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Sehr geehrte Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut, vor rund drei Jahren haben Sie den Startup- Think-Tank Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem Gremium gewonnen? 

In der Gründungslandschaft des Landes Baden-Württemberg ist eine enorme Dynamik entstanden. Der Think Tank gibt uns wichtige Anregungen, wie wir unsere Förderinstrumente optimieren können. Er setzt sich aus Gründerinnen und Gründern, Vertreterinnen und Vertretern der Privatwirtschaft, von Wirtschaftsorganisationen und Start-up-Verbänden sowie aus der Beteiligungs- und Fremdkapitalszene zusammen. Aus den Sitzungen konnte ich schon viele wichtige Impulse mitnehmen, die zum Beispiel in neue Konzepte im Bereich Entrepreneurship Education eingeflossen sind. Den Gründungsgeist in die Schulen und an die Hochschulen zu bringen, ist wichtig, um Gründerinnen und Gründer von morgen zu fördern. Auch die Anregungen im Bereich der Wachstumsfinanzierung haben uns weitergebracht bei der Weiterentwicklung unserer Fondslandschaft.

Ministerin Hoffmeister-Kraut

Im Koalitionsvertrag „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN BADEN-WÜRTTEMBERG UND DER CDU BADEN-WÜRTTEMBERG 2016 – 2021“  wurde das Ziel: Wir werden Baden-Württemberg zur dynamischsten Gründerregion Europas machen.“ definiert. Wo stehen wir da aus Ihre Sicht? Wo gibt es rückblickend vielleicht auch Anlass zur Selbstkritik?

Die 2017 gestartete Landeskampagne Start-up BW geht genau diese Ziele an und entwickelt sich ständig weiter. Wir bündeln unsere Fördermaßnahmen und starten neue Projekte, die die Startups noch gezielter stärken – unter anderem Start-up-Beratungen, Finanzierungsinstrumente und Accelerator-Programme. Landesweite Unternehmensplanspiele und Wettbewerbe oder der Start-up BW Summit auf der Landesmesse Stuttgart, bei dem uns auch Startup Stuttgart immer tatkräftig unterstützt hat, runden das Spektrum ab. National wie international existiert ein stark umkämpfter Wettbewerb um die besten Start-ups. Ich sehe Baden-Württemberg auf einem guten Weg, diesen Wettbewerb zu bestehen und in der Entwicklung, Betreuung und Finanzierung von skalierbaren Geschäftsmodellen internationales Top-Niveau zu erreichen. Es liegt aber auch noch ein Teil des Wegs vor uns.

Eine Ihrer Initiativen war die Plattform Startup-BW ins Leben zu rufen. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden? Was ist dort noch geplant?

Start-up BW ist nicht nur ein Maßnahmenpaket, sondern in der Tat auch eine Plattform für unsere Partner. Baden-Württemberg zeichnet sich im Vergleich zu anderen Ländern durch viele einzelne regionale Start-up-Szenen aus, zum Beispiel in Metropolen wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Tübingen oder Ulm, aber auch in Städten wie Aalen, Offenburg, Niedereschach oder Tuttlingen. Mit der Plattform Start-up BW schaffen wir es, diese regionalen Szenen sichtbar zu machen, indem sie die elf regionalen Start-up-Ökosysteme im Land bündelt. Gerade an diesem Punkt müssen wir wieder verstärkt ansetzen, wenn wir die Pandemie überwunden haben und uns wieder stärker auf die Außendarstellung konzentrieren können.

Startup Think Tank – Treffen Juli 2018 in Karlsruhe

Aktuell läuft der Wettbewerb des Wirtschaftsministeriums für den KI Park BaWü und das Land hat €50 Mio. Förderung in Aussicht gestellt. Wie werden Gründer und Startups von dem KI Park profitieren?

Mit dem Innovationspark haben wir eine echte Chance, ein KI-Ökosystem zu schaffen, in dem Innovationen entwickelt und umgesetzt werden. Im Wettbewerbsverfahren sind die Teilnehmer aufgefordert, ein inhaltliches Gesamtkonzept zu entwickeln, von dem nicht zuletzt auch Start-ups profitieren sollen. Wichtige Aspekte sind neben optimaler technologischer Infrastruktur und Testfeldern für KI auch die Anziehung von Investoren und Risikokapital. Im Ökosystem sollen Start-ups Zugang zu starken Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Forschung vor Ort und weltweit bekommen. Auch die vorübergehende oder längerfristige Unterbringung soll mitgedacht werden. Der KI-Park soll ein inspirierendes Umfeld schaffen, um die Zukunft im Land maßgeblich mitzugestalten.

Corona hat uns nun schon mehr als ein Jahr im Griff – wie laufen die Unterstützungsprogramme für Startups und welches Feedback bekommen Sie aus der Startup Szene zur aktuellen Lage? Wird es weitere Unterstützung für Gründer geben?

Start-ups werden durch die Corona-Pandemie noch stärker als andere Unternehmen in eine schwierige Lage gebracht. Der Übergang vom Prototyp zum Markteintritt stellt für sie eine besondere Herausforderung dar und bedeutet schon unter normalen Bedingungen oftmals für viele gute Geschäftsideen das Ende. Durch die Pandemie verschärft sich die Situation. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir vielversprechende Geschäftsmodelle in dieser Pandemie nicht verlieren. Wir haben daher schnell reagiert und konnten seit Juni 2020 bereits rund 100 krisengeschüttelte Start-ups mit dem Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“ unterstützen. Bis Juni 2021 stehen hierfür 30 Millionen Euro bereit. Mit dem neuen Mezzanine-Beteiligungsprogramm steht uns auch die sogenannte Säule II der Hilfen der Bundesregierung, die zur Unterstützung von Start-ups und kleinen Mittelständlern zur Überwindung der Corona-Krise aufgelegt wurden, zur Verfügung. Von Landesseite stellen wir hierfür 50 Millionen Euro bereit, womit insgesamt bis zu 250 Millionen Euro an Finanzierungsvolumen bewegt werden können. Auch dieses Programm haben wir zum Jahreswechsel bis Ende Juni 2021 verlängert. Wir sind damit auf einem guten Weg, unsere Gründerinnen und Gründer bestmöglich durch die Krise zu bringen.

Sofern Sie der nächsten Landesregierung wieder als Wirtschaftsministerin angehören, worauf würden Sie sich am Anfang konzentrieren, um BaWü zur führenden Gründerregion Europas zu machen?

Es ist uns in dieser Legislatur gelungen, nahezu alle Partner und alle wesentlichen Angebote unter dem Dach von Start-up BW zu bündeln, ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen und eine Community zu entwickeln. Klar ist aber auch, dass wir nur mit großer Kontinuität dieses Thema nachhaltig befördern können. Die Start-up BW Kampagne ist auf lange Sicht angelegt. Allein die rund 3.000 Teilnehmenden in den Start-up-BW-Acceleratoren zeigen, dass wir ein Momentum in Gang gesetzt haben, das es jetzt weiter in die Breite zu tragen gilt. Hier müssen wir ansetzen. Aber auch wenn das Land vieles unternimmt, eines möchte ich betonen: Erfolgreich wird dieses Unterfangen nur gemeinsam mit unseren Partnern. Nur gemeinsam und mit dem Engagement der Partner vor Ort schaffen wir eine neue Aufbruchsstimmung und Angebote, die nachhaltig wirken.

Vielen Dank für das Interview

Christoph Röscher, Vorstandsvorsitzender von Startup Stuttgart, ist Mitglied des Think Tanks.

Bilder: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

Landtag Stuttgart

Am 14.03.2021 wählt Baden-Württemberg den neuen Landtag. Wir haben alle Kandidaten des Wahlkreises Stuttgart I, deren Partei in aktuellen Umfragen mindestens drei Prozent erreicht, um eine Stellungnahme zu drei Fragen aus dem Start-up-Bereich gebeten. Folgende Antworten wurden unverändert übernommen:

Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups im Raum Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Um die Gründungskultur an Hochschulen zu unterstützen, macht die Landesregierung vielfältige Angebote. Das Programm „Junge Innovatoren“ unterstützt junge Wissenschaftler*innen dabei, ihre innovativen Gründungsvorhaben zu realisieren. Mit dem Wettbewerb „Start-up BW ASAP“ werden studentische Gründungsteams gefördert. Schließen möchte ich die Förderlücke bei Unterstützungsstrukturen für Gründerinnen. Die „Start-up BW Accelerators“-Programme in den Bereichen Finanzierung, Coaching und Networking sollten gezielt mit Blick auf die Unterstützung von Frauen ausgebaut werden. Mit „Start-up BW Women“ wollen wir Gründerinnen noch besser fördern.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Gründungskultur an Schulen und Hochschulen fördern, insbesondere auch Frauen zur Gründung motivieren 
  • Gründerfonds des Landes zur Finanzierung der Startups weiter ausbauen 
  • Kontakt mit Risikokapitalgebern fördern (Business Angels, Venture Capital) 
  • Startup Zentren in der Region noch stärker vernetzen (z.B. Tübingen, Heilbronn, Mannheim) 
  • Startup meets Mittelstand – Startups stärker mit dem Mittelstand verknüpfen 
  • Steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital und Start-ups verbessern 
  • Orte schaffen, an denen sich Startups niederlassen können 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Für mich braucht es zunächst mehr Struktur im Raum Stuttgart: es gibt unglaublich viele Angebote an Veranstaltungen und Ansprechpartner. Hier sind Informationen aus einem Guß und eine Hilfestellung in Form von Gründerlotsen, wie im Kreis BB sicherlich sinnvoll. Zudem muss eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen auf der einen Seite und startups auf der anderen Seite stattfinden. Diese Vernetzung kann landesseitig durch Förderungen von zentralen Hubs gestützt werden.

Johanna Molitor (FDP):

Neben Finanzierungsfragen sind bürokratische Hürden eines der größten Probleme für StartUps. Daher trete ich für StartUp-Unternehmen für eine Entlastung von Bürokratie ein. Des Weiteren mache ich mich für die Einrichtung von wirtschaftlichen Freiheitszonen stark, welche insbesondere StartUps Möglichkeiten zur schnellen Entfaltung geben. Zusätzlich kann ein bürokratiefreies Gründungsjahr für neue Unternehmen gründungsfreundlich wirken – dafür setze ich mich ein.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Existenzgründungszentren und Beratungsstellen für die Gründung von Start-ups sollen landesweit ausgebaut werden. Ein öffentlicher Wagniskapitalfonds fördert innovative Start-ups, wenn diese gemeinwohlorientierten Zwecken wie z.B. dem sozial-ökologischen Umbau dienen. Unternehmerinnen und Menschen mit Behinderung, wollen wir insbesondere fördern. Gerade im Bereich der nachhaltigen Mobilität wollen wir Gründungen und neue Ideen Fördern.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Ich denke, in Berlin gibt es die Alternative einer Industriekarriere nicht so wie in Stuttgart. München ist uns zudem voraus in der Vernetzung von Wissenschaft und Gründerinnen. Hier holen wir aber auf. Land, Automobilindustrie, Startup-Unternehmen und Universität kooperieren etwa in der Arena 2036 bei der Suche nach Innovativen für die Mobilität der Zukunft. Gerade diese Nähe zwischen neuen Ideen und der direkten Anwendung hat bei uns ein enormes Potential, denn Startups sind zentrale Innovationstreiber. Potential für die Region sehe ich auch in der Kooperation von Gründerinnen in der Gesundheitswirtschaft mit den Unikliniken.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Bessere Förderung und Finanzierung der Startups 
  • Startup Kultur wird stärker beworben 
  • Start-up-Standort werden besser vermarkt 
  • Berlin: Schwerpunkt liegt bei IT und Plattformentwicklung, die leicht zu skalieren sind 
  • München: Bessere Vernetzung zwischen Universitäten und Hochschulen mit den ausgegründeten Startups z.B. Technische Universität München 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Zu einem attraktiven Gründerstandort wie München oder Berlin braucht es auch Wagniskapital, Orte der Vernetzung in einem kreativen Umfeld, Anlaufstellen, wie es ja auch das Unternehmer-TUM in München bietet. Das Land kann hier Anreize für Unternehmen und Hochschulen setzen, sich vermehrt einzubringen.

Zudem baucht es ein attraktives Umfeld: eine pulsierende Stadt mit einer Clubszene und Nachtleben, gute Anbindungen an den ÖPNV, bürokratiearme Verwaltungen, all das sind Themen, die jungen Unternehmern wichtig sind.

