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Die Landesregierung hat weitere Investitionen in das baden-württembergische Gründernetzwerk in die Wege geleitet. Gefördert werden unter anderem Projekte wie der Gründermotor und universitäre Entwicklungseinrichtungen. Ziel ist es, ein dezentrales Innovationsnetzwerk aufzubauen und Unternehmen von Anfang an zu unterstützen.

Hierzu haben wir vier Experten zum Gespräch eingeladen: Prof. Dr. Nils Högsdal (Hochschule der Medien – Prorektor Innovation), Adrian Thoma (Gründermotor, Pioniergeist, STEYG), Dr. Helmut Schelling (Vector Informatik GmbH & Vector Stiftung), Dr. Eric Heintze (Uni Stuttgart & Coral Innovation).

Der folgende Text stellt eine Zusammenfassung aus dem Dialog sowie den Maßnahmen der Regierung dar.


Als Antwort auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor die die COVID-19-Pandemie uns aktuell stellt, hat das Wirtschaftsministerium eine weitere Welle an Unterstützungen für das Start-up Ökosystem zugesagt. Der Titel: „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“.
Damit soll die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standortes weiter ausgebaut werden, indem die aktuell bereits erfolgreichen Programme sowie Gründungen aus der Wissenschaft gefördert werden.

Betont wird, dass diese Programme in der Vergangenheit u.a. High-Tech-Unternehmen hervorgebracht haben. Ein Beispiel hierfür ist CureVac, welches auch einst mithilfe des Programms „Junge Innovatoren“ gegründet wurde.
Der Transfer von der Wissenschaft zu Unternehmertum soll daher auch weiterhin fokusmäßig unterstützt werden. Dafür sollen alle baden-württembergischen Hochschulen motiviert werden, gemeinsam zu arbeiten und einen Austausch voranzutreiben. Das Ziel: Die Funken der Wissenschaft sollen weiter in die Wirtschaft überspringen können.

Gleichzeitig soll das Start-up Ökosystem ausgebaut und enger vernetzt werden, aber auch sichtbarer nach innen und außen aufgestellt werden. Hierfür könnten gemeinsame Standards für Gründungsförderungen in ganz BW aufgebaut werden und kooperierende überregionale Angebote unterstützt werden.
Das Start-up Ökosystem soll daher nicht nur mit Blick auf Stuttgart, sondern für ganz Baden-Württemberg enger zusammenrücken und gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Unterstützung des Landes wird daher auch in eine Kooperationsstruktur fließen, welche gemeinsame Synergien und Transferopportunitäten für Gründer aufdecken soll.

Um das zu bewerkstelligen, so Dr. Eric Heintze und Prof. Dr. Nils Högsdal, wird von den Hochschulen ein sogenanntes „Dezentrales Innovationsnetzwerk“ abgezielt, welches dezentral in den verschiedenen Einrichtungen ansprechbar ist, aber gleichzeitig auf ein ganzes Netzwerk an Informationen, Hilfen und Partnerschaften zurückgreifen kann.

„Das Ziel muss sein, dass es egal ist, welche Postleitzahl das Start-up hat. Jeder soll auf die Angebote zugreifen können. Am Ende ist jedes Start-up ein Baden-Württembergisches.“

– Adrian Thoma

Gründer können sich in Zukunft daher auf noch engmaschigere Unterstützungsangebote und eine Betreuung von der „(Hoch-)Schule bis zum Erstinvestment“ freuen. Die Wichtigkeit von Kapitalgebern, die bereit sein, in junge Unternehmen zu investieren, wurde auch von Dr. Helmut Schelling gegenüber dem Ministerpräsidenten betont.

„Kapital kommt dann, wenn genug interessante Unternehmen in ein Stadium heranreifen, das für Investoren interessant ist.“

Dr. Helmut Schelling

Bis dahin müssten die jungen Samen u. a. mit öffentlichen Angeboten unterstützt und herangezogen werden. Die kritische Menge an investmentbereiten Start-ups sieht Herr Dr. Schelling bereits vereinzelt gegeben. Aber um diesem Ziel näher zu kommen, empfiehlt Herr Dr. Schelling den Gedanken, Gründer zu werden, bereits frühzeitig an die nächsten Generation heranzutragen. Er unterstreicht, dass nicht nur Hochschulen, sondern auch Schulen diesen Karrierepfad klarer herausarbeiten könnten.

