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Die Landesregierung hat weitere Investitionen in das baden-württembergische Gründernetzwerk in die Wege geleitet. Gefördert werden unter anderem Projekte wie der Gründermotor und universitäre Entwicklungseinrichtungen. Ziel ist es, ein dezentrales Innovationsnetzwerk aufzubauen und Unternehmen von Anfang an zu unterstützen.

Hierzu haben wir vier Experten zum Gespräch eingeladen: Prof. Dr. Nils Högsdal (Hochschule der Medien – Prorektor Innovation), Adrian Thoma (Gründermotor, Pioniergeist, STEYG), Dr. Helmut Schelling (Vector Informatik GmbH & Vector Stiftung), Dr. Eric Heintze (Uni Stuttgart & Coral Innovation).

Der folgende Text stellt eine Zusammenfassung aus dem Dialog sowie den Maßnahmen der Regierung dar.


Als Antwort auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor die die COVID-19-Pandemie uns aktuell stellt, hat das Wirtschaftsministerium eine weitere Welle an Unterstützungen für das Start-up Ökosystem zugesagt. Der Titel: „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“.
Damit soll die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standortes weiter ausgebaut werden, indem die aktuell bereits erfolgreichen Programme sowie Gründungen aus der Wissenschaft gefördert werden.

Betont wird, dass diese Programme in der Vergangenheit u.a. High-Tech-Unternehmen hervorgebracht haben. Ein Beispiel hierfür ist CureVac, welches auch einst mithilfe des Programms „Junge Innovatoren“ gegründet wurde.
Der Transfer von der Wissenschaft zu Unternehmertum soll daher auch weiterhin fokusmäßig unterstützt werden. Dafür sollen alle baden-württembergischen Hochschulen motiviert werden, gemeinsam zu arbeiten und einen Austausch voranzutreiben. Das Ziel: Die Funken der Wissenschaft sollen weiter in die Wirtschaft überspringen können.

Gleichzeitig soll das Start-up Ökosystem ausgebaut und enger vernetzt werden, aber auch sichtbarer nach innen und außen aufgestellt werden. Hierfür könnten gemeinsame Standards für Gründungsförderungen in ganz BW aufgebaut werden und kooperierende überregionale Angebote unterstützt werden.
Das Start-up Ökosystem soll daher nicht nur mit Blick auf Stuttgart, sondern für ganz Baden-Württemberg enger zusammenrücken und gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Unterstützung des Landes wird daher auch in eine Kooperationsstruktur fließen, welche gemeinsame Synergien und Transferopportunitäten für Gründer aufdecken soll.

Um das zu bewerkstelligen, so Dr. Eric Heintze und Prof. Dr. Nils Högsdal, wird von den Hochschulen ein sogenanntes „Dezentrales Innovationsnetzwerk“ abgezielt, welches dezentral in den verschiedenen Einrichtungen ansprechbar ist, aber gleichzeitig auf ein ganzes Netzwerk an Informationen, Hilfen und Partnerschaften zurückgreifen kann.

„Das Ziel muss sein, dass es egal ist, welche Postleitzahl das Start-up hat. Jeder soll auf die Angebote zugreifen können. Am Ende ist jedes Start-up ein Baden-Württembergisches.“

– Adrian Thoma

Gründer können sich in Zukunft daher auf noch engmaschigere Unterstützungsangebote und eine Betreuung von der „(Hoch-)Schule bis zum Erstinvestment“ freuen. Die Wichtigkeit von Kapitalgebern, die bereit sein, in junge Unternehmen zu investieren, wurde auch von Dr. Helmut Schelling gegenüber dem Ministerpräsidenten betont.

„Kapital kommt dann, wenn genug interessante Unternehmen in ein Stadium heranreifen, das für Investoren interessant ist.“

Dr. Helmut Schelling

Bis dahin müssten die jungen Samen u. a. mit öffentlichen Angeboten unterstützt und herangezogen werden. Die kritische Menge an investmentbereiten Start-ups sieht Herr Dr. Schelling bereits vereinzelt gegeben. Aber um diesem Ziel näher zu kommen, empfiehlt Herr Dr. Schelling den Gedanken, Gründer zu werden, bereits frühzeitig an die nächsten Generation heranzutragen. Er unterstreicht, dass nicht nur Hochschulen, sondern auch Schulen diesen Karrierepfad klarer herausarbeiten könnten.

Dr. Eric Heintze setzt sich nun schon seit einiger Zeit für die Unterstützung von Aktionen im universitären Raum ein. So leitet er auch das Projekt „Let US Start“, das in Kooperation mit der Vector Stiftung und der Universität Stuttgart Studenten darin hilft, an ihren Ideen zu arbeiten und das nötige Grundwerkzeug zum Gründen vermitteln. Bereits mehrere Hundert Studenten haben dieses Angebot wahrgenommen und sind nun auf verschiedene weitere Pfade aufgestoßen, unter anderem zur Meisterklasse des Gründermotors.

Die Meisterklasse geht nun bereits in ihre fünfte Runde und wurde seit dem ersten Durchgang ständig verbessert. So konnte der Mitveranstalter Gründermotor in den letzten Jahren organisch wachsen und somit mehr interessante Unternehmensunterstützer gewinnen, die wiederum mehr Investoren anlocken und dem Standort BW und Großraum Stuttgart mehr Aufmerksamkeit und Publizität geben.
Die Meisterklasse, so Adrian, wird weiterhin wachsen und mehr Unternehmen helfen, Investment-ready zu werden!

Hier sehen die Teilnehmer natürlich auch gewachsene Start-ups aufgefordert, öffentlich für den Standort einzustehen und den unternehmerischen Weg für die folgenden Generationen selbstverständlicher und greifbarer zu machen. Dafür ist beispielsweise der Gründermotor eine Möglichkeit, den aufkommenden Start-ups als Mentor beizustehen. Nils Högsdal, Professor für Innovation und Entrepreneurship, unterstreicht diese Aussage mit dem Verweis, dass das wie ein Turbolader für das Ökosystem wirken kann. Es wäre eine Situation, in der mehr Luft und Energie im Ökosystem den Gründermotor weiter anfeuert und allen im Ökosystem hilft.


Key-Takeaway:

Der Umbruch im baden-württembergischen Start-up Ökosystem muss weiterhin von innen heraus stattfinden. Die Weichen sind gestellt, viele Angebote sind bereits aktiv und können mit den neuen Mitteln der Landesregierung ihre Unterstützung ausbauen und gleichzeitig durch Kooperationen besser vermitteln. Gleichzeitig sollen der Standort Stuttgart und ganz Baden-Württemberg sichtbarer nach außen werden: Mit den bereits angesprochenen Angeboten und den bestehenden exzellenten Startups.


Pressemitteilung des Landes: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/exzellenzprogramm-fuer-gruenderkultur-an-den-hochschulen/

Bild Quelle: https://unsplash.com/photos/5QgIuuBxKwM?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink

Was zu tun ist – eine virtuelle Diskussionsrunde 

„Ich mag Stuttgart, hab‘ mich mittlerweile eingegliedert. Aber es gibt noch viel zu tun“, sagt Sascha Karimpour von Plug and Play Stuttgart mit einem wohlwollenden Zwinkern. Seine Überzeugung hätte als perfektes Motto zum Brainstorming unter engagierten Experten getaugt. Vor kurzem nämlich debattierten über die hiesige Startup Landschaft: Alexander Brem von der Universität Stuttgart und Professor für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, Alexander Diehl vom KI Netzwerk Cyber Valley und für das Thema Startups zuständig, Philipp Gneiting, bei Daimler verantwortlich für die Startup Autobahn und Open Innovation, sowie Sascha Karimpour, Geschäftsführer für das Silicon Valley Unternehmen Plug and Play Tech Center in Deutschland und für die Plattform Startup Autobahn in einer virtuellen Runde. Initiiert und moderiert wurde die Diskussion von Christoph Röscher, Vorstandsvorsitzender von Startup Stuttgart e.V.

Bei Startup Stuttgart arbeitet Christoph Röscher gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart daran, ein „White Paper“ zu verfassen. Darin sollen sich eine ganze Reihe von Stakeholdern dazu äußern, was aus ihrer Sicht die derzeitige Situation im Großraum Stuttgart ist, um daraus abzuleiten, was hierzulande passieren muss, damit sich das Startup Ökosystem noch weiter entfalten kann. Die Zielrichtung für alle Teilnehmer der Diskussionsrunde ist klar: Man will mit Startups noch erfolgreicher werden in der Region, das Potenzial ist da! 

In der separat geführten virtuellen Diskussionsrunde herrscht die gemeinsame Sicht, dass es noch viele Synergien zu heben gilt, das gesamte Ökosystem besser und wirkungsvoller zu vernetzen ist, die heute erfolgreichen Maßnahmen enger zu verzahnen sind und auch die Landeshauptstadt enger mit den umliegenden Kommunen zusammenarbeiten muss, um mehr internationale Sichtbarkeit und Schlagkraft zu bekommen. Eine Kirchturmpolitik wird nicht reichen, um die besten Gründer und Startups in der Region zu entwickeln, oder mit den besten Ökosystemen in Deutschland zu konkurrieren und Gründer aus anderen Regionen anzuziehen.

Diskussionsrunde – Philipp Gneiting

Leistungsstarkes Netzwerk ausbauen, Synergien stärken

Die Wünsche und Vorstellungen zumindest bei diesem Austausch zwischen Uni, Industrie, Cyber Valley und Startup Stuttgart waren allesamt klar konturiert: Daimler Innovationsmensch Gneiting wünscht sich ein funktionierendes Geflecht zwischen Großunternehmen wie seinem Arbeitgeber und Startups sowie einen regen Austausch mit Hochschulen und sonstigen Open Innovation Stakeholdern. Diehl ist motiviert, seine Erfahrungen aus der Zeit im Silicon Valley nach Deutschland und Europa zu bringen, lobt Baden-Württemberg als „sehr innovativ“.

Im Gegensatz zu Karimpour, der nach Stuttgart entsandt wurde, um mit Daimler die Startup Autobahn aufzubauen, traf Alexander Brem seine Wahl für die Stadt „sehr bewusst“. „Mich hat dieses Umfeld angezogen – was es hier schon gibt und vor allem die Perspektive, was man hier gemeinsam noch aufbauen kann.“ 

Karimpour: „Stuttgart bietet wirklich schon viel. Im Ökosystem sind viele Akteure, die sich mit Entrepreneurship auseinandersetzen und dabei auch helfen, den Unternehmensgründern das Gründen attraktiver zu gestalten.“ Allein für die Startup Autobahn zählt er auf, was es schon an beeindruckenden „Bordmitteln“ gibt: Derzeit gibt es mehrere Akzeleratoren, mehr als zehn Regierungs- und private Unterstützungsnetzwerke, Co-Working Spaces, drei bis vier herausragende Startup Events inklusive des Startup Weekends der Hochschule der Medien, Gründergrillen von Startup Stuttgart und vieles mehr, was die Startup Autobahn und Plug and Play aktiv unterstütze und wo man mitmache. Hinzu komme ein ziemlich weites Investorennetzwerk, von Angels bis hin zu solchen, die sich später bei Startups engagieren, wie beispielsweise Grazia und die BARS aus Stuttgart.

Schwäbischen Weg gehen

Zwar hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan, dennoch hakt und hapert es an vielen Stellen, so dass Stuttgart nach wie vor nicht als Startup Hotspot heraussticht. Woran das liegt, will Röscher wissen. Es sei ein Fehler, nur nach anderen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg oder München zu schielen, so einhellig die Meinung. Karimpour: „Wir sollten den schwäbischen Weg gehen, keine anderen Städte kopieren – da haben wir tolle Möglichkeiten.“ Die starke Industrie, der prägende Mittelstand der Region, die Weltmarktführer und Hidden Champions sind eine Basis, um die andere Regionen uns beneiden würden. Brem stimmt zu, betont als Zugezogener den starken individuellen Charakter einer Landeshauptstadt. „Wir müssen auf den Stärken von Stuttgart und dem starken Umland aufbauen, viele sehr gute Ressourcen sind schon vorhanden und müssen nur besser zusammengebracht werden. Wir müssen schauen, was gut zur hiesigen schwäbischen Mentalität passt, und das heißt, man schwätzt nicht immer über alles, sondern macht einfach“, so der gebürtige Niederbayer. Auch die erfolgreichsten Unternehmen in der Region haben einmal klein angefangen. Das „Gründer-Gen“, ist hier auch vorhanden, oft versteckt es sich wohl nur hinter der schwäbischen Bescheidenheit.

Konkret gehe es darum, den Mittelstand und Industrie, die es im Schwäbischen zuhauf gebe, die man aber gar nicht so auf dem Schirm beim Thema Startup habe, ins Boot zu kriegen. „Stuttgart als Chance sehen, dessen Region ein ganz anderes Spektrum“ bereithalte, dafür warben er und seine Mitstreiter. Man brauche die richtigen Mitspieler, müsse die Ressourcen koordinieren – das aber kann, so das Votum, keine Universität, keine Hochschule, kein Unternehmen, kein Ministerium alleine stemmen. Eine wichtige Rolle hat auch die Landeshauptstadt und die umliegenden Kommunen. Sie müssen das Startup Ökozentrum, an dem die Prosperität und das pulsierende Leben der Region hänge, als Chefsache begreifen. Wenn man auf den OB-Wahlkampf Stuttgart zurückschaut – wo war da der Fokus auf Innovation, Transformation der Wirtschaft, ideale Bedingungen für Gründer zu schaffen? 

Diehl beobachtet ein natürliches Fluidum innerhalb der Startup-Welt: „Es gibt Startups, die von Zürich nach Berlin gehen und Berliner Startups, die ins Silicon Valley überwechseln. Mit anderen Worten: Die Karawane zieht nach einer gewissen Zeit durchaus weiter. Dennoch sieht man, dass Standorte es schaffen aufzuschließen, wie zum Beispiel Zürich innerhalb weniger Jahre. Das sollte auch unser Ziel sein.“ Das Gute in Europa gegenüber Silicon Valley sei dieses Netz von Innovationszentren, nicht nur das eine Epizentrum. Stuttgart habe die reale Chance, sich mit gezielten Maßnahmen als ein Hotspot innerhalb dieses Netzwerks zu verankern. 

