen Ansatz gleich zu unterstreichen. Aber die war schon belegt.“ Deshalb die Adresse estimando.de, die zunächst nur auf Deutsch erscheint. Man habe aber durchaus den Ansatz, das Ganze recht schnell auch international anzubieten.

Der Name sollte außer dem Hinweis, worum es geht, vor allem auch cool klingen, international und nach Startup – siehe Zalando. Ein Vergleich, den Andreas nicht scheut, denn er sieht viel Potenzial für sein Geschäft. Als Inhaber seines Auktionshauses hat er schnell festgestellt, dass hier eine Marktlücke klafft.

Verbindlichkeiten schaffen

Täglich bekommt er 50 bis 100 Anfrage, telefonisch, per eMail oder über WhatsApp. „Ganz viele dieser Personen wollen ein Preisangebot“, berichtet er und merkt an, oft habe er geantwortet, erhalte aber häufig keine Rückmeldung, zumal die Fragenden sich gerne gleichzeitig an mehrere Auktionshäuser richten. Diese mangelnde Verbindlichkeit, die nur Zeit frisst, wollte er ändern. So kam es zur Idee für sein Schätzportal.

„Ich merkte, die Leute wollen eine unabhängige Meinung, und die wollen sie sehr schnell – und am besten kostenlos oder günstig“, so der Unternehmer. Der beschloss, diesen Service für ein geringfügiges Entgelt anzubieten. Der Vorteil seiner Plattform liege darin, dass Experten weltweit die eingehenden Anfragen beantworten können. „Der Kunde erhält rasch Antwort und zwar von einer qualifizierten Person.“ Jemand, der sich in einem Bereich auskenne, könne binnen Minuten eine Beschreibung vornehmen. „Von wo aus auch immer, etwa vom Strand oder von einem Kreuzfahrtschiff aus.“ Das garantiert maximale Flexibilität für seine schätzenden Kooperationspartner. Andreas ist sich sicher, dass seine Plattform für alle Beteiligten attraktiv ist – für Kunden, Experten und letztlich auch für ihn selbst als Betreiber.

Expertennetzwerk für Expertisen

Jemanden zu nehmen, der sich in der spezifischen Materie nicht auskenne, sich dann erst mal stundenlang einlesen und recherchieren müsse, bevor er antworten könne, habe keinen Sinn. „Ich brauche schon Leute, die wirklich Experten auf ihrem Fachgebiet sind. Sie erstellen diese Expertisen für die Anfragen, die bei uns auflaufen.“ Das Ziel des Portals estimando sei es, diese zwei Menschen zusammenzubringen, den Ratsuchenden und den jeweiligen Experten. Andreas ist zuversichtlich, dass er rasch ein weltweites Netzwerk von 200 bis 300 Experten für Kurzexpertisen, die auch Handlungsempfehlungen für die Kunden beinhalten, zusammengestellt haben wird.

Ganz wichtig ist ihm zu betonen, dass estimando ein unabhängiges Expertenportal ist, ausgelagert vom Auktionshaus und unabhängig von etwaigen Folgeaufträgen. Mit anderen Worten: Der Ratsuchende zahlt seine Gebühr, hat ansonsten keine weitere Verpflichtungen.

Weltweite Standards durch estimando

Das Team von estimando ist klein und strukturiert: Andreas verantwortet Marketing und Vertrieb, Johann Noebels, Freund und Entwickler des Portals, ist erfahrener Gründer mit Sitz in Brasilien, wo er schon viele Startups gegründet hat.

„Es ist die ideale Konstellation fürs Home Office“, berichtet Gründer Andreas und nennt als Beispiel die Kunsthistorikerin Claudia Paula Wunder, die als Expertin ihre Expertisen stressfrei und ohne Beeinträchtigung ihres Tages mit Kleinkind erledigen kann.

Sein Expertenteam wird Andreas sukzessive erweitern – auch Experten für Möbel und andere Bereiche sollen dazukommen. Der Aufbau dieses weltweiten Teams läuft dieses Jahr auf Hochtouren. Zunächst wird das Portal sich an die deutschsprachigen Länder wenden. Danach soll es zusätzlich englisch und portugiesisch vorhanden sein.

Ein Ziel: „Mit unseren Gutachten wollen wir auch weltweite Standards definieren. Die Meinungen der Experten werden solide sein, so dass sie die Ratsuchenden vor einer potentiellen Dummheit oder dummen Entscheidung bewahren“, sagt Andreas und wirbt mit dem Motto von estimando: ‚Werte online schätzen‘ durch ‚Weltweites Wissen vereint auf einem Portal.‘

Kurzum: Sein Portal brauche es, um die Unwissenheit und Unerfahrenheit des Kunden durch Expertenwissen abzufangen. Als Beispiel nennt der Unternehmer Erbschaften, in denen es oft darum gehe, die Werte eines Erbfalls fair zu verteilen und so dabei zu helfen, dass Erbschaftsstreitigkeiten vermeidbar werden. Der Weg dahin: alles in eine Auktion geben und den Erlös entsprechend unter den Erben teilen.