Dr. Eric Heintze setzt sich nun schon seit einiger Zeit für die Unterstützung von Aktionen im universitären Raum ein. So leitet er auch das Projekt „Let US Start“, das in Kooperation mit der Vector Stiftung und der Universität Stuttgart Studenten darin hilft, an ihren Ideen zu arbeiten und das nötige Grundwerkzeug zum Gründen vermitteln. Bereits mehrere Hundert Studenten haben dieses Angebot wahrgenommen und sind nun auf verschiedene weitere Pfade aufgestoßen, unter anderem zur Meisterklasse des Gründermotors.

Die Meisterklasse geht nun bereits in ihre fünfte Runde und wurde seit dem ersten Durchgang ständig verbessert. So konnte der Mitveranstalter Gründermotor in den letzten Jahren organisch wachsen und somit mehr interessante Unternehmensunterstützer gewinnen, die wiederum mehr Investoren anlocken und dem Standort BW und Großraum Stuttgart mehr Aufmerksamkeit und Publizität geben.
Die Meisterklasse, so Adrian, wird weiterhin wachsen und mehr Unternehmen helfen, Investment-ready zu werden!

Hier sehen die Teilnehmer natürlich auch gewachsene Start-ups aufgefordert, öffentlich für den Standort einzustehen und den unternehmerischen Weg für die folgenden Generationen selbstverständlicher und greifbarer zu machen. Dafür ist beispielsweise der Gründermotor eine Möglichkeit, den aufkommenden Start-ups als Mentor beizustehen. Nils Högsdal, Professor für Innovation und Entrepreneurship, unterstreicht diese Aussage mit dem Verweis, dass das wie ein Turbolader für das Ökosystem wirken kann. Es wäre eine Situation, in der mehr Luft und Energie im Ökosystem den Gründermotor weiter anfeuert und allen im Ökosystem hilft.


Key-Takeaway:

Der Umbruch im baden-württembergischen Start-up Ökosystem muss weiterhin von innen heraus stattfinden. Die Weichen sind gestellt, viele Angebote sind bereits aktiv und können mit den neuen Mitteln der Landesregierung ihre Unterstützung ausbauen und gleichzeitig durch Kooperationen besser vermitteln. Gleichzeitig sollen der Standort Stuttgart und ganz Baden-Württemberg sichtbarer nach außen werden: Mit den bereits angesprochenen Angeboten und den bestehenden exzellenten Startups.


Pressemitteilung des Landes: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/exzellenzprogramm-fuer-gruenderkultur-an-den-hochschulen/

Bild Quelle: https://unsplash.com/photos/5QgIuuBxKwM?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink

Die Startup-Kultur verstehen insbesondere Politiker als einen öffentlichkeitswirksamen neuen Förderungsbereich. Aber das Aufkommen immer neuer Programme und Töpfe hat auch Schattenseiten.

Die tun was – das kann man in Abwandlung eines einstigen Auto-Werbeslogans sagen, wenn man auf die inzwischen sehr vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten und Fördertöpfe für Startups in der Frühphase in Deutschland und insbesondere auch in Baden-Württemberg blickt. Von den Wirtschaftsförderern der Kommunen und Regionen, über Wirtschaftsinitativen wie bwcon oder Instrumenten des Landes wie der MFG bis hin zu den etablierten Programmen wie Exist für Gründer aus der Uni heraus, sind inzwischen alle dabei, wenn es um das Thema Startups geht. Das ist grundsätzlich sehr zu begrüßen. Und wenn es ganz nebenbei darum geht, auch selbst als Förderer etwas vom positiven Image des Gründens abzubekommen, dann ist das legitim. Für die öffentliche Wahrnehmung ist es zurzeit geradezu zwingend, auf das Thema aufzuspringen, wenn man nicht von gestern sein will. Übersichtlich ist das alles aber schon lange nicht mehr. Man könnte für Baden-Württemberg ein eigenes Internetportal aufmachen, in dem man chronologisch und alphabetisch einmal alle Förderwettbewerbe oder -töpfe und alle Institutionen aufzählt, die von Karlsruhe, Stuttgart bis Ulm und von Mannheim bis Freiburg zugange sind. (Wer hier den totalen Überblick hat, kann sich gerne bei mir melden…)