Diskussionsrunde – Alexander Brem

Kambrische Explosion von Kreativität

Ob speziell die Region Stuttgart den Mangel von 20 Jahren in drei Jahren aufholen könne, stand zur Debatte. Gerade weil in der Region so viele Global Champions und High Tech Unternehmen sitzen und damit auch sehr viel Geld, ist Diehl optimistisch, dass es der Region Stuttgart im Gegensatz zu anderen Regionen durchaus gelingen kann, ziemlich zügig aufzuschließen und zum Hotspot zu werden. Dazu sei allerdings Voraussetzung, auch einen Teil des „Schwäbischseins“, also behäbiges Auftreten und das Wirken im Verborgenen, bewusst aufzugeben. „Wenn das gelingt, können wir recht schnell eine Art Kambrische Explosion von Kreativität und Startup Gründungen allerorten entfachen.“ So dass Erfolgsgeschichten wie CureVac nicht die Ausnahme sondern die Regel werden. Diehl ist nicht allein in seiner Auffassung, dass in dem Moment, wo zwei oder drei tolle Startups in Stuttgart entstehen, die wirklich Zug haben, es in der Folge „schneller abgehe“.

Gneiting unterstreicht diese Sicht und ergänzt: „Um zum Hotspot zu werden, müssen wir es als Stuttgart schaffen, uns ein unverwechselbares Profil zu geben. Das muss der Tatsache Tribut zollen, dass wir ein starkes B2B Land sind. Wir haben so viele Hidden Champions, so viele Global Player – das müssen wir zu unserem Vorteil nutzen.“ Dazukomme die weitere Herausforderung, die letztlich positive Situation, dass Stuttgart nicht nur ein starkes Gebiet habe, sondern viele. Dieses Netzwerk aus zusätzlichen Zentren wie Tübingen, Karlsruhe, Mannheim müsse eine Stärke Baden-Württembergs in der Wahrnehmung werden. „Dann haben wir die Chance, in bestimmten Themen hoch attraktiv zu sein.“ Für Startups und Investoren, versteht sich. 

Sog etablierter erfolgreicher Unternehmen läuft dem Gründerspirit zuwider

Ist die Region gar zu saturiert, zu erfolgreich durch Unternehmen wie Daimler, Porsche, Bosch und viele andere, so dass vielen Leuten gar nicht der Gedanke kommt, gründen zu wollen? Brem unterschreibt diese Sicht: „Wenn Studenten schon während des Studiums so viele Jobangebote haben, die so attraktiv sind – also nicht nur innovativ, sondern auch finanziell – dann ist das natürlich verlockend und diese Studierenden fallen demzufolge als Gründer aus.“ Und auch wenn die erfolgreichsten Gründer nicht unbedingt diejenigen sind, die frisch von der Uni weg gründen, sondern die mit vier- bis fünfjähriger Berufserfahrung, so gingen die dann von einem erfolgreichen Unternehmen zum andern, also nicht um auszugründen und auch nicht, um sich mit Startups zusammenzutun.

Man sei aber schon dabei, die Gründerkultur in die Köpfe der Studierenden hineinzubekommen. Durch frühphasige Veranstaltungen, Vorlesungen und niederschwellige Schnuppermöglichkeiten. „Da muss alles zusammenfließen und es braucht eine Runde Williger wie die unsrige, die es zu erweitern gilt. Ganz wichtig dabei, es braucht erfolgreiche Rollenmodelle aus der Region, die zeigen, dass in jedem ein Gründergen stecken kann und Gründung keine zweitklassige Option gegenüber einem Job in der Industrie sein muss. CureVac, Fahrrad.de, Teamviewer sind sehr erfolgreiche „erwachsengewordene“ Startups aus dem Großraum Stuttgart. Es fehlt die Aufmerksamkeit für solche Erfolgsgeschichten, um auch andere Gründungsinteressierte für Unternehmertum zu begeistern. 

Startup Autobahn – vor der Pandemie

Ausgründer an die Hand zu nehmen, das sei eine lange Reise, geschehe nicht von heute auf morgen. „Es muss Menschen geben, die das einfach tun und sich dich Bälle zuspielen“, sagt Brem, schaut auf seinem Monitor in die Runde und resümiert: „Wir haben neben unseren Jobs dieselbe Begeisterung, Startups zu fördern und zu fordern. Gemeinsam multipliziert sich das im positivsten Sinne.“

Im Ergebnis wünscht sich Gneiting, der mit seinem Team immer auf der Suche ist nach „the next big thing“, der nächsten großen Sache, noch mehr „WOW Startups“ à la What3Words und im vergangenen Jahr UBQ. Letzteres ist ein israelisches Startup, das Hausmüll einsetzt, um daraus im Upcycling Kunststoff herzustellen, mit dem perspektivisch Bauteile fürs Fahrzeug produziert werden sollen. „Damit unterstützen wir bei Daimler unsere Nachhaltigkeitsambitionen. Gleichzeitig haben wir mit dem Startup einen richtig coolen neuen Partner gefunden, den wir sukzessive weiter aufbauen zu einem wirklich potenten Zulieferer, der mehr für uns macht.“ Alleine hätte Daimler das wahrscheinlich so nicht geschafft. „Denn für unsere zigtausend Technologien haben wir nicht hundert Leute auf jedem Thema, sondern eben nur einen oder zwei.“ Und Karimpour ergänzt aus der Plug and Play Sicht: „Klar, wir hätten sehr gerne ganz viele Bewerbungen und Möglichkeiten, mehr erstklassige regionale Startups zu sourcen. Dann brauchen wir nicht auf der ganzen Welt zu scouten, und unsere Partner könnten mit lokalen Startups mit einem ähnlichen Mindset zusammenarbeiten.“

Cyber Valley – Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen

Runde der Willigen – „dann funktioniert’s“

Gerade weil es eigentlich alles gibt in der Region, müsse ein klares „Navigationssystem“ entstehen, das über Möglichkeiten aufklärt, das sagt, wohin man wann geht, das aber auch den Spirit Entrepreneurship vermittelt – nach dem Motto: Wenn Du Unternehmer werden willst, musst Du unternehmen. Das können andere nicht für den Betreffenden übernehmen, umso wichtiger ist „Leading by Example“ als Motivationsschub für potentielle Gründer. Brem dazu: „Ich glaube, es ist inzwischen doch ganz cool, ein Startup zu haben. Das hat sich über die letzten Jahre meines Erachtens geändert.“ 

Gneiting fordert insgesamt mehr Sichtbarkeit und Fokus in Stuttgart auf das Thema Startup, am besten über ein riesiges Startup-Fest auf dem Schlossplatz. Nicht als Einmal-Veranstaltung, sondern als regelmäßiges Get-Together. Gleichwohl sieht die „Runde der Willigen“ die Region als riesiges Potential. Es geht vordringlich darum, die einzelnen Erfolgsfäden zusammenzubringen und die gute Botschaft nach außen zu tragen – mit Fug und Recht auch etwas mehr selbstbewusst als bisher. Man habe es doch auch geschafft, Stuttgart als Feinstaubhauptstadt in der Presse zu platzieren, dann müsste es doch auch die Möglichkeit geben, als Startup Stadt stärker wahrgenommen zu werden – sagt ein Teilnehmer witzelnd.

Positive Entwicklungen weiter schärfen

Auch Christoph Röscher von Startup Stuttgart e.V. sieht sich am Ende der Debatte bestätigt: „Wir haben als Region 100 Jahre Erfahrung in Unternehmertum und auch sonst beste Voraussetzungen. Wir müssen die Leute noch mehr für das Thema Gründung begeistern und die harten und soften Rahmenbedingungen optimieren. Es gibt keinen Grund, warum die Region Stuttgart nicht eine führende Rolle im Startup-Ökosystem Deutschland einnehmen sollte“ 

Sascha Karimpour setzt den überzeugenden Schlusspunkt: „Ich war überall auf der Welt. Und, ja, ich mag Stuttgart, habe mich mittlerweile eingegliedert – aber es gibt noch viel zu tun.“ – Im Vergleich zu anderen Städten: „Wir sind keine Weltstadt. Das ist auch ok. Aber man kann die Stadt trotzdem ein bisschen attraktiver gestalten und Neuankömmlinge mehr willkommen heißen. Startups bedeutet oft viele junge Leute, die auch ein bisschen Szeneleben möchten und da kann man hier noch etwas tun“, bemerkt er zwinkernd. 

Text: S. Roeder

Fotos: Startup Autobahn, Cyber Valley, Horst Eisele, Startup Stuttgart e.V.

Südlich von Stuttgart in Ehningen, liegt das Landhaus Feckl. Ein 1-Sterne Restaurant mit angeschlossenem Hotel, Apartments, Veranstaltungsflächen und einer Kochschule. Eine denkbar schlechte Kombination während der Pandemie. Wie die gesamte Branche ist auch dieser Betrieb von den Auswirkungen betroffen.

Mit Beginn im ersten Lockdown Ostern 2020 wurde ein neues Geschäftsmodell ausprobiert: wechselnde Gerichte auf Sterne-Niveau zum Abholen. Die Essen werden von Franz Feckl mit seinem Team speziell dafür entwickelt und für den Gast vorbereitet und „vorgekocht“. Der Kunde muss nur die letzten Koch-Handgriffe erledigen, um das Essen zu genießen. 

Wir haben uns mit Franz Feckl, der gemeinsam mit seiner Frau Manuela den Betrieb leitet, getroffen, um über die Pandemie zu sprechen. Franz kommt ursprünglich aus Oberbayern, aus einem kleinen Dorf in der Nähe vom Mühldorf am Inn. Seine Eltern hatten eine kleine Gastwirtschaft. Er wäre gerne Profifußballer geworden, sein Vater entschied aber, dass er stattdessen mit 15 eine Kochlehre anfängt.

Beruflichen trieb es ihn zu Stationen in die Schweiz, zu Heinz Winkler, zu Eckart Witzigmann ins Tantris, 1981 wurde er Küchenchef im Hotel Walter’s Hof auf Sylt, wo er auch seine zukünftige Ehefrau kennenlernte. Gemeinsam pachteten sie das Schloss Höfingen bei Leonberg, bevor sie September 2000 ihren Betrieb in Ehningen eröffneten.

Franz Feckl

Seit rund 34 Jahren hält er durchgehend seinen Michelin Stern und er hat über 150 Lehrlinge ausgebildet. Besonders Stolz ist er auf seine Azubi Johanna Altmann, die in 2020 die beste Kochauszubildende in ganz Deutschland war. Zu seinen ehemaligen Azubis gehört unter anderem Anton Schmaus, Chefkoch der Fußballnationalmannschaft und 1-Sternekoch in Regensburg.

Startup Stuttgart: Hallo Herr Feckl, wir sind hier etwas abseits von Stuttgart, wie kommt man dazu, in Ehningen ein Sternerestaurant zu eröffnen?

Franz Feckl: Das ist eine längere Geschichte. Nachdem meine Frau und ich uns auf Sylt kennengelernt und 1985 geheiratet hatten, wollten wir uns selbstständig machen. Wir haben bei Brauereien nach verfügbaren Betrieben angefragt und da wurde uns das Schloss Höfingen in Leonberg angeboten. Wir haben das dann 15 Jahre geführt. Ein guter Gast und Freund hat uns auf die Möglichkeit, ein Restaurant in Ehningen zu eröffnen, aufmerksam gemacht. Nachdem wir uns dazu entschieden hatten, diesen Schritt zu gehen, wurde in Ehningen der neue Betrieb gebaut, während wir noch Schloß Höfingen führten. Es war irre. Am 15. September 2000 haben dann alle Mitarbeiter vom Schloss Höfingen, inklusive der Spülfrau, in Ehningen angefangen.

Es war wie ein Sechser im Lotto, zumindest die ersten 8 Jahre. Irgendwann hatte ich 18 Köche, wir haben geackert und viel riskiert. Wir haben bis zu 150 Gäste auf Sterne-Niveau bedient, da gibt es nicht viele Betriebe, die das konnten. Allerdings kam die Weltwirtschaftskrise und damit waren dann erst mal alles Geschäftsessen weg.

Die Kunden von den großen Konzernen aus der Region, Daimler, HP, IBM usw. kamen nicht mehr. Die Jahre 2008 bis 2011 waren hart. Wir mussten uns umstellen, mehr Fokus auf Privatkunden, was aber sehr gut funktionierte. Und jetzt sind wir in die nächste Katastrophe reingeschlittert, wie alle meine Kollegen auch.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Nun sind wir rund ein Jahr in der Pandemie und die Gastronomie und Hotellerie gehört sicherlich zu dem am härtesten getroffenen Branchen.

Franz Feckl: Also, sorry, ich hoffe ich darf ganz ehrlich sein. Ich bin schon echt angefressen, dass das nicht besser läuft. Am Anfang war es für alle gleich schlimm und da habe ich auch viel Verständnis für die Regierung gehabt, was die so machen. Und wir haben uns alle beruhigt und gesagt, es geht nicht anders. Aber der zweite Lockdown seit November! Da muss ich sagen „Hallo!“, die haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die haben den Sommer verstreichen lassen. Die haben zwar immer von einer zweiten Welle gesprochen, waren aber nicht vorbereitet. Und jetzt?! Was da läuft, ist einfach unfassbar. Unfassbar. In den Baumärkten und den Einkaufszentren laufen die Leute rum. Es freut mich für jeden, der sein Geschäft betreibt und aufmachen kann, ehrlich. Aber schauen Sie sich um, wir haben hohe Räume, Tische auseinandergezogen, wir haben ein Hygienekonzept. Nein, die Gastro war und ist nicht der Verursacher.

Startup Stuttgart: Was halten Sie von den staatlichen Hilfen?

Franz Feckl: Ja, es gibt staatliche Hilfen und Soforthilfen. Wir mussten auf die Auszahlung warten. Irgendwann waren wir so im Minus, ich musste zur Bank gehen und Geld leihen und das muss ich in meinem Alter auch wieder zurückzahlen.

Startup Stuttgart: Viele Spitzengastronomen in der Region haben komplett zu, sie gehören zu den Wenigen, die versuchen, mit neuen Konzepten durch die Pandemie zu kommen. 