Johanna Molitor (FDP):

Eine Schwäche Baden-Württembergs sind die bürokratischen Hürden und die unzureichenden Finanzierungsmöglichkeiten. Die Bedeutung von Venture Capital ist hoch. Mir ist es ein Anliegen, dass mehr VC Geber ihre Chancen in Baden-Württemberg erkennen. Darüber hinaus müssen die Empfehlungen des Normenkontrollrats aufgegriffen und überfällige Entlastungen für Gründungswillige vorangetrieben werden.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Das hat sicher verschiedene Gründe. Berlin ist einfach anziehend für kreative Köpfe. Aber ein handfester Grund ist sicherlich, dass es in Berlin noch etwas leichter ist halbwegs bezahlbare, kleine Gewerbeimmobilien zu finden. Hier muss man durch eine Bereitstellung von entsprechenden Flächen durch Kommunen und Land fördern, sowie durch eine Deckelung der Gewerbemieten. In Stuttgart absorbiert die nach wie vor intensive Industrie viel Hochschulabsolvent*innen, so dass die eigene Gründung weniger interessant ist…

Welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit Startups?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Seit meiner Wahl 2011 habe ich regelmäßig Startups besucht, auch mit Fachkolleginnen aus Land- und Bundestag. Als Steuerberaterin betreue ich viele Gründerinnen. Deren Erfahrungen, Bedürfnisse und auch Sorgen nehme ich mit in die Politik. In den vergangenen zehn Jahren ist Politik insgesamt aber spürbar offener gegenüber den Bedürfnissen von Startups geworden. Deren größte Hürde ist die Akquise von Wagniskapital. Hier haben wir „Start-up BW Pre-Seed“ eingeführt und unterstützen die Startups in der wichtigen Gründungsphase. Direkt nach der Wahl wollen wir da auch nochmal nachlegen.

Ruth Schagemann (CDU):

Mit meinem Mann habe ich ein Architekturbüro gegründet. Mir sind daher die Herausforderungen bei Gründungen bekannt. In der Architektenkammer Baden-Württemberg habe ich das Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums und der Architektenkammer Baden-Württemberg für Gründungen betreut. Bei Startups spielt noch die „Disruptive Idee“ eine Rolle, der unternehmerische Gedanke, wie z.B. Markterschließung, Betriebswirtschaft, Technologietransfer ist allerdings ähnlich.

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Als Wirtschaftsförderer im Landkreis BB habe ich die Förderung der Gründerszene zu einem meiner Schwerpunkte gemacht; dies ist auch in unserer Standortstrategie so hinterlegt. Dort arbeiten wir eng mit GründerInnen zusammen. Der Landkreis hat 2020/21 beim Wettbewerb „gründungsfreundliche Kommune“ den dritten Platz erreicht. Sollte ich nicht gewählt werden, will ich übrigens da nochmal antreten und besser werden. Wir führen jedes Jahr einen der Elevator Pitches des Landes durch. Darüber hinaus habe ich unlängst im Wahlkampf in Stuttgart das Steyg besucht.

Johanna Molitor (FDP):

Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Start-Ups in ganz Baden-Württemberg Kontakt gehabt. Ich habe gesehen, wie verschieden die Herangehensweise der im Landtag vertretenen Parteien in dieser Thematik sind. Zudem kenne ich die Förderinstrumente und Maßnahmen aus anderen Bundesländern. Nicht immer muss man das Rad neu erfinden, sondern kann sich gut laufende Pilotprojekte aus den anderen Bundesländern, zumindest in Ansätzen zu eigen machen. 

Filippo Capezzone (Die Linke):

Ehrlich gesagt nicht so viel. Im Rahmen meines Studiums der Agrarwissenschaften habe ich Kontakt zu Personen gehabt, die z.T. im Rahmen ihrer Master- und Promotionsarbeit einfache technische Gerätschaften für die Anwendung in der Landwirtschaft in Ländern des globalen Südens entwickelt haben (Solar-Milchkühlung, Biogaskochherd, Solatrockungsanlagen etc.) und sich z.T. im Anschluss daran selbstständig gemacht haben damit. Start-ups in der Entwicklungszusammenarbeit ist sicherlich ein spannendes Thema. Wichtig ist dabei aber sicher wie sonst auch – es muss ein Wissens- und Technologietransfer in die ärmeren Länder stattfinden.

Wir danken allen Kandidaten für Ihre Stellungnahme. Von der AfD haben wir keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Bildquelle: https://im.baden-wuerttemberg.de/de/land-kommunen/lebendige-demokratie/wahlen/landtagswahl-2021/

Esslingen will im Startup Geschehen als Zukunftsstandort nicht nur am Ball bleiben, sondern in der oberen Liga mitspielen

„Netzwerk, Räume, Gründergeist – das sind die drei Hauptziele, die wir uns als Stadt Esslingen auf die Fahne geschrieben haben, berichtet Marc Grün, Leiter des Wirtschaftsamtes der Stadt Esslingen. 

Eine Frage, die sich die Stadt mit ihren knapp 100.000 Einwohnern stellte, bewegt derzeit auch viele andere Städte in Baden-Württemberg: Wie können wir als Stadt insgesamt innovativer werden? Denn außer Frage steht, dass ein Innovationsruck durch das Land das Land der Tüftler und Denker gehen muss.

Esslingen ist auf dem besten Weg, als bisher Hidden Champion der Startup Kultur ein zusätzlicher Hotspot für Gründungswillige zu werden. Wie machen die das? Und warum wollen die das? Ein entscheidender Teil der Lösung ist das Rathaus, das ein klares Konzept erarbeitet hat und offen ist für Neues. Denn ein disruptiver Wandel muss auch diese Stadt, in der Automobilindustrie und Maschinenbau bisher der Quell von Wohlstand und Fortentwicklung waren, erschüttern und wachrütteln. Dieser Wandel wird ausschlaggebend sein für das Wohl und Wehe der zauberhaften Fachwerkstatt. 

Mit dem Stadtkompass stets auf Kurs

Zwei Buzz Words, Disruption und Startup, bewegen die Gesellschaft zunehmend – auch in Esslingen. Um „als Zukunftsstandort am Ball zu bleiben“, wie es Grün ausdrückt, hat er mit seinem motivierten Mitarbeiterstab einen „Stadtkompass“ ins Leben gerufen. „Es muss uns gelingen, unsere Stadtgesellschaft insgesamt zu motivieren – zu mehr Eigenständigkeit, zu Kreativität, zu innovativen Lösungen. Das bedeutet auch, angstfrei zu werden vor Veränderungen“, beschreibt der Wirtschaftler den anstehenden Kraftakt. Diese Veränderungen, die die nächsten Jahrzehnte deutlich prägen werden, will Esslingen aktiv mitgestalten – mit dem Stadtkompass, der klar die Richtung/en weist.

In diesem Stadtkompass spielt die Gründungsförderung durch die Stadt eine große Rolle. Dazu kommt die Transformation der Innenstadt, die der Gründungsförderung zusätzlich zugutekomme und unter Federführung der Esslinger Stadtmarketing GmbH (EST) und mit Unterstützung der Stadt Esslingen vorangetrieben wird. 

Dass es Esslingen ernst meint mit seiner Gründungsoffensive, manifestiert sich nicht zuletzt in der Person von Innovationsmanagerin Daniela Gorka, die sich seit Sommer 2019 mit Verve für Gründer und die Netzwerkpflege ins Zeug legt.

„Wir brauchen Menschen, die das Morgen vorbereiten“, so die klare Erkenntnis. Daher die Gründungsförderung, die zweierlei Ziele verfolgt: Einerseits will sie Gründer in ihrer Selbständigkeit nach vorne bringen, andererseits diese mit Betrieben koppeln, die es in der Stadt schon gibt, um Netzwerk und Kapital zu fördern. „Mit der Gründungsförderung möchten wir gerne die Festos und Daimlers von morgen großmachen und dafür sorgen, dass sie auch hier bleiben.“ An diesem Prozess soll die ganze Stadtgesellschaft beteiligt sein, weshalb die Gründer nicht „in der Peripherie arbeiten müssen“, sondern mitten ins Stadtzentrum geholt werden sollen. 

Hotspot für Innovation und Gründung im Stadtzentrum 

Umgesetzt hat Esslingen bereits das, wonach die Landeshauptstadt noch sucht: Ein Gründerquartier inmitten des pulsierenden Stadtlebens, wenn Corona ein solches Leben dann wieder zulässt und die idyllische Küferstraße aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden kann. Und tatsächlich hat sich die Küferstraße trotz Corona zur Gründermeile gemausert. Genau hier entstanden vergangenes Jahr die Räumlichkeiten der Innovationsmeile Küferstraße. Der Open Space lock mit einladend innovativem Flair und großen, offenen Räumen. Hier können sich Netzwerken und der richtige Spirit ungehindert entwickeln. Gründungswillige können sehr günstig einen Schreibtischplatz auch mal nur für einen Monat mieten und mit ihrer Idee loslegen. Drum herum machen neue Läden auf, ein klares Zeichen dafür, dass die Innovationsmeile „in“ ist. 

Als Kontrapunkt, aber genauso verlockend, steht der 800 Jahre alte Wolfstorturm, das ehemalige Tor zur Stadt am Ende der Küferstraße, für Gründer offen. Seine Räumlichkeiten eignen sich für kleine Workshops oder intime Investorengespräche in rustikalem Ambiente. „Der Vorteil dieses sehr traditionellen historischen Gebäudes im Vergleich zum Open Space sind Räume, die auch mal zugeschlossen werden können und deren Nutzer damit nicht immer in der Öffentlichkeit sind“, sagt Innovationsmanagerin Gorka. Dieses Schaufenstergucken in Sachen Startup ist andererseits genau das, womit der sehr moderne Open Space inmitten der Küferstraße eine Brücke vom Gründergeschehen zur Bevölkerung schlägt und letztere einlädt, einfach mal einzutreten. Niedrigschwellige Angebote sind für Grün und Gorka das, womit sie Gründern und Bürgern den disruptiven Wandel auf breiter Front schmackhaft machen wollen.

Die Masse der Ideen macht’s 

Die Gründer sollen nicht irgendwo auf Wolke versteckt und abgesondert wirken, sondern im Herzen der Stadt die Bürger bestenfalls infizieren mit innovativem Gründergeist. „Bewusst machen wir auch niederschwellige Angebote“, sagen Gorka und Grün. „Ob Florist oder Rentner, alle sollen die Möglichkeit haben zu sagen: Ich hab eine Idee und will mich austauschen mit Leuten, die auch Ideen haben.“ Die beiden Innovationstreiber sind davon überzeugt, dass es viele kleine Projekte braucht, um letztendlich die guten Ideen herauszufiltern. Ideen wie Fahrrad.de, das bislang erfolgreichste Startup, das in Esslingen bereits anno 2013 von René Köhler gegründet wurde – als online Plattform, damals basierend auf dem Fahrradgeschäft seines Vaters.

In Esslingen gebe es zahlreiche interessante Gründerpersönlichkeiten. „Bis zur Fertigstellung der Räumlichkeiten in der Innovationsmeile waren sie eher isoliert. Diese Gründungsinseln, wie wir sie genannt haben, wollten wir zusammenbringen, damit sie sich untereinander austauschen können“, sagt Grün. Mit der Innovationsmeile hat Esslingen dafür jetzt einen Startpunkt. Doch die Pläne der Stadt gehen deutlich weiter. Viele der „Inselbewohner“ waren davon sehr angetan, und so gründeten sie den Verein Makers League e.V. In dieser Liga der MacherInnen stecken Leute, die anpacken und etwas Neues schaffen wollen. Das Narrativ dahinter: Entdecke Deine Superkraft! Jeder hat eine Superkraft, mit der er die Community bereichern kann, meinen die Vereinsgründer. „Die Makers League ist der richtige Ort, um diese Superkraft nicht nur zu entdecken, sondern sie auch mit viel PS auf die Straße zu bringen“, sagt Gorka. Die Stadt arbeite eng und sehr fruchtbar mit der Liga zusammen – in der Rolle des Lotsen. 

Zwar hat sich die Makers League direkt vor dem Ausbruch von Corona im Februar vergangenen Jahres gegründet, trotzdem sind aus den elf Gründungsmitgliedern am Ende des Jahres schon 40 Mitglieder geworden. Allein daran merke man den Bedarf an Austausch, der als Stammtisch zunächst ausschließlich digital stattfinde. Die Mitglieder, so lasse sich beobachten, unterstützen einander stark. „Wer eine Frage hat, findet ganz schnell jemand, der eine Lösung hat. Ein toller Zulauf und alle fiebern darauf, sich auch endlich im realen Leben zu treffen.“

Von Makers League bis Mach ES! 

Der Open Space in der Küferstraße ist das Aushängeschild der Innovationsmeile: Von außen kann man von vorne bis hinten ins Gebäude durchsehen. Architektonisch ist es sehr schön gelöst, das Nutzungskonzept für alle Bereiche gemeinsam von Stadt und Makers League erarbeitet. 

