Gastbeitrag von Albert Pusch
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Ich will gewinnen – immer! Da kämpfe ich nun wie ein Stier, racker mich ab, stecke Tage und Nächte in ein Projekt und verliere doch. Wie ein kleines Kind kann ich mich dann aufregen, strampeln, auf den Boden stampfen, heulen und verbissen weiter kämpfen. Und das tue ich. Es wirft mich richtig zu Boden. Das Schlimmste: Es lässt sich nicht kontrollieren.

Erkenntnis Nummer eins: Viele der Entscheidungsgrößen über Gewinn und Niederlage habe ich nicht in meiner Hand. Wer sich einredet, die Kontrolle zu besitzen, der spinnt. Du hast keine Kontrolle!

Gefühlt bin ich schon weitaus öfter gescheitert als erfolgreich gewesen. Die Zahl der Niederlagen ist also höher als die meiner Gewinne. Trotzdem würden mich die wenigsten Menschen als Verlierer bezeichnen – warum nicht?

Wenn Menschen denken, dass man ein Gewinner ist, dann liegt das an der verzerrten Wahrnehmung. Gewinne werden zelebriert, während Niederlagen (meistens) unter den Teppich gekehrt werden. Niederlagen sind nach außen hin also kaum sichtbar. Außenstehende bekommen so nur ein sehr eingeschränktes Bild von einer Person.

Statussymbole oder Geschichten helfen uns dabei, erfolgreiche Menschen zu erkennen. Besonders Geschichten bleiben Menschen im Gedächtnis und zeigen anderen Menschen, ob es einer zu etwas gebracht hat – oder eben nicht.

„Erfolgreich sein“ ist relativ und wer erfolgreich ist und wer nicht, das hängt häufig von geteilten Zielen und Werten ab. Gemeinsame Ziele sind sehr geeignet, sich gegenseitig zu beurteilen – ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt. Das ist übrigens auch die Quelle für Neid. Nur wer auf unterschiedlichen Stufen steht, gleichzeitig aber die gleichen Ziele und Werte anstrebt, kann neidisch sein.

Anders ausgedrückt: Einzig die Diskrepanz zwischen dem Erreichungsgrad konkruenter Zielsetzungen und Wertevorstellungen führt zu Missgunst.

Oft bezieht sich der Erfolg nur auf einen Faktor, beispielsweise berufliche oder einzelne private Erfolge. Dieses Detail wird später noch wichtig.

Kann ich gewinnen? Diese Frage stelle ich mir oft und um ehrlich zu sein, kann ich sie nur selten mit „Ja“ beantworten. Allerdings stelle ich mir die Frage so oft, dass ich natürlich auch ab und an gewinne. Ich setze mich absichtlich immer wieder Situationen aus, in denen es um das Gewinnen und Verlieren geht. Gewinne ich, dann ist das Glück, denn ich weiß, wie wenig ich kontrollieren kann. „The harder I try the luckier I get.“, heißt ein Zitat – es stimmt.

Wie kann man also die Wahrscheinlichkeit einer Niederlagen reduzieren? Man kann Experte werden. Der erfolgreiche Unternehmensberater hat es leichter, ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen als einer, der noch nie von Cashflow und Eigenkapitalredite gehört hat. Ein professioneller Aufreißer mit Talent wird höhere Chancen haben, eine begehrenswerte Frau zu erobern, als ein unvorbereiteter Anfänger. Wer also erfolgreich sein möchte, muss Experte werden. Experte in dem was er will.

Um Experte zu werden, muss man aber wissen, worin man denn nun erfolgreich sein möchte. Sind die Ziele richtig gewählt und stehen nicht dem natürlichen Talent entgegen, dann ist man auf einem guten Weg. Und wer sich jetzt noch genügend Versuchen aussetzt, steigert die Wahrscheinlichkeit von Erfolgen.

Wer sich zum Erfolg verlieren will, der muss nicht nur akzeptieren, dass er über viele Dinge keine Kontrolle hat, sondern versuchen durch (1.) eine zielgerichtete Expertise und (2.) zahlreiche Versuche die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Erfolge zu erzielen.

Das Wissen darum hilft einem, erfolgreich zu verlieren. Die Angst vor dem Scheitern nimmt es einem nicht.

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Über den Autor

Albert Pusch
Albert Pusch

Albert Pusch (Jahrgang 1983) ist B2B-Marketing Consultant für eCommerce- und Technology-Unternehmen. Er ist Mitgründer von Socialmedia-blog.de, Autor zahlreicher Fachbeiträge und -artikel zum Thema Online-Marketing. Salesforce.com listet ihn unter den Top5 Social Media Influencern in Europa. Bis 2012 verantwortete er die Marketing-Abteilung eines Technologieunternehmens im eCommerce mit drei Geschäftseinheiten in neun Ländern. Er studierte Marketing-Kommunikation an der Hochschule Pforzheim und in Yogyakarta (Indonesien).

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