Franz Feckl: Not macht erfinderisch. Mein Sohn Julian arbeitet in einem Food-Startup und irgendwann am Anfang der Pandemie hat er gesagt „Papa, willst du jetzt nur die Füße stillhalten? Wollen wir was machen?“.

Wir haben dann mit meiner Frau und meinen erfahrenen Köchen gebrainstormt. Die Idee: Sterneküche für zu Hause. Wir haben top Produkte, bereiten alles professionell vor und der Gast bekommt die Gerichte in Essenspaketen zu 95% fertig und muss nur die letzten Handgriffe daheim machen.

Meine Frau hat Kunden über Whatsapp über das Angebot informiert und die haben dann wieder gefragt, ob sie es ihren Freunden weiterleiten dürfen! Ostern 2020 haben wir die ersten Essenspakete vorbereitet. Und wie viele! Es war unvorstellbar! Es war ein großer Erfolg und diesen Umsatz haben wir schon ganz gut gebrauchen können. Es ging uns aber auch darum, mit den Gästen während der Pandemie in Kontakt zu bleiben.

Durch dieses neue Geschäft konnte ich meine Köche endlich wieder aus der Kurzarbeit holen. Es bleibt ja auch keiner gerne zu Haus, um Däumchen zu drehen. Das gesamte Team freut sich echt wieder arbeiten zu können und es bleibt auch mehr Kohle für sie am Ende des Monats. Ich bin nicht der Daimler, der 98% bezahlen kann. Also wir haben das schon brauchen können. Im Service haben wir leider bereits Fachkräfte verloren, die jetzt zum Beispiel im Krankenhaus am Empfang arbeiten.

Team Feckl

Startup Stuttgart: Sind Sie froh, diesen Weg gefunden zu haben?

Franz Feckl: Ich bin doch kein Almosenempfänger. Ich möchte arbeiten und bin froh über diesen Weg. Und mein guter Musikerfreund Clemens König, der erzählt von seinen Bekannten, super Musiker, die jetzt im Supermarkt Regale einräumen.

Startup Stuttgart: Wie schwierig ist es, Sterneküche über diesen neuen Vertriebsweg zu verkaufen?

Franz Feckl: Es geht nicht mit jedem Gericht. Fisch ist schwierig. Wir probieren vorher alles aus, wie kommt es beim Gast an, welche Schritte gibt es zu tun und wir lernen auch kontinuierlich dazu. Jedes Gericht hat jetzt eine Farbe in der Kochanleitung. Die Zutatenverpackungen sind entsprechend farblich markiert, damit der Kunde diese schneller bei der Zubereitung findet. Die Kochanleitung legen wir jetzt immer schon in die Kochbox, nicht jeder Gast konnte die daheim ausdrucken. Beim Rostbraten, der zuerst aufgewärmt, bevor er in der Pfanne nachgebraten werden muss, schreiben wir zum Beispiel „im heißen Leitungswasser“ erwärmen. Die Gefahr war zu groß, dass Wasser vom Wasserkocher zu heiß wäre und der Rostbraten komplett durchgegart wird.

Wir mussten auch unsere Endkontrolle beim Verpacken der Pakete kontinuierlich verbessern, wir sind jetzt bei einer Dreifachkontrolle. Wenn eine Zutat beim Gast fehlt, ist das sehr ärgerlich. Inzwischen haben wir aber fast keine Reklamationen mehr.

Mein Sohn hat sich mit der Bestellsoftware auseinandergesetzt und uns ein kleines Fotostudio eingerichtet. Ich sehe, dass diese neue Aufgabe meinem Team Spaß macht. Die Essen zu fotografieren, die Texte für die Kochanleitung zu schreiben, die Webseite zu pflegen. Das entwickelt sich so im Team und die jungen Köche müssen damit auch umgehen können, ich kann das nicht.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Werden Sie nach der Pandemie mit dem Konzept weitermachen?

Franz Feckl: Ja, auf alle Fälle. Wir haben jetzt schon Gäste, die jede Woche ihre acht Portionen Spätzle holen *lacht* wir haben aber auch festgestellt, dass wir neue Kunden gewonnen haben. Es ist also auf jeden Fall ein schönes Zusatzgeschäft und wenn wir perspektivisch wieder samstags 40-60 Gäste im Restaurant empfangen können und zusätzlich 30-40 Kochpakete vorbereiten müssen, brauche ich wieder ein paar Köche mehr.

Unser Plan ist es, auch den Shop auszubauen. Irgendwann gibt es unsere Hummersuppe im Glas, die Pfeffermischung oder meinen Kalbsfonds. Also, wir haben da noch ein paar Ideen.

Startup Stuttgart: Was möchten Sie an ihrem Konzept noch verbessern?

Franz Feckl: Ich würde gerne von dem Müllberg wegkommen. Wir haben lauter Einzelportionen, was für unsere Logistik und Vorbereitung gut ist. Aber der Müllberg beim Gast muss kleiner werden. Es ist nicht zeitgemäß. Mein Sohn hat durchgesetzt, dass wir teure Verpackungen einsetzen, die recycel- und kompostierbar sind.

Startup Stuttgart: Auf welche Gerichte kann man sich aktuell freuen und was ist denn ihr Leibgericht?

Franz Feckl: Wir haben gerade das Oster-Kochpaket mit Spargel und Lamm auf die Webseite genommen. Lecker ist auch unsere Bouillabaisse von Edelfischen oder etwas ganz Feines – eine Roulade von der Maispoularde in Pommery-Estragon-Sauce.

Ich esse gerne einfach ein Wiener Schnitzel und einen geilen Kartoffelsalat dazu. Oder einen Schweinsbraten, einer mit dieser Kruste, das gibt es kaum noch. Denn je einfacher, desto besser ist es oft. Weil einfach weniger, oft mehr ist. Und das kriegst du erst im Laufe der Zeit raus.

Anleitung

Startup Stuttgart: Eine Frage zum Schluss, wie sind Sie und ihre Frau, als Bayern inzwischen in Schwaben angekommen?

Franz Feckl: Sehr gut. Also das Geschäft, was wir machen, da möchte ich nicht in Bayern sein. Also in München hätten wir es toll, aber ich kenne die Gastronomie auf dem Land in Bayern. Wir wissen, was es heißt, da Gastronomie zu machen. Da möchte man den Schweinsbraten immer noch für unter 10 Euro und der muss links und rechts vom Tellerrand ragen. Hier ist es schon ein anderes Essensniveau, eine andere Essenskultur. Und deswegen fühlen wir uns hier auch sehr wohl. Und ich sage immer: den Schwaben, wenn du den mal hast, ist das ein sehr treuer Gast. Natürlich ist der Anspruch auch hoch, aber das ist ja in Ordnung. Ich habe ja auch einen Anspruch an mich selber, dass es super sein muss.

Startup Stuttgart: Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Christoph Röscher

Fotos: Landhaus Feckl – teilweise von vor der Corona Pandemie

Sehr geehrte Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut, vor rund drei Jahren haben Sie den Startup- Think-Tank Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem Gremium gewonnen? 

In der Gründungslandschaft des Landes Baden-Württemberg ist eine enorme Dynamik entstanden. Der Think Tank gibt uns wichtige Anregungen, wie wir unsere Förderinstrumente optimieren können. Er setzt sich aus Gründerinnen und Gründern, Vertreterinnen und Vertretern der Privatwirtschaft, von Wirtschaftsorganisationen und Start-up-Verbänden sowie aus der Beteiligungs- und Fremdkapitalszene zusammen. Aus den Sitzungen konnte ich schon viele wichtige Impulse mitnehmen, die zum Beispiel in neue Konzepte im Bereich Entrepreneurship Education eingeflossen sind. Den Gründungsgeist in die Schulen und an die Hochschulen zu bringen, ist wichtig, um Gründerinnen und Gründer von morgen zu fördern. Auch die Anregungen im Bereich der Wachstumsfinanzierung haben uns weitergebracht bei der Weiterentwicklung unserer Fondslandschaft.

Ministerin Hoffmeister-Kraut

Im Koalitionsvertrag „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN BADEN-WÜRTTEMBERG UND DER CDU BADEN-WÜRTTEMBERG 2016 – 2021“  wurde das Ziel: Wir werden Baden-Württemberg zur dynamischsten Gründerregion Europas machen.“ definiert. Wo stehen wir da aus Ihre Sicht? Wo gibt es rückblickend vielleicht auch Anlass zur Selbstkritik?

Die 2017 gestartete Landeskampagne Start-up BW geht genau diese Ziele an und entwickelt sich ständig weiter. Wir bündeln unsere Fördermaßnahmen und starten neue Projekte, die die Startups noch gezielter stärken – unter anderem Start-up-Beratungen, Finanzierungsinstrumente und Accelerator-Programme. Landesweite Unternehmensplanspiele und Wettbewerbe oder der Start-up BW Summit auf der Landesmesse Stuttgart, bei dem uns auch Startup Stuttgart immer tatkräftig unterstützt hat, runden das Spektrum ab. National wie international existiert ein stark umkämpfter Wettbewerb um die besten Start-ups. Ich sehe Baden-Württemberg auf einem guten Weg, diesen Wettbewerb zu bestehen und in der Entwicklung, Betreuung und Finanzierung von skalierbaren Geschäftsmodellen internationales Top-Niveau zu erreichen. Es liegt aber auch noch ein Teil des Wegs vor uns.

Eine Ihrer Initiativen war die Plattform Startup-BW ins Leben zu rufen. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden? Was ist dort noch geplant?

Start-up BW ist nicht nur ein Maßnahmenpaket, sondern in der Tat auch eine Plattform für unsere Partner. Baden-Württemberg zeichnet sich im Vergleich zu anderen Ländern durch viele einzelne regionale Start-up-Szenen aus, zum Beispiel in Metropolen wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Tübingen oder Ulm, aber auch in Städten wie Aalen, Offenburg, Niedereschach oder Tuttlingen. Mit der Plattform Start-up BW schaffen wir es, diese regionalen Szenen sichtbar zu machen, indem sie die elf regionalen Start-up-Ökosysteme im Land bündelt. Gerade an diesem Punkt müssen wir wieder verstärkt ansetzen, wenn wir die Pandemie überwunden haben und uns wieder stärker auf die Außendarstellung konzentrieren können.

Startup Think Tank – Treffen Juli 2018 in Karlsruhe

Aktuell läuft der Wettbewerb des Wirtschaftsministeriums für den KI Park BaWü und das Land hat €50 Mio. Förderung in Aussicht gestellt. Wie werden Gründer und Startups von dem KI Park profitieren?

Mit dem Innovationspark haben wir eine echte Chance, ein KI-Ökosystem zu schaffen, in dem Innovationen entwickelt und umgesetzt werden. Im Wettbewerbsverfahren sind die Teilnehmer aufgefordert, ein inhaltliches Gesamtkonzept zu entwickeln, von dem nicht zuletzt auch Start-ups profitieren sollen. Wichtige Aspekte sind neben optimaler technologischer Infrastruktur und Testfeldern für KI auch die Anziehung von Investoren und Risikokapital. Im Ökosystem sollen Start-ups Zugang zu starken Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Forschung vor Ort und weltweit bekommen. Auch die vorübergehende oder längerfristige Unterbringung soll mitgedacht werden. Der KI-Park soll ein inspirierendes Umfeld schaffen, um die Zukunft im Land maßgeblich mitzugestalten.

Corona hat uns nun schon mehr als ein Jahr im Griff – wie laufen die Unterstützungsprogramme für Startups und welches Feedback bekommen Sie aus der Startup Szene zur aktuellen Lage? Wird es weitere Unterstützung für Gründer geben?

Start-ups werden durch die Corona-Pandemie noch stärker als andere Unternehmen in eine schwierige Lage gebracht. Der Übergang vom Prototyp zum Markteintritt stellt für sie eine besondere Herausforderung dar und bedeutet schon unter normalen Bedingungen oftmals für viele gute Geschäftsideen das Ende. Durch die Pandemie verschärft sich die Situation. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir vielversprechende Geschäftsmodelle in dieser Pandemie nicht verlieren. Wir haben daher schnell reagiert und konnten seit Juni 2020 bereits rund 100 krisengeschüttelte Start-ups mit dem Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“ unterstützen. Bis Juni 2021 stehen hierfür 30 Millionen Euro bereit. Mit dem neuen Mezzanine-Beteiligungsprogramm steht uns auch die sogenannte Säule II der Hilfen der Bundesregierung, die zur Unterstützung von Start-ups und kleinen Mittelständlern zur Überwindung der Corona-Krise aufgelegt wurden, zur Verfügung. Von Landesseite stellen wir hierfür 50 Millionen Euro bereit, womit insgesamt bis zu 250 Millionen Euro an Finanzierungsvolumen bewegt werden können. Auch dieses Programm haben wir zum Jahreswechsel bis Ende Juni 2021 verlängert. Wir sind damit auf einem guten Weg, unsere Gründerinnen und Gründer bestmöglich durch die Krise zu bringen.

Sofern Sie der nächsten Landesregierung wieder als Wirtschaftsministerin angehören, worauf würden Sie sich am Anfang konzentrieren, um BaWü zur führenden Gründerregion Europas zu machen?

Es ist uns in dieser Legislatur gelungen, nahezu alle Partner und alle wesentlichen Angebote unter dem Dach von Start-up BW zu bündeln, ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen und eine Community zu entwickeln. Klar ist aber auch, dass wir nur mit großer Kontinuität dieses Thema nachhaltig befördern können. Die Start-up BW Kampagne ist auf lange Sicht angelegt. Allein die rund 3.000 Teilnehmenden in den Start-up-BW-Acceleratoren zeigen, dass wir ein Momentum in Gang gesetzt haben, das es jetzt weiter in die Breite zu tragen gilt. Hier müssen wir ansetzen. Aber auch wenn das Land vieles unternimmt, eines möchte ich betonen: Erfolgreich wird dieses Unterfangen nur gemeinsam mit unseren Partnern. Nur gemeinsam und mit dem Engagement der Partner vor Ort schaffen wir eine neue Aufbruchsstimmung und Angebote, die nachhaltig wirken.

