Lisa, Sophia, Nils und Henning, vier Freunde, die die Überzeugung verbindet, dass Wirtschaft eine dienende Funktion innerhalb der Gesellschaft zukommt, stehen hinter PROSERVATION. Gemeinsam verfolgen sie die Mission, ökologisch wie ökonomisch vernünftige Verpackungslösungen zu etablieren. Als PROSERVATION befinden sie sich aktuell in der Gründungsphase eines Unternehmens, das alternative, nachhaltige Polsterverpackung aus pflanzlichen Abfällen herstellt und vertreibt. Mit dem Ziel, die Marktreife ihres innovativen Verpackungsmaterials zu erreichen, werden sie im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums für insgesamt zwölf Monate an der Hochschule der Medien gefördert.

Welche Schritte seid ihr von der Idee bis zu heute gegangen, dass ihr es so weit geschafft habt?

„Die Pionierarbeit zur Entwicklung unseres Polstermaterials hat Lisa bereits vor zwei Jahren geleistet. Damals experimentierte sie im Rahmen eines Hochschulprojektes der HdM mit Cellulose-Schäumen. Dabei entwickelte sie die Idee, die natürlichen stoßdämpfenden und isolierenden Eigenschaften des bislang meist ungenutzten Reststoffes Spelzen als Verpackungspolstermaterial zu nutzen. Ihren Ansatz validierte sie im Rahmen ihrer Masterthesis, wobei ersten Prototypen ähnliche Eigenschaften wie EPS (Styropor) nachgewiesen wurden. Um den vielversprechenden Ansatz weiterzuentwickeln und schließlich zur Marktreife zu bringen, haben wir gemeinsam das EXIST-Gründerstipendium beantragt und zum März diesen Jahres die Förderung erhalten. Mittlerweile haben wir eine Räumlichkeit an der HdM bezogen, wo wir die Material- und Fertigungsentwicklung voranbringen.“

Was ist das Problem an expandiertem Polystyrol (EPS) und wofür wird es eingesetzt?

„EPS (besser bekannt als Styropor) wird hauptsächlich für Transportverpackungen schutzbedürftiger Packgüter, als Isolierverpackung oder als Dämmstoff im großen Maßstab eingesetzt. Allerdings führt der Einsatz von EPS entlang seines gesamten Lebenszyklus zu erheblichen Umweltauswirkungen. EPS besteht aus fossilen Ressourcen (Erdöl) und ist enorm energie- und emissionsintensiv in der Herstellung (6 kg CO 2 pro 1 kg EPS). Außerdem kann es nur sortenrein – im industriellen Maßstab – recycelt werden. Die fachgerechte Entsorgung bei

Endverbraucher*innen (gelber Sack) führt aufgrund fehlender Sortenreinheit in der Regel nicht zum Recycling, sondern zur Verbrennung. Hierbei werden weitere Treibhausgase freigesetzt. Auch deshalb hat das neue Verpackungsgesetz EPS als nicht recyclingfähig eingestuft. Landet EPS in der Natur, zerfällt es mit der Zeit durch UV-Strahlung in kleinere Teile, wird zu sekundärem Mikroplastik und belastet die Umwelt für Jahrhunderte.“

Was unterscheidet euer neuartiges Material von expandiertem Polystyrol (EPS) und in welchen Bereichen kann es dieses ersetzen? Welche Vorteile gibt es hier?

„Unser Material spart Ressourcen, indem es aus bislang meist ungenutzten pflanzlichen Reststoffen der heimischen Getreideverarbeitung besteht. Weil alle Inhaltsstoffe sich biologisch abbauen, haben wir allen Grund zu der Annahme, dass unser Material rückstandslos zuhause kompostierbar ist. Es benötigt wenige, energiearme Schritte bei der Herstellung und es lassen sich wie beim Styropor unterschiedlichste dreidimensionale Formen abbilden. Zunächst kann unser Material EPS als formschlüssige Schutzverpackung ersetzen, zum Beispiel für Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und andere schützenswerte Güter. Es entsteht kein Plastikmüll und unser Material ist durch seine Optik und Haptik unverwechselbar als Naturprodukt identifizierbar. Damit können Hersteller ihre Nachhaltigkeitsambitionen für die Endkunden sichtbar machen und positive Nutzererlebnisse schaffen.“

Wie habt ihr euch auf euren EXIST Antrag vorbereitet? Welche Tipps würdet ihr anderen Startups geben, die auch vor diesem Schritt stehen?

„Wir haben uns zunächst genau informiert und evaluiert, auf welche konkreten Anforderungen im Rahmen des einzureichenden „Ideenpapiers“ für eine Förderbewilligung zu achten ist. Danach haben wir die Anforderungen entsprechend unserer Kompetenzen im Team aufgeteilt und an einem gemeinsamen Dokument gearbeitet. Da wir uns bereits vorher intensiv mit den Potenzialen, Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen des neuartigen Materials befasst haben und auch schon einige Abschlussarbeiten zu dem Material verfasst wurden, konnten wir große Teile des Ideenpapiers recht zügig formulieren. Bei der Erstellung standen wir in engem Austausch mit dem Start-Up Center der Hochschule der Medien, welches uns bei einigen Detailfragen zur Einreichung sowie durch Gegenlesen und Kommentieren unserer Textentwürfe unterstützt hat.

Tipps für Startups:

  • Ausgewogenes Team mit unterschiedlichen Kompetenzkreisen, die alle notwendigen Bereiche abdecken
  • Realistische aber leicht euphemistische Darstellung der Chancen und Risiken
  • Gründungsidee mit klarem gesellschaftlichem Mehrwert
  • Argumentation mit belastbaren Quellen und Schätzungen mit gerechtfertigten Annahmen
  • Hilfe bei der Einreichung z. B. von Start-up Centern der jeweiligen Hochschulen einholen und annehmen
  • Klare Vorstellung darüber entwickeln, was genau in dem Förderzeitraum erreicht werden soll/kann“

PROSERVATIONs Zukunftsvision ist eine Welt, in der jegliche Verpackung ökologisch verträglich ist. Dafür möchten sie ihren Beitrag leisten. Aktuell arbeiten sie mit den regional verfügbaren Dinkelspelzen, experimentieren jedoch auch mit anderen Spelzen von Buchweizen, Hirse und Reis. Mit einem industriellen Herstellungsverfahren könnten so überall auf der Welt, wo geeignete Reststoffe anfallen, vernünftige Verpackungsmaterialien hergestellt werden.

Vielen Dank an PROSERVATION!

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