Wenn man nicht aufs Ganze blickt, ist jede Initiative löblich
Ich will nicht an einzelnen Initiativen herumkritteln. Jede Unterstützung ist für sich betrachtet löblich. Ein strukturelles Problem gibt es allerdings: öffentliche oder institutionelle Förderung konzentriert sich meist auf die Frühphase. Wenn eine erfolgreich angeschobene Gründung wirklich groß werden will, dann braucht es privates Risikokapital. Das gibt es – und die Förderer tun auch oft ihr bestes um hier die Anschlussfinanzierung hinzubekommen. Dennoch gibt es damit eine gewisse Schieflage, die dafür sorgt, dass manche Frühförderung am Ende verpufft. Wettbewerbe und Förderprogramme funktionieren notgedrungen anders als ein privater Venture Capitalist. Die Rechenschaftspflicht gegenüber den Geldgebern führt zu formalisierten, manchmal bürokratischen Prozessen, welche die Beweglichkeit privater Investoren nie erreichen können. Nun ist das alles durchaus sinnvoll, wenn man sagt, dass es in Deutschland eben (noch) nicht eine genügend große, kritische Masse an diesen risikobereiten Investoren gibt. Ich würde auch nicht dafür plädieren, dass sich diese Förderer zurückziehen. Aber vieles ließe sich besser bündeln und koordinieren. Der Effekt wäre größer – nicht jeder muss separat auf der Startup-Party mittanzen.

Der Staat soll in Deutschland immer mitmischen
Dennoch sehe ich hier zu Lande ein kulturelles Problem: Wir sind einfach zu sehr gewöhnt, dass der Staat oder die öffentliche Hand zuständig ist. Das hat positive Seiten, birgt aber auch das Risiko, dass private Initative nicht so aufblüht wie sie könnte. Förderprogramme können gelegentlich in Konkurrenz zu privaten Projekten treten. Wenn der staatliche Topf bereitsteht, verläuft vielleicht die Suche nach einem (manchmal anstrengenden) privaten Investor erst einmal nicht so intensiv. Das Silicon Valley wurde ohne solche Töpfe groß. Dabei hat der Staat sehr wohl eine Rolle gespielt! Er tat dies beispielsweise über die intensive Förderung universitärer Forschung und deren intensive Verzahnung  mit privaten Firmen. Und darin sehe ich die eigentliche Rolle von Steuergeld bei der Etablierung einer erfolgreichen Gründerkultur: Ausbildung, Forschung und Infrastruktur sind Bereiche, die nicht privatwirtschaftlich funktionieren. Dort ist jeder Euro sinnvoll angelegt. Aber während allerorten neue Fördertöpfe aufblühen – zuletzt etwa in einer Forschungsinitiative des Bundes, die kleine und kleinste Unternehmen in das Zeitalter von Industrie 4.0 bringen will – fehlt es in Deutschland bei der großen Infrastruktur bis hin zum Breitbandausbau an allen Ecken und Enden. Das hat auch damit zu tun, dass es beim Thema Bildung und Infrastruktur gleich um sehr viel Geld geht. Ein neuer Fördertopf macht hingegen genauso viele positive Schlagzeilen – und kostet im Zweifelsfall nur Millionen und nicht Milliarden. Aber welches Startup würde schon kritisieren, wenn sich irgendwo ein neuer Fördertopf auftut, an den man selbst womöglich einmal heranwill? Dennoch ist es an der Zeit, hier die Debatte über sinnvolle staatliche Prioritäten zu führen.
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Bildquelle: Dennis Skley unter CC-Lizenz CC BY-ND 2.0

Sven Dumke hat im Rahmen seiner Bachelorthesis im Studiengang Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien erforscht, wie Startups in der Stuttgarter Region noch besser gefördert werden können, um zukünftig noch erfolgreicher agieren zu können. Weiterführende Informationen zur Thesis stellt er in einem ausführlicheren Artikel auf seiner Webseite zur Verfügung.

Der folgende Beitrag schafft einen Überblick über die Analyse und Bewertung der Stuttgarter Startup-Region und gibt allgemeine Empfehlungen, wie Startups in Stuttgart noch besser gefördert werden können.

