Gründermotor – schon davon gehört?

Seit der Startup-Hype in Deutschland angekommen ist, kann sich ein
Gründungswillige(r) schon mal im Dschungel der Angebote verirren. Helmut
Schelling, einer der drei Gründer des Softwareunternehmens Vector Informatik, fand 1988 keine Infrastruktur vor, die sie bei der Gründung ihrer Firma unterstützt hätte.

Helmut Schelling

Nach Studium und Promotion führte ihn sein Weg geradewegs zu Bosch, als
Ingenieur in der Vorentwicklung. In dieser Zeit entstand auch ein Produkt, das für die
Eigengründung von Vector wichtig wurde: der CAN-Bus. Das Kürzel CAN taucht bis
heute in vielen Produkten des Unternehmens auf. „Es war eine spannende Zeit bei
Bosch“, erinnert sich Schelling. Noch spannender war letztlich aber die Verlockung,
etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Zusammen mit einem Kollegen und
Mitinhaber des CAN-Bus Patents und einem Schulkameraden stand der Beschluss,
etwas Eigenes aufzubauen.

Eine für ihn damals große Entscheidung.

Die Idee war da, aber das Gründen war absolutes Neuland. Um zu gründen, mussten
die Drei den Weg zur Bank antreten. „Zusätzlich zum Ersparten mussten wir eine
Hypothek aufnehmen“. Hätten sie mit Vector eine Pleite hingelegt, wäre zumindest
ein guter Teil eines Hauses weg gewesen. Doch die Dienstleistung florierte, brachte
ordentlich Geld, so dass sie nebenher begannen, auch Produkte zu entwickeln. Das
lief nicht vollkommen glatt – das erste Produkt, ein KI Expertensystem, gehörte in die
Kategorie „fail fast“. Nach zwei Verkäufen erwies es sich als Ladenhüter und
bedeutete schmerzhafte Miese. „Vom Schlitten gehauen hat es uns nicht, weil wir ja
nebenher unser Projektgeschäft am Laufen hatten“, erinnert sich Schelling. Das
zweite Produkt bedeutete den Break-Even, das dritte Produkt, den ‚CANalyzer‘, gibt
es heute noch.
Die Vector GmbH gibt es nicht nur noch, seit Gründung am 1. April 1988 hat sie sich
zu einem sehr erfolgreichen Unternehmen im Entwickeln von Elektronik im
Automotive Bereich, mit über 2.500 Mitarbeitern an 26 Standorten entwickelt.
Lehrgeld haben die Gründer in der Anfangszeit dennoch zahlen müssen. Im
Gegensatz zu heute gab es wenig Beratung, ganz zu schweigen von Venture
Capital. Zwei Gutscheine erhielten sie damals vom Rationalisierungs- und
Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft in Stuttgart, RKW BW, für eine
Beratung. „Es war eine sehr rudimentäre Unterstützung. Was die Berater uns
erzählten, haben wir während der Beratung nicht wirklich verstanden. Ein halbes Jahr
später wussten wir, was sie uns sagen wollten. Da waren wir an der Stelle unserer
Gründung, wo Probleme auftraten“, lacht Schelling rückblickend.
Auf seiner heutigen Vector Visitenkarte steht schlicht: Gründer. Das ist ganz im Sinne
Schellings, der es ohne Brimborium mag. Schon 23 Jahre nach ihrer Gründung
überführten Schelling, Hinderer und Litschel alle ihre Anteile in zwei Stiftungen, eine
gemeinnützige und eine Familienstiftung. „Wenn man bei Bosch einsteigt, lernt man
früh, dass das Stiftungsmodell ein gutes ist. Nebenbei macht es auch viel Freude“,
scherzt der Gründer. Den ganzen Sonntag werde er wieder mit dem Lesen von
Forschungsanträgen verbringen – das zweite Aufgabenfeld sind Startups. Seine
Motivation, sich aktiv ins Startup Geschehen einzubringen, hat seinen unmittelbaren
Auslöser in den Erfolgen der Münchner Szene. Dort gibt es schon seit 17 Jahren das
UnternehmerTUM, TUM als Kürzel für Technische Universität München. Viele
Studenten werden dort an das Thema Unternehmensgründung herangeführt. Die
Begutachtung des UnternehmerTUM vor Ort war gleichzeitig die Initialzündung für
Schelling, sich mit seinem Unternehmen neben dem Engagement in der
Wissensfabrik in der schwäbischen Region noch intensiver einzubringen.
Initiative ‚Gründermotor‘: Schauen, was im Ländle geht …


Nach vielen Gesprächen und Terminen im Ländle kristallisierte sich eine erste
Gruppe Unterstützer heraus, zu der Landesregierung, Firmen und Hochschulen
gehören. Gemeinsam mit der Pioniergeist wurde intensiv an einer Blaupause
gearbeitet, um ein Programm auf Studenten zuzuschneiden. „Gründermotor soll
schon vor der Startup Gründung ansetzen“, erklärt Amelie Hübner von Pioniergeist.

Amelie Hübner

Viele Hochschulen sind schon mit Programmen für ihre Studierenden aktiv. Das soll auch so bleiben. „Wir möchten die Hochschulen mit Gründermotor  dabei unterstützen. Fehlt den Hochschulen zum Beispiel ein Mentor oder ein erfolgreicher Gründer für einen Impulsvortrag, dann werden wir unterstützend aktiv“, so Schelling.
Das Ziel ist, mehr Studierende mit dem Gründervirus zu infizieren. „Wenn die
merken: ‚Das ist was für mich, ich möchte gerne weiter in diese Richtung gehen‘,
dann sind sie noch nicht so weit, dass sie sich zum Beispiel beim TTI melden
können. Diese Lücke wollen wir mit Gründermotor schließen.“
Neben der Unterstützung für die Hochschulen gibt es für Studierende, die im
Programm sind, die sogenannte Meisterklasse. Die Meisterklasse findet nicht mehr
an der Uni statt, sondern auf eigenen Flächen. Finanziert wird alles mit
Fördergeldern. Die erste Meisterklasse hat die Vector Informatik übernommen. „Wir
waren damals drei Ingenieure, die Vector gründeten. Fachlich waren wir gut,
buchhalterisch aber schlecht. Deshalb ist die Idee der Meisterklasse, das fehlende
Wissen zu vermitteln“, beschreibt Schelling das Vorgehen. Darüber hinaus möchte
der Gründermotor die angehenden Gründer dabei beraten, was die nächsten Schritte
sein können.
Gemeinsam mit den verschiedenen Einrichtungen und Initiativen soll das helfen, das
lokale Startup Ökosystem weiterzuentwickeln, Studenten zum Gründen zu
begeistern, und erfolgreiche Startup entstehen zu lassen. So wie es Vector im Jahr
1988 gelungen ist.
Aktuell gilt es, weitere Partner zu Finanzierung des Programms zu finden.
Idealerweise durch weitere Industriepartnerschaften, die die langfristige Finanzierung
übernehmen.
Es gibt noch Tickets für den ersten Demo Day Gründermotor am 19. Juni an dem
auch die Gründermotor Schirmherrinnen Theresia Bauer (Landesministerin für
Wissenschaft, Forschung und Kunst) und Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut *Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau) anwesend sein werden.
https://www.eventbrite.de/e/grundermotor-meisterklasse1-demo-day-tickets-55080903465

Text und Fotos: S. Roeder