Vielen Dank für das Interview

Christoph Röscher, Vorstandsvorsitzender von Startup Stuttgart, ist Mitglied des Think Tanks.

Bilder: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

Landtag Stuttgart

Am 14.03.2021 wählt Baden-Württemberg den neuen Landtag. Wir haben alle Kandidaten des Wahlkreises Stuttgart I, deren Partei in aktuellen Umfragen mindestens drei Prozent erreicht, um eine Stellungnahme zu drei Fragen aus dem Start-up-Bereich gebeten. Folgende Antworten wurden unverändert übernommen:

Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups im Raum Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Um die Gründungskultur an Hochschulen zu unterstützen, macht die Landesregierung vielfältige Angebote. Das Programm „Junge Innovatoren“ unterstützt junge Wissenschaftler*innen dabei, ihre innovativen Gründungsvorhaben zu realisieren. Mit dem Wettbewerb „Start-up BW ASAP“ werden studentische Gründungsteams gefördert. Schließen möchte ich die Förderlücke bei Unterstützungsstrukturen für Gründerinnen. Die „Start-up BW Accelerators“-Programme in den Bereichen Finanzierung, Coaching und Networking sollten gezielt mit Blick auf die Unterstützung von Frauen ausgebaut werden. Mit „Start-up BW Women“ wollen wir Gründerinnen noch besser fördern.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Gründungskultur an Schulen und Hochschulen fördern, insbesondere auch Frauen zur Gründung motivieren 
  • Gründerfonds des Landes zur Finanzierung der Startups weiter ausbauen 
  • Kontakt mit Risikokapitalgebern fördern (Business Angels, Venture Capital) 
  • Startup Zentren in der Region noch stärker vernetzen (z.B. Tübingen, Heilbronn, Mannheim) 
  • Startup meets Mittelstand – Startups stärker mit dem Mittelstand verknüpfen 
  • Steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital und Start-ups verbessern 
  • Orte schaffen, an denen sich Startups niederlassen können 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Für mich braucht es zunächst mehr Struktur im Raum Stuttgart: es gibt unglaublich viele Angebote an Veranstaltungen und Ansprechpartner. Hier sind Informationen aus einem Guß und eine Hilfestellung in Form von Gründerlotsen, wie im Kreis BB sicherlich sinnvoll. Zudem muss eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen auf der einen Seite und startups auf der anderen Seite stattfinden. Diese Vernetzung kann landesseitig durch Förderungen von zentralen Hubs gestützt werden.

Johanna Molitor (FDP):

Neben Finanzierungsfragen sind bürokratische Hürden eines der größten Probleme für StartUps. Daher trete ich für StartUp-Unternehmen für eine Entlastung von Bürokratie ein. Des Weiteren mache ich mich für die Einrichtung von wirtschaftlichen Freiheitszonen stark, welche insbesondere StartUps Möglichkeiten zur schnellen Entfaltung geben. Zusätzlich kann ein bürokratiefreies Gründungsjahr für neue Unternehmen gründungsfreundlich wirken – dafür setze ich mich ein.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Existenzgründungszentren und Beratungsstellen für die Gründung von Start-ups sollen landesweit ausgebaut werden. Ein öffentlicher Wagniskapitalfonds fördert innovative Start-ups, wenn diese gemeinwohlorientierten Zwecken wie z.B. dem sozial-ökologischen Umbau dienen. Unternehmerinnen und Menschen mit Behinderung, wollen wir insbesondere fördern. Gerade im Bereich der nachhaltigen Mobilität wollen wir Gründungen und neue Ideen Fördern.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Ich denke, in Berlin gibt es die Alternative einer Industriekarriere nicht so wie in Stuttgart. München ist uns zudem voraus in der Vernetzung von Wissenschaft und Gründerinnen. Hier holen wir aber auf. Land, Automobilindustrie, Startup-Unternehmen und Universität kooperieren etwa in der Arena 2036 bei der Suche nach Innovativen für die Mobilität der Zukunft. Gerade diese Nähe zwischen neuen Ideen und der direkten Anwendung hat bei uns ein enormes Potential, denn Startups sind zentrale Innovationstreiber. Potential für die Region sehe ich auch in der Kooperation von Gründerinnen in der Gesundheitswirtschaft mit den Unikliniken.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Bessere Förderung und Finanzierung der Startups 
  • Startup Kultur wird stärker beworben 
  • Start-up-Standort werden besser vermarkt 
  • Berlin: Schwerpunkt liegt bei IT und Plattformentwicklung, die leicht zu skalieren sind 
  • München: Bessere Vernetzung zwischen Universitäten und Hochschulen mit den ausgegründeten Startups z.B. Technische Universität München 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Zu einem attraktiven Gründerstandort wie München oder Berlin braucht es auch Wagniskapital, Orte der Vernetzung in einem kreativen Umfeld, Anlaufstellen, wie es ja auch das Unternehmer-TUM in München bietet. Das Land kann hier Anreize für Unternehmen und Hochschulen setzen, sich vermehrt einzubringen.

Zudem baucht es ein attraktives Umfeld: eine pulsierende Stadt mit einer Clubszene und Nachtleben, gute Anbindungen an den ÖPNV, bürokratiearme Verwaltungen, all das sind Themen, die jungen Unternehmern wichtig sind.

Johanna Molitor (FDP):

Eine Schwäche Baden-Württembergs sind die bürokratischen Hürden und die unzureichenden Finanzierungsmöglichkeiten. Die Bedeutung von Venture Capital ist hoch. Mir ist es ein Anliegen, dass mehr VC Geber ihre Chancen in Baden-Württemberg erkennen. Darüber hinaus müssen die Empfehlungen des Normenkontrollrats aufgegriffen und überfällige Entlastungen für Gründungswillige vorangetrieben werden.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Das hat sicher verschiedene Gründe. Berlin ist einfach anziehend für kreative Köpfe. Aber ein handfester Grund ist sicherlich, dass es in Berlin noch etwas leichter ist halbwegs bezahlbare, kleine Gewerbeimmobilien zu finden. Hier muss man durch eine Bereitstellung von entsprechenden Flächen durch Kommunen und Land fördern, sowie durch eine Deckelung der Gewerbemieten. In Stuttgart absorbiert die nach wie vor intensive Industrie viel Hochschulabsolvent*innen, so dass die eigene Gründung weniger interessant ist…

Welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit Startups?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Seit meiner Wahl 2011 habe ich regelmäßig Startups besucht, auch mit Fachkolleginnen aus Land- und Bundestag. Als Steuerberaterin betreue ich viele Gründerinnen. Deren Erfahrungen, Bedürfnisse und auch Sorgen nehme ich mit in die Politik. In den vergangenen zehn Jahren ist Politik insgesamt aber spürbar offener gegenüber den Bedürfnissen von Startups geworden. Deren größte Hürde ist die Akquise von Wagniskapital. Hier haben wir „Start-up BW Pre-Seed“ eingeführt und unterstützen die Startups in der wichtigen Gründungsphase. Direkt nach der Wahl wollen wir da auch nochmal nachlegen.

Ruth Schagemann (CDU):

Mit meinem Mann habe ich ein Architekturbüro gegründet. Mir sind daher die Herausforderungen bei Gründungen bekannt. In der Architektenkammer Baden-Württemberg habe ich das Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums und der Architektenkammer Baden-Württemberg für Gründungen betreut. Bei Startups spielt noch die „Disruptive Idee“ eine Rolle, der unternehmerische Gedanke, wie z.B. Markterschließung, Betriebswirtschaft, Technologietransfer ist allerdings ähnlich.

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Als Wirtschaftsförderer im Landkreis BB habe ich die Förderung der Gründerszene zu einem meiner Schwerpunkte gemacht; dies ist auch in unserer Standortstrategie so hinterlegt. Dort arbeiten wir eng mit GründerInnen zusammen. Der Landkreis hat 2020/21 beim Wettbewerb „gründungsfreundliche Kommune“ den dritten Platz erreicht. Sollte ich nicht gewählt werden, will ich übrigens da nochmal antreten und besser werden. Wir führen jedes Jahr einen der Elevator Pitches des Landes durch. Darüber hinaus habe ich unlängst im Wahlkampf in Stuttgart das Steyg besucht.

Johanna Molitor (FDP):

Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Start-Ups in ganz Baden-Württemberg Kontakt gehabt. Ich habe gesehen, wie verschieden die Herangehensweise der im Landtag vertretenen Parteien in dieser Thematik sind. Zudem kenne ich die Förderinstrumente und Maßnahmen aus anderen Bundesländern. Nicht immer muss man das Rad neu erfinden, sondern kann sich gut laufende Pilotprojekte aus den anderen Bundesländern, zumindest in Ansätzen zu eigen machen. 

Filippo Capezzone (Die Linke):

Ehrlich gesagt nicht so viel. Im Rahmen meines Studiums der Agrarwissenschaften habe ich Kontakt zu Personen gehabt, die z.T. im Rahmen ihrer Master- und Promotionsarbeit einfache technische Gerätschaften für die Anwendung in der Landwirtschaft in Ländern des globalen Südens entwickelt haben (Solar-Milchkühlung, Biogaskochherd, Solatrockungsanlagen etc.) und sich z.T. im Anschluss daran selbstständig gemacht haben damit. Start-ups in der Entwicklungszusammenarbeit ist sicherlich ein spannendes Thema. Wichtig ist dabei aber sicher wie sonst auch – es muss ein Wissens- und Technologietransfer in die ärmeren Länder stattfinden.

Wir danken allen Kandidaten für Ihre Stellungnahme. Von der AfD haben wir keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Bildquelle: https://im.baden-wuerttemberg.de/de/land-kommunen/lebendige-demokratie/wahlen/landtagswahl-2021/

Esslingen will im Startup Geschehen als Zukunftsstandort nicht nur am Ball bleiben, sondern in der oberen Liga mitspielen

„Netzwerk, Räume, Gründergeist – das sind die drei Hauptziele, die wir uns als Stadt Esslingen auf die Fahne geschrieben haben, berichtet Marc Grün, Leiter des Wirtschaftsamtes der Stadt Esslingen. 

Eine Frage, die sich die Stadt mit ihren knapp 100.000 Einwohnern stellte, bewegt derzeit auch viele andere Städte in Baden-Württemberg: Wie können wir als Stadt insgesamt innovativer werden? Denn außer Frage steht, dass ein Innovationsruck durch das Land das Land der Tüftler und Denker gehen muss.

Esslingen ist auf dem besten Weg, als bisher Hidden Champion der Startup Kultur ein zusätzlicher Hotspot für Gründungswillige zu werden. Wie machen die das? Und warum wollen die das? Ein entscheidender Teil der Lösung ist das Rathaus, das ein klares Konzept erarbeitet hat und offen ist für Neues. Denn ein disruptiver Wandel muss auch diese Stadt, in der Automobilindustrie und Maschinenbau bisher der Quell von Wohlstand und Fortentwicklung waren, erschüttern und wachrütteln. Dieser Wandel wird ausschlaggebend sein für das Wohl und Wehe der zauberhaften Fachwerkstatt. 

Mit dem Stadtkompass stets auf Kurs

Zwei Buzz Words, Disruption und Startup, bewegen die Gesellschaft zunehmend – auch in Esslingen. Um „als Zukunftsstandort am Ball zu bleiben“, wie es Grün ausdrückt, hat er mit seinem motivierten Mitarbeiterstab einen „Stadtkompass“ ins Leben gerufen. „Es muss uns gelingen, unsere Stadtgesellschaft insgesamt zu motivieren – zu mehr Eigenständigkeit, zu Kreativität, zu innovativen Lösungen. Das bedeutet auch, angstfrei zu werden vor Veränderungen“, beschreibt der Wirtschaftler den anstehenden Kraftakt. Diese Veränderungen, die die nächsten Jahrzehnte deutlich prägen werden, will Esslingen aktiv mitgestalten – mit dem Stadtkompass, der klar die Richtung/en weist.

In diesem Stadtkompass spielt die Gründungsförderung durch die Stadt eine große Rolle. Dazu kommt die Transformation der Innenstadt, die der Gründungsförderung zusätzlich zugutekomme und unter Federführung der Esslinger Stadtmarketing GmbH (EST) und mit Unterstützung der Stadt Esslingen vorangetrieben wird. 

Dass es Esslingen ernst meint mit seiner Gründungsoffensive, manifestiert sich nicht zuletzt in der Person von Innovationsmanagerin Daniela Gorka, die sich seit Sommer 2019 mit Verve für Gründer und die Netzwerkpflege ins Zeug legt.

„Wir brauchen Menschen, die das Morgen vorbereiten“, so die klare Erkenntnis. Daher die Gründungsförderung, die zweierlei Ziele verfolgt: Einerseits will sie Gründer in ihrer Selbständigkeit nach vorne bringen, andererseits diese mit Betrieben koppeln, die es in der Stadt schon gibt, um Netzwerk und Kapital zu fördern. „Mit der Gründungsförderung möchten wir gerne die Festos und Daimlers von morgen großmachen und dafür sorgen, dass sie auch hier bleiben.“ An diesem Prozess soll die ganze Stadtgesellschaft beteiligt sein, weshalb die Gründer nicht „in der Peripherie arbeiten müssen“, sondern mitten ins Stadtzentrum geholt werden sollen. 

Hotspot für Innovation und Gründung im Stadtzentrum 

Umgesetzt hat Esslingen bereits das, wonach die Landeshauptstadt noch sucht: Ein Gründerquartier inmitten des pulsierenden Stadtlebens, wenn Corona ein solches Leben dann wieder zulässt und die idyllische Küferstraße aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden kann. Und tatsächlich hat sich die Küferstraße trotz Corona zur Gründermeile gemausert. Genau hier entstanden vergangenes Jahr die Räumlichkeiten der Innovationsmeile Küferstraße. Der Open Space lock mit einladend innovativem Flair und großen, offenen Räumen. Hier können sich Netzwerken und der richtige Spirit ungehindert entwickeln. Gründungswillige können sehr günstig einen Schreibtischplatz auch mal nur für einen Monat mieten und mit ihrer Idee loslegen. Drum herum machen neue Läden auf, ein klares Zeichen dafür, dass die Innovationsmeile „in“ ist. 

