Geld hat man, aber man redet nicht darüber. Und genau das ist eines der Probleme, welche eine echte Startup-Kultur in unserem Land hat.

In der vergangenen Woche war Deutschland wieder einmal da zu besichtigen, wo es am Deutschesten ist: Beim tiefgründigen Fischen nach Haaren in der Suppe. Mark Zuckerberg hat 99 Prozent seines Vermögens an eine Stiftung für wohltätige Zwecke übertragen – und in Deutschland (und zugegebenermaßen auch ein wenig in den USA) war die Empörung teilweise fast so groß, als sei er in den Pornogroßhandel eingestiegen. (Die beste Satire dazu hat meiner Meinung nach ausnahmsweise  Spiegel-Online geliefert.) Vieles was da anfangs über angebliche Steuerspartricks und sonstige perfiden Hintergründe mutmaßt wurde, stellte sich bei genauerer Recherche als unbegründet oder zumindest für relativierbar heraus. Das soll nicht heißen, dass die Debatte über privaten Reichtum und die Rolle des Staates nicht völlig legitim ist. Aber als Beleg für die bösen Reichen in den USA war Zuckerbergs Geste vielleicht nicht das allerbeste Beispiel. Ja, die Amerikaner machen es anders als wir, die wir unserem Steuer-Staat mehr vertrauen. Und insgeheim sind wir natürlich davon überzeugt, dass der deutsche Weg der allerbeste ist.

Aber jenseits der Zuckerberg-Debatte wirft die Diskussion ein Streiflicht auf ein Thema das Gründer und Startups insbesondere hier in Südwestdeutschland bewegt. Die Debatte um den Facebook-Gründer konnte deshalb geführt werden, weil sein Reichtum öffentlich geworden ist und nun in Gestalt der öffentlichen Stiftung in seinen Konsequenzen auch bis ins letzte Detail nachvollzogen werden kann. Dann lässt sich über Sinn und Unsinn von Zuckerbergs Visionen und Intentionen trefflich streiten. Und das ist auch gut so.

Der Reichtum bleibt hier zu Lande Privatsache

Doch Deutschland ist das Land des stillen Reichtums. Es gibt Milliardenvermögen, über die man hier nicht redet. Unsere Milliardäre sind vollkommen öffentlichkeitsscheue Wesen. Auch ihre Firmen tun etwa über angegliederte Stiftungen viel Gutes. Viele Reiche investieren auch in neue Ideen. Doch das ist kein Thema für den Party-Talk wie in den USA. Südwestdeutschland ragt beim Niveau der Diskretion dabei noch einmal heraus. „Der Schwabe tut gerne so, als ob er arm sei. Aber er ist beleidigt, wenn andere ihm das glauben“, so lautet eines der berühmtesten Bonmots des unvergessenen Stuttgarter OB Manfred Rommel. Doch für eine Kultur, in der das Kapital den öffentlichen Marktplatz braucht und gerne weitererzählte Erfolgsgeschichten, ist das Gift. Nicht umsonst besteht die Startup-Kultur aus vielen öffentlichen Veranstaltungen, auf denen auch Geldgeber und Leute ohne Geld, dafür mit Ideen, zueinanderfinden sollte. Klar: So bald der Einstieg steht, wird es dann immer diskret. Doch wenn dann wirklich das große Rad gedreht werden soll, winkt irgendwann einmal der Börsengang – und die öffentlichste Form des Unternehmertums, die sich denken lässt.

Reden ist manchmal Gold

Wer eine Startup-Kultur fördern will, muss über Geld reden – ja, auch über sein eigenes. Diskrete schwäbische Förderer- und Investorenzirkel sind in Ordnung. Doch man würde sich manchmal mehr Mut wünschen, Erfolgs- und Reichtumsgeschichten zu erzählen. Wenn die jenigen, die Geld haben und die Gründer, die Geld brauchen,  zueinander finden sollen, dann müssen sie auch laut und deutlich voneinander hören. Netzwerke sind nicht nur leise geknüpfte Spinnweben, sondern sie brauchen manchmal auch den Marktplatz. Geld gebe es für Gründer genug, heißt es vielerorts. Aber was hilft es, wenn die damit ermöglichten Geschichten nicht erzählt werden?

Ach ja, da sind wir dann wieder beim Beispiel Zuckerberg und der Frage, ob wir öffentlichen Umgang mit Reichtum und Erfolg in Deutschland überhaupt verkraften. Aber wo, wenn nicht in einer ernst gemeinten Startup-Kultur könnte der Zirkel der perfekten Diskretion einmal durchbrochen werden.
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Bildquelle: Bankenverband unter CC BY-ND 2.0, Fotograf: Jochen Zick, Action Press

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