Was kann eine neue Landesregierung für Startups tun? Ich denke da nicht an große Gesetzeskataloge oder neue Förderwettbewerbe, sondern an bessere Koordination und mehr Offenheit im Bildungssystem für Gründergeist.

Wahlen haben vorne ein W wie „Wünsche“ – und so will ich eine Woche vor der baden-württembergischen Landtagswahl aus meiner Sicht formulieren, was eine neue Landesregierung der Startup-Szene im Land Gutes tun könnte. Auch zwischen den Zeilen ist das nicht als Wahlempfehlung gedacht. Ich habe keine konkrete Partei im Kopf – das Thema wird jede Regierung angehen, die sich nach der Wahl konstituiert.

Startup-Förderung ist etwas anderes als traditonelle Wirtschaftsförderung: Themen, Arbeitsweisen, Kultur, Finanzierungswege sind anders gelagert. Insbesondere der IT-Bereich hat andere Spielregeln, pflegt mehr Schnelligkeit, mehr Beta-Versionen, andere Geschäftsmodelle. Ein künftiges Wirtschaftsministerium bräuchte einen öffentlich weithin sichtbaren Beauftragten, der die Sprache der Szene spricht. Im besten Fall wäre das jemand, der (oder die) selber einmal gegründet hat, der das Vokabular kennt und nicht nur nachplappert. Es muss  ja nicht gleich bei jedem Startup-Wettbewerb der Minister sich höchstpersönlich profilieren.

Die Landesregierung muss sich um das Bild nach außen kümmern

Ein solcher Startup-Beauftragter  hätte eine ganz konkrete Aufgabe: Er sollte die Fäden  zwischen Mannheim und Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart, Ulm und Konstanz zusammenhalten. Förderzentren, Gründerwettbewerbe, Subventionen und Mini-Cluster gibt es heute schon en masse. Zwar gibt es löblicherweise die Koordinierungsinitiative Ifex. Aber ein wenig straffer dürfte eine künftige Landesregierung die Zügel schon halten. Wenn ein halbes Dutzend oder mehr Logos verschiedener Förderer bei ein und derselben Veranstaltung versammelt sind, nenne ich das noch nicht Kooperation oder gar Koordination.

Das Land hat viel Geld ausgegeben, um mit der berühmten Imagekampagne „Wir können alles außer Hochdeutsch“ Baden-Württemberg als Marke zu etablieren. Marken schaffen Außenwahrhnehmung – und daran krankt es bei dem ingesamt hervorragenden Startup-Standort Baden-Württemberg immer noch.  Nein, keine Sorge: Zentralismus wird es im Bindestrich-Bundesland auch an diesem Punkt nie geben.  Aber das Land zahlt an vielen Stellen mit. Und wer zahlt, sollte mitreden. Gibt es Doppelungen, kann man an der einen oder anderen Schraube drehen, um beispielsweise Gründer nicht nur in der Frühphase zu fördern? Kann man vielleicht ein abgestimmtes Baukasten-Fördersystem etablieren? Was wir nicht brauchen, sind weitere, separat agierende Gründerwettbewerbe, die auch den letzten noch nicht beackerten Nebenschauplatz bespielen.

Wenn regionale Initativen ihre eigenen Wege gehen, sei das ihnen unbenommen. Eine Landesregierung muss aber die Interessen von Baden-Württemberg als Ganzes im Blick haben. Ein kritischer Blick darauf, wo Steuergelder private Iniative womöglich  zu verdrängen drohen, ist hier übrigens mindestens so wichtig wie allzeit prall gefüllte Fördertöpfe.

Bildungspolitik ist für jede Landesregierung die Königsdisziplin

Die Rahmenbedingungen für Startups sind nicht nur durch Geld definiert. Ein guter Teil der deutschen Bürokratie liegt in der Verantwortung der Länder. Wenn Finanzämter darauf getrimmt werden, die spezifische Situation von Startups bei der Regelauslegung stärker in den Blick zu bekommen, dann ist mehr gewonnen als mit der dutzendsten Förderinstitution.

Viele Gesetze werden im Bund gemacht, ein einzelnes Bundesland hat darauf nur begrenzten Einfluss. Natürlich soll ein neuer Wirtschaftsminister auch beim Bund unermüdlich für Entbürokratisierung, ein gründerfreundliches Steuerrecht  und eine bessere digitale Infrastruktur werben. Und an dem einen oder anderen Punkt wie dem Breitbandausbau darf das Land auch gerne selber Geld in die Hand nehmen. Aber eine Landesregierung sollte insbesondere auf die Zuständigkeitsbereiche blicken, in denen sie wirklich das Sagen hat – und das sind die Schulen und Hochschulen. Die Programme  zur Innovations- und Technologieförderung von der Industrie 4.0 bis zur Bioökonomie sind in Baden-Württemberg vielfältig.

Doch zum Gründen braucht es nicht nur technische Expertise, sondern auch die richtigen Gründer-Typen. Dazu passen aktuelle Umfrageergebnisse, wonach sich zwar in Deutschland fast jeder zweite zwischen 18 und 34 Jahren mit dem Gedanken anfreunden kann, vielleicht einmal zum Gründer zu werden – aber am Ende nur 10 Prozent dies realisieren.

Und hier lassen sich in Bildung und Ausbildung wichtige Fundamente legen. Das Schulfach Wirtschaft ist an den Schulen bereits etabliert, Schüler können sogar schon als Mini-Gründer im Rahmen des Unterrichts Erfahrungen sammeln. Es gibt Gründerlehrstühle an den Hochschulen. Hierauf kann man aufbauen – etwa durch Änderungen an der Studien- und  Prüfungsordnung, die es leichter machen, schon während des Studiums zu gründen. Hier hat eine Landesregierung Spielraum – und sie sollte ihn auch nutzen.

Bildquelle: Till Westermeyer unter CC BY-SA 2.0

1 Antwort
  1. Tobias Wolter
    Tobias Wolter sagte:

    Ja, es wäre wünschenswert wenn die neue Landesregierung koordinierter agieren würde. Allerdings muss man fairerweise auch feststellen,dass es keine Lobbyorganisation gibt, welche die Anliegen der Stuttgarter Statups vortragen könnte. Im Verein mussten doch auch wir erkennen, dass die Wünsche an die Politik sehr unterschiedlich sind.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.