Südlich von Stuttgart in Ehningen, liegt das Landhaus Feckl. Ein 1-Sterne Restaurant mit angeschlossenem Hotel, Apartments, Veranstaltungsflächen und einer Kochschule. Eine denkbar schlechte Kombination während der Pandemie. Wie die gesamte Branche ist auch dieser Betrieb von den Auswirkungen betroffen.

Mit Beginn im ersten Lockdown Ostern 2020 wurde ein neues Geschäftsmodell ausprobiert: wechselnde Gerichte auf Sterne-Niveau zum Abholen. Die Essen werden von Franz Feckl mit seinem Team speziell dafür entwickelt und für den Gast vorbereitet und „vorgekocht“. Der Kunde muss nur die letzten Koch-Handgriffe erledigen, um das Essen zu genießen. 

Wir haben uns mit Franz Feckl, der gemeinsam mit seiner Frau Manuela den Betrieb leitet, getroffen, um über die Pandemie zu sprechen. Franz kommt ursprünglich aus Oberbayern, aus einem kleinen Dorf in der Nähe vom Mühldorf am Inn. Seine Eltern hatten eine kleine Gastwirtschaft. Er wäre gerne Profifußballer geworden, sein Vater entschied aber, dass er stattdessen mit 15 eine Kochlehre anfängt.

Beruflichen trieb es ihn zu Stationen in die Schweiz, zu Heinz Winkler, zu Eckart Witzigmann ins Tantris, 1981 wurde er Küchenchef im Hotel Walter’s Hof auf Sylt, wo er auch seine zukünftige Ehefrau kennenlernte. Gemeinsam pachteten sie das Schloss Höfingen bei Leonberg, bevor sie September 2000 ihren Betrieb in Ehningen eröffneten.

Franz Feckl

Seit rund 34 Jahren hält er durchgehend seinen Michelin Stern und er hat über 150 Lehrlinge ausgebildet. Besonders Stolz ist er auf seine Azubi Johanna Altmann, die in 2020 die beste Kochauszubildende in ganz Deutschland war. Zu seinen ehemaligen Azubis gehört unter anderem Anton Schmaus, Chefkoch der Fußballnationalmannschaft und 1-Sternekoch in Regensburg.

Startup Stuttgart: Hallo Herr Feckl, wir sind hier etwas abseits von Stuttgart, wie kommt man dazu, in Ehningen ein Sternerestaurant zu eröffnen?

Franz Feckl: Das ist eine längere Geschichte. Nachdem meine Frau und ich uns auf Sylt kennengelernt und 1985 geheiratet hatten, wollten wir uns selbstständig machen. Wir haben bei Brauereien nach verfügbaren Betrieben angefragt und da wurde uns das Schloss Höfingen in Leonberg angeboten. Wir haben das dann 15 Jahre geführt. Ein guter Gast und Freund hat uns auf die Möglichkeit, ein Restaurant in Ehningen zu eröffnen, aufmerksam gemacht. Nachdem wir uns dazu entschieden hatten, diesen Schritt zu gehen, wurde in Ehningen der neue Betrieb gebaut, während wir noch Schloß Höfingen führten. Es war irre. Am 15. September 2000 haben dann alle Mitarbeiter vom Schloss Höfingen, inklusive der Spülfrau, in Ehningen angefangen.

Es war wie ein Sechser im Lotto, zumindest die ersten 8 Jahre. Irgendwann hatte ich 18 Köche, wir haben geackert und viel riskiert. Wir haben bis zu 150 Gäste auf Sterne-Niveau bedient, da gibt es nicht viele Betriebe, die das konnten. Allerdings kam die Weltwirtschaftskrise und damit waren dann erst mal alles Geschäftsessen weg.

Die Kunden von den großen Konzernen aus der Region, Daimler, HP, IBM usw. kamen nicht mehr. Die Jahre 2008 bis 2011 waren hart. Wir mussten uns umstellen, mehr Fokus auf Privatkunden, was aber sehr gut funktionierte. Und jetzt sind wir in die nächste Katastrophe reingeschlittert, wie alle meine Kollegen auch.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Nun sind wir rund ein Jahr in der Pandemie und die Gastronomie und Hotellerie gehört sicherlich zu dem am härtesten getroffenen Branchen.

Franz Feckl: Also, sorry, ich hoffe ich darf ganz ehrlich sein. Ich bin schon echt angefressen, dass das nicht besser läuft. Am Anfang war es für alle gleich schlimm und da habe ich auch viel Verständnis für die Regierung gehabt, was die so machen. Und wir haben uns alle beruhigt und gesagt, es geht nicht anders. Aber der zweite Lockdown seit November! Da muss ich sagen „Hallo!“, die haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die haben den Sommer verstreichen lassen. Die haben zwar immer von einer zweiten Welle gesprochen, waren aber nicht vorbereitet. Und jetzt?! Was da läuft, ist einfach unfassbar. Unfassbar. In den Baumärkten und den Einkaufszentren laufen die Leute rum. Es freut mich für jeden, der sein Geschäft betreibt und aufmachen kann, ehrlich. Aber schauen Sie sich um, wir haben hohe Räume, Tische auseinandergezogen, wir haben ein Hygienekonzept. Nein, die Gastro war und ist nicht der Verursacher.