Im Laufe des Jahres, so hoffen alle, soll endlich Leben in die Bude, sprich in den Open Space in der Küferstraße kommen. Die Vereinsmitglieder haben schon Ideen zu Veranstaltungsformaten – bei allen steht das tatsächliche Sich-Begegnen und der Austausch im Vordergrund. „Ich denke, dass es nochmal einen schönen Schub für den Verein gibt, wenn man dann auch außen wahrgenommen wird und sich die Vereinsmitglieder endlich im Space treffen können“, freut sich Gorka über den neuen Hotspot in der Stadt. 

Ihre Rolle sieht Esslingen aber gerade nicht darin, sich von anderen Städten der Region abzuheben. Nein, es geht darum, vereint schlagkräftige zu sein. „Wir als Stadt Esslingen möchten mit den anderen Städten gemeinsam etwas voranbringen. Deshalb haben wir uns mit Filderstadt, Nürtingen und Kirchheim (Teck) zusammengetan und entwickeln unsere Idee Mach es! als gründungsfreundliche Kommune weiter. Auch wieder auf der Grundlage, niederschwellige Angebote zu schaffen“, berichtet Grün und verweist auf den Preis, den dieser Verbund von startup Baden-Württemberg für sein Konzept erhalten hat. 

Vierfache Durchschlagskraft durch starke Städte

MachES“ ist unsere Dachmarke, unter der wir alles in unseren vier Kommunen bündeln, was Gründungsförderung betrifft. Dazu zählt unsere Innovationsmeile oder auch der Wettbewerb Start-U, den wir gemeinsam mit dem Esslinger Stadtmarketing (EST GmbH) initiiert haben“, erklärt Gorka. Es liege auf der Hand, mit den großen Städten des Landkreises die Kommunikation zu bündeln, damit das innovative Denken besser in die Köpfe dringen könne. 

Die Wirtschaftsförderer sind sich sicher, dass die Corona-Krise zu einer erhöhten Gründungsaktivität führen werde, weil die Menschen sähen, dass die alten Geschäftszweige neue Impulse barauchen. Sie suchten also nach etwas Neuem. „Mit Mach es! bieten wir das richtige Netzwerk, um innovativ durchzustarten.“ Und das nicht exklusiv, sondern offen auch für kleine Kommunen, die vielleicht gar keinen Wirtschaftsförderer haben. Denn, so Grün: „Wir als die vier großen Städte sehen uns in der Verantwortung, die Zugpferde zu sein und da die kleinen Städte mitzunehmen – so dass am Ende der ganze Landkreis davon profitiert und dadurch das Netzwerk gestärkt wird.“

Ob Sporthacks für Sportbegeisterte, Gipfelapfelmomente für Meetings im Freien, Fahrrad.de oder Codeatelier für IoT Lösungen, schon Esslingen allein kann mit einer bunten Palette höchst unterschiedlicher Startups jüngeren Datums überzeugen. Keine Frage: In der Quadratur der Ideenschmieden werden aus dieser Region noch viele Innovationen für Schlagzeilen sorgen.

Text: S. Roeder Fotos: Stadt Esslingen

Das Stuttgarter Startup DUSCHBROCKEN hat mit bereits über 500 000 verkauften DUSCHBROCKEN mehr als eine Millionen Shampoo-Flaschen aus Plastik eingespart. Ein DUSCHBROCKEN ersetzt 2 Plastikflaschen.

“Der DUSCHBROCKEN ist das erste feste Shampoo und Duschgel in Einem. Dank seiner milden Sauberkraft kann er für die Reinigung von Haut, Haaren und Gesicht verwendet werden. Die perfekte Alternative also zu Shampoo und Duschgel in der Plastikflasche, denn er schäumt, duftet lecker, verschmutzt die Umwelt nicht und hinterlässt keinen Plastikmüll.” 

Wir haben den beiden Gründern Johannes und Christoph unsere Fragen gestellt:

Wie hat es sich angefühlt und wo wart ihr gerade als die millionste Plastikflasche durch DUSCHBROCKEN eingespart werden konnte?

“Für unser gesamtes Team war es ein toller Meilenstein und ein wunderbares Gefühl, dass wir gemeinsam mit allen Schaumköpfen seit unserer Gründung eine Millionen Plastikflaschen einsparen konnten. Ein virtueller Zähler hat für jeden verkauften DUSCHBROCKEN 2 Plastikflaschen auf den Counter gerechnet. Wir waren gemeinsam in der Schaumstation zwischen den beiden Lockdowns Ende letzten Jahres und haben angestoßen, als wir die Millionen durchbrochen haben. Wir sind super stolz und gleichzeitig war die Vorfreude zu spüren, dass wir noch mehr Gas geben wollen, um flüssig überflüssig zu machen.”

Wie hat alles bei Euch angefangen und wie ist Euer Weg bis heute verlaufen?

“Wir haben uns zufällig während unserer Weltreise 2017 auf dem Pagodenfeld in Myanmar kennengelernt und uns von Beginn an super verstanden. Wir haben uns acht Monate später am anderen Ende der Welt wieder getroffen und gemeinsam den kolumbianischen Regenwald bereist. Auf dieser Reise entstand die Idee des DUSCHBROCKEN. Als wir von der Weltreise zurückkehrten, haben wir in der heimischen Waschküche im Keller ein eigenes Rezept für den DUSCHBROCKEN entwickelt, verbessert und die Idee per Crowdfunding realisiert. Diese Kampagne zählt heute auf der größten deutschen Funding-Plattform Startnext zu den erfolgreichsten im Jahr 2018. 

Wir haben im ersten Jahr nach der Gründung alle DUSCHBROCKEN eigenhändig produziert und die Produktion anschließend in eine Manufaktur in Stuttgart verlegt.

Nachdem 2020 über die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bei VOX ein Millionenpublikum den DUSCHBROCKEN kennengelernt hat, arbeiten wir heute mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daran, dass noch mehr Menschen vom DUSCHBROCKEN erfahren. Unsere DUSCHBROCKEN werden heute bei einem Seifenhersteller in Baden-Württemberg und einem Familienbetrieb in Österreich nach unserem Rezept produziert. Unsere Schaumstation, von der aus wir auch alle DUSCHBROCKEN eigenhändig versenden, ist in S-Hallschlag angesiedelt. Unsere Vision ist es mit dem DUSCHBROCKEN, Shampoo & Duschgel in der Plastikflasche zu ersetzen.”

Was sind Eure Tipps an andere Startups?

“Wir richten unsere Entscheidungen auf die Frage, was das beste Erlebnis bei unserem Kunden auslöst. Dazu zählt, dass wir in der Kommunikation nicht größer wirken wollen, als wir sind. Das nehmen wir in der Startup-Szene teilweise immer etwas anders wahr. Wir sind der Überzeugung, dass Authentizität und Transparenz ein größeres Vertrauen zum Kunden aufbauen und so zu einer höheren Loyalität führen. Auch, was unser Wachstum betrifft, arbeiten wir eher wie ein Anti-Startup: Wir investieren in Wachstum, ohne dabei die Liquidität des DUSCHBROCKENs zu riskieren. Da sind wir konservativer, weil uns ein nachhaltiges Wachstum wichtiger ist, als das nächste Unicorn zu werden. Wir haben Spaß an der Sache und wollen einen Impact erzielen.”

Wie geht es bei Euch weiter?

“Das Jahr 2021 startet mit dem vierten Umzug in der DUSCHBROCKEN-Historie. Ab März werden wir buchstäblich die Straßenseite wechseln und uns räumlich nochmal etwas vergrößern. Wir freuen uns jeden Tag über mehr Menschen, die zu Schaumköpfen konvertieren und planen aktuell die erste Erweiterung unseres Produktportfolios im ersten Halbjahr 2021. Über Dreiviertel unserer Kunden sind weiblich, weshalb wir aktuell an der Umsetzung eines Conditioners arbeiten, um die nächste Plastikflasche im Badezimmer zu ersetzen. Noch vor Ostern wird es mit Toni Zitroni außerdem eine neue Sonderedition mit einem neuen Duft geben, auf den wir uns sehr freuen.”

Wir wünschen DUSCHBROCKEN weiterhin ganz viel Erfolg und hoffen, dass noch viele weitere Plastikflasche durch ihre Arbeit eingespart werden können.

Spannende Pitches der Startups, Beiträge von UnternehmerInnen und der Ministerin Theresia Bauer und interessante Fragen der Jury zu den innovativen Ideen der Teams konnten am Donnerstag beim Demo Day der Gründermotor Meisterklasse live mitverfolgt werden. Die Teams wurden in den letzten Monaten zusammen mit den Mentoren investement-ready gemacht.

Dr. Manuel Feuchter und Dr. Bernhard Wieland konnten mit ihrem Startup Phinc die Jury überzeugen und den Jury-Preis der Meisterklasse gewinnen. Den Publikumspreis gewonnen haben Laura Schorb, Samuel Fluck und  Nico Kuhn mit ihrem Startup FIAMI.

Wir haben mit den beiden Startups gesprochen und konnten unsere Fragen an sie stellen.

Manuel von Phinc hat uns Einblicke in das Startup gegeben:

Was genau macht das Startup Phinc?

“Smart Factory: Das bedeutet heute meist aufwendige und teure Individuallösungen.

Unsere Lösung hingegen ermöglicht Plug and Play Produktionsintelligenz beim Kunden – ohne Cloud! Die Hardware wird einfach nah an die Produktionsprozesse angeklebt. Die KI trainiert sich vor Ort selbst und wird immer schlauer. Das ermöglicht reale Wertschöpfung z.B. agile Auslastungssteuerung oder Identifikation von Produktabweichungen.” 

Gibt es Euer Produkt schon?

“Das Produkt ist im Einsatz. Unser Pilotkunde ist begeistert. Die Lösung läuft an 5 Drehmaschinen. Die Maschinen können nun von 3 statt 4 Fachkräften optimal bedient werden. Stillstandzeiten werden signifikant reduziert.” 

Inwieweit hat Euch die Meisterklasse weitergebracht?

“Wir wurden super getrimmt und gepushed! War ein hammer Event, das uns inhaltlich und persönlich weitergebracht hat! Die coolen Leute und Inputs werden wir vermissen! Wir haben mit dem Feedback der letzten Wochen auch echt noch mal Gas gegeben und freuen uns total über den Jury-Preis! Wir können zu 100 % sagen: Die Meisterklasse hat uns investment-ready gemacht! Ein Dank an alle Gründermotor People!”

Wie geht es bei Euch weiter?

“Ganz klar: Wir wollen wachsen! Neue Kunden gewinnen und das Produkt für neue Use Cases weiterentwickeln!” 

Nach was für einem Investment sucht Ihr?

“Wir suchen Investmentpartner für 800 000 €. Vollgas und dann stark durchstarten!”

Wir haben auch mit Samuel von FIAMI gesprochen:

FIAMI steht für „Find a Midwife“ und verbindet schwangere Frauen mit Hebammen.

Die Plattform gibt es bereits seit Mitte 2020. FIAMI ist bis jetzt hauptsächlich in Karlsruhe unterwegs und erreicht dort ca. 90% aller Hebammen und ca. 60% aller schwangeren Frauen. Allein jetzt im Januar konnten 250 schwangere Frauen erreicht werden.

Die größten Fortschritte, die FIAMI durch die Meisterklasse und die Expertise der Mentoren machen konnte, waren der Aufbau fester interner Strukturen, die Konzentration auf wesentliche Fragestellungen, um die Lerngeschwindigkeit zu erhöhen sowie eine deutliche Steigerung der Nutzerzahlen und des Nutzerengagements.

In nächster Zukunft will FIAMI dringend das Business Model hinter der Plattform komplettieren – „die Revenue Streams müssen stimmen“. Danach soll die Plattform, zunächst innerhalb Baden-Württembergs, expandieren.

Hierfür sucht FIAMI Investmentpartner für 200 000 €. Wir wünschen Phinc, FIAMI und allen weiteren Startups der Gründermotor Meisterklasse weiterhin viel Erfolg!

Alexander Brem: Professor und Netzwerker

„Ich kann als BWLer einen Physiker, einen Maschinenbauer oder einen Architekten anrufen und mit ihnen zusammen an einem Projekt arbeiten. Und die haben auch alle Lust darauf. Das kenne ich sonst von nirgendwo.“ Begeisterung klingt aus jedem seiner Sätze über die neue Funktion an der Universität Stuttgart. Für ihn ist Netzwerken, interdisziplinäres Denken und eine generelles Über-den-eigenen-Fachtellerrand-Schauen offensichtlich ein Lebenselixier, was das berufliche Dasein ausmacht.

