Diese Woche hat sich Carsten Unnerstall von tocario unseren 10 Fragen gestellt und erklärt im Interview genauer, was hinter der Cloud Desktop Technologie steht, die sie entwickelt haben.
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Wer bist Du und welches Produkt bietet ihr an?

Ich bin einer der drei Gründer der tocario GmbH, einem jungen Unternehmen aus Stuttgart. Wir, das sind neben mir Tobias Ott und Mario Lombardo, haben die Vision professionelle Desktop Arbeitsplätze flexibel, kostengünstig und performant von jedem Ort der Welt und mit jedem Endgerät nutzbar zu machen. Hierzu haben wir unsere eigene Cloud Desktop Technologie entwickelt, die wir unter der Marke tocario deskMate als so genannten Desktop-as-a-Service anbieten. Dabei können unsere Kunden – hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen – ihre gesamte Desktop Arbeitsumgebung nach Bedarf einfach online als Cloud-Service buchen. Das einzigartige an deskMate ist die auf den verteilten und mobilen Einsatz optimierte Technologie sowie unser kompromissloser Fokus auf das Thema Datenschutz und Datensicherheit für unsere Kunden.

Seit wann gibt es euch als Unternehmen?

Wir haben Mitte 2010 – neben unseren Jobs bei Hewlett-Packard – damit angefangen, uns ernsthaft mit einer Gründung zu beschäftigen. Anfang 2011 war es dann so weit. Mitte 2012 haben wir die ersten Mitarbeiter an Bord geholt und inzwischen sind wir 8 tocarianer und ein paar Freelancer.

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Wie bist Du bzw. ihr auf die Gründungsidee gekommen?

Wir hatten ursprünglich mit einer anderen Produktidee gegründet, die sich schon nach 6 Monaten zu der heutigen Produktidee weiterentwickelte. Um finanziell gesichert zu sein haben wir von Anfang an Consulting und IT Service bei kleinen und mittleren Unternehmen gemacht. Uns fiel dabei immer wieder auf, dass die Art wie gerade in kleinen und mittleren Unternehmen mit Desktops gearbeitet wird, oft unflexibel und ineffizient ist. Da wir aus unserer Historie bei Hewlett Packard wussten, wie große internationale Unternehmen dem Thema Arbeitsplatzorganisation begegnen, haben wir uns eine Frage gestellt: Warum gibt es diese Technologie (Virtual Desktop Infrastructure) nicht auch bei kleinen und mittleren Unternehmen?
Da ging uns plötzlich ein Licht auf: Warum nicht eine eigene Technologie entwickeln, um kleinen und mittleren Unternehmen dieselben Vorteile bieten zu können, die aufgrund der immensen Investitionskosten bisher nur den großen Unternehmen vorbehalten waren?

Was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr als Team zueinander gefunden?

Wir Gründer waren alle jahrelang Mitarbeiter bei Hewlett-Packard in verschiedenen Funktionen. Tobias ist unser Produkt-Geek und war bei Hewlett-Packard im Outsourcing tätig. Er unterstützte globale Kunden bei der Implementierung und dem Betrieb von SAP und Oracle Umgebungen. Mario ist ein Vollblut-Technologie-Geek. Vor tocario arbeitete er als EMEA Technology Consultant bei Hewlett-Packard. Nebenher ist er noch Dozent an der DHBW. Ich bin der Business-Geek im Team. Ich war direkt nach dem Studium bei einem Londoner Startup und vor tocario jahrelang Business Manager im x86 Serverbereich bei Hewlett-Packard. Kennengelernt haben wir uns per Zufall. Wir sind alle eine Diplomarbeitsgeneration auseinander. Mario hat seine Diplomarbeit bei mir in der Abteilung geschrieben und Tobi hat seine Diplomarbeit bei Mario geschrieben. So haben wir uns gefunden.

Was waren bei der Gründung eures Startups die größten Herausforderungen?