Skalierbarkeit als Geschäftsmodell

Wenn man zu hunderten von Kunden physisch fahren müsse und die Stunde dann mehr als 80 Euro koste, sei das nicht skalierbar. Online dagegen werde ein Schuh daraus.

Deshalb ist Gründer Andreas zuversichtlich, dass er und sein Expertenpool in fünf Jahren Europa, Nord- und Südamerika mit Expertisen für die Kunden versorgen könne. „Ich sehe da ein Potential von mehreren hundert Expertisen pro Tag. Definitiv.“

Auf dem Weg dahin wolle er in diesem und im nächsten Jahr das Wachstum beschleunigen – via Marketing und weiter entwickelte Technologie.

Wer gründen will, sollte…

Viel Einsatz mitbringen. „Für den Aufbau meines Portals bin ich sehr früh morgens aufgestanden, war immer zwischen vier und fünf Uhr früh im Büro, um zwei bis drei Stunden vor dem Arbeitsalltag konzentriert arbeiten zu können“, berichtet Andreas.

Fleiß, Hingabe und Frustrationstoleranz seien unabdingbar für ein erfolgreiches Gründen.

Zudem habe ihm immer geholfen, die Welt im Flugzeug von oben zu betrachten. „Da kommen mir klare Gedanken, und ich habe mir die Frage beantwortet: Was wollen die Leute.“

Nicht zuletzt lautet sein Rat: Wenn man seine Geschäftsidee ersonnen hat, dann müsse man einfach MACHEN. Die Idee dann auch wirklich umsetzen und nicht von Anfang an höchste Qualität fordern – eine typisch deutsche Eigentschaft. „Hat man die Idee dann erst mal auf die Beine gestellt – wie ich mit meinem Portal – dann geht es ans Verbessern, den Feinschliff. Das kommt nach und nach.“

Die eindeutige Botschaft bei estimando: „Wir sind klar auf Wachstum ausgelegt.“ Dadurch, dass Andreas Schritt für Schritt und besonnen vorangeht, klingt das nach einem überzeugenden Erfolgsmodell.

Text: S.Roeder
Fotos: Andreas von Brühl

Durch die aktuelle Gefahr durch Covid-19 sind einige deutsche Unternehmen dazu übergegangen, ihrer Belegschaft das Home-Office zu ermöglichen. Bereiche und Branchen in denen dies nicht möglich ist, sind vor eine harte Probe gestellt. Im Gespräch mit dem Baden-Württembergischen Wirtschaftsministerium haben wir über Liquiditätsengpässe und Maßnahmen des Landes gesprochen.

Das Baden-Württembergische Wirtschaftsministerium schaltet nun endgültig in den Krisenmodus. Hierfür werden nicht kritische Projekte zurückgestellt und das Krisenteam in seiner Größe fast verdreifacht. Das oberste Ziel des Wirtschaftsministeriums ist derzeit, dass – egal ob junges oder altes Unternehmen – jeder zu der benötigten Liquidität kommt, um diese harte Zeit zu überstehen. 

Im Rahmen dieser Herausforderungen wurde auf den 3-Stufen-Plan des Bundes verwiesen. Nach den etablierten Unterstützungsmaßnahmen (Stufe 1) wurde seit dem 13.3. die zweite Stufe eingerichtet. Dieses umfasst auch das Bundespaket für die Wirtschaft, welches aktuell 460 Mrd. € umfasst. So sagte auch Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: „Wir haben stark darauf geachtet, dass die Banken auch schnell Mittelzusagen geben können, ohne beim überwiegenden Teil der Darlehen auf eine zweite Entscheidung des KfW zu warten“. Aktuell wird erarbeitet, in welchem Rahmen das Land diesen Schirm für Baden-Württemberg weiteraufspannen kann, wobei hier vor allem auch darauf geachtet wird, wem nicht schon vom Bund geholfen wird. 

So sagte auch unser Gesprächspartner vom Baden-Württembergischen Wirtschaftsministerium, dass zinsgünstige Liquiditäts-Kredite sowie ggf. Zuschüsse von der L-Bank beantragt werden könnten. Bei fehlenden oder nicht ausreichenden Sicherheiten kann die Finanzierung durch eine Bürgschaft gegenüber der Hausbank des Unternehmens unterstützt werden. Dabei steht jedoch das Hausbankprinzip weiterhin im Mittelpunkt und ist der Dreh- und Angelpunkt solcher Anträge.
Ein Beispiel für eine mögliche Soforthilfemaßnahme ist die Kombination aus dem Liquiditätskredit und der Kombi Bürgschaft der Bürgschaftsbank B-W oder der L-Bank. Hierbei sind Risikoübernahmen von zwischen 50 % und bis zu 80% möglich.

Die Frage wird sein, ob die „nur“ 80%ige Haftungsfreistellung für die Hausbank reichen wird. In unseren Gesprächen mit mehreren Banken stellte sich heraus, dass dies höchstens für vor der Corona-Krise gut laufende Unternehmen nun hilfreich sein könnte. Denjenigen, die vorher schon kaum überlebensfähig waren, werden auch diese staatlichen Maßnahmen voraussichtlich kaum helfen auch wenn zumindest von staatlicher Seite die Kreditvergabemechanismen aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation deutlich gelockert werden. Vorrangiges Ziel aber auch von staatlicher Seite ist die „Rettung“ der vor der Krise gesunden Unternehmen.