Seine Professorenstelle an der Universität Stuttgart ist nicht irgendeine. Brem füllt gewissermaßen eine doppelte Rolle aus. Die beschreibt er so: „Ich darf das Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart aufbauen und leiten. Zudem umfasst dieses Institut einen Lehrstuhl für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, gefördert vom Daimler-Fonds im Stifterverband, dessen Inhaber ich in Personalunion bin.“ Das heißt: Brem ist ein auf Lebenszeit ernannter Universitätsprofessor. Davon sind die ersten maximal zehn Jahre über den Stifterverband gefördert und somit über jeden etwaigen Zweifel ob der Freiheit von Forschung und Lehre erhaben. 

Professur auf Lebenszeit – das klingt ein wenig nach „Beamtenstadel“ und so gar nicht passend zur Startup Szenerie, die sich schnell bewegt. Wer Alexander Brem aber sprechen hört und kennenlernt, der glaubt ihm unwillkürlich, dass seine Motivation die der kreativen Unruhe ist. Der Mann will bewegen – das war auch seine Motivation, nach Stuttgart zu kommen, eine Stadt, die bislang nicht zu den bekanntesten Startup Städten Europas gehört.

Mittendrin im Startup Panoptikum

Die Fülle an Aufgaben, die seine Position beinhaltet, ist so ganz nach dem Geschmack des umtriebigen Betriebswirts. Denn die Professur ist auch Teil des Cyber Valley, eine der größten Forschungskooperationen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) in Europa. Hier ist er beim Thema Entrepreneurship mit den Kollegen der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts eng verbunden. Last but not least sitzt er physisch in der Arena 2036, der Forschungsplattform für die Mobilität und Produktion der Zukunft. „In diesem modernen Gebäude befinden sich meine Räumlichkeiten, direkt im Stockwerk darunter sitzt die Startup Autobahn. Dort bin ich als Vertreter der Uni Stuttgart engagiert“, komplettiert er die Liste seiner Zuständigkeiten. 

Arena 2036

„Diese Aufgabenfülle war auch einer der Gründe, warum ich nach Stuttgart gekommen bin. Denn es macht mir Spaß, in Netzwerken zusammenzuarbeiten, Menschen und Dinge über die Universität hinaus zusammenzubringen“, erklärt er hoch motiviert.

Der zweifache Familienvater hatte mehrere Optionen, entschied sich aber bewusst für Stuttgart. Das gesamte Paket habe gestimmt. Vor allem aber, weil die „Uni Stuttgart hervorragend interdisziplinär arbeitet. „Das hat mich angesprochen und hat sich auch bewahrheitet“, berichtet er voller Begeisterung. Für den Professor ist die Universität Stuttgart beim Thema Entrepreneurship und Gründung ein roher Diamant, dem es den Feinschliff zu verpassen gilt.

Denn klar ist ihm schon jetzt: Das Potential ist da. „Es ist eine Großstadt, es ist eine Landeshauptstadt, mit viel Industrie mit langer Tradition. Aber gleichzeitig ist das ganze Thema Startup in vielen Bereichen in den Kinderschuhen – zumindest verglichen mit ähnlichen Städten wie München“, so seine Diagnose. Und es mache keinen Sinn, Konzepte wie Silicon Valley blind kopieren zu wollen, das werde nicht funktionieren. Dafür brauche es einen schwäbischen Weg, der die lokalen Stärken zu einem funktionierenden Ökosystem für Innovationen und Unternehmertum weiterentwickelt. Denn von der ersten Idee bis hin zum idealtypischen Börsengang müssen sehr viele Zahnräder ineinander greifen, das kann niemand alleine lösen.

Studierende an die Hand nehmen

So es ihm gelingt, seine Studierenden auch nur mit einem Bruchteil seiner Motivation zu infizieren, wäre das schon ein großer Erfolg. Alle Stuttgarter Institutionen haben bereits mehr oder weniger gut ausgebaute Anlaufstellen, die Gründer unterstützen. Brem kümmert sich „mit seinem tollen Team um seine Leute an der Uni Stuttgart“, und das sind immerhin über 25.000 Studierende und mehrere tausend Doktorandinnen und Doktoranden. Er rät grundsätzlich jedem, die Angebote zu nutzen, die es vor Ort gibt. Das machten nämlich viele nicht, wie er beobachtet. „Egal, ob man eine konkrete Gründungsidee hat oder nicht, es empfiehlt sich, sich möglichst frühzeitig an der eigenen Institution den richtigen Ansprechpartner zu suchen. Da gibt es auch Veranstaltungsformate und ich würde jeden motivieren wollen, diese auch in Anspruch zu nehmen“, betont er. Dazu gehören Lehrformate, zum Beispiel zu Schutzrechten, aber auch Netzwerkveranstaltungen. Denn später lerne man sich so über die eigenen Organisationsgrenzen hinweg kennen, zum Beispiel in der Meisterklasse oder bei Startup BW. „Aus der Forschung wissen wir, dass passend zusammengesetzte Teams mit komplementären Kompetenzen und Erfahrungen entscheidend sind für den unternehmerischen Erfolg. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sich in einem Netzwerk frühzeitig die richtigen Personen treffen.“

Wer also kommt alles zu Brem und seinen Veranstaltungen? „Die meisten Formate, die wir als Institut anbieten, sind für alle Studiengänge typischerweise offen. Wir haben also vom Maschinenbauer, Elektrotechniker, über den BWLer bis hin zum Physiker, Mathematiker oder Architekten im Prinzip alle Disziplinen, die sich vermutlich in dieser Konstellation nicht treffen würden.“ Die Kunst besteht nun darin, aus dieser Heterogenität ein stimmiges Konzept zu formen, weil der BWLer natürlich mit einem ganz anderen Vorwissen kommt als etwa ein Chemiker. „Mit unseren Formaten versuchen wir, die einen nicht zu langweilen, aber die anderen nicht zu überfordern. Das ist tatsächlich ein Balanceakt.“

Die Saat fürs Gründen frühzeitig legen 

So er es versteht, seine Teilnehmer zu motivieren, im Optimalfall zu begeistern und gar zum Gründen anzuregen, ist das Ziel erreicht. Aus seiner Erfahrung nennt er eine zehn Prozent Regel: „Von den 25.000 Studierenden an der Universität Stuttgart interessieren sich potentiell 2.500 für das Thema eigene Gründung, und von diesen gründen wieder idealerweise zehn Prozent. Das muss man wissen und das ist auch in Ordnung, genau für diese 250 Personen betreibt man den großen Aufwand – und wenn einige erfolgreiche Unternehmen entstehen, zahlt sich dieser auch aus.“ Genau hier liegt das große Potential für Stuttgart, da es hier schon viele gute Initiativen gibt, die aber noch nicht konsequent aufeinander abgestimmt sind. 

„Ich glaube, wir Macher brauchen einfach die Einstellung, dass wir alle miteinander an demselben Ziel arbeiten. Es geht darum, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen, auch wenn man augenscheinlich zunächst im Wettbewerb steht. Man muss sich kennen, eine persönliche Beziehung aufbauen und Win-Win-Situationen finden. Uns muss bewusst werden, dass die Konkurrenz um die besten Köpfe in den anderen deutschen und internationalen Großstädten sitzt, aber nicht in Stuttgart selbst.“

Seinen Studierenden gegenüber sieht sich Alexander Brem mit seinen Mitarbeitern als „Antreiber“, wie er sagt. Er versucht, sie für sein Thema, das der Gründungskultur, nachhaltig zu begeistern – vom ersten Bachelor-Semester bis hin zu den Promovierenden. Ich will diesen Gründergeist stärker in alle Aspekte eines Studiums einbringen und sichtbar machen. Zusammen mit meinen vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen in den zehn Fakultäten kann das gelingen.“ Dafür kann er nun auch eine sehr zentral gelegene Räumlichkeit mitten im Campus, direkt unter der Mensa nutzen. „Diesen Raum wollen wir für Pitch Events und andere Veranstaltungen nutzen. Hier soll regelmäßig Betrieb sein, gerne wird dieser auch für die Stuttgarter Netzwerkpartner zur Verfügung stehen. Ziel ist es, das Thema Entrepreneurship auch visuell bei den Zielgruppen präsent und erlebbar zu machen, die Startups können ihre Produkte ausstellen und vieles mehr. Das meine ich mit Kultur“, berichtet er voller Leidenschaft. 

Gründen kann jeder – und man kann es lernen

Brem wollte gleich nach dem Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaft als Diplom-Kaufmann im Jahr 2004 „irgendetwas gründen.“ Das hat er dann zusammen mit drei Kollegen auch getan, und zwar im Bereich Consulting – aus Mangel an technologischen Ideen, was er auf den fehlenden Kontakt zu den Ingenieurwissenschaften zurückführt. „Das war nun wirklich keine ausgefallene Geschäftsidee – und trotzdem haben wir es geschafft, damit sehr erfolgreich zu sein. Mit diesem Beispiel versuche ich auch immer alle zu motivieren, die wirklich innovative Geschäftsideen haben, aber noch an der Idee oder sich zweifeln.“ 

Mit Promotion in der Tasche und nach weiteren dreieinhalb Jahren Vollzeit als Geschäftsführer und Berater in seinem Unternehmen zog es ihn im Jahr 2011 an die Uni in die Forschung und Lehre zurück. Nach drei Jahren als Juniorprofessor für Ideen- und Innovationsmanagement wechselte er an die technische Fakultät der University of Southern Denmark, wo er als Professor und Sektionsleiter „erstmals richtig mit Ingenieuren und Designern zusammenarbeiten konnte“, kehrte dann abermals nach Nürnberg zurück, weil ihm dort ein Lehrstuhl für Technologiemanagement als Lebenszeitprofessur angeboten wurde.

Alexander Brem

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen

So gut ihm die Stelle gefiel, so sehr trieb ihn doch die Suche nach einer neuen Herausforderung um. Die brachte ihn letztendlich nach Stuttgart – im Januar 2020. „Hier bot man mir genau die Voraussetzungen, nach denen ich gesucht hatte.“ Brem war viel unterwegs, hat viel aus seinen Fehlern und denen anderer gelernt. Diese Erkenntnissen kommen nun seinen Studierenden zugute. 

Doch auch aus der Forschung kann er einiges weitergeben. Erst kürzlich durfte er sich über eine Platzierung in der Spitzengruppe eines Rankings der WirtschaftsWoche freuen, welches die forschungsstärksten Betriebswirte in Deutschland, Österreich und der Schweiz kürte. 

„Ich durfte das Thema Startup von allen Seiten kennenlernen: Als Forscher, Hochschullehrer, Gründer, Berater, aber auch als Juror oder Gutachter“, betont der 41 Jahre alte Niederbayer. Er weiß, dass der Funke viel leichter auf seine Studierenden überspringt, wenn der Lehrende neben der Theorie auch die Praxis beherrscht.

Motivation ist ansteckend

„Genau das ist das Schöne an meinem Job. Einerseits mit meinem Team die Studierenden für das Thema Entrepreneurship begeistern. Anderseits zwei Stunden später im Büro sitzen und darüber zu forschen. Das ist eine prima Kombination“, sprudelt es aus ihm heraus. „Das ist beim Thema Gründen meines Erachtens auch besonders wichtig. Da muss ein Funke überspringen. Denn die meisten Studierenden besuchen meine Veranstaltungen freiwillig.“

Ein erstes Jahr voller neuer Begegnungen in seiner Professur ist fast zu Ende, bedingt durch die Corona-Pandemie natürlich mit vielen Unwägbarkeiten und unvorhergesehenen Änderungen. Und schon jetzt ist er sich sicher: „Da ist noch für ein paar Jahre gut zu tun.“ Und dann? Ihm fällt sicher etwas Neues ein. 

Text: S. Roeder

Bilder:
Uni Stuttgart -Regenscheit, Universität Stuttgart
Portrait Alexander Brem – Max Kovalenk
Arena 2036 – Arena 2036

Am 8. November 2020 ist es wieder soweit, die Oberbürgermeisterwahl für unsere schöne Landeshauptstadt Stuttgart steht an. Diesmal haben sich 14 Kandidaten zur Wahl gemeldet. Neben den Parteien sind auch einige unabhängige Kandidaten auf dem Wahlzettel.
Um bei dieser Anzahl an Kandidaten den Überblick zu behalten, haben wir uns entschieden, jedem Kandidaten die gleichen drei Fragen zu stellen und die Antworten hier zu veröffentlichen.

Macht euch selber ein Bild und geht bitte wählen!

Biografie, Fotos der Kandidaten und „Prioritäten“ von der Webseite der Stadt Stuttgart.