Als Kontrapunkt, aber genauso verlockend, steht der 800 Jahre alte Wolfstorturm, das ehemalige Tor zur Stadt am Ende der Küferstraße, für Gründer offen. Seine Räumlichkeiten eignen sich für kleine Workshops oder intime Investorengespräche in rustikalem Ambiente. „Der Vorteil dieses sehr traditionellen historischen Gebäudes im Vergleich zum Open Space sind Räume, die auch mal zugeschlossen werden können und deren Nutzer damit nicht immer in der Öffentlichkeit sind“, sagt Innovationsmanagerin Gorka. Dieses Schaufenstergucken in Sachen Startup ist andererseits genau das, womit der sehr moderne Open Space inmitten der Küferstraße eine Brücke vom Gründergeschehen zur Bevölkerung schlägt und letztere einlädt, einfach mal einzutreten. Niedrigschwellige Angebote sind für Grün und Gorka das, womit sie Gründern und Bürgern den disruptiven Wandel auf breiter Front schmackhaft machen wollen.

Die Masse der Ideen macht’s 

Die Gründer sollen nicht irgendwo auf Wolke versteckt und abgesondert wirken, sondern im Herzen der Stadt die Bürger bestenfalls infizieren mit innovativem Gründergeist. „Bewusst machen wir auch niederschwellige Angebote“, sagen Gorka und Grün. „Ob Florist oder Rentner, alle sollen die Möglichkeit haben zu sagen: Ich hab eine Idee und will mich austauschen mit Leuten, die auch Ideen haben.“ Die beiden Innovationstreiber sind davon überzeugt, dass es viele kleine Projekte braucht, um letztendlich die guten Ideen herauszufiltern. Ideen wie Fahrrad.de, das bislang erfolgreichste Startup, das in Esslingen bereits anno 2013 von René Köhler gegründet wurde – als online Plattform, damals basierend auf dem Fahrradgeschäft seines Vaters.

In Esslingen gebe es zahlreiche interessante Gründerpersönlichkeiten. „Bis zur Fertigstellung der Räumlichkeiten in der Innovationsmeile waren sie eher isoliert. Diese Gründungsinseln, wie wir sie genannt haben, wollten wir zusammenbringen, damit sie sich untereinander austauschen können“, sagt Grün. Mit der Innovationsmeile hat Esslingen dafür jetzt einen Startpunkt. Doch die Pläne der Stadt gehen deutlich weiter. Viele der „Inselbewohner“ waren davon sehr angetan, und so gründeten sie den Verein Makers League e.V. In dieser Liga der MacherInnen stecken Leute, die anpacken und etwas Neues schaffen wollen. Das Narrativ dahinter: Entdecke Deine Superkraft! Jeder hat eine Superkraft, mit der er die Community bereichern kann, meinen die Vereinsgründer. „Die Makers League ist der richtige Ort, um diese Superkraft nicht nur zu entdecken, sondern sie auch mit viel PS auf die Straße zu bringen“, sagt Gorka. Die Stadt arbeite eng und sehr fruchtbar mit der Liga zusammen – in der Rolle des Lotsen. 

Zwar hat sich die Makers League direkt vor dem Ausbruch von Corona im Februar vergangenen Jahres gegründet, trotzdem sind aus den elf Gründungsmitgliedern am Ende des Jahres schon 40 Mitglieder geworden. Allein daran merke man den Bedarf an Austausch, der als Stammtisch zunächst ausschließlich digital stattfinde. Die Mitglieder, so lasse sich beobachten, unterstützen einander stark. „Wer eine Frage hat, findet ganz schnell jemand, der eine Lösung hat. Ein toller Zulauf und alle fiebern darauf, sich auch endlich im realen Leben zu treffen.“

Von Makers League bis Mach ES! 

Der Open Space in der Küferstraße ist das Aushängeschild der Innovationsmeile: Von außen kann man von vorne bis hinten ins Gebäude durchsehen. Architektonisch ist es sehr schön gelöst, das Nutzungskonzept für alle Bereiche gemeinsam von Stadt und Makers League erarbeitet. 

Im Laufe des Jahres, so hoffen alle, soll endlich Leben in die Bude, sprich in den Open Space in der Küferstraße kommen. Die Vereinsmitglieder haben schon Ideen zu Veranstaltungsformaten – bei allen steht das tatsächliche Sich-Begegnen und der Austausch im Vordergrund. „Ich denke, dass es nochmal einen schönen Schub für den Verein gibt, wenn man dann auch außen wahrgenommen wird und sich die Vereinsmitglieder endlich im Space treffen können“, freut sich Gorka über den neuen Hotspot in der Stadt. 

Ihre Rolle sieht Esslingen aber gerade nicht darin, sich von anderen Städten der Region abzuheben. Nein, es geht darum, vereint schlagkräftige zu sein. „Wir als Stadt Esslingen möchten mit den anderen Städten gemeinsam etwas voranbringen. Deshalb haben wir uns mit Filderstadt, Nürtingen und Kirchheim (Teck) zusammengetan und entwickeln unsere Idee Mach es! als gründungsfreundliche Kommune weiter. Auch wieder auf der Grundlage, niederschwellige Angebote zu schaffen“, berichtet Grün und verweist auf den Preis, den dieser Verbund von startup Baden-Württemberg für sein Konzept erhalten hat. 

Vierfache Durchschlagskraft durch starke Städte

MachES“ ist unsere Dachmarke, unter der wir alles in unseren vier Kommunen bündeln, was Gründungsförderung betrifft. Dazu zählt unsere Innovationsmeile oder auch der Wettbewerb Start-U, den wir gemeinsam mit dem Esslinger Stadtmarketing (EST GmbH) initiiert haben“, erklärt Gorka. Es liege auf der Hand, mit den großen Städten des Landkreises die Kommunikation zu bündeln, damit das innovative Denken besser in die Köpfe dringen könne. 

Die Wirtschaftsförderer sind sich sicher, dass die Corona-Krise zu einer erhöhten Gründungsaktivität führen werde, weil die Menschen sähen, dass die alten Geschäftszweige neue Impulse barauchen. Sie suchten also nach etwas Neuem. „Mit Mach es! bieten wir das richtige Netzwerk, um innovativ durchzustarten.“ Und das nicht exklusiv, sondern offen auch für kleine Kommunen, die vielleicht gar keinen Wirtschaftsförderer haben. Denn, so Grün: „Wir als die vier großen Städte sehen uns in der Verantwortung, die Zugpferde zu sein und da die kleinen Städte mitzunehmen – so dass am Ende der ganze Landkreis davon profitiert und dadurch das Netzwerk gestärkt wird.“

Ob Sporthacks für Sportbegeisterte, Gipfelapfelmomente für Meetings im Freien, Fahrrad.de oder Codeatelier für IoT Lösungen, schon Esslingen allein kann mit einer bunten Palette höchst unterschiedlicher Startups jüngeren Datums überzeugen. Keine Frage: In der Quadratur der Ideenschmieden werden aus dieser Region noch viele Innovationen für Schlagzeilen sorgen.

Text: S. Roeder Fotos: Stadt Esslingen

Das Stuttgarter Startup DUSCHBROCKEN hat mit bereits über 500 000 verkauften DUSCHBROCKEN mehr als eine Millionen Shampoo-Flaschen aus Plastik eingespart. Ein DUSCHBROCKEN ersetzt 2 Plastikflaschen.

“Der DUSCHBROCKEN ist das erste feste Shampoo und Duschgel in Einem. Dank seiner milden Sauberkraft kann er für die Reinigung von Haut, Haaren und Gesicht verwendet werden. Die perfekte Alternative also zu Shampoo und Duschgel in der Plastikflasche, denn er schäumt, duftet lecker, verschmutzt die Umwelt nicht und hinterlässt keinen Plastikmüll.” 

Wir haben den beiden Gründern Johannes und Christoph unsere Fragen gestellt:

Wie hat es sich angefühlt und wo wart ihr gerade als die millionste Plastikflasche durch DUSCHBROCKEN eingespart werden konnte?

“Für unser gesamtes Team war es ein toller Meilenstein und ein wunderbares Gefühl, dass wir gemeinsam mit allen Schaumköpfen seit unserer Gründung eine Millionen Plastikflaschen einsparen konnten. Ein virtueller Zähler hat für jeden verkauften DUSCHBROCKEN 2 Plastikflaschen auf den Counter gerechnet. Wir waren gemeinsam in der Schaumstation zwischen den beiden Lockdowns Ende letzten Jahres und haben angestoßen, als wir die Millionen durchbrochen haben. Wir sind super stolz und gleichzeitig war die Vorfreude zu spüren, dass wir noch mehr Gas geben wollen, um flüssig überflüssig zu machen.”

Wie hat alles bei Euch angefangen und wie ist Euer Weg bis heute verlaufen?

“Wir haben uns zufällig während unserer Weltreise 2017 auf dem Pagodenfeld in Myanmar kennengelernt und uns von Beginn an super verstanden. Wir haben uns acht Monate später am anderen Ende der Welt wieder getroffen und gemeinsam den kolumbianischen Regenwald bereist. Auf dieser Reise entstand die Idee des DUSCHBROCKEN. Als wir von der Weltreise zurückkehrten, haben wir in der heimischen Waschküche im Keller ein eigenes Rezept für den DUSCHBROCKEN entwickelt, verbessert und die Idee per Crowdfunding realisiert. Diese Kampagne zählt heute auf der größten deutschen Funding-Plattform Startnext zu den erfolgreichsten im Jahr 2018. 

Wir haben im ersten Jahr nach der Gründung alle DUSCHBROCKEN eigenhändig produziert und die Produktion anschließend in eine Manufaktur in Stuttgart verlegt.

Nachdem 2020 über die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bei VOX ein Millionenpublikum den DUSCHBROCKEN kennengelernt hat, arbeiten wir heute mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daran, dass noch mehr Menschen vom DUSCHBROCKEN erfahren. Unsere DUSCHBROCKEN werden heute bei einem Seifenhersteller in Baden-Württemberg und einem Familienbetrieb in Österreich nach unserem Rezept produziert. Unsere Schaumstation, von der aus wir auch alle DUSCHBROCKEN eigenhändig versenden, ist in S-Hallschlag angesiedelt. Unsere Vision ist es mit dem DUSCHBROCKEN, Shampoo & Duschgel in der Plastikflasche zu ersetzen.”

Was sind Eure Tipps an andere Startups?

“Wir richten unsere Entscheidungen auf die Frage, was das beste Erlebnis bei unserem Kunden auslöst. Dazu zählt, dass wir in der Kommunikation nicht größer wirken wollen, als wir sind. Das nehmen wir in der Startup-Szene teilweise immer etwas anders wahr. Wir sind der Überzeugung, dass Authentizität und Transparenz ein größeres Vertrauen zum Kunden aufbauen und so zu einer höheren Loyalität führen. Auch, was unser Wachstum betrifft, arbeiten wir eher wie ein Anti-Startup: Wir investieren in Wachstum, ohne dabei die Liquidität des DUSCHBROCKENs zu riskieren. Da sind wir konservativer, weil uns ein nachhaltiges Wachstum wichtiger ist, als das nächste Unicorn zu werden. Wir haben Spaß an der Sache und wollen einen Impact erzielen.”

Wie geht es bei Euch weiter?

“Das Jahr 2021 startet mit dem vierten Umzug in der DUSCHBROCKEN-Historie. Ab März werden wir buchstäblich die Straßenseite wechseln und uns räumlich nochmal etwas vergrößern. Wir freuen uns jeden Tag über mehr Menschen, die zu Schaumköpfen konvertieren und planen aktuell die erste Erweiterung unseres Produktportfolios im ersten Halbjahr 2021. Über Dreiviertel unserer Kunden sind weiblich, weshalb wir aktuell an der Umsetzung eines Conditioners arbeiten, um die nächste Plastikflasche im Badezimmer zu ersetzen. Noch vor Ostern wird es mit Toni Zitroni außerdem eine neue Sonderedition mit einem neuen Duft geben, auf den wir uns sehr freuen.”

Wir wünschen DUSCHBROCKEN weiterhin ganz viel Erfolg und hoffen, dass noch viele weitere Plastikflasche durch ihre Arbeit eingespart werden können.

Spannende Pitches der Startups, Beiträge von UnternehmerInnen und der Ministerin Theresia Bauer und interessante Fragen der Jury zu den innovativen Ideen der Teams konnten am Donnerstag beim Demo Day der Gründermotor Meisterklasse live mitverfolgt werden. Die Teams wurden in den letzten Monaten zusammen mit den Mentoren investement-ready gemacht.

Dr. Manuel Feuchter und Dr. Bernhard Wieland konnten mit ihrem Startup Phinc die Jury überzeugen und den Jury-Preis der Meisterklasse gewinnen. Den Publikumspreis gewonnen haben Laura Schorb, Samuel Fluck und  Nico Kuhn mit ihrem Startup FIAMI.

Wir haben mit den beiden Startups gesprochen und konnten unsere Fragen an sie stellen.

Manuel von Phinc hat uns Einblicke in das Startup gegeben:

Was genau macht das Startup Phinc?

“Smart Factory: Das bedeutet heute meist aufwendige und teure Individuallösungen.

Unsere Lösung hingegen ermöglicht Plug and Play Produktionsintelligenz beim Kunden – ohne Cloud! Die Hardware wird einfach nah an die Produktionsprozesse angeklebt. Die KI trainiert sich vor Ort selbst und wird immer schlauer. Das ermöglicht reale Wertschöpfung z.B. agile Auslastungssteuerung oder Identifikation von Produktabweichungen.” 

Gibt es Euer Produkt schon?

“Das Produkt ist im Einsatz. Unser Pilotkunde ist begeistert. Die Lösung läuft an 5 Drehmaschinen. Die Maschinen können nun von 3 statt 4 Fachkräften optimal bedient werden. Stillstandzeiten werden signifikant reduziert.” 

Inwieweit hat Euch die Meisterklasse weitergebracht?

“Wir wurden super getrimmt und gepushed! War ein hammer Event, das uns inhaltlich und persönlich weitergebracht hat! Die coolen Leute und Inputs werden wir vermissen! Wir haben mit dem Feedback der letzten Wochen auch echt noch mal Gas gegeben und freuen uns total über den Jury-Preis! Wir können zu 100 % sagen: Die Meisterklasse hat uns investment-ready gemacht! Ein Dank an alle Gründermotor People!”