Neben den bereits bekannten Angeboten wie dem Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter und das Arbeitslosengeld für Selbstständige, ist derzeit auch ein „Kurzberatungsprogamm“ im Gespräch, um bei Liquiditätsdarlehen für Kleinunternehmer Hilfe im „Papierkrieg“ anzubieten.

Baden-Württemberg schaut auch derzeit auch zu den anderen Ländern und versucht, funktionierende Programme zu übernehmen. Hierbei liegt der aktuelle Fokus nach der „Bundes-Bazooka“ auf einer „Länder-Schrotflinte“, um möglichst vielen kurzfristig zu helfen. Feinjustierung müssen dabei hintenanstehen und werden laufend implementiert.
Wichtig ist auch, dass derzeit die 3-wöchige-Insolvenzmeldepflicht für Unternehmen bis zum 30. September 2020 ausgesetzt wurde. Dies, so Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), „(…) solle verhindern, dass Unternehmen nur deshalb Insolvenz anmelden müssen, weil die von der Bundesregierung beschlossene Hilfen nicht rechtzeitig bei ihnen ankommen“. Diese Verlängerung ist voraussichtlich an einige Bedingung geknüpft, so auch, dass der Insolvenzgrund mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zusammenhängt.

Weitergehend wird der Fokus der meisten Startups darauf liegen, ihre Liquidität sicherzustellen. Das kann heißen, vorher aufgebaute Cash-Positionen während der Krise zu nutzen, weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu beleuchten und Kosten für den Zeitraum zu senken. 

Update:
Der Bund hat inzwischen ein Fond für die Mini-Firmen und Selbstständige auf den Weg gebracht. Dieser wird vorraussichtlich am Montag im Eilverfahren von der Regierung beschlossen.  Aus Teilnehmerkreisen hieß es, im Gespräch seien Zuschüsse von 9000 bis 10.000 Euro für Firmen bis 5 Beschäftigte und bis zu 15 000 Euro für Firmen bis zehn Beschäftigte – für eine Dauer von bis zu 3 Monaten.
So auch der DIHK-Präsident Eric Schweitzer: „Wenn der Umsatz über Nacht auf Null rauscht, stehen sonst hunderttausende Unternehmen, Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige innerhalb von Wochen vor dem Nichts. Sie brauchen jetzt innerhalb von Tagen eine Perspektive, mit ihrem Geschäft die unverschuldete Corona-Krise die nächsten Monate überstehen zu können.“
Der Fond soll 40 Mrd. € umfassen, wobei 10 Mrd. € für Zuschüsse markiert sind und 30 Mrd. € in Form von Zinsgünstige Darlehen ausgegeben werden sollen.

Wir wünschen euch allen viel Erfolg und Durchhaltevermögen, vor allem aber: Bleibt Gesund und minimiert die Chancen, euch anzustecken!

Sieben Startups präsentierten sich am 24.02.2020 beim Abschluss-Pitch der Gründermotor Meisterklasse#2 vor potenziellen Investoren und Partnern. Drei Minuten hatten die Teams, die Zuhörer von ihrer innovativen Gründungsidee zu überzeugen. Das Team von Alpha Protein konnte dabei nicht nur den Jury-, sondern auch den Publikumspreis für sich gewinnen. Die drei Mitglieder begeisterten mit ihrer technischen Umsetzung der effizienten und automatisierten Aufzucht von Mehlwürmern als alternative und nachhaltige Proteinquelle für die Futtermittelindustrie. Den Mentorenpreis entschied das Team von Amprove für sich, das high-performance Bauteile, speziell abgestimmt auf die additive Fertigung, entwickelt. Die zweite Meisterklasse der Initiative Gründermotor feierte beim Demo Day in den Räumen von Vector Informatik ihren Abschluss. Über 250 Zuschauer, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie der Investoren- und Startupszene verfolgten die Abschluss-Pitches der Meisterklassen Teams.

  • Alpha Protein – Effiziente, automatisierte Aufzucht von Mehlwürmern.
  • Amprove – Entwicklung von high-performance Hardware-Komponenten.
  • ConFlee – Carsharing im ländlichen Raum.
  • Markt-Pilot – Preistransparenz für Ersatzteile von Maschinenbaunternehmen.
  • Metergrid – Effizientes Betreiben von Mieterstrom bei Mehrparteienhäusern.
  • PriLogiX – Projektbasierte Risk Management Software im B2B-Maschinenversand.
  • Ventecon – Software zur datengetriebenen Geschäftsmodellentwicklung.

Das Programm Gründermotor verfolgt das Ziel, die Lücke zwischen Startup-Programmen der Hochschulen und der freien Wirtschaft, insbesondere im Hinblick auf die Investment- und Wachstumsfähigkeit junger Gründerteams zu schließen. Die Initiative wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt.  

