Diese Woche haben wir unsere 10 Fragen Andreas Frank von Kunstgalerie.de aus Ellwangen gestellt. Lest selbst, wie man auch fernab vom Großstadt-Trubel eine Internetplattform zu Kunstthemen aufbauen kann.
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StartUp Stuttgart: Wer bist Du und welches Produkt oder Dienstleistung verkaufst Du bzw. ihr?
Andreas Frank: Unser neues Projekt ist Kunstgalerie.de. Der Kunstmarkt im Internet ist ganz klar ein Wachstumsmarkt und steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Mit Artflash, Auctionata oder Grandartclub sind in den letzten Monaten tolle und interessante Projekte an den Start gegangen. Alle diese Portale haben aber ein Auswahlverfahren zur Grundlage. Wir haben mit Kunstgalerie.de einen anderen Ansatz. Unserer Meinung nach braucht eine Online-Galerie kein elitäres Kuratierungsverfahren. Ob Kunst gefällt, das entscheidet immer noch einzig und alleine der Betrachter. Deshalb können sich auf unserer Plattform alle Künstler mit ihren Werken präsentieren. Es wird kein Unterschied gemacht, ob der Künstler bereits einen bekannten Namen hat, oder ob die Kunst als Hobby betrieben wird. Auch sehen wir uns nicht in erster Linie als Online-Shop, sondern als virtuellen Ausstellungsraum. Künstler können sich mit bis zu zwanzig Werken kostenlos präsentieren. Wenn diese dann über Kunstgalerie.de mit potenziellen Käufern in Kontakt kommen, dann ist das natürlich umso schöner.

Häufig werden wir darauf angesprochen, wie denn Kunstgalerie.de Geld verdienen kann, wenn wir den Verkaufsgedanken nicht in den Vordergrund stellen. Eine berechtigte Frage, zumal auch wir nicht über unbegrenzte finanzielle Mittel für dieses Projekt verfügen. Möglichkeiten der Monetarisierung gibt es zahlreiche. Allerdings gehen wir mit diesen Optionen zurückhaltend um.

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Seit wann gibt es euch als Unternehmen?
Kunstgalerie.de ist kein Unternehmen für sich alleine, sondern ein Projekt von mir, dem Inhaber von WerbeCheck.de. Seit 1992 bin ich als Marketingberater, Projektierer, Buchautor und Sachverständiger für Honorierungsfragen in der Werbung selbstständig.

Wie seid ihr auf eure Gründungsidee gekommen?

Die Domain habe ich schon vor einigen Jahren gekauft. Das Thema an für sich hat uns hier im Team immer sehr gereizt, aber bisher fanden wir einfach nicht die Zeit, dieses Projekt mit der notwendigen Intensität anzugehen. Jedoch hatten wir auch ohne Projektierung täglich zwischen 500 und 1.000 Besucher auf der inhaltslosen Seite. Das ist natürlich ein Potenzial, welches man als Marketer nicht einfach so verschenken möchte. Deshalb haben wir uns im Herbst 2012 dazu entschlossen, das Projekt Kunstgalerie.de nun anzugehen.

Was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr als Team zueinander gefunden?
Kunstgalerie.de ist ein Projekt von WerbeCheck. Ursprünglich bin ich Werber und habe bei Agenturen wie ID-Media und Modus Vivendi gearbeitet. Selbständig bin ich schon seit 1992 und so ist Kunstgalerie.de kein neues Unternehmen, sondern ein weiteres Projekt. Dieses wird von den Personen bearbeitet, die sich sonst tagtäglich mit der Honorarforschung für die Werbebranche beschäftigen. Es ist ganz schön, wenn man auch mal etwas anderes als nur Zahlen auf dem Bildschirm hat.

Was waren bei der Gründung eures Startups die größten Herausforderungen?
Für Kunstgalerie.de haben wir kein neues Unternehmen gegründet. Deshalb waren und sind die größten Herausforderungen, dieses Projekt in den Zeit- und Finanzplan unserer Haupttätigkeit zu integrieren.

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Warum habt ihr euch für Ellwangen als Standort entschieden und nicht wie viele andere Startups für Berlin?
Ellwangen im Grunde nur deshalb, da ich nach Stationen in Ulm, Stuttgart, Erfurt, Frankfurt und zusammengerechnet gut eineinhalb Jahren in Asien und Südamerika wieder in meiner Heimatstadt gelandet bin.