Veronika Kienzle – BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Geboren: 22.09.1962 in Bremen

Beruf: Referentin im Staatsministerium Baden‐Württemberg bei der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung 

Prioritäten:

  • Vorangehen beim Klimaschutz: Unsere Stadt schnell CO2-neutral machen. 
  • Zukunftsmut geben und Gemeinsinn stärken. Keine „lost generation“ dulden. Alleinerziehenden und Familien mit kleinen Kindern helfen.
  • Transformation der Wirtschaft gestalten. Stuttgart hat sehr viel Innovationskraft, sehr gut aufgestellte Unternehmen, eine führende Wissenschaftslandschaft und vor allem motivierte Menschen, um auch künftig eine Spitzenposition zu halten.
  • Bürgerbeteiligung umsetzen. Bürger*innen ernst nehmen. Den Bezirken neue Aufgaben übertragen.
  • Bezahlbaren Wohnraum schaffen – nicht auf Wiesen und Feldern. Boden der Spekulation entziehen.
  • Pkw‐Verkehr in der Stadt weiter senken – für Lebensqualität und gesundes Klima. 

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Veronika Kienzle:
Die Verzahnung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung werde ich intensivieren, die Förderangebote von Bund, Land und Kommune gut zusammenschnüren. Bei der Vergabe öffentlicher Mittel sollen sich Startups beteiligen können, ein Startup-Beauftragter unterstützen z.B. bei der Suche nach kreativen Zwischenlösungen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Veronika Kienzle:
Stuttgart hat eine exzellente Hochschulstruktur und viele starke Unternehmen. In einer konjunkturellen Hochphase gründen weniger. Klar ist, dass wir eine bessere Vernetzung von Hochschulen, etablierten Unternehmen, Finanziers und Startups erreichen müssen.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Veronika Kienzle:
Ein wichtiges Mittel ist das Aussetzen der Miete öffentlicher Räume, bis der schlimmste Punkt der Krise überstanden ist. Ansonsten möchte ich, dass Landes- und Bundesprogramme noch leichter auf den Plattformen der Stadt Stuttgart gefunden werden können. Auch hier könnte ein Startup Beauftragter ziel- und passgenaue Lösungen anbieten.

Dr. Frank Nopper – CDU

Geboren: 25. Mai 1961 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang

Parteizugehörigkeit: CDU seit 1981

Prioritäten: 

  • Ein starkes Stuttgart braucht eine starke Wirtschaft. Wirtschaftsförderung muss Chefsache werden. Oberste Priorität hat die Erhaltung und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
  • Mein Ziel ist ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das nicht auf ein oder einzelne Verkehrsmittel verengt ist.
  • Wohnen darf kein Luxus sein. Meine Zielmarke sind jährlich 2000 Wohnungen mehr als bisher.
  • Sicherheit und Sauberkeit sind fundamentale Voraussetzung für unser Zusammenleben. Gegenüber Straftätern darf es keine falsche Toleranz geben. 
  • Stuttgart soll kinderfreundlichste Großstadt werden. Jedes Kind braucht einen Kita‐Platz. Eine Digitalisierungs‐und Sanierungsoffensive soll mangelhafte Zustände an Schulen überwinden.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Frank Nopper:
Start-Ups brauchen Unterstützung und Begleitung. Diese dürfen sich nicht alleine auf Beratungsgespräche beschränken. Es muss sich eine neue Kultur der Wertschätzung und Förderung von Seiten der Stadtverwaltung etablieren.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Frank Nopper:
München und Berlin schaffen, woran Stuttgart anknüpfen sollte: Offenheit für die Anliegen der Start-Ups. Sie schaffen zum Beispiel Räume, ermöglichen kurzfristige Zwischennutzungen und bauen Förderprogramme aus. Außerdem wirken sie bei der Standortssuche mit und fördern aktiv die Wirtschaft.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Frank Nopper
: Die Devise lautet: Start-Ups zu sichern, statt zu verunsichern. Die Stadt alleine kann zwar nicht die Pandemie dämpfen, aber muss wo immer es möglich ist, wirken. Beispielsweise sind Stundungen bei städtischen Mietverhältnissen denkbar.

Martin Körner – SPD

Geboren am: 22. August 1970 in Schwäbisch Hall

Derzeit ausgeübter Beruf: Diplom‐Volkswirt und Fraktionsvorsitzender 

Parteizugehörigkeit: SPD seit 1997

Prioritäten: Es geht jetzt darum, in Stuttgart Orientierung für die nächsten zehn, zwanzig Jahre zu geben – und gemeinsam zuversichtlich in die Zukunft zu gehen. Mit dem Mut, aufzubrechen. Mit der Erfahrung, alles im Blick zu behalten. Und mit dem Empfinden, menschlich zu bleiben. Stark bleiben, Zukunft gestalten, zusammenhalten: Das sind meine Leitplanken für Stuttgart!

Meine drei wichtigsten Ziele dabei sind:

  1. Wohnen wird Chefsache: 30.000 neue Wohnungen für jedes Alter und jeden Geldbeutel.
  2. Echte Mobilitätswende: Bester Nahverkehr Deutschlands und Aufbruch für den Radverkehr.
  3. Klimawandel hier bekämpfen: Grüner Strom und Wärme – zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien!

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Martin Körner:
Ich möchte bei der Wirtschaftsförderung der Stadt ganz grundsätzlich mehr Bedeutung für die Förderung von Startups einräumen. Dazu gehört ein Anreizprogramm für die Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschulen für das Bleiben und Gründen in Stuttgart. Neben den Möglichkeiten digitaler Vernetzung heißt dies auch konkret: Mehr Räume für Startups zu fünf Euro pro Quadratmeter, zum Beispiel im „Eiermann-Areal“!

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Martin Körner:
Das liegt sicher insbesondere daran, dass in Stuttgart die etablierten Industrieunternehmen etwa in der Automobilbranche sehr dominant und prägend sind.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Martin Körner
: Ich will mich als Oberbürgermeister über meine Kontakte in Berlin gerne für besondere Hilfen für Startups einsetzen.

Dr. Malte Kaufmann – AFD

Geboren: 14.12.1976 in Mannheim

Derzeit ausgeübter Beruf: Unternehmer

Parteizugehörigkeit: AfD seit 2017; CDU 2002−2016

Prioritäten: Als OB gibt es für mich folgende Prioritäten:

  1. Erhalt und Ausbau gut bezahlter Arbeitsplätze.
    Einberufung eines regelmäßig tagenden runden Tisches mit Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern. Stuttgart muss Automobilstadt bleiben.
  2. Verkehr
    Entlastung durch mehr Parkplätze und bessere Anbindungen. Keine Anti‐Auto‐Politik.
  3. Entspannung auf dem Wohnungsmarkt
    Neubau von bezahlbaren Wohnungen auf freiwerdenden Liegenschaften (z.B. US‐Kasernen).
  4. Sicherheit
    Bürger müssen zu jeder Zeit ohne Angst durch die Stadt gehen und ÖPNV nutzen können. Keinerlei Toleranz gegenüber Gewalttätern.
  5. Umweltschutz
    Schutz des Mikroklimas und Erhalt von Artenvielfalt und Naturflächen. Aber keine Klimahysterie!

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Malte Kaufmann:
Ich werde das Beratungs- und Serviceangebot der Stadt für Unternehmensgründer – im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters – verbessern und dafür werben. Leitprinzip ist die unternehmerische Freiheit, ideologische Vorgaben wird es nicht geben.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Malte Kaufmann:
Die Stärken Stuttgarts , Lebensqualität, vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot, schöne landschaftliche Lage, Schaffensfreude der Menschen, werden viel zu wenig herausgestellt. Viele potentielle Startups wissen gar nicht, wie gut es hier ist.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Malte Kaufmann
: Die Corona-Krise wird durch unverhältnismäßige politische Maßnahmen verursacht, die die Wirtschaft lähmen und medizinisch-wissenschaftlich nicht gerechtfertigt sind. Sie müssen beendet werden, damit Startups aus eigener Kraft lebensfähig sind.

Hannes Rockenbauch – Die Linke, Piraten, SÖS

Geboren: 05.07.1980 Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Architekt und Stadtplaner (AiP/SiP)

Parteizugehörigkeit: Keine direkte Zugehörigkeit

Prioritäten: Ich will Stuttgart zur Modellstadt für das gute Leben Aller und für Klimagerechtigkeit machen:

  • Klimaneutralität bis 2029
  • Kostenloser Nahverkehr
  • Städtische Bodenvorratspolitik und Wohnungsbau à Bestand der geförderten Wohnungen verdoppeln, Leerstand beheben.
  • Kostenlose Kita
  • Selbstbewusste und gestärkte Stadtverwaltung: Mehr Personal, bessere Bezahlung, Digitalisierung

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Hannes Rockenbauch:
Neu gegründeten Startup-Unternehmen brauchen eine kostengünstige Infrastruktur. Speziell einzustellende Mitarbeiter*innen der Abteilung für Wirtschaftsförderung unterstützen Start-Ups. Als Oberbürgermeister werde ich Startups fördern, die einen Beitrag zur „Kreislaufwirtschaft“ und „Klimagerechtigkeit“ leisten.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Hannes Rockenbauch:
Vermutlich hat die Wirtschaftsstruktur in Stuttgart stark zu der ungünstigen Situation für die Startups beigetragen, die sich außerhalb des Automotive-Themas bewegen. Für eine klimagerechte Wirtschaft werden innovative Startups immer wichtiger.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Hannes Rockenbauch
: Über Corona-bedingte finanzielle Hilfen und Subventionierungen,, muss gemeinsam mit der IHK, dem Wirtschaftsministerium des Landes, der Wirtschaftsförderung der Stadt und den Betroffenen-Vertretungen von Startups konkret am runden Tisch verhandelt werden.

Marian Schreier – unabhängiger Kandidat

Geboren am: 08.02.1990 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Bürgermeister

Parteizugehörigkeit: SPD seit 2010 (Mitgliedschaft ruht aktuell)

Prioritäten: Nach Jahren des Stillstands ist unklar, wofür Stuttgart eigentlich steht und wo wir hinwollen. Wir brauchen wieder eine gemeinsame Vision für unsere Stadt – die aber nicht von oben verordnet, sondern im Sinne einer modernen Kommunalpolitik gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt wird. Ich möchte, dass wieder im Fokus steht, was unsere Stadt an Fähigkeiten und Stärken mitbringt, was gemeinsam möglich ist. Dass es darum geht, wie unser Stuttgart sein könnte: Eine Stadt, die einen echten Neustart für bezahlbares Wohnen wagt. Eine Stadt, die endlich den Klimawandel ernst nimmt und zum Modell für nachhaltige Mobilität wird. Eine Stadt, die Familien und Kindern beste Bedingungen bietet.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Marian Schreier:
Damit sich Startups in Stuttgart ansiedeln und auch bleiben, benötigt es die passenden Räume. Ich möchte die Startup-Infrastruktur durch einen städtischen Innovationsfonds fördern, damit sich die Startups in Eigenregie entwickeln können.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Marian Schreier:
Neben fehlenden Räumlichkeiten und dem geringen Vernetzungsgrad mit der Wissenschaft steht in Stuttgart aktuell im Vordergrund was alles nicht funktioniert – das müssen wir ändern. Es braucht eine städtische Gründerkultur und einen neuen politischen Stil, damit im Vordergrund steht, was möglich ist.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Marian Schreier
: Ich möchte die Wirtschaftsförderung auch für Startups als zentrale Ansprechstelle etablieren, die sich als Enabler versteht. Konkret z.B. bei der Beratung zu passenden Förder- und Unterstützungsanträgen, um Hilfsmittel in Anspruch nehmen zu können.

Sebastian Reutter – überparteilich

Geboren am: 07.07.1980

Derzeit ausgeübter Beruf: Wirtschaftsförderer bei der Landeshauptstadt Stuttgart

Parteizugehörigkeit: überparteilich

Prioritäten: Ich schaffe in Stuttgart die Rahmenbedingungen dafür, dass die für Stuttgart wichtige Wirtschaft zukunftsfähig und erfolgreich sein kann. Zudem setze ich mich dafür ein, dass Stuttgart zu einer noch nachhaltigeren Stadt wird. Stuttgart muss auch für unsere Nachkommen lebenswert sein. Dafür biete ich konkrete Lösungen für die Themen bezahlbarer Wohnraum, für ein modernes Verkehrskonzept, einen zukunftsfähigen ÖPNV, mehr Fahrradwege und Kitaplätze, für die Modernisierung der Schulen, eine attraktivere Königstraße und den Einzelhandel in den Stadtbezirken. Darüber hinaus realisiere ich die Einbindung des Neckars in unsere Stadt und fördere soziales und ehrenamtliches Engagement.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Sebastian Reutter:
Wir werden den Standort noch attraktiver machen durch Unterstützung von Subkultur, Mountainbike-Trails, Surfer-Welle u.v.m. Und wir werden für mehr Räume für Startups in zentraler Lage sorgen. Darüber hinaus werden wir mit dem Standortmarketing „Stuttgart – Stadt der Startups“ beginnen und auch die Digitalisierung weiter ausbauen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Sebastian Reutter:
Gerade weil es dort mehr von den oben genannten Punkten gibt.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Sebastian Reutter
: Wir werden beim Erwerb von Fördermitteln helfen und bei städtischen Vermietungen für Mietstundungen und im Notfall auch für Mieterlass sorgen.