Ergebnisse der Analyse und Umfrage
Über 60% der Teilnehmer nehmen eine positive Entwicklung der Stuttgarter Startup-Region in den letzten Jahren wahr. Die GründerInnen bzw. Startups beurteilen die Ausprägungen der Entwicklungsfaktoren in Stuttgart im Allgemeinen positiv. Allerdings sehen sie gravierenden Bedarf in der Verbesserung von Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Berater teilen diese grundsätzlich positive Einschätzung bezüglich der Entwicklungsfaktoren und beurteilen GründerInnen und ihre Ideen als generell positiv. Potential sehen sie in der Qualifikation der Gründer sowie der Geschäftsplanung der Startups. Geldgeber wünschen sich eine höhere Anzahl an Startups und einfachere Investitionsmodalitäten sowie bessere Exit-Alternativen. Förderer beschäftigen sich hauptsächlich mit forschungsintensiven Startups, die kurzfristig eher geringes Wachstum versprechen jedoch langfristig gesehen Potenzial besitzen überdurchschnittlich zu wachsen. Förderer beurteilen die aktuelle Entwicklung ebenfalls positiv und sehen die Entwicklung der Region auf einem guten Weg.

Erkenntnisse aus der Untersuchung
Generell ist die Stuttgarter Startup-Region gut aufgestellt und erfährt eine positive Entwicklung. Bestehende Akteure sind engagiert und besitzen in ihren Bereichen ausgeprägte Expertisen. Eine bessere Vernetzung der Akteure sowie Ausweitung der Zusammenarbeit kann die aktuelle Entwicklung weiterhin verbessern. Finanzierungsmöglichkeiten sollten erweitert und generell vereinfacht werden. Aktivere Geldgeber können das Startup-Ökosystem in Stuttgart fördern und zugleich das Wachstum beschleunigen. Hieraus können bessere Beteiligungs- und Investitionsmöglichkeiten für verschiedenste Akteure entstehen, was wiederum zu einer Aufrechterhaltung und Verbesserung des Wohlstandes führt.

Empfehlungen zur Verbesserung der Förderung
Das vielfältige Netzwerk des Stuttgarter Startup-Ökosystems sollte weiterhin gepflegt und erweitert werden. Zusammenarbeiten in den Netzwerken sollten intensiviert und kontinuierlich ausgebaut werden. Eine stärkere und konsequente Vernetzung von etablierten Unternehmen und Startups ist für die gesamte Region förderlich. Startups sollten in den Frühphasen ihrer Entwicklung stärker bei der Bewältigung von Kosten unterstützt werden und mehr Freiraum für die Entwicklungen und Umsetzung ihrer Ideen zur Verfügung gestellt werden, damit sie sich zielgerichtet auf eine erfolgreiche Umsetzung konzentrieren können.

Die aktuellen Kernbereiche zur noch besseren Förderung von Startups in Stuttgart werden nachfolgend zusammenfassend dargestellt:

Grafik zu Empfehlungen

Die Stuttgarter Region hat sich einen Wohlstand aufgebaut, der für alle darin lebenden Menschen Vorteile schafft und eine hohe Lebensqualität mit sich bringt. Diese Ausgangsbasis gilt es als besondere Chance zu nutzen, um den Wohlstand nachhaltig weiter zu erhöhen und viele weitere Jahrzehnte genießen zu können.

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Über den Autor

Sven Dumke hat Anfang 2014 sein Bachelor-Studium in Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien mit seiner Thesis über die Verbesserung der Förderung von Startups in Stuttgart erfolgreich abgeschlossen. Aktuell engagiert er sich als Startup Consultant und fördert GründerInnen und ihre Ideen sowie deren Nachhaltigkeit. Aufgrund seines theoretischen sowie praktischen Wissens gibt er GründerInnen für ihren Alltag und die Umsetzung ihrer Ideen Tipps und sein Know-how gerne weiter.

Gastbeitrag von Mariella Poenaru
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Existenzgründer und auch Unternehmer, die bereits etwas länger am Markt sind haben über die vielfältigen Förderprogramme die Möglichkeit, auf geförderte Beratungsleistungen zurückzugreifen und andererseits zinsgünstige Darlehen zur Finanzierung der jeweiligen unternehmerischen Belange zu generieren.