Wissenschaftsministerin BaWü Theresia Bauer

In der Meisterklasse – dem ersten Lösungsbaustein der Gründermotor-Initiative – entwickeln die Studierenden in einem Zeitraum von vier Monaten ihre Geschäftsideen und validieren sie am Markt. In diesem Prozess werden die Teams fortlaufend von einem Mentoren-Netzwerk aus erfahrenen Startup-Gründern begleitet. Dem Programm, das von der Pioniergeist GmbH und Vector Informatik initiiert wurde, stehen mittlerweile Unternehmen wie die EnBW, STIHL, FESTO, DEKRA, MAHLE und der VfB Stuttgart, aber auch Verbände wie die IHK Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung der Region sowie Südwestmetall zur Seite.

Die Meisterklasse #3 startet bereits im April 2020. Interessierte können sich ab sofort bewerben und finden hier weitere Informationen sowie hier Impressionen und Statements vom Gründermotor Demo Day in bewegten Bildern.

Text & Bilder: Gründermotor

Beim siebten Expo Day hagelte es gute Nachrichten in den Wagenhallen – für Startup Stuttgart und die Gründerszene in der Region.

Startup Stuttgart freut sich über prominenten Zuwachs. Seit diesem Jahr ist die Innovationsplattform Startup Autobahn Mitglied des eingetragenen Vereins, dessen Ziel es ist, die lokale Startup-Szene zu fördern und das Netzwerk zwischen Gründern und etablierten Playern zu stärken. Dafür ist der sogenannte Expo Day der Startup Autobahn ideal. Jetzt fand der bereits siebte in Stuttgarts Wagenhallen statt. Mit einem neuen Rekord: Bereits 29 internationale Partner, zu denen Weltmarktführer wie Daimler als Begründer der Startup Autobahn, Porsche und seit diesem Jahr auch Bosch, Motherson aus Indien oder Yangfeng Automotive Interiors aus China gehören, stellten diesmal ihre Kooperation mit 27 Startups aus aller Welt vor – und deren nicht weniger als 40 innovative Ideen.

Seit dem Gründungsjahr haben Startup Autobahn powered by Plug and Play mit 220 Startups an über 320 Pilotprojekten in den Bereichen Mobility, Produktion und Unternehmen, viele davon aus der Region Stuttgart, zusammengearbeitet. Davon sind bisher bereits 60 Projekte bei den Unternehmenspartnern implementiert. Damit ist Startup Autobahn die effizienteste Plattform europaweit, nicht wenige sagen weltweit.

Prominenz und Studenten im Dialog auf Augenhöhe

Über tausend Besucher brachte der Expo Day im Februar in den Wagenhallen zusammen. Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG und Nachfolger von CEO Ola Källenius als Entwicklungschef, unterstrich in seiner Rede den ambitionierten Weg der Automobilindustrie allgemein und Daimler im speziellen hin zur CO2 neutralen Mercedes-Benz Autoflotte im Jahr 2039. Wie das gelingen solle? Mittels einer eindeutig nachhaltigen Gesamtstrategie im Konzern, bei der Startups auch eine Rolle spielen können.

Verkehrsminister BaWü Winfried Hermann

Baden-Württembergs Verkehrsminister und Grünenpolitiker Winfried Hermann berichtete von Fortschritten in der nachhaltigen Mobilität und war voll des Lobs der Arbeit und Erfolge von Startup Autobahn.

Weltweit erfolgreicher Magnet gen Stuttgart

Woher kommt dieser Erfolg? Raymond Chow von Daimler und einer der Treiber der Startup Autobahn, ist stets mittendrin im Geschehen. „Expo Day ist der Super Bowl der Startup Autobahn“, charakterisiert er das Mega-Event für Stuttgarts Startup Szene, das im Jahr 2016 startete und seit 2018 zweimal im Jahr, im Winter und im Spätsommer, stattfindet. Wie der Name Autobahn nahelegt, geht es um Speed und auch schwerpunktmäßig um die Mobility-Themen, aber nicht ausschließlich.

Christoph Röscher (Startup Stuttgart), Saeed Amidi (Plug and Play), Raymond Chow (Daimler)

Das Geniale am Expo Day: Gründer aus aller Welt können sich dank der Einrichtung Startup Autobahn und ihres Akzelerators Plug and Play an einem Ort, für eine Veranstaltung, für einen oder gar nur einen halben Tag treffen, um auf einen Schlag Dutzende Unternehmen zu treffen. Eine phantastische Möglichkeit für zielgerichtetes intensives Networking und Anbahnen von Geschäften in Stuttgart.

Schon in kurzer Zeit ist es mit der unbürokratischen Einrichtung gelungen, die Region weltweit bekannter zu machen für Startups – mit dem Ziel, ein agiles und nachhaltiges Ökosystem in der Region aufzubauen, berichtet Sascha Karimpour, Managing Director von Plug and Play Germany. Dass sich dieses Zusammenspiel zwischen den Etablierten einerseits und innovativen Gründern andererseits so erfolgreich entwickelt, liegt vor allem daran, dass Startup Autobahn eine neutrale Innovationsplattform in der Heimat des Automobils ist, die eine vertiefte und betreute Zusammenarbeit zwischen zentralen Partnern aus der Industrie und jungen Technologieunternehmen moderiert.