Issam Abdul-Karim – Parteilos

Geboren: 31.12.1969 in Beirut

Derzeit ausgeübter Beruf: Film‐ und Projektkünstler, Gastro‐ und Eventmanager

Parteizugehörigkeit: Parteilos

Prioritäten:

  • Schaffung von bezahlbarem ökologischen Wohnraum in Stuttgart für Familien mit kleinem Einkommen.
  • Klima‐, Verkehrs‐ und Energiekonzepte steigern.
  • Aufbau nachhaltiger urbaner Energieversorgung und klimafreundlicher Verkehrsinfrastruktur, z.B. mehr Radwege, mehr Grünflächen.
  • Mehr Personal bei der Polizei einstellen (Prävention).
  • Gewaltdelikte gegen Frauen schneller bekämpfen. Opferschutz ausweiten.
  • Prostitution ist Sklaverei! Jegliche Art von Prostitution verbieten.
  • Konzessionen für Spielhallen und Wettbüros erschweren.
  • Kostenloser ÖPNV für Schüler, Studenten, Azubis, Rentner.
  • Wirtschaftsstandort erhalten und Infrastruktur weiter ausbauen.
  • Förderung von Integrationsarbeit, Talente, Start‐Ups.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Issam Abdul-Karim:
Neue innovative Unternehmen werden gebraucht. Ihre Visionen und Ideen sind unsere Zukunft und unsere stärken für einen Aufbruch in Neckar-Valley. Wirtschaft, IHK und Patentamt sowie eine schnelle und unbürokratische Verwaltung mit Förderprogrammen sollen einen guten Start ermöglichen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Issam Abdul-Karim:
Auf kommunaler Ebene hat es noch nicht so richtig gefunkt. Dass will ich ändern und Stellen schaffen, die sich um die Startup-Szene und die notwendige Infrastruktur z.B. Digitalisierung, schnelles Internet usw. kümmern.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Issam Abdul-Karim
: Soloselbständige und kleine Unternehmen will ich mit einem Corona-Soforthilfe-Paket bzw. einer Überbrückungshilfe über Wasser halten. Diese Krise können wir nur gemeinsam überstehen. Sie wird leider auch Spuren hinterlassen.

Marco Völker – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 25.10.77 in Bruchsal

Derzeit ausgeübter Beruf: Betriebswirt, Manager

Parteizugehörigkeit: Keine

Prioritäten:

1. Die Stadt muss ein attraktiver Arbeitgeber werden mit modernen und inklusiven Arbeitsplätzen und sie muss eine Grossstadtzulage zahlen. Die Verwaltung muss digitaler werden, der Personalnotstand muss behoben werden für mehr Bürgerservice.

2. Der Wohnungsbau muss stark gefördert werden und wir brauchen ein soziales Wohnungsbaukonzept das sich sehen lässt. Nachverdichten muß sinnvoll erfolgen.

3. Stuttgart soll die Verkehrswende klug meistern.

4. Die Stadt braucht den Imagewechsel.

5. Der ÖPNV muss kostenlos werden und die SSB sollen 24h‐Betrieb arbeiten. Stuttgart21 muß Teil des ersten digitalisierten Bahnknotens Deutschlands werden.

6. Stuttgart soll bundesweit Vorreiter in Sachen Inklusion sein.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Marco Völker:
Ich denke es ist essentiell, dass Startups direkt in Form einer Beteiligung in das Geschehen der Stadtverwaltung einbezogen werden. Ein regelmäßiger, quartalsweiser „Jour Fix“ mit Startups und dem Bürgermeister sollte etabliert werden, damit die Wichtigkeit der Start-up-Szene unterstrichen wird. Startups ganz können von Seiten der Stadt gezielt in öffentliche Veranstaltungen eingebunden werden, um ihnen ein Forum zu bieten und um zu zeigen, dass Unternehmensgründung nicht nur möglich sonder auch gewünscht ist. Auch spezielle Sprechstunden für die Wirtschaftsförderung könnte ich mir vorstellen. Alles in allem würde ich gerne als neuer OB für mehr Vernetzung sorgen und mich als Protegé für Unternehmensgründer verstehen. Mein Vorbild hier ist die Stadt Zug in der Schweiz. Hier hat man es sehr leicht, ein Unternehmen zu gründen. Steuern können hier auch mit Bitcons bezahlt werden. Junge Unternehmerinnen müssen das Gefühl bekommen, dass sie willkommen sind. Hierzu zählt auch, dass die Stadtverwaltung dementsprechend offen und freundlich auf die Gründerinnen zugeht und das Personal darüber hinaus gute Englischkenntnisse besitzt.  

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Marco Völker
: In erster Linie ist das Land für die Unterstützung zuständig. Vielen Antragstellern ist aber die Antragstellung selbst ein Buch mit sieben Siegeln. Hier sollte die Stadt die Möglichkeit bieten, Antragsteller entsprechend bei Ausfüllen zu unterstützen und zu beraten.

Dr. Ralph Schertlen – Parteilos

Dr. Ralph Schertlen

Geboren am: 26. September 1969 in Stuttgart – Bad Cannstatt

Derzeit ausgeübter Beruf:  Elektroingenieur 

Parteizugehörigkeit: Parteilos; F.D.F.E. (Wählervereinigung) seit 1988 bis 2005; Die Stadtisten (Wählervereinigung) seit 2013 bis 2019

Prioritäten: Als parteiloser OB versuche ich, der Vernunft zum Sieg verhelfen.

Elementar ist, Geld für verschleppte Sanierungen und notwendiges Personal (z.B. funktionierende Infrastruktur, Bürgerservice,…) auszugeben – jährlich ~200 Mio. Gewinn seit 2010 ermöglichen das. In der Verwaltung muss das Arbeitsklima und die Fehlerkultur verbessert werden. Als SWSG‐Chef will ich Wohnraum schaffen. Den nächsten Generationen schulden wir geschlossene Kreisläufe bei Energie, Gütern, Gebäuden usw.

Produzierendes Gewerbe soll auch zukünftig zu Stuttgart gehören; Mobilität auf vielfältige Art stattfinden (ohne Stau, ohne PRM). Kultur, Breitensport, Innovation und Walderhalt sind für mich Chefsache

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Ralph Schertlen:
Dafür würde ich die Wirtschaftsförderung verändern, Flächen suchen und an Start-Ups vermieten. Ich würde auch zusehen, dass es Projekte im Dreieck Start-Up – Hochschulen – Stadt gibt. Themen gäbe es genug.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Ralph Schertlen:
Stuttgart geht es zu gut, die etablierten Player bieten Absolventen gute Arbeitsplätze. Ein eigenes Start-Up zu gründen ist deswegen nicht so dringend notwendig und darüber hinaus mit Risiken verbunden.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Ralph Schertlen
: 1) Mietübernahmen bei Einnahmenminderung; 2) Hilfsgelder statt Arbeitslosigkeit bezahlen; 3) Falls thematisch passend: Aufträge vergeben; 4) Fortbildungen (teil-)finanzieren; 5) Gewerbesteuer stunden oder aussetzen.

John Heer – keine Parteizugehörigkeit

John Heer, OB-Kandidat

Name, Vorname: Heer, John 

Geboren: 23.07.1966 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Kaufmann und zugelassener Projektsteuerer LBO‐BW

Parteizugehörigkeit: KEINE

Prioritäten: Als künftiger Oberbürgermeister von Stuttgart liegen meine Prioritäten im Bereich Sicherheit, Wirtschaft, bezahlbares Wohnen, Verkehr, Klima, Bildung und Soziales. Das alles unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt Stuttgart durch mehr Bürgerentscheide.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Verwaltung, diese muss mit vereinfachten Wegen über die Digitalisierung für die Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart arbeiten, und endlich wieder verstehen, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht die Bittsteller sind.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
John Heer:
Es müssen mehr staatliche oder auch kommunale Förderungen für Startup’s eingerichtet werden und es müssen sogenannte Camps zum Austausch eingerichtet werden, welche nahe an der Industrie angesiedelt sind, um einen dementsprechenden Synergieeffekt und Austausch zu erhalten.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
John Heer:
Dies hat generell damit zu tun, dass diese Städte für junge kreative Menschen auch in Bezug auf die Lebensqualität deutlich besser sind. Wir müssen Stuttgart wieder zu einem Hotspot der Kreativität oder zu einem Hotspot für junge Menschen machen. Hierzu gehört aber auch, dass Stuttgart insgesamt wieder  an Attraktivität nicht nur in Bezug auf das Wohnen oder Leben, sonder auch in Bezug auf die Wirtschaft gewinnen muss. Wenn beispielsweise die  Automobilindustrie, welche in der Vergangenheit immer ein kreativer Entwickler war , verteufelt wird, muss man sich nicht wundern, wenn viele auch um das Automobil herum ansässige Unternehmen immer mehr von Stuttgart abwandern.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
John Heer
: E​​s muss Hilfsmaßnahmen für Startup’s geben, wenn diese nicht durch die bisherigen Überbrückungshilfen im Bereich der Landes- und Bundeshilfen abgesichert werden, so dass deren Entwicklungsarbeit weiter vorangetrieben werden kann. Hier darf man nicht zwangsläufig den Umsatz als Schlüssel für die Maßnahmen verwenden, sondern es muss zwingend der Kostenfaktor berücksichtigt werden, um die Fördermittel richtig zu kalkulieren.

Friedhild Anni Miller – Wählervereinigung FRiDi

Name, Vorname: Miller, Friedhild (FRIDI)

Geboren: 11.08.1969 in Böblingen

Derzeit ausgeübter Beruf: Familienmanagerin, EU‐Rentnerin, Politikerin, Beiständin 

Parteizugehörigkeit: Wählervereinigung FRiDi seit 2014, Unabhängig – unbestechlich – ehrlich – bürgernah, Einzelbewerberin Bundestag 2017

Prioritäten: Da ich an Gott glaube sind meine obersten Prioritäten Menschlichkeit und Nächstenliebe. Ich werde uneigennützig zum Wohle aller Menschen in Stuttgart handeln und für Gleichheit und Gerechtigkeit sorgen und im Zuge dessen auch mein OB*in Gehalt für soziale Zwecke spenden. Für mich steht die Liebe, die Familie und der Frieden im Mittelpunkt meines Handelns. Ich möchte Stuttgart zu einer liebens‐ und lebenswerten friedlichen FRiDi‐Metropole machen, wo jeder Mensch leben und überleben kann und Spaß hat und unsere Kinder eine glückliche unbeschwerte Zukunft haben. Wir werden wie eine große Familie sein, wo jeder jedem hilft, kein Mensch soll mehr einsam und traurig sein. Fühlt euch umarmt, FriDi.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Friedhild Anni Miller:
Gewerbesteuer senken, attraktive günstige Wohnungen anbieten, die Party-, Ausgeh- und Kulturszene wieder attraktiver machen. Synergien bilden, „Senioren helfen Junioren“. Finanzminister Olaf Scholz einen persönlichen Besuch abstatten, damit Fördergelder schneller fließen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Friedhild Anni Miller:
Sie bieten kostenfreie Hilfe von Existenzgründungsbüros und Kompetenzteams an, investieren in Gründerzentren und qualifizierte Netzwerke, bieten Fördermöglichkeiten, eine hervorragende Infrastruktur, hohe Lebensqualität durch lebendiges Szeneleben und attraktives Wohnumfeld.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Friedhild Anni Miller
: Gleichbehandlung für alle Unternehmen, weniger Bürokratie bei der Beantragung staatlicher Hilfen, Direkthilfe für Start-Ups anstatt Gelder für Beraterkosten, kostenfreie Werbeplattformen für Start-Ups zur Verfügung stellen.