Geförderte Beratungsleistungen

1. In der Gründerphase
Definition Gründerphase: Ab dem Tag der Anmeldung eines Gewerbes oder der Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit bis 12 Monate danach.

Wer per Definition in der Gründungsphase ist, kann sich sowohl als Gewerbetreibender oder als Angehöriger der freien Berufe, von einem Coach betreuen lassen.

Inhalte:

  • die Vorbereitung von Finanzierungsgesprächen
  • die Ausarbeitung von Marketingstrategien
  • die Erstellung von Marktstudien

Nicht gefördert werden Rechts-, Versicherungs- und Steuerberatungen, die Ausarbeitung von Verträgen, Beratung zu Buchführungsfragen, zur Erstellung von EDV-Software oder zur Aufstellung von Jahresabschlüssen. Auch Krisenberatungen werden nicht unterstützt.

Die Förderung besteht aus einem Zuschuss, den der Unternehmer/ Gründer erhält, um die Honorarkosten des Coaches bzw. Beraters anteilig zu finanzieren. Bemessungsgrundlage ist ein Beraterhonorar von maximal 6.000 Euro (netto). Das maximal förderfähige Tageshonorar beträgt 800 Euro.

Der Zuschuss beträgt in den neuen Bundesländern sowie in den „Phasing out“-Regionen Brandenburg-Südwest, Lüneburg, Leipzig und Halle 75 % oder maximal 4.500 Euro. In den alten Bundesländern einschließlich Berlin beträgt der Zuschuss 50 %.

Die Beratung muss innerhalb eines Jahres nach Zusage abgeschlossen sein. Im Rahmen der Bemessungsgrenze von 6.000 Euro können auch mehrere Teilaufträge vergeben werden. Fahrtkosten und Mehrwertsteuer sind nicht förderfähig.

Für Gründerinnen und Gründer aus der Arbeitslosigkeit bietet das „Gründercoaching Deutschland“ eine besondere Förderung an:
Aus der Arbeitslosigkeit heißt in diesem Falle, wenn der Gründer arbeitslos ist, Anspruch auf ALG I hat und dieser nach Gewerbeanmeldung oder Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit über die Arbeitsagentur im Rahmen eines Gründerzuschusses gewährt wird! Das ist entscheidend! Die Bewilligung liegt im Ermessen des jeweiligen Ansprechpartners bei der Arbeitsagentur.

Dann beträgt der Zuschuss bundesweit einheitlich 90 Prozent des förderfähigen Coaching-Honorars. Die Bemessungsgrundlage liegt bei maximal 4.000 Euro, das maximal förderfähige Beraterhonorar bei 800 Euro pro Tag. Gründerinnen und Gründer aus der Arbeitslosigkeit können also bis zu 3.600 Euro für ein Coaching erhalten. Voraussetzung ist, dass die Gründerin oder der Gründer entweder das Einstiegsgeld, den Gründungszuschuss oder sonstige weitere Leistungen nach SGB II erhält.

DIESE BESONDERE FÖRDERUNG LÄUFT ZUM JAHRESENDE 2013 AUS!

2. In der Wachstumsphase
Definition der Wachstumsphase: Ab dem zweiten Jahr der Gründung oder Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit bis 5 Jahre NACH Gründung.

Auch hier gelten die Förderquoten wie für Gründer in der Gründungsphase. Förderfähig sind auch hier dieselben Inhalte:

  • die Vorbereitung von Finanzierungsgesprächen, um mögliches Wachstum zu finanzieren
  • die Ausarbeitung von Marketingstrategien, um sich weiter bekannt zu machen und weiteres Marktpotenzial abzuschöpfen
  • die Erstellung von Marktstudien

Die Höhe des Zuschusses
Die Förderung besteht aus einem Zuschuss, den der Unternehmer/ Gründer erhält, um die Honorarkosten des Coaches bzw. Beraters anteilig zu finanzieren. Bemessungsgrundlage ist ein Beraterhonorar von maximal 6.000 Euro (netto). Das maximal förderfähige Tageshonorar beträgt 800 Euro.

Der Zuschuss beträgt in den neuen Bundesländern sowie in den „Phasing out“-Regionen Brandenburg-Südwest, Lüneburg, Leipzig und Halle 75 % oder maximal 4.500 Euro. In den alten Bundesländern einschließlich Berlin beträgt der Zuschuss 50 %.