In kurzer Zeit ist Startup Autobahn zu Europas größter Innovationsplattform geworden, an deren Expo Days Plug and Play Chef und Gründer Saeed Amidi auch immer aus dem Silicon Valley einfliegt. Mit ungefähr je einem Drittel von Startups aus Deutschland, Europa und weltweit beweist alleine schon dieser Mix, wie ungeheuer attraktiv die Veranstaltung ist.

Startup Stuttgart e.V. Partner der Startup Autobahn

Seit Anfang dieses Jahres ist die weltweit angesehene Innovationsplattform nun auch offiziell Mitglied von Startup Stuttgart. „Seit Gründung der Startup Autobahn gab es eine enge Beziehung zwischen Startup Stuttgart und der Startup Autobahn“, sagt Christoph Röscher, Vorstandsvorsitzender von Startup Stuttgart. „Die Mitgliedschaft ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit noch enger, der Austausch noch intensiver wird und ein gemeinsames Interesse daran besteht, die Startup-Region weiterzuentwickeln“.

Große Bühne für Pilotprojekte

Erfreulicherweise wächst und gedeiht das Öko-System im und um den Großraum Stuttgart. Es ist vital, Lösungen zu finden und die richtigen Leute herauszufiltern. Darauf hat sich Startup Autobahn spezialisiert.

Die Startups im Programm der Autobahn werden gescoutet oder man kann sich auch direkt dort bewerben. Sofern man die erste Runde schafft, findet ein matchmaking zwischen den Startups und den Unternehmen des Programms statt. In den folgenden hundert Tagen werden gemeinsam Pilotprojekte erarbeitet. Innerhalb dieser gut drei Monate entscheidet sich, ob eine Idee danach weiterverfolgt oder abgeblasen wird. Das spart allen Beteiligten Zeit, Geld und Energie.

Diesmal hieß es große Bühne für so erfolgreiche Pilotprojekte von Startups wie Biomyc aus Bulgarien, das zusammen mit Mercedes-Benz daran arbeitet, für die Montage maßgeschneiderte und nachhaltige Schutzmaterialien zu entwickeln. Way Ahead Technologies aus Zürich, das ursprünglich aus dem Gaming Sektor kommt, hat eines von acht Pilotprojekten zusammen mit Porsche entwickelt. Unzufrieden mit der bisherigen Lane Detection, also Spurerkennung für Fahrzeuge, tüftelten Dominik Stocker und Roger Ruegg daran, ein 3D basiertes System zu entwickeln, das Fahren in Echtzeit erlaubt. Und – für Porsche Fahrer wichtig – auf der Rennstrecke der weltweiten Porsche Experience Centres die jeweils beste Streckenführung voraussagt.

Von Stuttgart aus Fahrzeug in Tel Aviv durch den Verkehr gesteuert

Spektakulär das Pilotprojekt zwischen T-Systems und Ottopia aus Tel Aviv: Über eine Entfernung von 4.000 Kilometern steuerte ein Fahrer über Pedalerie und Display in den Wagenhallen einen Pkw durch den Verkehr in Tel Aviv. Unfallfrei. Dort sitzen zwei Personen im Fahrzeug, um eingreifen zu können, falls das Netz zu langsam ist oder sonst ein Fehler passiert. Denn laut Ottopia Gründer Amit Rosenzweig ist das Netz in Tel Aviv sogar schlechter als das in Deutschland. Und auch hierzulande ist 5 G noch lange nicht flächendeckend installiert.

Um für die Fernsteuerung auch unter schwierigen Netzwerkbedingungen Sicherheit und Zuverlässigkeit bewerkstelligen zu können, verwendet Ottopia AI, die die Qualität des Mobilfunknetzes in den nächsten Sekunden vorhersagt.

Das niederländische Startup Wem.io wiederum kooperiert erfolgreich mit der globalen Austauschplattform DXC Technology aus Böblingen. Mittels der wegweisenden no code platform Technologie von WEM.io konnte ein virtueller und skalierbarer Konferenzraum in lediglich zwei Tagen und von nur zwei Entwicklern realisiert werden. Dadurch können auf Basis einer sicheren Übertragungsumgebung Mitarbeiter, Kunden und Startups im globalen Austausch näher zusammenrücken und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Genau das braucht die Zeit der Industrie 4.0.

Showdown für Studentische Pitches

Im Vorfeld zur Präsentation der vielen erfolgreichen Pilotprojekte konnten lokale Studenten von Universitäten und Hochschulen aus der Region Stuttgart ihre Ideen dem illustren Publikum vorstellen. Ob Healthager, Healthynator, My Cabin, My Flask, Pan Shave, Park Pie, Rocky Motion, Smile Mobile oder Stagepro – die Schwerpunkte der jungen Gründer lagen auf Gesundheitsthemen und Nachhaltigkeit. Das Finale von startup BW ASAP, dem Academic Seet Accelerator Program, machte seinem Namen alle Ehre: Die Studenten warteten nicht länger, sondern machten sich sofort an die Umsetzung ihrer Ideen und nutzten die Bühne, für ihre aktuellen Startup Ideen vor potentiellen Unterstützern zu werben.