Wie geht es bei Euch weiter?

“Ganz klar: Wir wollen wachsen! Neue Kunden gewinnen und das Produkt für neue Use Cases weiterentwickeln!” 

Nach was für einem Investment sucht Ihr?

“Wir suchen Investmentpartner für 800 000 €. Vollgas und dann stark durchstarten!”

Wir haben auch mit Samuel von FIAMI gesprochen:

FIAMI steht für „Find a Midwife“ und verbindet schwangere Frauen mit Hebammen.

Die Plattform gibt es bereits seit Mitte 2020. FIAMI ist bis jetzt hauptsächlich in Karlsruhe unterwegs und erreicht dort ca. 90% aller Hebammen und ca. 60% aller schwangeren Frauen. Allein jetzt im Januar konnten 250 schwangere Frauen erreicht werden.

Die größten Fortschritte, die FIAMI durch die Meisterklasse und die Expertise der Mentoren machen konnte, waren der Aufbau fester interner Strukturen, die Konzentration auf wesentliche Fragestellungen, um die Lerngeschwindigkeit zu erhöhen sowie eine deutliche Steigerung der Nutzerzahlen und des Nutzerengagements.

In nächster Zukunft will FIAMI dringend das Business Model hinter der Plattform komplettieren – „die Revenue Streams müssen stimmen“. Danach soll die Plattform, zunächst innerhalb Baden-Württembergs, expandieren.

Hierfür sucht FIAMI Investmentpartner für 200 000 €. Wir wünschen Phinc, FIAMI und allen weiteren Startups der Gründermotor Meisterklasse weiterhin viel Erfolg!

Alexander Brem: Professor und Netzwerker

„Ich kann als BWLer einen Physiker, einen Maschinenbauer oder einen Architekten anrufen und mit ihnen zusammen an einem Projekt arbeiten. Und die haben auch alle Lust darauf. Das kenne ich sonst von nirgendwo.“ Begeisterung klingt aus jedem seiner Sätze über die neue Funktion an der Universität Stuttgart. Für ihn ist Netzwerken, interdisziplinäres Denken und eine generelles Über-den-eigenen-Fachtellerrand-Schauen offensichtlich ein Lebenselixier, was das berufliche Dasein ausmacht.

Seine Professorenstelle an der Universität Stuttgart ist nicht irgendeine. Brem füllt gewissermaßen eine doppelte Rolle aus. Die beschreibt er so: „Ich darf das Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart aufbauen und leiten. Zudem umfasst dieses Institut einen Lehrstuhl für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, gefördert vom Daimler-Fonds im Stifterverband, dessen Inhaber ich in Personalunion bin.“ Das heißt: Brem ist ein auf Lebenszeit ernannter Universitätsprofessor. Davon sind die ersten maximal zehn Jahre über den Stifterverband gefördert und somit über jeden etwaigen Zweifel ob der Freiheit von Forschung und Lehre erhaben. 

Professur auf Lebenszeit – das klingt ein wenig nach „Beamtenstadel“ und so gar nicht passend zur Startup Szenerie, die sich schnell bewegt. Wer Alexander Brem aber sprechen hört und kennenlernt, der glaubt ihm unwillkürlich, dass seine Motivation die der kreativen Unruhe ist. Der Mann will bewegen – das war auch seine Motivation, nach Stuttgart zu kommen, eine Stadt, die bislang nicht zu den bekanntesten Startup Städten Europas gehört.

Mittendrin im Startup Panoptikum

Die Fülle an Aufgaben, die seine Position beinhaltet, ist so ganz nach dem Geschmack des umtriebigen Betriebswirts. Denn die Professur ist auch Teil des Cyber Valley, eine der größten Forschungskooperationen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) in Europa. Hier ist er beim Thema Entrepreneurship mit den Kollegen der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts eng verbunden. Last but not least sitzt er physisch in der Arena 2036, der Forschungsplattform für die Mobilität und Produktion der Zukunft. „In diesem modernen Gebäude befinden sich meine Räumlichkeiten, direkt im Stockwerk darunter sitzt die Startup Autobahn. Dort bin ich als Vertreter der Uni Stuttgart engagiert“, komplettiert er die Liste seiner Zuständigkeiten. 

Arena 2036

„Diese Aufgabenfülle war auch einer der Gründe, warum ich nach Stuttgart gekommen bin. Denn es macht mir Spaß, in Netzwerken zusammenzuarbeiten, Menschen und Dinge über die Universität hinaus zusammenzubringen“, erklärt er hoch motiviert.

Der zweifache Familienvater hatte mehrere Optionen, entschied sich aber bewusst für Stuttgart. Das gesamte Paket habe gestimmt. Vor allem aber, weil die „Uni Stuttgart hervorragend interdisziplinär arbeitet. „Das hat mich angesprochen und hat sich auch bewahrheitet“, berichtet er voller Begeisterung. Für den Professor ist die Universität Stuttgart beim Thema Entrepreneurship und Gründung ein roher Diamant, dem es den Feinschliff zu verpassen gilt.

Denn klar ist ihm schon jetzt: Das Potential ist da. „Es ist eine Großstadt, es ist eine Landeshauptstadt, mit viel Industrie mit langer Tradition. Aber gleichzeitig ist das ganze Thema Startup in vielen Bereichen in den Kinderschuhen – zumindest verglichen mit ähnlichen Städten wie München“, so seine Diagnose. Und es mache keinen Sinn, Konzepte wie Silicon Valley blind kopieren zu wollen, das werde nicht funktionieren. Dafür brauche es einen schwäbischen Weg, der die lokalen Stärken zu einem funktionierenden Ökosystem für Innovationen und Unternehmertum weiterentwickelt. Denn von der ersten Idee bis hin zum idealtypischen Börsengang müssen sehr viele Zahnräder ineinander greifen, das kann niemand alleine lösen.

Studierende an die Hand nehmen

So es ihm gelingt, seine Studierenden auch nur mit einem Bruchteil seiner Motivation zu infizieren, wäre das schon ein großer Erfolg. Alle Stuttgarter Institutionen haben bereits mehr oder weniger gut ausgebaute Anlaufstellen, die Gründer unterstützen. Brem kümmert sich „mit seinem tollen Team um seine Leute an der Uni Stuttgart“, und das sind immerhin über 25.000 Studierende und mehrere tausend Doktorandinnen und Doktoranden. Er rät grundsätzlich jedem, die Angebote zu nutzen, die es vor Ort gibt. Das machten nämlich viele nicht, wie er beobachtet. „Egal, ob man eine konkrete Gründungsidee hat oder nicht, es empfiehlt sich, sich möglichst frühzeitig an der eigenen Institution den richtigen Ansprechpartner zu suchen. Da gibt es auch Veranstaltungsformate und ich würde jeden motivieren wollen, diese auch in Anspruch zu nehmen“, betont er. Dazu gehören Lehrformate, zum Beispiel zu Schutzrechten, aber auch Netzwerkveranstaltungen. Denn später lerne man sich so über die eigenen Organisationsgrenzen hinweg kennen, zum Beispiel in der Meisterklasse oder bei Startup BW. „Aus der Forschung wissen wir, dass passend zusammengesetzte Teams mit komplementären Kompetenzen und Erfahrungen entscheidend sind für den unternehmerischen Erfolg. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sich in einem Netzwerk frühzeitig die richtigen Personen treffen.“

Wer also kommt alles zu Brem und seinen Veranstaltungen? „Die meisten Formate, die wir als Institut anbieten, sind für alle Studiengänge typischerweise offen. Wir haben also vom Maschinenbauer, Elektrotechniker, über den BWLer bis hin zum Physiker, Mathematiker oder Architekten im Prinzip alle Disziplinen, die sich vermutlich in dieser Konstellation nicht treffen würden.“ Die Kunst besteht nun darin, aus dieser Heterogenität ein stimmiges Konzept zu formen, weil der BWLer natürlich mit einem ganz anderen Vorwissen kommt als etwa ein Chemiker. „Mit unseren Formaten versuchen wir, die einen nicht zu langweilen, aber die anderen nicht zu überfordern. Das ist tatsächlich ein Balanceakt.“

Die Saat fürs Gründen frühzeitig legen 

So er es versteht, seine Teilnehmer zu motivieren, im Optimalfall zu begeistern und gar zum Gründen anzuregen, ist das Ziel erreicht. Aus seiner Erfahrung nennt er eine zehn Prozent Regel: „Von den 25.000 Studierenden an der Universität Stuttgart interessieren sich potentiell 2.500 für das Thema eigene Gründung, und von diesen gründen wieder idealerweise zehn Prozent. Das muss man wissen und das ist auch in Ordnung, genau für diese 250 Personen betreibt man den großen Aufwand – und wenn einige erfolgreiche Unternehmen entstehen, zahlt sich dieser auch aus.“ Genau hier liegt das große Potential für Stuttgart, da es hier schon viele gute Initiativen gibt, die aber noch nicht konsequent aufeinander abgestimmt sind. 

„Ich glaube, wir Macher brauchen einfach die Einstellung, dass wir alle miteinander an demselben Ziel arbeiten. Es geht darum, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen, auch wenn man augenscheinlich zunächst im Wettbewerb steht. Man muss sich kennen, eine persönliche Beziehung aufbauen und Win-Win-Situationen finden. Uns muss bewusst werden, dass die Konkurrenz um die besten Köpfe in den anderen deutschen und internationalen Großstädten sitzt, aber nicht in Stuttgart selbst.“

Seinen Studierenden gegenüber sieht sich Alexander Brem mit seinen Mitarbeitern als „Antreiber“, wie er sagt. Er versucht, sie für sein Thema, das der Gründungskultur, nachhaltig zu begeistern – vom ersten Bachelor-Semester bis hin zu den Promovierenden. Ich will diesen Gründergeist stärker in alle Aspekte eines Studiums einbringen und sichtbar machen. Zusammen mit meinen vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen in den zehn Fakultäten kann das gelingen.“ Dafür kann er nun auch eine sehr zentral gelegene Räumlichkeit mitten im Campus, direkt unter der Mensa nutzen. „Diesen Raum wollen wir für Pitch Events und andere Veranstaltungen nutzen. Hier soll regelmäßig Betrieb sein, gerne wird dieser auch für die Stuttgarter Netzwerkpartner zur Verfügung stehen. Ziel ist es, das Thema Entrepreneurship auch visuell bei den Zielgruppen präsent und erlebbar zu machen, die Startups können ihre Produkte ausstellen und vieles mehr. Das meine ich mit Kultur“, berichtet er voller Leidenschaft. 

Gründen kann jeder – und man kann es lernen

Brem wollte gleich nach dem Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaft als Diplom-Kaufmann im Jahr 2004 „irgendetwas gründen.“ Das hat er dann zusammen mit drei Kollegen auch getan, und zwar im Bereich Consulting – aus Mangel an technologischen Ideen, was er auf den fehlenden Kontakt zu den Ingenieurwissenschaften zurückführt. „Das war nun wirklich keine ausgefallene Geschäftsidee – und trotzdem haben wir es geschafft, damit sehr erfolgreich zu sein. Mit diesem Beispiel versuche ich auch immer alle zu motivieren, die wirklich innovative Geschäftsideen haben, aber noch an der Idee oder sich zweifeln.“ 

Mit Promotion in der Tasche und nach weiteren dreieinhalb Jahren Vollzeit als Geschäftsführer und Berater in seinem Unternehmen zog es ihn im Jahr 2011 an die Uni in die Forschung und Lehre zurück. Nach drei Jahren als Juniorprofessor für Ideen- und Innovationsmanagement wechselte er an die technische Fakultät der University of Southern Denmark, wo er als Professor und Sektionsleiter „erstmals richtig mit Ingenieuren und Designern zusammenarbeiten konnte“, kehrte dann abermals nach Nürnberg zurück, weil ihm dort ein Lehrstuhl für Technologiemanagement als Lebenszeitprofessur angeboten wurde.

Alexander Brem

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen

So gut ihm die Stelle gefiel, so sehr trieb ihn doch die Suche nach einer neuen Herausforderung um. Die brachte ihn letztendlich nach Stuttgart – im Januar 2020. „Hier bot man mir genau die Voraussetzungen, nach denen ich gesucht hatte.“ Brem war viel unterwegs, hat viel aus seinen Fehlern und denen anderer gelernt. Diese Erkenntnissen kommen nun seinen Studierenden zugute. 

Doch auch aus der Forschung kann er einiges weitergeben. Erst kürzlich durfte er sich über eine Platzierung in der Spitzengruppe eines Rankings der WirtschaftsWoche freuen, welches die forschungsstärksten Betriebswirte in Deutschland, Österreich und der Schweiz kürte. 

„Ich durfte das Thema Startup von allen Seiten kennenlernen: Als Forscher, Hochschullehrer, Gründer, Berater, aber auch als Juror oder Gutachter“, betont der 41 Jahre alte Niederbayer. Er weiß, dass der Funke viel leichter auf seine Studierenden überspringt, wenn der Lehrende neben der Theorie auch die Praxis beherrscht.

Motivation ist ansteckend

„Genau das ist das Schöne an meinem Job. Einerseits mit meinem Team die Studierenden für das Thema Entrepreneurship begeistern. Anderseits zwei Stunden später im Büro sitzen und darüber zu forschen. Das ist eine prima Kombination“, sprudelt es aus ihm heraus. „Das ist beim Thema Gründen meines Erachtens auch besonders wichtig. Da muss ein Funke überspringen. Denn die meisten Studierenden besuchen meine Veranstaltungen freiwillig.“

Ein erstes Jahr voller neuer Begegnungen in seiner Professur ist fast zu Ende, bedingt durch die Corona-Pandemie natürlich mit vielen Unwägbarkeiten und unvorhergesehenen Änderungen. Und schon jetzt ist er sich sicher: „Da ist noch für ein paar Jahre gut zu tun.“ Und dann? Ihm fällt sicher etwas Neues ein. 