Die Beratung muss innerhalb eines Jahres nach Zusage abgeschlossen sein. Im Rahmen der Bemessungsgrenze von 6.000 Euro können auch mehrere Teilaufträge vergeben werden. Fahrtkosten und Mehrwertsteuer sind nicht förderfähig.

Geförderte Finanzierungen

Hier gibt es für Existenzgründer – ACHTUNG – im Finanzierungsfall definiert sich die Gründungsphase bis 3 Jahre nach Gründung.

Für Unternehmer, die schon etabliert sind und länger als 3 Jahre im Markt sind, gibt es ebenso die Möglichkeit, für die Finanzierung von Investitionen zinsgünstige Darlehen über die KfW- Bank oder die L-Bank zu generieren. Die Mindesthöhe der Finanzierung muss in diesem Falle 10.000 Euro betragen, die Höchstgrenze liegt in der Regel bei 5.000.000 Euro.

Die Finanzierungsdetails sind angesichts der Vielfalt an Finanzierungs- und Fördermodellen sehr individuell und vielschichtig. Am besten kann hier der Bankberater eine Übersicht verschaffen und bei Vorlage der maßgeblichen Unterlagen die Finanzierung entsprechend maßgeschneidert strukturieren und dann beantragen.

Der Prozess der Beantragung

Anders als bei banküblichen Finanzierungen werden bei geförderten Finanzierungen mehrere Gremien zur Finanzierungsentscheidung hinzugezogen. Diese Gremien befinden sich in unterschiedlichen Institutionen. Einerseits entscheidet das Gremium bei der Hausbank selbst, dann das Gremium bei der Förderbank – das ist entweder die KfW- Bank oder die L-Bank – und zusätzlich entscheidet bei Förderdarlehen noch die landeseigene Bürgschaftsbank mit. Das bedeutet, dass eine finale Entscheidung über den eingereichten Antrag in der Regel 8 bis 12 Wochen dauern kann.

Um überhaupt über einen möglichen Antrag entscheiden zu können braucht die Bank folgende Unterlagen:

  • einen aussagefähigen und fundiert erarbeiteten Businessplan
  • ein Markteinführungskonzept und eine gute Vermarktungsstrategie, damit ersichtlich ist, wer eigentlich die zu erreichenden Kunden sind und vor allem WIE diese erreicht werden sollen
  • die betriebwirtschaftliche Planung, inklusive einer Umatzplanung der ersten 3 Jahre nach Gründung oder Einführung der Wachstumsmaßnahmen, eine Liquiditätsplanung und eine Rentabilitätsvorschau, damit die Bank beurteilen kann die das Unternehmen am Jahresende unterm Strich dasteht und ob der Kapitaldienst bedient und die Darlehen zurückgeführt werden können.

Hier noch ein paar hilfreiche Links:

  1. Zur Checkliste der 5 Förderdarlehen für Gründer und junge Unternehmen (hier bis 3 Jahre nach Gründung)
  2. Zur Übersicht der Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen eines Unternehmenswachstums
  3. Zur Beraterdatenbank der KfW, dort könnt ihr euch für euren Unternehmenssitz/ Wohnort den passenden Berater raussuchen, der dann eine geförderte Maßnahme mit euch durchführen kann.

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Über die Autorin

Mariella Poenaru
Mariella Poenaru ist seit 2007 geschäftsführende Gesellschafterin der Zauberland GmbH, Gründerzentrum der Stadt Ludwigsburg. Preisträgerin „Unternehmer des Jahres“ der Wirtschaftsjunioren Baden-Württemberg. Schwerpunkt Existenzgründung, Vertriebstraining, Marketing und Fördermittelgenerierung. Ab 2006 selbstständige Unternehmens- und Managementberaterin, Schwerpunkt Implementierung familienfreundlicher Modelle in Wertschöpfungsketten von Unternehmen. Davor: Referentin für Projektfinanzierungen der Strategischen Unternehmensplanung der Jenoptik Gruppe, Deutschland, 14 Jahre Tätigkeit im Bankensektor. Davon 5 Jahre Führungsverantwortung für internationale Projektfinanzierung und Syndizierung. Fördermitglied der Wirtschaftsjunioren Rems-Murr-Kreis.
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Bildquelle: Images Money unter CC-Lizenz BY 2.0.