
Seit Oktober letzten Jahres trifft sich der Food & FoodTech Circle von Startup Stuttgart einmal im Monat. Sechs Mal haben wir uns mittlerweile zusammengesetzt – in Küchen, Co-Working-Spaces und manchmal auch einfach im Hinterzimmer einer Bar. Was dabei herausgekommen ist, hat mich überrascht. Nicht wegen der Themen, die wir besprochen haben. Sondern wegen dem, was sich im Zwischenraum passiert ist.
Hier sind fünf Erkenntnisse, die ich mitgenommen habe. Nicht als Erfolgsstory, sondern als ehrlicher Bericht.
1. Die besten Fragen kommen nicht vom Moderator
Ich bin mit einem Thema reingekommen: Wie skaliert man Produktion, ohne die Qualität zu verlieren? Ich hatte erwartet, dass jemand eine Antwort hat. Stattdessen hat jemand anderes gefragt: „Warum willst du überhaupt skalieren?” Das war unbequem. Und richtig.
Ein Circle lebt nicht vom Wissen der Organizer*innen. Er lebt von den Fragen, die Menschen stellen, weil sie selbst gerade an einem Punkt feststecken. Diese Fragen sind echter als jede Agenda.
2. FoodTech ist breiter als du denkst
Im ersten Treffen haben wir eine Runde gemacht: Woran arbeitet jede*r gerade? Die Antworten reichten von Vertical Farming über vegane Snacks bis hin zu Software für Lebensmittellogistik. Eine Person arbeitete an Regulierung im Bereich Novel Food – etwas, über das ich bis dahin kaum nachgedacht hatte.
FoodTech ist kein Nischenthema. Es ist ein Querschnitt durch fast jeden Bereich, den man sich vorstellen kann: Biotech, Software, Nachhaltigkeit, Konsumgüter, B2B-SaaS. Der Circle hat mir geholfen, meine eigene Arbeit in einem viel größeren Feld zu verorten.

3. Fehler teilen ist kein Schwäche-Signal
Im dritten Treffen hat jemand erzählt, wie ihr erster Retail-Versuch komplett schief gelaufen ist. Schlechte Verpackung, falsches Pricing, Listung im falschen Kanal. Sie hat es ohne Schönfärberei erzählt.
Danach war die Runde anders. Offener. Mehrere Menschen haben sich bedankt – nicht für die Geschichte selbst, sondern dafür, dass man das sagen darf. Seitdem ist das bei uns Norm geworden: Wir hören genauso auf Misserfolge wie auf Erfolge. Manchmal mehr.
4. Regelmäßigkeit schlägt Intensität
Wir haben kein zweitägiges Retreat gemacht. Kein Intensiv-Workshop. Wir haben uns einmal im Monat für zwei Stunden getroffen. Das ist wenig, wenn man es einzeln betrachtet. Aber nach sechs Monaten merkt man: Aus Bekannten sind Vertrauenspersonen geworden.
Ich kenne jetzt die Projekte der anderen. Ich weiß, wo sie feststecken. Ich habe sie bei kleinen Schritten begleitet – und sie mich. Das entsteht nicht durch Intensität. Das entsteht durch Kontinuität.

5. Ein Circle ist das, was die Gruppe daraus macht
Als wir angefangen haben, hatte ich eine Vorstellung, wie so ein Treffen ablaufen sollte. Input, Diskussion, Ergebnisse. Nach zwei Terminen war klar: Das ist nicht das, was die Gruppe braucht. Sie wollte mehr Struktur an manchen Stellen, weniger an anderen. Sie wollte manchmal einfach reden.
Seitdem habe ich aufgehört, ein fixes Format zu erzwingen. Der Circle gehört den Menschen, die kommen. Meine Aufgabe als Organisator ist es, den Raum zu halten – nicht, ihn zu füllen.
Was als nächstes?
Der Food & FoodTech Circle trifft sich weiter – jeden Monat, offen für alle. Wenn du im Bereich Food, Ernährung, Nachhaltigkeit oder Lebensmitteltechnologie arbeitest oder gründest: Komm vorbei. Du musst nichts mitbringen außer einer ehrlichen Frage.
Und wenn du selbst einen Circle zu einem anderen Thema starten willst: Sprich uns an. Wir helfen dir beim Start.
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Über den Autor: Dieser Bericht stammt aus der Startup Stuttgart Community. Alle Circles werden ehrenamtlich von Mitgliedern organisiert.