Den Fokus zu behalten. Die Verlockungen des Geldes durch erfolgreiches Consultinggeschäft sind recht hoch, wenn man doch eigentlich gegründet hat, um eine Product Company zu sein. Wir haben zum Glück schnell erkannt, dass fehlender Fokus ein großes Risiko für alle Vorhaben ist und uns einen schlagkräftigen VC mit an Bord geholt. Inzwischen ist zielgerichtetes, fokussiertes Handeln und Arbeiten ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Unsere zweite dauerhafte Herausforderung ist der Aufbau eines exzellenten Teams. Wir schreiben uns auf die Fahne, dass wir Mit-Unternehmer anstatt Mitarbeiter suchen, die mit Leidenschaft dabei sind. Das Recruiting, Coaching und die Unternehmenskultur haben bei uns daher einen sehr hohen Stellenwert.

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Warum habt ihr euch für Stuttgart als Standort entschieden und nicht wie viele andere Startups für Berlin?

Abgesehen davon, dass wir alle Stuttgart als Lebensmittelpunkt haben, hätte uns Berlin als sehr technisches Unternehmen nur wenig Vorteile gebracht. „Tech-Tech-Startups“ sind auf der Achse München, Stuttgart, Karlsruhe immer noch deutlich verbreiteter als in der Berliner IT-Medien-Startup Szene. Natürlich kann Berlin das Leben eines Startups – gerade bei der Finanzierung – einfacher machen. Aber unser Motto ist: Der Status Quo existiert nur, um ihn herauszufordern.

Was möchtest Du Gründern speziell als Tipp mitgeben, wenn sie in Stuttgart gründen möchten?

Denkt von Anfang an wie ein großes Unternehmen. Professionalität zahlt sich aus. Professionelles Projekt- und Prozessmanagement scheinen für Startups oft unwichtig und übertrieben zu sein. Spätestens jedoch wenn das Unternehmen wächst, rächt sich eine fehlende Struktur.
Für Stuttgart als Standort: Bleibt informiert und vernetzt Euch untereinander. Egal ob Gründergrillen, startup-stuttgart.de, Tower in der Marienstraße oder unsere Startup-WG in der Ossietzkystraße. In Stuttgart hat sich schon viel getan und es tut sich hinter den Kulissen gerade einiges Neues. Vielleicht haben auch wir in Stuttgart ab 2014 schon ganz andere Möglichkeiten für junge Unternehmen.

Angenommen Du hättest die Chance einen Tag lang Bürgermeister von Stuttgart zu sein, was würdest Du verändern?

Ich würde Fördergelder für den Aufbau und die Umsetzung eines Startup-Zentrums in zentraler Innenstadtlage freigeben und mehr Werbung für den Wirtschaftsstandort Stuttgart bei jungen Unternehmen machen. Nachwuchsförderung ist eine der wichtigsten Aufgaben, die eine Gesellschaft haben kann. Das gilt auch für den Nachwuchs an Unternehmen und Unternehmern.

Mit wem würdest Du gerne einmal Essen gehen und warum?

Alle gemeinsam als Team mit unseren Frauen. Es ist viel zu selten, dass wir in den überschneidenden beruflichen und privaten Terminen mal Zeit für gemeinsame Aktionen finden.
Wenn sie noch leben würden, fände ich es auch super spannend mit Bill Hewlett und Dave Packard zu essen, um einfach zuzuhören, wie sie in einer Garage den Grundstein für das Silicon Valley gelegt haben und wie sie mit dem HP Way die erste zielorientierte Unternehmenskultur geschaffen haben.

Wo siehst Du euch heute in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir eine feste Größe in der Welt der Cloud Technologie Anbieter sein. Wir wollen eine echte Alternative zu etablierten Playern im Markt der Desktop-Virtualisierung bieten, die international sowohl bei Endkunden als auch bei Service Providern wahr und vor allem ernst genommen wird.

Vielen Dank für das interessante Interview und weiterhin viel Erfolg!

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