Um ein Problem kann man nicht herumreden, man hat beim Aufbau von Internetprojekten mit einem Standort in der Provinz ganz klare Nachteile. Ob man schnell mal einen Programmierer oder auch nur ein paar zusätzliche Ideenschübe benötigt, in Ellwangen ist dies ein schwieriges Unterfangen. Für ein Projekt im Bereich Kunst wäre es auch von Vorteil, wenn man an einem Standort ist, der eine solche Szene hat. Von Ellwangen aus ist der Zugang zu gewissen Kunstkreisen nicht unmöglich, aber doch aufwändiger. Allerdings kenne ich aus persönlicher Erfahrung auch die „Berliner Gefahr“, sich mehr mit der Startup-Szene an für sich und deren Euphorie zu beschäftigen, statt das eigentliche Geschäftsmodell in den Fokus zu stellen. Dauerhaft kann ich mir dennoch nicht vorstellen, dass wir bei einem weiteren Ausbau von Kunstgalerie.de am Standort Ellwangen bleiben können. Eine Veränderung nach Berlin ist jedoch nicht zwingend. Ausschlaggebend ist die Verfügbarkeit von klugen Köpfen in den Bereichen Coding, SEO, PR, etc. und natürlich einem gewissen geistigen Input. Das alles gibt es nicht nur in Berlin.

Was möchtest Du Gründern speziell als Tipp mitgeben, wenn sie in Stuttgart gründen möchten?
Meine ersten beiden Unternehmen, ein Tonstudio und eine Werbeagentur, habe ich in Stuttgart gegründet. Allerdings wohne ich schon viele Jahre nicht mehr in Stuttgart. Generell ist aber mein Tipp für alle Unternehmensgründer, dass sie sich nicht zu sehr von der Verliebtheit in die eigene Idee blenden lassen sollen. Eine große Portion Euphorie und Mut ist immer die Basis für ein eigenes Unternehmen. Aber man sollte auch Kritiker und Skeptiker genau anhören. Vielfach kann man dort wertvolle Tipps für das Feintuning der eigenen Geschäftsidee gewinnen.

Angenommen Du hättest die Chance einen Tag lang Bürgermeister von Stuttgart zu sein, was würdest Du verändern?
Ich würde 24 Stunden dafür verwenden, die ganzen Machenschaften, Seilschaften und Verstrickungen zu veröffentlichen, die zu diesem unsäglichen Bahnhofstheater geführt haben.

Mit wem würdest Du gerne einmal Essen gehen und warum?
Als Autor des Buches „Startup und Internetprojekte finanzieren“ habe ich mich sehr intensiv mit klugen und vernünftigen Venture Capital-Gebern und Business Angels beschäftigt und schon zahlreiche Gespräche mit diesen geführt. Gerne möchte ich mich auch mit den Investoren unterhalten, die jegliches Maß und Ziel in ihren Investitionsentscheidungen verloren haben. Da bin ich eher realistisch schwäbisch denkender Unternehmer und kann die Euphorie über viele Geschäftsmodelle nicht nachvollziehen. Nur investieren, weil etwas hip und trendy scheint, ohne die einzelnen Geschäftsprozesse zu kalkulieren, das ist der direkte Weg in die Kapitalvernichtung. Oder aber wird eine Anlagestrategie verfolgt, die in meinen Augen nicht redlich ist. Nach dem Motto „einsteigen, Luftschlösser bauen, weiterverkaufen“ und die Teilnehmer der letzten Finanzierungsrunde beißen die Hunde.

Wo siehst Du euch heute in fünf Jahren?
Wenn ich zurückblicke, was ich in den zwanzig Jahren meiner Selbständigkeit schon alles an Veränderungen erlebt habe, dann ist es kaum möglich, eine Prognose über einen Zeitraum von fünf Jahren zu machen. Für Kunstgalerie.de wünsche ich mir natürlich, dass wir eine der größten Kunstplattformen in Deutschland sind und sich jeden Tag viele tausend Künstler und Kunstinteressierte bei uns treffen. Das Projekt ist spannend, die Domain ist gut und ob wir in fünf Jahren die von uns angestrebte gewichtige Rolle im Kunstmarkt spielen werden, das wird sich zeigen.

Vielen Dank für das interessante Interview und weiterhin viel Erfolg!

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