Michael Ballweg – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 23.11.1974 Wertheim am Main

Derzeit ausgeübter Beruf: Geschäftsführer media access GmbH 

Parteizugehörigkeit: Keine

Prioritäten:

  1. Corona‐Maßnahmen beenden & Grundrechte stärken
  2. Kommunale Infrastruktur muss in der Hand der Stadt bleiben
  3. 50 statt 40; Blitzer nur an kritischen Stellen
  4. Bürgerentscheide – Für mehr Eigenverantwortung
  5. Kooperation Supermärkte und Tafeln
  6. Kostenloser ÖPNV
  7. Förderung Kleinkunst
  8. Steuerentlastung Mittelstand
  9. Digitale Verwaltung
  10. Pro Kopfbahnhof

Keine Reaktion auf unsere Fragen.

Werner Ressdorf – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 26.08.1954 in Rio de Janeiro (Brasilien)

Derzeit ausgeübter Beruf: Fachbuchautor – Schriftsteller 

Parteizugehörigkeit: Parteilos

Prioritäten: Den verängstigten BürgerInnen wieder Zuversicht geben. Das Soziale und Kulturelle Leben wieder ermöglichen. Sie von der Maskenpflicht befreien. Stuttgart von diesem unheilvollen Spuk erlösen. Behördenmitarbeitergehälter erhöhen. Wo nötig Bürokratie abbauen. Die Dynamische Organisation in der Verwaltung einführen. Den Verkehr wieder zum Fließen bringen. Mehrgenerationenhäuser fördern. Öko‐Kreativität im Bauwesen aktivieren. Ökologische Satelliten‐Siedlungen bauen. Fahrradtrassen bauen. Oper bauen. 50m Schwimmhalle bauen. 2021 Bäume pflanzen. Familienleben fördern. Kopfbahnhof erhalten. Partyhütten für Jugend. Autofreien Sonntag für Stuttgart einführen. ÖPNV ausbauen. Demokratiehaus bauen.

Keine Reaktion auf unsere Fragen.

Foto Rathaus:  Horst Eisele auf Pixabay 

Fotos Kandidaten: https://www.stuttgart.de/service/wahlen/vorstellung-der-ob-kandidaten/vorstellung-der-kandidatinnen-und-kandidaten.php

CeGaT, kurz für Center for Genomics and Transcriptomics oder deutsch Zentrum für genomische und transkriptomische Analysen (https://www.cegat.de), ist kein beliebiges Buchstabenpuzzle. Das Gründerehepaar des Startup mit Sitz in der Tübinger Paul-Ehrlich-Straße 23, Saskia und Dirk Biskup, hat den Namen so gewählt, dass Kenner ihn mit dem Begriff Genetik in Verbindung bringen, weil er mit den Buchstaben der menschlichen DNA spielt: C wie Cytosin, G wie Guanin, A, wie Adenin, T wie Thymin.

Häufig denkt man bei der Arbeit mit Genen an Genmanipulation, zumindest in der Pflanzenwelt. Doch Dirk Biskup stellt unmissverständlich klar: „Wir manipulieren keine Gene, sondern lesen genetische Informationen aus, sind ausschließlich als Diagnostiker unterwegs.“ Was genau also macht CeGaT und wie kam es zu der Gründung, die Saskia und Dirk Biskup, beide Jahrgang 1971, vor elf Jahren zu allein verantwortlichen Unternehmern machte? 

Kurz gesagt suchen die genetischen Analysen den oder die Fehler im System. Ein Fehler an einer wichtigen Stelle im 6 Milliarden großen Erbgut kann schwere Erkrankungen auslösen. Genetische Diagnostik ist „ein wesentliches Puzzleteil auf dem Weg zur bestmöglichen Therapie des Patienten.“ Am Beispiel Tumorgenetik, ein CeGaT Diagnoseschwerpunkt erklärt Dirk Biskup was er damit meint: „Wir sind ein großer Befürworter sogenannter molekularer Boards, in denen verschiedene Experten zusammenkommen, um gemeinsam zu besprechen, wie ein Patient am besten zu therapieren ist.“ An solchen Besprechungsrunden nimmt auch ein Facharzt für Humangenetik teil und erklärt den genetischen Befund. Für ihre Patienten ist das Saskia Biskup immer persönlich. Mit an Bord sind Pathologen, der Onkologen, Radiologen und nicht zu vergessen der behandelnde Arzt, der den Patienten am besten kennt. Gemeinsam besprechen sie anhand aller Ergebnisse, die vorliegen, welches die beste Behandlung für den Patienten ist. „Aus unserer Sicht ist das der richtige Ansatz, um Tumorpatienten bestmöglich zu therapieren“, ergänzt Humangenetikerin Saskia. „Am Ende hat der Patient das Wort, denn es geht ja um ihn.“

Labor CeGatT

Auf den Einwand, ob der behandelnde Arzt den vom Board empfohlenen Prozess auch wirklich einleitet, entgegnet Dirk Biskup: „Das ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Dazu braucht es auch ein Umdenken auch bei den Versicherungsträgern und in der Politik.“ Positiv ist aber, dass die sieben Jahre, seit denen Cegat Tumorgenetik anbietet, Wirkung zeigen. Immer mehr Ärzte entwickelten ein Verständnis für die Diagnose, die einer zielgerechten Behandlung vorausgehe, stellen Dirk und Saskia fest. 

Unternehmung Gendiagnostik

Die Aufgabenteilung bei CeGaT ist von Anfang an klar strukturiert. Der finanzielle und administrative Teil bei CeGaT geht hauptsächlich auf das Konto des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers Dirk Biskup, der viele Jahre in der Industrie insbesondere im Finanzwesen und Management tätig war, zuletzt als europaweiter Finanzvorstand der AEG Elektrowerkzeuge in Winnenden.

Dirk Biskup

Das medizinische Herz als Motor steuert Saskia Biskup bei. Schon frühzeitig im Studium hat die gebürtige Frankfurterin viel geforscht, mit Fokus insbesondere auf die neurogenerative Erkrankung Parkinson. Auf ihren Dr. med. von der Uni Würzburg sattelte sie nach drei Jahren Forschung noch einen Dr.rer.nat. bevor sie im Jahr 2009 dann als Fachärztin für Humangenetik ihre medizinische Ausbildung beendete. Just in diesem Jahr gründeten ihr Mann und sie CeGaT. Ein Jahr später kam die Praxis für Humangenetik dazu, „so dass ich auch gesetzlich versicherte Patienten versorgen kann“, freut sich die Medizinerin, deren erklärtes Ziel es schon seit zehn Jahren ist, die Versorgung von Menschen mit genetischen Erkrankungen und Tumorpatienten zu verbessern. 

Drei Jahre lang forschte Saskia an der seit Corona weltweit bekannten, weil für ihre Fallzahlen in aller Welt vielzitierten Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Danach ging es für zwei Jahre ans Institut für Humangenetik in Tübingen. 

Corona Pandemie und CeGaT 

Als Reaktion auf Covid-19 hat CeGaT sein Wirkungsfeld ausgeweitet und sich entschlossen, einen unkomplizierten, aber präzisen Test anzubieten. Aus den zwei Gründen, der ihren Managemententscheidungen immer zugrunde liege: Helfen und Geld verdienen. Letzteres ist ebenso wichtig, damit Gehälter bezahlt werden können, niemand entlassen werden muss und das Unternehmen gesund wachsen kann und unabhängig bleibt. 

„Wir hielten den Corona Antikörpertest für enorm wichtig. Und in der Anfangszeit kamen viele Leute nicht an den Test ran“, sagt Dirk Biskup. Als Profis in der Labor-Diagnostik kennen sie sich mit der Technologie, der Probenverarbeitung und dem Abrechnungsprocedere aus. Man hatte zudem die Kapazitäten, den Antikörpertest aufzubauen, weil die Auftragseingänge gegenüber normalen Zeiten um 30 bis 40 Prozent einbrachen. „Und zwar nicht, weil es weniger Tumorpatienten gegeben hätte“, betont Biskup. Auch der Diagnosebereich war etliche Monate betroffen von der Fixierung auf das bis dato unbekannte Corona-Virus. Unterschwellig schwingt mit, dass viel mehr Leute wegen Corona sterben als an Corona. Die Diskussion um Kollateralschäden steht noch aus. 

Mobile Blutabnahme in Tübingen

„Die Akzeptanz unseres Antikörpertests ist ausgesprochen hoch. Wir merken das daran, dass wir sehr viel positive Presse haben“, beobachten die Biskups und merken an, das sei in so einem Bereich durchaus nicht immer zu erwarten. Zudem merken sie, dass die Leute „gerne hierher kommen zur Blutabnahme. 

Ein donnerndes Halali für simplifizierte HighTech Medizin 

Nicht erst Termin beim Arzt, dann Blutabnahme beim Arzt, dann das Blut vom Arzt versenden, dann einen Befund zurück zum Arzt schicken, der dann wieder den Patienten einbestellen muss? Dirk Biskup quittiert ein solch langwieriges Verfahren mit einem für einen Norddeutschen ungewöhnlich emphatischen „Halleluja“. CeGaT, erklärt er, komme aus einer hoch qualitativen Denke, die immer den besten Test anbieten möchte und das für überschaubare 25 Euro (siehe Website), egal ob vor Ort oder via Teströhrchenversand.

Standort Tübingen

Natürlich sei Tübingen in punkto Medizin ein hervorragender Standort, sagt der Hamburger Biskup. Wie häufig bei Unternehmensgründungen spielten aber auch Zufälle mit. „Wir haben im TTR (Technologiezentrum Tübingen Reutlingen) hier in Tübingen, einem sogenannten Inkubator-Gebäude, einfach gut ausgestattete Laborflächen gefunden. Die Miete war zwar stattlich, aber wir konnten direkt loslegen“, erinnert er sich an die Anfangszeiten. 

„Unser gesamtes Labor ist sehr kapitalintensiv, denn wir haben extrem teure Maschinen“, erzählt er. Somit lohnte es sich, alles an einem Standort zu konzentrieren. Inzwischen haben die Biskups ihr eigenes CeGaT Gebäude erstellt, in dem sie arbeiten. Es hat gut 4.000 Quadratmeter. Noch. Denn ein Neubau schafft weiteren Platz für das expandierende Hightech Unternehmen.

Entwicklung vom Kleinstunternehmen zum prosperierenden Mittelständler

Spannend beim Gründen der CeGaT, speziell für jemanden, der wie Dirk Biskup aus der Großindustrie kommt, seien die Umbrüche, die man in dieser Zeit durchmache. Konkret meint er damit, den Prozess von der Pike auf mitzumachen, das Wachsen von „einer kleinen Bude mit drei bis vier Leuten, die in einem Raum sitzen, sich austauschen und wo jeder alles weiß“ hin zu einem mittelständischen Unternehmen. Das, so der Betriebswissenschaftler, bedinge das Einführen von Prozessen und Abteilungen. Dadurch empfänden sich Mitarbeiter in einzelne Funktionen gezwängt und fühlten sich plötzlich degradiert, Warum? „Weil der Einzelne nicht mehr alles weiß.“ Aber das liege nun einmal in der Natur der Sache, wolle man nicht ein „großer Debattierklub“ werden.

Die CeGaT ist eine GmbH. Weil aber Leistungen für gesetzlich Versicherte in Deutschland nicht über diese Unternehmensform abgerechnet werden können, betreibt Saskia Biskup parallel zum Labor CeGaT eine Praxis für Humangenetik. Leider gibt es Strukturen in Deutschland aus dem letzten Jahrtausend. Es kommt nicht auf Qualität und Leistung an, sondern auf Besitzstandswahrung. Viele Tests von CeGaT gibt es nur im Ausland, da die Regelungen für gesetzlich Versicherte den Zugang unmöglich machen. Eine medizinische Katastrophe sei das, wie Saskia Biskup findet. 

Saskia Biskup

Drum prüfe, wer da wirklich gründet…

… ob sich nicht noch ein Haken findet. Die beiden hatten sich im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht. Dazu gehörten auch die zwei grundlegenden Fragen „was wollen wir inhaltlich machen und wie könnte man das machen.“ Fragen, die sicherlich auch für andere Gründer passen. Mit der Untersuchung von Genen, zunächst auf Epilepsie und bald schon auf Tumore, hatten die Biskups ein Alleinstellungsmerkmal, weil sie mit ihrem Diagnoseverfahren sehr viele Gene gleichzeitig untersuchen konnten. „Das gab es vor zehn Jahren noch überhaupt nicht. Wir gehörten weltweit zu den Ersten, die so etwas gemacht haben“, weiß der 49jährige Unternehmer.

Nicht zu vergessen die dritte sehr wichtige Frage: Wer bezahlt eigentlich dafür, also für die Diagnostik? Wie also kann das Unternehmen Umsätze realisieren, Gehälter bezahlen, in Technologie investieren, woher kommt das Geld dafür? „Diese Ertragserfassung oder Revenue Recognition ist in einer normalen Lieferanten-Kundenbeziehung ganz einfach“, erzählen die Biskups. Schwierig wird’s im deutschen Gesundheitswesen mit den Krankenkassen und der kassenärztlichen Vereinigung einerseits und den privaten Krankenkassen andererseits. 