Nils Hoegsdal Innovationsbeauftragter und Prorektor an der Hochschule der Medien, HdM, in Stuttgart sieht die Startups in der Region als potentielle Arbeitgeber für seine Studierenden und Partner für Innovationsprojekte. „Wenn von den 15 hier präsentierten Ideen nur fünf weitermachen, ist das schon ein riesiger Erfolg“, freut er sich für die Studierenden. „Wir sind froh, dass wir Startup Autobahn in Stuttgart haben. Das ist im Bereich Mobilität die absolut beste Plattform weltweit“, sagt Hoegsdal.

From Lab to App – vom Labor in die Praxis

Egal auf welchem Level, immer geht es darum, möglichst effizient und schnell Talente herauszufiltern. 1.350.000 Tech Startups gehen jedes Jahr an den Start. Wie kann man als Unternehmen da schnell gute Ideen herausfiltern und den Startups zu mehr Geschäft verhelfen? Dem Team der Startup Autobahn ist es schon jetzt gelungen, Stuttgart und Umgebung auf die internationale Startup Landkarte zu setzen. So heißt es im Herbst wieder: Bühne frei für den nächsten Expo Day mit vielen weiteren erfolgreichen Innovationen für Baden-Württemberg.

Text: S Roeder
Fotos: Startup Autobahn, Startup Stuttgart e.V.

Startup Laserhub agiert im B2B als virtueller Blechbearbeiter und als effizienter Ansprechpartner.

„Unser Ziel ist es, den Beschaffungsprozess in einem B2B Umfeld auf ein ähnliches Niveau zu bringen, wie es die Einkäufer im B2C erleben“, berichtet Adrian Raidt, Gründer von Laserhub und zitiert Zalando und Amazon als bekannte Beispiele dafür, wie bequem der Ablauf von Bestellung bis Lieferung funktionieren kann.

Diesen Komfort will das Startup auf den Blechbereich übertragen. Laserhub agiert dabei als Ansprechpartner für beide Seiten: die Unternehmen, die Blechteile herstellen und diejenigen, die sie kaufen. Daher auch der Name. Über die Drehscheibe, den Hub, wird das Blech- oder Metallteil entsprechend geordert, mit oder ohne Laser bearbeitet und dann an den Kunden ausgeliefert. Alles aus einer Hand. Was unmittelbar einleuchtend klingt, war „eine lange Reise“, sagen die drei Co-Founder einhellig über die Genese ihres innovativen Geschäftsmodells.

Simpel und Effizient für die Kunden

„Wir betreiben eine online Plattform, über die wir für Kunden in der Industrie kundenspezifische Metallteile beschaffen“, beschreibt Adrian die Funktionsweise von Laserhub, dessen Initiator er war. Nach neun Jahren in der Industrie, während derer er sehr tiefe Einblicke in die Blechbearbeitung und die damit befasste, stark fragmentierte Branche gewinnen konnte, „dachte ich viel über die Auslastung der Maschinen nach und darüber, wie man mit den stark schwankenden Auftragseingängen zurechtkommt.“ Dass diese teuren Hightech Maschinen nicht rund um die Uhr laufen, damit wollte er sich nicht zufrieden geben.

Gegründet hat Adrian das Startup Laserhub im Juli 2017 und war zunächst mit seiner Idee alleine im Co-Working Space Wizemann zugange. Das Alleinsein war von kurzer Dauer. Schon im Dezember 2017 und Januar 2018 stießen mit Christoph Rößner und Jonas Schweizer zwei neue Co-Founder hinzu. Das Trio war komplett. Auch sonst mangelt es nicht an Dynamik: „Vor drei Monaten sind wir mit 16 Mann dort wieder ausgezogen“ – in ein frei gewordenes Büro in der Eberhardstraße, mitten hinein in die City.

Gründertrio Laserhub

Gründertrio mit perfekter Kompetenzaufteilung

„Wir sind jetzt drei Co-Founder bei Laserhub. Das ist ideal, weil wir drei ganz unterschiedliche Kompetenzen in diese Firma einbringen“, lautet Adrians‘ Diagnose. Christoph und Jonas nicken.

Adrian schaut auf Laserhub aus der Perspektive eines Maschinenbauers „mit stark prozessualer Denke, also mit dem Fokus darauf, wie man die Prozesse verbessern kann.“ Christoph lernte er auf einem Kongress kennen. „Dabei haben wir festgestellt, dass wir beide ‚Blech sprechen‘“, lacht der und berichtet, dass er die Branche aus genau der anderen Richtung kennengelernt hat. „Ich hatte bei meinem damaligen Arbeitgeber einen Inkubator aufzubauen versucht und ihn Adrian vorgestellt“, erinnert er sich. „Davor war ich im Unternehmen meiner Familie tätig, als Zulieferer für den Maschinenbau. Wir haben Blech und Metall mit Maschinen verarbeitet. Dabei spürte ich genau diesen Schmerz in punkto Auslastung der Maschinen live, den Adrian beobachtete.“ Als „perfekter“ Dritter im Bunde stieß mit Jonas ein Software- Entwickler hinzu. „In der raren Kombination, dass er nicht nur entwickeln kann, sondern gleichzeitig das Gesamtthema Digitalisierung aus strategischer Sicht sehr gut kennengelernt hat“, lobt Adrian.