Text: S. Roeder

Bilder:
Uni Stuttgart -Regenscheit, Universität Stuttgart
Portrait Alexander Brem – Max Kovalenk
Arena 2036 – Arena 2036

Am 8. November 2020 ist es wieder soweit, die Oberbürgermeisterwahl für unsere schöne Landeshauptstadt Stuttgart steht an. Diesmal haben sich 14 Kandidaten zur Wahl gemeldet. Neben den Parteien sind auch einige unabhängige Kandidaten auf dem Wahlzettel.
Um bei dieser Anzahl an Kandidaten den Überblick zu behalten, haben wir uns entschieden, jedem Kandidaten die gleichen drei Fragen zu stellen und die Antworten hier zu veröffentlichen.

Macht euch selber ein Bild und geht bitte wählen!

Biografie, Fotos der Kandidaten und „Prioritäten“ von der Webseite der Stadt Stuttgart.

Veronika Kienzle – BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Geboren: 22.09.1962 in Bremen

Beruf: Referentin im Staatsministerium Baden‐Württemberg bei der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung 

Prioritäten:

  • Vorangehen beim Klimaschutz: Unsere Stadt schnell CO2-neutral machen. 
  • Zukunftsmut geben und Gemeinsinn stärken. Keine „lost generation“ dulden. Alleinerziehenden und Familien mit kleinen Kindern helfen.
  • Transformation der Wirtschaft gestalten. Stuttgart hat sehr viel Innovationskraft, sehr gut aufgestellte Unternehmen, eine führende Wissenschaftslandschaft und vor allem motivierte Menschen, um auch künftig eine Spitzenposition zu halten.
  • Bürgerbeteiligung umsetzen. Bürger*innen ernst nehmen. Den Bezirken neue Aufgaben übertragen.
  • Bezahlbaren Wohnraum schaffen – nicht auf Wiesen und Feldern. Boden der Spekulation entziehen.
  • Pkw‐Verkehr in der Stadt weiter senken – für Lebensqualität und gesundes Klima. 

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Veronika Kienzle:
Die Verzahnung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung werde ich intensivieren, die Förderangebote von Bund, Land und Kommune gut zusammenschnüren. Bei der Vergabe öffentlicher Mittel sollen sich Startups beteiligen können, ein Startup-Beauftragter unterstützen z.B. bei der Suche nach kreativen Zwischenlösungen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Veronika Kienzle:
Stuttgart hat eine exzellente Hochschulstruktur und viele starke Unternehmen. In einer konjunkturellen Hochphase gründen weniger. Klar ist, dass wir eine bessere Vernetzung von Hochschulen, etablierten Unternehmen, Finanziers und Startups erreichen müssen.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Veronika Kienzle:
Ein wichtiges Mittel ist das Aussetzen der Miete öffentlicher Räume, bis der schlimmste Punkt der Krise überstanden ist. Ansonsten möchte ich, dass Landes- und Bundesprogramme noch leichter auf den Plattformen der Stadt Stuttgart gefunden werden können. Auch hier könnte ein Startup Beauftragter ziel- und passgenaue Lösungen anbieten.

Dr. Frank Nopper – CDU

Geboren: 25. Mai 1961 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang

Parteizugehörigkeit: CDU seit 1981

Prioritäten: 

  • Ein starkes Stuttgart braucht eine starke Wirtschaft. Wirtschaftsförderung muss Chefsache werden. Oberste Priorität hat die Erhaltung und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
  • Mein Ziel ist ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das nicht auf ein oder einzelne Verkehrsmittel verengt ist.
  • Wohnen darf kein Luxus sein. Meine Zielmarke sind jährlich 2000 Wohnungen mehr als bisher.
  • Sicherheit und Sauberkeit sind fundamentale Voraussetzung für unser Zusammenleben. Gegenüber Straftätern darf es keine falsche Toleranz geben. 
  • Stuttgart soll kinderfreundlichste Großstadt werden. Jedes Kind braucht einen Kita‐Platz. Eine Digitalisierungs‐und Sanierungsoffensive soll mangelhafte Zustände an Schulen überwinden.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Frank Nopper:
Start-Ups brauchen Unterstützung und Begleitung. Diese dürfen sich nicht alleine auf Beratungsgespräche beschränken. Es muss sich eine neue Kultur der Wertschätzung und Förderung von Seiten der Stadtverwaltung etablieren.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Frank Nopper:
München und Berlin schaffen, woran Stuttgart anknüpfen sollte: Offenheit für die Anliegen der Start-Ups. Sie schaffen zum Beispiel Räume, ermöglichen kurzfristige Zwischennutzungen und bauen Förderprogramme aus. Außerdem wirken sie bei der Standortssuche mit und fördern aktiv die Wirtschaft.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Frank Nopper
: Die Devise lautet: Start-Ups zu sichern, statt zu verunsichern. Die Stadt alleine kann zwar nicht die Pandemie dämpfen, aber muss wo immer es möglich ist, wirken. Beispielsweise sind Stundungen bei städtischen Mietverhältnissen denkbar.

Martin Körner – SPD

Geboren am: 22. August 1970 in Schwäbisch Hall

Derzeit ausgeübter Beruf: Diplom‐Volkswirt und Fraktionsvorsitzender 

Parteizugehörigkeit: SPD seit 1997

Prioritäten: Es geht jetzt darum, in Stuttgart Orientierung für die nächsten zehn, zwanzig Jahre zu geben – und gemeinsam zuversichtlich in die Zukunft zu gehen. Mit dem Mut, aufzubrechen. Mit der Erfahrung, alles im Blick zu behalten. Und mit dem Empfinden, menschlich zu bleiben. Stark bleiben, Zukunft gestalten, zusammenhalten: Das sind meine Leitplanken für Stuttgart!

Meine drei wichtigsten Ziele dabei sind:

  1. Wohnen wird Chefsache: 30.000 neue Wohnungen für jedes Alter und jeden Geldbeutel.
  2. Echte Mobilitätswende: Bester Nahverkehr Deutschlands und Aufbruch für den Radverkehr.
  3. Klimawandel hier bekämpfen: Grüner Strom und Wärme – zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien!

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Martin Körner:
Ich möchte bei der Wirtschaftsförderung der Stadt ganz grundsätzlich mehr Bedeutung für die Förderung von Startups einräumen. Dazu gehört ein Anreizprogramm für die Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschulen für das Bleiben und Gründen in Stuttgart. Neben den Möglichkeiten digitaler Vernetzung heißt dies auch konkret: Mehr Räume für Startups zu fünf Euro pro Quadratmeter, zum Beispiel im „Eiermann-Areal“!

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Martin Körner:
Das liegt sicher insbesondere daran, dass in Stuttgart die etablierten Industrieunternehmen etwa in der Automobilbranche sehr dominant und prägend sind.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Martin Körner
: Ich will mich als Oberbürgermeister über meine Kontakte in Berlin gerne für besondere Hilfen für Startups einsetzen.

Dr. Malte Kaufmann – AFD

Geboren: 14.12.1976 in Mannheim

Derzeit ausgeübter Beruf: Unternehmer

Parteizugehörigkeit: AfD seit 2017; CDU 2002−2016

Prioritäten: Als OB gibt es für mich folgende Prioritäten:

  1. Erhalt und Ausbau gut bezahlter Arbeitsplätze.
    Einberufung eines regelmäßig tagenden runden Tisches mit Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern. Stuttgart muss Automobilstadt bleiben.
  2. Verkehr
    Entlastung durch mehr Parkplätze und bessere Anbindungen. Keine Anti‐Auto‐Politik.
  3. Entspannung auf dem Wohnungsmarkt
    Neubau von bezahlbaren Wohnungen auf freiwerdenden Liegenschaften (z.B. US‐Kasernen).
  4. Sicherheit
    Bürger müssen zu jeder Zeit ohne Angst durch die Stadt gehen und ÖPNV nutzen können. Keinerlei Toleranz gegenüber Gewalttätern.
  5. Umweltschutz
    Schutz des Mikroklimas und Erhalt von Artenvielfalt und Naturflächen. Aber keine Klimahysterie!

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Malte Kaufmann:
Ich werde das Beratungs- und Serviceangebot der Stadt für Unternehmensgründer – im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters – verbessern und dafür werben. Leitprinzip ist die unternehmerische Freiheit, ideologische Vorgaben wird es nicht geben.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Malte Kaufmann:
Die Stärken Stuttgarts , Lebensqualität, vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot, schöne landschaftliche Lage, Schaffensfreude der Menschen, werden viel zu wenig herausgestellt. Viele potentielle Startups wissen gar nicht, wie gut es hier ist.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Malte Kaufmann
: Die Corona-Krise wird durch unverhältnismäßige politische Maßnahmen verursacht, die die Wirtschaft lähmen und medizinisch-wissenschaftlich nicht gerechtfertigt sind. Sie müssen beendet werden, damit Startups aus eigener Kraft lebensfähig sind.

Hannes Rockenbauch – Die Linke, Piraten, SÖS

Geboren: 05.07.1980 Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Architekt und Stadtplaner (AiP/SiP)

Parteizugehörigkeit: Keine direkte Zugehörigkeit

Prioritäten: Ich will Stuttgart zur Modellstadt für das gute Leben Aller und für Klimagerechtigkeit machen:

  • Klimaneutralität bis 2029
  • Kostenloser Nahverkehr
  • Städtische Bodenvorratspolitik und Wohnungsbau à Bestand der geförderten Wohnungen verdoppeln, Leerstand beheben.
  • Kostenlose Kita
  • Selbstbewusste und gestärkte Stadtverwaltung: Mehr Personal, bessere Bezahlung, Digitalisierung

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Hannes Rockenbauch:
Neu gegründeten Startup-Unternehmen brauchen eine kostengünstige Infrastruktur. Speziell einzustellende Mitarbeiter*innen der Abteilung für Wirtschaftsförderung unterstützen Start-Ups. Als Oberbürgermeister werde ich Startups fördern, die einen Beitrag zur „Kreislaufwirtschaft“ und „Klimagerechtigkeit“ leisten.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Hannes Rockenbauch:
Vermutlich hat die Wirtschaftsstruktur in Stuttgart stark zu der ungünstigen Situation für die Startups beigetragen, die sich außerhalb des Automotive-Themas bewegen. Für eine klimagerechte Wirtschaft werden innovative Startups immer wichtiger.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Hannes Rockenbauch
: Über Corona-bedingte finanzielle Hilfen und Subventionierungen,, muss gemeinsam mit der IHK, dem Wirtschaftsministerium des Landes, der Wirtschaftsförderung der Stadt und den Betroffenen-Vertretungen von Startups konkret am runden Tisch verhandelt werden.

Marian Schreier – unabhängiger Kandidat

Geboren am: 08.02.1990 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Bürgermeister

Parteizugehörigkeit: SPD seit 2010 (Mitgliedschaft ruht aktuell)

Prioritäten: Nach Jahren des Stillstands ist unklar, wofür Stuttgart eigentlich steht und wo wir hinwollen. Wir brauchen wieder eine gemeinsame Vision für unsere Stadt – die aber nicht von oben verordnet, sondern im Sinne einer modernen Kommunalpolitik gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt wird. Ich möchte, dass wieder im Fokus steht, was unsere Stadt an Fähigkeiten und Stärken mitbringt, was gemeinsam möglich ist. Dass es darum geht, wie unser Stuttgart sein könnte: Eine Stadt, die einen echten Neustart für bezahlbares Wohnen wagt. Eine Stadt, die endlich den Klimawandel ernst nimmt und zum Modell für nachhaltige Mobilität wird. Eine Stadt, die Familien und Kindern beste Bedingungen bietet.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Marian Schreier:
Damit sich Startups in Stuttgart ansiedeln und auch bleiben, benötigt es die passenden Räume. Ich möchte die Startup-Infrastruktur durch einen städtischen Innovationsfonds fördern, damit sich die Startups in Eigenregie entwickeln können.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Marian Schreier:
Neben fehlenden Räumlichkeiten und dem geringen Vernetzungsgrad mit der Wissenschaft steht in Stuttgart aktuell im Vordergrund was alles nicht funktioniert – das müssen wir ändern. Es braucht eine städtische Gründerkultur und einen neuen politischen Stil, damit im Vordergrund steht, was möglich ist.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Marian Schreier
: Ich möchte die Wirtschaftsförderung auch für Startups als zentrale Ansprechstelle etablieren, die sich als Enabler versteht. Konkret z.B. bei der Beratung zu passenden Förder- und Unterstützungsanträgen, um Hilfsmittel in Anspruch nehmen zu können.

Sebastian Reutter – überparteilich

Geboren am: 07.07.1980

Derzeit ausgeübter Beruf: Wirtschaftsförderer bei der Landeshauptstadt Stuttgart

Parteizugehörigkeit: überparteilich

Prioritäten: Ich schaffe in Stuttgart die Rahmenbedingungen dafür, dass die für Stuttgart wichtige Wirtschaft zukunftsfähig und erfolgreich sein kann. Zudem setze ich mich dafür ein, dass Stuttgart zu einer noch nachhaltigeren Stadt wird. Stuttgart muss auch für unsere Nachkommen lebenswert sein. Dafür biete ich konkrete Lösungen für die Themen bezahlbarer Wohnraum, für ein modernes Verkehrskonzept, einen zukunftsfähigen ÖPNV, mehr Fahrradwege und Kitaplätze, für die Modernisierung der Schulen, eine attraktivere Königstraße und den Einzelhandel in den Stadtbezirken. Darüber hinaus realisiere ich die Einbindung des Neckars in unsere Stadt und fördere soziales und ehrenamtliches Engagement.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Sebastian Reutter:
Wir werden den Standort noch attraktiver machen durch Unterstützung von Subkultur, Mountainbike-Trails, Surfer-Welle u.v.m. Und wir werden für mehr Räume für Startups in zentraler Lage sorgen. Darüber hinaus werden wir mit dem Standortmarketing „Stuttgart – Stadt der Startups“ beginnen und auch die Digitalisierung weiter ausbauen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Sebastian Reutter:
Gerade weil es dort mehr von den oben genannten Punkten gibt.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Sebastian Reutter
: Wir werden beim Erwerb von Fördermitteln helfen und bei städtischen Vermietungen für Mietstundungen und im Notfall auch für Mieterlass sorgen.