Komplex und langsam bürokratisches Gesundheitswesen 

An dieser Stelle bricht unterdrückter Ärger aus der sonst ruhigen Frau heraus: „Bis wir gesetzlich versicherte Patienten in Deutschland mit innovativen Methoden versorgen können, vergehen im Schnitt dreizehn Jahre“, äußert sie empört und fährt fort: „Ein Beispiel zum Finden der genetischen Ursache bei seltenen Erkrankungen heißt ‚Trio‘, das heißt, man untersucht beide Eltern und das betroffene Kind. Und versucht, die Position im Erbgut zu finden, die bei dem kranken Kind anders ist als bei den gesunden Eltern.“

Dazu müsse man das gesamte Erbgut untersuchen. Denn dann finde man die betroffene Stelle im Erbgut recht schnell. Diese Trio Diagnostik macht CeGaT hauptsächlich fürs Ausland. Die Frage nach dem Warum kann die Medizinerin mit Leib und Seele schnell beantworten: Den meisten Patienten, die hier in Deutschland nach deutschen Gesundheitsrecht versorgt sind, ist die CeGaT Methode noch nicht zugänglich. „Jetzt kann man sagen: drei Jahre kann man noch dazu rechnen, bis hiesige Patienten endlich Zugang erhalten.“ Macht summa summarum die oben genannten dreizehn Jahre – und das bei höchst zeitkritischen Krankheiten, das heisst bei Krankheiten mit Therapierelevanz für den Patienten.

„Sie können sich vorstellen: Wenn ein Kind auf die Welt kommt, eine seltene Erkrankung hat und dann noch ewig warten muss, um eine Diagnose zu bekommen, die dann die Therapie mitbestimmt, das ist eigentlich ein Ding, wo man wirklich vor Ärger die Wände hochlaufen könnte.“ 

Unternehmer aus Leidenschaft mit präziser Diagnose 

Trotz Hindernissen und zum Unwohle der Patienten schmerzlich bürokratischen Stopp-Schildern haben die beiden ihre Vision durchgezogen. „Wir sind inzwischen schon Vollblutunternehmer, weil wir unsere Arbeit gern machen“, unterstreicht Saskia ihrer beider Wirken. Ganz wichtig ist dabei nicht nur die Diagnose für Patienten, also die positive Außenerscheinung, sondern es geht auch darum, gute Bedingungen für die vielen Mitarbeiter zu schaffen. Eigentlich seien das selbstverständliche Dinge, die jedoch nicht vom Himmel fallen. Insgesamt will sich CeGaT verdreifachen, um das derzeitige Wirken „noch viel weiter in die Breite zu bringen.“ 

Text: Roeder, Bilder: CeGaT

Acht Startups präsentierten sich am 09.07.2020 beim Demo Day der Gründermotor Meisterklasse#3 vor dem buntgemischten Publikum aus potenziellen Investoren, Partnern und Interessierten. Drei Minuten hatten die Teams jeweils Zeit – drei Minuten, um die Zuhörer von ihrer innovativen Gründungsidee zu überzeugen. 

Ministerpräsident BaWü Winfried Kretschmann eröffnete den Abend und brachte es mit folgendem Zitat auf den Punkt. „Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Green Tech, Mobilitätswandel – das ist die Zukunft. Und ohne neue, junge Unternehmen und ihre explosive Kreativität kommen wir hier nicht weit. Startups bilden die Basis für einen neuen digitalen Mittelstand und vielleicht auch für eines der nächsten Weltunternehmen. Wir brauchen solche Macher wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 3. Gründermotor-Meisterklasse. Ihr Erfolg ist auch der Erfolg unseres Landes und wir müssen alles tun, sie zu unterstützen.“ 

Die gesamte Veranstaltung fand getreu der Vision von Gründermotor statt: „Gründermotor vereint Startups, Corporates und Wissenschaft, um die Gründerpersönlichkeiten und Wachstumsunternehmen von morgen zu formen.“ Die Startups hatten seit dem Launch Event im April das Programm der Gründermotor Meisterklasse durchlaufen. Bei der Entwicklung eines investment- und skalierfähigen Geschäftsmodells wurden sie hierbei von erfahrenen Mentoren, Co-Piloten, Gründern sowie starken Corporate Partnern unterstützt.


Diese Meisterklasse war jedoch anders als die vorausgegangenen. Das komplette Programm fand  online und remote statt und so war dieser Tag ein ganz besonderer. Alle Teilnehmenden, also die Teams, die Mentoren, die Co-Piloten und das Gründermotor-Team sahen sich an diesem Tag zum ersten Mal in “real life”, da das große Finale als einzigartiges Hybrid-Event stattfand.

Beim großen Finale der Meisterklasse präsentierten sich folgende Teams:

●  AskYourUI – automatisiertes Testen von User an Interfaces, ohne Code 

  • auvisus – Self-Checkout in der Kantine durch Bildverarbeitung 
  • bill.less – Digitalisierung von Kassenbelegen
  • EMECTRIC – maßgeschneiderte Lithium-Ionen-Batteriesystemen
  • MyCabin – digitale Plattform zur Vermittlung von naturnahen Übernachtungsmöglichkeiten
  • SAM-Dimension – präzise Unkrautkontrolle durch Drohnentechnologie
  • Twenty-One Semiconductors – Technologieplattform für den Laser der Zukunft
  • WRS Energie – transparente Druckluftkosten für Unternehmen

Natürlich gab es für die Teams auch etwas zu gewinnen. Die Preise wurden von Prof. Dr. Peter Middendorf an die Gewinnerteams übergeben. Das Team von SAM-Dimension konnte dabei den Jurypreis für sich gewinnen, während sich  MyCabin den Publikumspreis und das Team von bill.less den Mentorenpreis sicherte.

Das Video vom Demo Day in voller Länge findet ihr hier. Den Zusammenschnitt hier

Die Meisterklasse #4 startet bereits am 09. Oktober 2020 mit dem Launch Event. Interessierte können sich ab sofort bewerben und finden hier weitere Informationen.

Über Gründermotor:

Das Programm Gründermotor verfolgt das Ziel, die Lücke zwischen Startups und der freien Wirtschaft, insbesondere im Hinblick auf die Investment- und Wachstumsfähigkeit junger Gründerteams zu schließen. Damit vereint die Initiative Wirtschaft, Wissenschaft und Startup-Szene und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt.  

Text und Fotos: Gründermotor

Sehr geehrte Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut, wie überrascht waren Sie mit welcher Wucht und Geschwindigkeit COVID-19 sich auf die Wirtschaft auswirkt?
Nach 10 Jahren ununterbrochenem Aufschwung war für mich absehbar, dass auch wieder andere Zeiten auf unser Land zukommen können. Schwierigeres Fahrwasser hatte sich in einigen Industriebranchen ja bereits im Verlauf des letzten Jahres abgezeichnet. Allerdings kommt die Wucht dieser weltweiten Krise, die ja zudem gar nicht auf wirtschaftliche Ursachen zurückzuführen ist, auch für mich überraschend. Aber wir haben schnell reagiert und das war auch notwendig. Schon Ende März konnten Soloselbstständige und kleine Unternehmen unsere Soforthilfe Corona beantragen. Seitdem haben wir viele weitere Hilfen auf den Weg gebracht, zum Beispiel weitere Liquiditätskredite, eine Krisenberatung und mit „Start-up BW Pro-Tect“ auch eine Überbrückungshilfe für Start-ups. Unser Ziel ist es, dass wir so viele Betriebe, Selbstständige und Start-ups wie möglich retten können. Wir dürfen uns aber auch nichts vormachen. Diese Krise wird tiefe Spuren hinterlassen und nicht jedes Unternehmen wird sie überstehen. 

Welche Anzeichen der Erholung sehen Sie?
Die gute Nachricht ist, dass die konsequenten Maßnahmen des Landes die Entwicklung der Infektionen eingedämmt haben. Schrittweise und verantwortungsvolle Lockerungen sind notwendige Bedingung für eine wirtschaftliche Erholung. Die aktuellen Zahlen des Verarbeitenden Gewerbes, die Stimmungsindikatoren und auch die Arbeitsmarktzahlen machen Eines ganz deutlich: Momentan stecken wir mitten in der Rezession. Unsere Hilfsprogramme und wirtschaftlichen Impulse sind deshalb umso wichtiger. Ich bin mir sicher, dass das Gesamtpaket an Stabilisierungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte seine volle Wirksamkeit entfaltet, das Konsumentenvertrauen stärkt und wir so zu einer allmählichen Erholung kommen können.

Quelle:  Martin Stollberg / Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Wirtschaftsministerin BaWü Hoffmeister-Kraut

Viele Startups, oft mit dünner Kapitaldecke, sind auch stark von den wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona betroffen. Welche Aktivitäten haben Sie denn in ihrem Haus in die Wege geleitet um Startups zu unterstützen und wie groß ist die Resonanz darauf? Wird es Anpassung der bestehenden oder noch weitere Maßnahmen geben?
Unser Ziel ist es, dass Gründerinnen und Gründer möglichst gut durch diese Krise kommen. Deshalb haben wir bereits Ende April das Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“ gestartet. Es richtet sich an Start-ups, die schon die erste Finanzierungsphase hinter sich haben, aber aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, etwa, weil jetzt geplante Finanzierungsrunden ausbleiben. Denn viele Investoren richten ihren Fokus jetzt darauf, ihre vorhanden Projekte gut durch die Krise zu lenken und investieren weniger in neue Geschäftsideen.

Die Förderung beträgt pro Start-up bis zu 200.000 Euro, in Ausnahmefällen auch bis zu 400.000 Euro, wovon 80 Prozent vom Land finanziert werden und 20 Prozent von privaten Ko-Investoren zu vergleichbaren Konditionen stammen müssen. Das Programm trifft bei den Start-ups auf eine große Nachfrage. Mehr als 30 Gründer-Teams durchlaufen derzeit den Auswahlprozess. Das Land hat zunächst 25 Millionen Euro bereit gestellt. Sollte diese Summe nicht reichen, dann werden wir gegebenenfalls nachsteuern.

Wie verlaufen die Diskussionen bezgl. Unterstützungsprogramme für Startups in Berlin, bzw. mit ihren Kollegen in den anderen Bundesländern? Nachdem es aktuell um die Rettung der „Lufthansa“, Hotel & Gastronomie und Autobranche geht – gibt es überhaupt noch Gehör zu dem Thema Startups? 
Natürlich müssen wir auch in der Krise die Gründungsförderung vorantreiben. Innovative Geschäftsideen dürfen nicht verloren gehen. Wenn nach der Krise die Wirtschaft wieder anläuft, brauchen wir zukunftsfähige Geschäftsmodelle, die uns den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Standorten bringen. In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen im Land oder auch im Bund spüre ich immer wieder die Sorge um die Start-up-Szene. Viele Jungunternehmen sind ja potenziell der Mittelstand von morgen. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein 2 Milliarden Euro-Maßnahmenpaket für Start-ups angekündigt. Das beinhaltet auch weitere Hilfen in Zusammenarbeit mit den Ländern. Wir prüfen gerade, wie wir das in Baden-Württemberg umsetzen können.

Welche Chancen sehen Sie für Startups in der aktuellen Situation? 
Diese Pandemie ist ein Stresstest für jedes Geschäftsmodell. Aber motivierte und kleine Teams können auf diese Krise sehr viel flexibler reagieren als große Unternehmen. Das sehe ich als riesige Chance. Einige Start-ups stellen das bereits unter Beweis und richten ihr Geschäftsmodell auf die aktuellen Bedarfe aus. Ich bin mir sicher, dass viele Gründerinnen und Gründer aus der aktuellen Situation lernen können.  

Erster Startup Summit 2017

Ursprünglich war für den Sommer der nächste Startup Summit geplant. Wie ist denn die Planung, bzw. wird es eine Alternative für die Veranstaltung geben?
Schweren Herzens mussten wir den Summit 2020 verschieben. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber es gibt angesichts der Situation keine Alternative. Momentan richten wir unseren Fokus natürlich erst einmal darauf, die Start-ups in der Krise zu unterstützen und mit allen Stakeholdern im Gespräch zu bleiben. Aber wir arbeiten auch schon an einer digitalen Alternative zum Summit. Ich bin also zuversichtlich, dass wir die Anstrengungen, die wir bereits für unseren Summit 2020 unternommen haben, zu einem anderen Zeitpunkt nutzen können.

Vielen Dank für das Interview.

Fotos:  Martin Stollberg / Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und Startup Stuttgart.