Für Jonas reifte während seiner Elternzeit der Entschluss, sich beruflich zu verändern. Eine Ausschreibung in seinem Alumni-Netzwerk für einen CTO faszinierte ihn. „Total angefixt hat mich, dass ich mein Wissen über Softwareentwicklung, und das Wissen über Digitalisierung aus meinem zweiten Job als Berater anwenden kann auf eine super Branche“, sagt er und fügt hinzu: „Es war sofort offensichtlich, dass mir das Spaß machen würde und gründungswillig war ich auch.“ Beste Voraussetzungen, sich auf Laserhub einzulassen. Bereut hat er es seit fast zwei Jahren kein einziges Mal. „Ich hatte davor nie etwas mit Blech zu tun. Nun geh ich durch die Welt und sehe nur noch Blech“, ergänzt er schmunzelnd.

Tausche Frust gegen Sorgen

Das Faszinierende an ihrem Startup sei der Speed, mit dem sie nicht nur ans Werk gehen, sondern auch umsetzen. „Im Konzern reden viele mit. Meist sind mehrere Lenkungskreise vorgeschaltet, die man mit seiner Idee durchlaufen muss, bis die mehrfach nachjustierte Idee nach sechs bis neun Monaten bei der Geschäftsleitung landet. Und dann kommt es stark auf die gerade hier herrschende Großwetterlage an.“

Also alles besser mit einem Startup, das Freiheit und Schnelligkeit verspricht? „Es ist mindestens ein Tauschgeschäft – nach dem Motto, tausche Frust gegen Sorgen.“ Letztere zum Beispiel, weil das Gehalt nicht einfach am Monatsende kommt und viel Energie und Frustrationstoleranz vor- und auszuhalten sind. Christoph dazu: „Mit Sorgen kann man umgehen, man kann sie steuern und abbauen. Frust dagegen muss man ertragen und das ist grauslich.“

Einfach nur machen

Mit Vollgas ging’s deshalb an den Aufbau von Laserhub – mit Erfolg. Sichtlich zufrieden erzählt Adrian: „Exakt drei Monate nach Gründung hatten wir die erste live Transaktion auf der neuen Laserhub Plattform.“ Ein funktionierendes Produkt und Transaktionen mit echten Kunden binnen drei Monaten – das gelinge nur, wenn man fokussiert arbeitet. Ein weiterer Treiber sei sicherlich auch ein gewisser finanzieller Druck, aber vor allem der, dass „man keine 100 Leute fragen muss, um etwas zu tun – sondern wenn man einfach nur machen kann.“

Förderlich ist aus Christophs Sicht auch, dass Laserhub keine lange Historie und Tradition mit sich herumschleppe. „Dadurch hat man die Möglichkeit und die Freiheit, mit einem nicht perfekten Produkt auf den Markt zu gehen und möglichst früh Market Feedback zu bekommen.“ Das sehen die drei Gründer als das wesentliche Erfolgsgeheimnis. Dann der Rat und die gleichzeitige Erkenntnis: „Das würde ich auch jedem Corporate raten.“

Vorteil Startup: Mit Verve, Effizienz und Schnelligkeit an den Markt

Allen Startups rät Christoph eindringlich, möglichst früh an den Markt zu gehen, auch wenn das Produkt sich noch nicht richtig gut anfühlt oder noch gar kein Produkt ist, also noch nicht mal ein Prototyp, sondern ein Pretotype.

Laserhub jedoch kam gleich mit einem Prototyp. Der Grund: „Bei uns war das wichtig, weil wir in einer sehr Corporate orientierten Umgebung unterwegs sind – als Berater hatte ich sehr viel mit großen Unternehmen zu tun; deshalb ist es mir sehr wichtig, diese Effektivität auf die Straße zu bringen“, erklärt Jonas. Gerade als Berater habe er festgestellt, „dass zu viel Geld den Jordan runterfließt, ohne eigentlichen Output zu generieren.“ Umso entscheidender war es für Laserhub, unter Beweis zu stellen, dass sie mit ihrem Startup „mit geringeren Mitteln etwas komplett neu aufbauen und das machen wir auch jeden Tag. Das macht einfach riesig viel Spaß.“

Schon jetzt macht Laserhub Umsätze in einstelliger Millionenhöhe mit mehr als 2.000 Kunden, für die das Startup bisher deutlich mehr als zwei Millionen Kilo Metallteile in die Welt verschickt hat. Um all das abwickeln zu können, ist die Zahl der Mitarbeiter zügig angestiegen, auf insgesamt rund 35. Das Fazit der Gründer: Wir sind auf gutem Weg.