Issam Abdul-Karim – Parteilos

Geboren: 31.12.1969 in Beirut

Derzeit ausgeübter Beruf: Film‐ und Projektkünstler, Gastro‐ und Eventmanager

Parteizugehörigkeit: Parteilos

Prioritäten:

  • Schaffung von bezahlbarem ökologischen Wohnraum in Stuttgart für Familien mit kleinem Einkommen.
  • Klima‐, Verkehrs‐ und Energiekonzepte steigern.
  • Aufbau nachhaltiger urbaner Energieversorgung und klimafreundlicher Verkehrsinfrastruktur, z.B. mehr Radwege, mehr Grünflächen.
  • Mehr Personal bei der Polizei einstellen (Prävention).
  • Gewaltdelikte gegen Frauen schneller bekämpfen. Opferschutz ausweiten.
  • Prostitution ist Sklaverei! Jegliche Art von Prostitution verbieten.
  • Konzessionen für Spielhallen und Wettbüros erschweren.
  • Kostenloser ÖPNV für Schüler, Studenten, Azubis, Rentner.
  • Wirtschaftsstandort erhalten und Infrastruktur weiter ausbauen.
  • Förderung von Integrationsarbeit, Talente, Start‐Ups.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Issam Abdul-Karim:
Neue innovative Unternehmen werden gebraucht. Ihre Visionen und Ideen sind unsere Zukunft und unsere stärken für einen Aufbruch in Neckar-Valley. Wirtschaft, IHK und Patentamt sowie eine schnelle und unbürokratische Verwaltung mit Förderprogrammen sollen einen guten Start ermöglichen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Issam Abdul-Karim:
Auf kommunaler Ebene hat es noch nicht so richtig gefunkt. Dass will ich ändern und Stellen schaffen, die sich um die Startup-Szene und die notwendige Infrastruktur z.B. Digitalisierung, schnelles Internet usw. kümmern.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Issam Abdul-Karim
: Soloselbständige und kleine Unternehmen will ich mit einem Corona-Soforthilfe-Paket bzw. einer Überbrückungshilfe über Wasser halten. Diese Krise können wir nur gemeinsam überstehen. Sie wird leider auch Spuren hinterlassen.

Marco Völker – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 25.10.77 in Bruchsal

Derzeit ausgeübter Beruf: Betriebswirt, Manager

Parteizugehörigkeit: Keine

Prioritäten:

1. Die Stadt muss ein attraktiver Arbeitgeber werden mit modernen und inklusiven Arbeitsplätzen und sie muss eine Grossstadtzulage zahlen. Die Verwaltung muss digitaler werden, der Personalnotstand muss behoben werden für mehr Bürgerservice.

2. Der Wohnungsbau muss stark gefördert werden und wir brauchen ein soziales Wohnungsbaukonzept das sich sehen lässt. Nachverdichten muß sinnvoll erfolgen.

3. Stuttgart soll die Verkehrswende klug meistern.

4. Die Stadt braucht den Imagewechsel.

5. Der ÖPNV muss kostenlos werden und die SSB sollen 24h‐Betrieb arbeiten. Stuttgart21 muß Teil des ersten digitalisierten Bahnknotens Deutschlands werden.

6. Stuttgart soll bundesweit Vorreiter in Sachen Inklusion sein.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Marco Völker:
Ich denke es ist essentiell, dass Startups direkt in Form einer Beteiligung in das Geschehen der Stadtverwaltung einbezogen werden. Ein regelmäßiger, quartalsweiser „Jour Fix“ mit Startups und dem Bürgermeister sollte etabliert werden, damit die Wichtigkeit der Start-up-Szene unterstrichen wird. Startups ganz können von Seiten der Stadt gezielt in öffentliche Veranstaltungen eingebunden werden, um ihnen ein Forum zu bieten und um zu zeigen, dass Unternehmensgründung nicht nur möglich sonder auch gewünscht ist. Auch spezielle Sprechstunden für die Wirtschaftsförderung könnte ich mir vorstellen. Alles in allem würde ich gerne als neuer OB für mehr Vernetzung sorgen und mich als Protegé für Unternehmensgründer verstehen. Mein Vorbild hier ist die Stadt Zug in der Schweiz. Hier hat man es sehr leicht, ein Unternehmen zu gründen. Steuern können hier auch mit Bitcons bezahlt werden. Junge Unternehmerinnen müssen das Gefühl bekommen, dass sie willkommen sind. Hierzu zählt auch, dass die Stadtverwaltung dementsprechend offen und freundlich auf die Gründerinnen zugeht und das Personal darüber hinaus gute Englischkenntnisse besitzt.  

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Marco Völker
: In erster Linie ist das Land für die Unterstützung zuständig. Vielen Antragstellern ist aber die Antragstellung selbst ein Buch mit sieben Siegeln. Hier sollte die Stadt die Möglichkeit bieten, Antragsteller entsprechend bei Ausfüllen zu unterstützen und zu beraten.

Dr. Ralph Schertlen – Parteilos

Dr. Ralph Schertlen

Geboren am: 26. September 1969 in Stuttgart – Bad Cannstatt

Derzeit ausgeübter Beruf:  Elektroingenieur 

Parteizugehörigkeit: Parteilos; F.D.F.E. (Wählervereinigung) seit 1988 bis 2005; Die Stadtisten (Wählervereinigung) seit 2013 bis 2019

Prioritäten: Als parteiloser OB versuche ich, der Vernunft zum Sieg verhelfen.

Elementar ist, Geld für verschleppte Sanierungen und notwendiges Personal (z.B. funktionierende Infrastruktur, Bürgerservice,…) auszugeben – jährlich ~200 Mio. Gewinn seit 2010 ermöglichen das. In der Verwaltung muss das Arbeitsklima und die Fehlerkultur verbessert werden. Als SWSG‐Chef will ich Wohnraum schaffen. Den nächsten Generationen schulden wir geschlossene Kreisläufe bei Energie, Gütern, Gebäuden usw.

Produzierendes Gewerbe soll auch zukünftig zu Stuttgart gehören; Mobilität auf vielfältige Art stattfinden (ohne Stau, ohne PRM). Kultur, Breitensport, Innovation und Walderhalt sind für mich Chefsache

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Dr. Ralph Schertlen:
Dafür würde ich die Wirtschaftsförderung verändern, Flächen suchen und an Start-Ups vermieten. Ich würde auch zusehen, dass es Projekte im Dreieck Start-Up – Hochschulen – Stadt gibt. Themen gäbe es genug.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Dr. Ralph Schertlen:
Stuttgart geht es zu gut, die etablierten Player bieten Absolventen gute Arbeitsplätze. Ein eigenes Start-Up zu gründen ist deswegen nicht so dringend notwendig und darüber hinaus mit Risiken verbunden.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Dr. Ralph Schertlen
: 1) Mietübernahmen bei Einnahmenminderung; 2) Hilfsgelder statt Arbeitslosigkeit bezahlen; 3) Falls thematisch passend: Aufträge vergeben; 4) Fortbildungen (teil-)finanzieren; 5) Gewerbesteuer stunden oder aussetzen.

John Heer – keine Parteizugehörigkeit

John Heer, OB-Kandidat

Name, Vorname: Heer, John 

Geboren: 23.07.1966 in Stuttgart

Derzeit ausgeübter Beruf: Kaufmann und zugelassener Projektsteuerer LBO‐BW

Parteizugehörigkeit: KEINE

Prioritäten: Als künftiger Oberbürgermeister von Stuttgart liegen meine Prioritäten im Bereich Sicherheit, Wirtschaft, bezahlbares Wohnen, Verkehr, Klima, Bildung und Soziales. Das alles unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt Stuttgart durch mehr Bürgerentscheide.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Verwaltung, diese muss mit vereinfachten Wegen über die Digitalisierung für die Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart arbeiten, und endlich wieder verstehen, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht die Bittsteller sind.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
John Heer:
Es müssen mehr staatliche oder auch kommunale Förderungen für Startup’s eingerichtet werden und es müssen sogenannte Camps zum Austausch eingerichtet werden, welche nahe an der Industrie angesiedelt sind, um einen dementsprechenden Synergieeffekt und Austausch zu erhalten.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
John Heer:
Dies hat generell damit zu tun, dass diese Städte für junge kreative Menschen auch in Bezug auf die Lebensqualität deutlich besser sind. Wir müssen Stuttgart wieder zu einem Hotspot der Kreativität oder zu einem Hotspot für junge Menschen machen. Hierzu gehört aber auch, dass Stuttgart insgesamt wieder  an Attraktivität nicht nur in Bezug auf das Wohnen oder Leben, sonder auch in Bezug auf die Wirtschaft gewinnen muss. Wenn beispielsweise die  Automobilindustrie, welche in der Vergangenheit immer ein kreativer Entwickler war , verteufelt wird, muss man sich nicht wundern, wenn viele auch um das Automobil herum ansässige Unternehmen immer mehr von Stuttgart abwandern.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
John Heer
: E​​s muss Hilfsmaßnahmen für Startup’s geben, wenn diese nicht durch die bisherigen Überbrückungshilfen im Bereich der Landes- und Bundeshilfen abgesichert werden, so dass deren Entwicklungsarbeit weiter vorangetrieben werden kann. Hier darf man nicht zwangsläufig den Umsatz als Schlüssel für die Maßnahmen verwenden, sondern es muss zwingend der Kostenfaktor berücksichtigt werden, um die Fördermittel richtig zu kalkulieren.

Friedhild Anni Miller – Wählervereinigung FRiDi

Name, Vorname: Miller, Friedhild (FRIDI)

Geboren: 11.08.1969 in Böblingen

Derzeit ausgeübter Beruf: Familienmanagerin, EU‐Rentnerin, Politikerin, Beiständin 

Parteizugehörigkeit: Wählervereinigung FRiDi seit 2014, Unabhängig – unbestechlich – ehrlich – bürgernah, Einzelbewerberin Bundestag 2017

Prioritäten: Da ich an Gott glaube sind meine obersten Prioritäten Menschlichkeit und Nächstenliebe. Ich werde uneigennützig zum Wohle aller Menschen in Stuttgart handeln und für Gleichheit und Gerechtigkeit sorgen und im Zuge dessen auch mein OB*in Gehalt für soziale Zwecke spenden. Für mich steht die Liebe, die Familie und der Frieden im Mittelpunkt meines Handelns. Ich möchte Stuttgart zu einer liebens‐ und lebenswerten friedlichen FRiDi‐Metropole machen, wo jeder Mensch leben und überleben kann und Spaß hat und unsere Kinder eine glückliche unbeschwerte Zukunft haben. Wir werden wie eine große Familie sein, wo jeder jedem hilft, kein Mensch soll mehr einsam und traurig sein. Fühlt euch umarmt, FriDi.

Frage #1: Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups in Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?
Friedhild Anni Miller:
Gewerbesteuer senken, attraktive günstige Wohnungen anbieten, die Party-, Ausgeh- und Kulturszene wieder attraktiver machen. Synergien bilden, „Senioren helfen Junioren“. Finanzminister Olaf Scholz einen persönlichen Besuch abstatten, damit Fördergelder schneller fließen.

Frage #2: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?
Friedhild Anni Miller:
Sie bieten kostenfreie Hilfe von Existenzgründungsbüros und Kompetenzteams an, investieren in Gründerzentren und qualifizierte Netzwerke, bieten Fördermöglichkeiten, eine hervorragende Infrastruktur, hohe Lebensqualität durch lebendiges Szeneleben und attraktives Wohnumfeld.

Frage #3: Welche Hilfsmaßnahmen werden Sie als Bürgermeister ergreifen, um Startups während der Corona-Krise zu unterstützen?
Friedhild Anni Miller
: Gleichbehandlung für alle Unternehmen, weniger Bürokratie bei der Beantragung staatlicher Hilfen, Direkthilfe für Start-Ups anstatt Gelder für Beraterkosten, kostenfreie Werbeplattformen für Start-Ups zur Verfügung stellen.

Michael Ballweg – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 23.11.1974 Wertheim am Main

Derzeit ausgeübter Beruf: Geschäftsführer media access GmbH 

Parteizugehörigkeit: Keine

Prioritäten:

  1. Corona‐Maßnahmen beenden & Grundrechte stärken
  2. Kommunale Infrastruktur muss in der Hand der Stadt bleiben
  3. 50 statt 40; Blitzer nur an kritischen Stellen
  4. Bürgerentscheide – Für mehr Eigenverantwortung
  5. Kooperation Supermärkte und Tafeln
  6. Kostenloser ÖPNV
  7. Förderung Kleinkunst
  8. Steuerentlastung Mittelstand
  9. Digitale Verwaltung
  10. Pro Kopfbahnhof

Keine Reaktion auf unsere Fragen.

Werner Ressdorf – keine Parteizugehörigkeit

Geboren: 26.08.1954 in Rio de Janeiro (Brasilien)

Derzeit ausgeübter Beruf: Fachbuchautor – Schriftsteller 

Parteizugehörigkeit: Parteilos

Prioritäten: Den verängstigten BürgerInnen wieder Zuversicht geben. Das Soziale und Kulturelle Leben wieder ermöglichen. Sie von der Maskenpflicht befreien. Stuttgart von diesem unheilvollen Spuk erlösen. Behördenmitarbeitergehälter erhöhen. Wo nötig Bürokratie abbauen. Die Dynamische Organisation in der Verwaltung einführen. Den Verkehr wieder zum Fließen bringen. Mehrgenerationenhäuser fördern. Öko‐Kreativität im Bauwesen aktivieren. Ökologische Satelliten‐Siedlungen bauen. Fahrradtrassen bauen. Oper bauen. 50m Schwimmhalle bauen. 2021 Bäume pflanzen. Familienleben fördern. Kopfbahnhof erhalten. Partyhütten für Jugend. Autofreien Sonntag für Stuttgart einführen. ÖPNV ausbauen. Demokratiehaus bauen.

Keine Reaktion auf unsere Fragen.

Foto Rathaus:  Horst Eisele auf Pixabay 

Fotos Kandidaten: https://www.stuttgart.de/service/wahlen/vorstellung-der-ob-kandidaten/vorstellung-der-kandidatinnen-und-kandidaten.php