Laserhub

Mit Risikokapital nachhaltig unterwegs

Und woher kommt das Kapital? „Wir sind risikokapitalinvestiert“, sagt Christoph. Laserhub investiert aktuell hauptsächlich in Menschen. „Mit diesen Menschen bauen wir möglichst schnell an unserem Geschäftsmodell weiter, um in der Industrie einen Fußabdruck zu hinterlassen und uns da vorwärts zu bewegen. Das heißt, mit diesem Geld von Investoren kaufen wir eine gewisse Schnelligkeit“, erklärt er. Das erklärt auch, dass Laserhub aktuell noch nicht profitabel ist. Denn wenn ein neuer Mitarbeiter kommt, ist er nicht sofort ein Umsatztreiber.

Die wirtschaftliche Abkühlung ist für Laserhub kein Problem. Im Gegenteil. „Wir spüren keinen Geschäftseinbruch, nicht zuletzt deshalb, weil wir de facto die vorher beschriebenen Ineffizienzen aus dem Markt nehmen“, erläutert Adrian. In solchen Zeiten beschäftigt sich die Industrie damit, wie sie effizienter werden kann, und gerade im Einkauf, so sagt man, liege das Geld. Entsprechend die Anstrengungen bei den Einkäufern, hier Geld einzusparen. Davon profitiert Laserhub, weil das Startup gerade hier Lösungen anbietet.

Ambitionierte Ziele realistisch angehen

Wie geht es weiter? Gibt es einen Fünf-Jahresplan. Ja, den gebe es. „Wir haben es mit einer sehr traditionellen Branche zu tun, die noch nicht digital ist. Unser Ziel ist es, diese Branche zu digitalisieren und letztlich an jeder Transaktion im Digitalbereich beteiligt zu sein“, so Christoph. Das könne über das heutige Geschäftsmodell funktionieren, doch es seien darüber hinaus viele andockende andere Geschäftsmodelle möglich, so dass, was auf den ersten Blick sehr groß klinge, wenn man es runterbreche, durchaus ein erreichbares Ziel sei.

„Unser Nahziel ist ganz einfach: Wir vervierfachen den Umsatz von diesem Jahr auf nächstes Jahr.“ Ja, das sei sehr ambitioniert, aber erreichbar und habe zur Folge, dass ein erfolgreiches Startup wie Laserhub weitere Investoren anlocken könne, mit deren Geld die drei Geschäftsführer wiederum in noch mehr gute Leute investieren können.

A propos Investoren. Folgende Tipps legen die drei Gründer potentiellen Gründungswilligen ans Herz: Wenn das Geschäftsmodell auf Venture Capital hinausläuft, müsse man sich im zweiten Schritt überlegen, welche Investoren am besten geeignet sind und auch zu den Gründern und deren Zielen passen. „Mit unseren Themen Code und Personal waren wir zwangsläufig im Thema Risikokapital drin. Dort die richtigen Investoren zu finden, war nicht einfach, wenngleich wir ein gutes Netzwerk in die Branche hatten“, betont Adrian. Weil man mit den Gesellschaftern regelmäßig zu tun hat, bestehe die hohe Kunst darin, die Investoren zu finden, „die über das Investment hinaus wirklich nachhaltig Wert bringen.“ Dazu müsse man mit den Leuten reden, sich auch trauen, eine Tür mal wieder zu schließen. Das braucht Zeit, Mut und Energie.

Die richtigen Kapitalgeber für sich gewinnen

Dann das positive eigene Fazit: „Wir sind super happy mit unseren Investoren. Aber das war ein Prozess von sechs bis neun Monaten, bis wir entschieden: Jetzt machen wir mit denen die Finanzierungsrunde.“ Wichtig sei daher, diesen Selektions- und Werbeprozess nicht zu unterschätzen. „Man sollte auch ein bisschen Spaß daran haben, sich mit klugen Leuten über das Geschäftsmodell und die Vision für das Geschäftsmodell zu auszutauschen.“

Seine Hausaufgaben hat das Gründertrio erfolgreich absolviert. Beim Standortthema Stuttgart schlagen zwei Herzen in der Brust von Adrian, Christoph und Jonas. Das Ökosystem in Stuttgart sei „super“, vor allem im B2B Bereich. „Tolle Kundenbasis, tolle Lieferantenbasis.“ Das Venture Capital allerdings sei anderswo besser ausgeprägt, auch die gesamte unterstützende Infrastruktur um Startups herum. Das Fazit: „Für uns ist Stuttgart der richtige Standort. Klare Nachteile: Stuttgart ist nicht bekannt und auch Baden-Württemberg nicht als Startup Hotspot. Es fehle ein gesunder Pool an Startups, „die auf einer gleichen Ebene oder sogar gerne darüber sind, so dass man sich gut austauschen kann.“

Inzwischen ist das Team sehr international. So könne man wachsen, was mit einem Blick nur auf den regionalen Markt ausgeschlossen sei. Zudem bringe das Mindset mit Leuten von außen, die schon viele Startups gesehen habe, Laserhub definitiv weiter. Mit solchen jungen Talenten gestärkt will Laserhub ein Leuchtturm werden, dessen Erfolge über Stuttgart hinaus nach außen strahlen. Dann das Versprechen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Text und Fotos: S.Roeder