Startup Stuttgart: Was halten Sie von den staatlichen Hilfen?

Franz Feckl: Ja, es gibt staatliche Hilfen und Soforthilfen. Wir mussten auf die Auszahlung warten. Irgendwann waren wir so im Minus, ich musste zur Bank gehen und Geld leihen und das muss ich in meinem Alter auch wieder zurückzahlen.

Startup Stuttgart: Viele Spitzengastronomen in der Region haben komplett zu, sie gehören zu den Wenigen, die versuchen, mit neuen Konzepten durch die Pandemie zu kommen. 

Franz Feckl: Not macht erfinderisch. Mein Sohn Julian arbeitet in einem Food-Startup und irgendwann am Anfang der Pandemie hat er gesagt „Papa, willst du jetzt nur die Füße stillhalten? Wollen wir was machen?“.

Wir haben dann mit meiner Frau und meinen erfahrenen Köchen gebrainstormt. Die Idee: Sterneküche für zu Hause. Wir haben top Produkte, bereiten alles professionell vor und der Gast bekommt die Gerichte in Essenspaketen zu 95% fertig und muss nur die letzten Handgriffe daheim machen.

Meine Frau hat Kunden über Whatsapp über das Angebot informiert und die haben dann wieder gefragt, ob sie es ihren Freunden weiterleiten dürfen! Ostern 2020 haben wir die ersten Essenspakete vorbereitet. Und wie viele! Es war unvorstellbar! Es war ein großer Erfolg und diesen Umsatz haben wir schon ganz gut gebrauchen können. Es ging uns aber auch darum, mit den Gästen während der Pandemie in Kontakt zu bleiben.

Durch dieses neue Geschäft konnte ich meine Köche endlich wieder aus der Kurzarbeit holen. Es bleibt ja auch keiner gerne zu Haus, um Däumchen zu drehen. Das gesamte Team freut sich echt wieder arbeiten zu können und es bleibt auch mehr Kohle für sie am Ende des Monats. Ich bin nicht der Daimler, der 98% bezahlen kann. Also wir haben das schon brauchen können. Im Service haben wir leider bereits Fachkräfte verloren, die jetzt zum Beispiel im Krankenhaus am Empfang arbeiten.

Team Feckl

Startup Stuttgart: Sind Sie froh, diesen Weg gefunden zu haben?

Franz Feckl: Ich bin doch kein Almosenempfänger. Ich möchte arbeiten und bin froh über diesen Weg. Und mein guter Musikerfreund Clemens König, der erzählt von seinen Bekannten, super Musiker, die jetzt im Supermarkt Regale einräumen.

Startup Stuttgart: Wie schwierig ist es, Sterneküche über diesen neuen Vertriebsweg zu verkaufen?

Franz Feckl: Es geht nicht mit jedem Gericht. Fisch ist schwierig. Wir probieren vorher alles aus, wie kommt es beim Gast an, welche Schritte gibt es zu tun und wir lernen auch kontinuierlich dazu. Jedes Gericht hat jetzt eine Farbe in der Kochanleitung. Die Zutatenverpackungen sind entsprechend farblich markiert, damit der Kunde diese schneller bei der Zubereitung findet. Die Kochanleitung legen wir jetzt immer schon in die Kochbox, nicht jeder Gast konnte die daheim ausdrucken. Beim Rostbraten, der zuerst aufgewärmt, bevor er in der Pfanne nachgebraten werden muss, schreiben wir zum Beispiel „im heißen Leitungswasser“ erwärmen. Die Gefahr war zu groß, dass Wasser vom Wasserkocher zu heiß wäre und der Rostbraten komplett durchgegart wird.

Wir mussten auch unsere Endkontrolle beim Verpacken der Pakete kontinuierlich verbessern, wir sind jetzt bei einer Dreifachkontrolle. Wenn eine Zutat beim Gast fehlt, ist das sehr ärgerlich. Inzwischen haben wir aber fast keine Reklamationen mehr.

Mein Sohn hat sich mit der Bestellsoftware auseinandergesetzt und uns ein kleines Fotostudio eingerichtet. Ich sehe, dass diese neue Aufgabe meinem Team Spaß macht. Die Essen zu fotografieren, die Texte für die Kochanleitung zu schreiben, die Webseite zu pflegen. Das entwickelt sich so im Team und die jungen Köche müssen damit auch umgehen können, ich kann das nicht.

Kochpaket

Startup Stuttgart: Werden Sie nach der Pandemie mit dem Konzept weitermachen?

Franz Feckl: Ja, auf alle Fälle. Wir haben jetzt schon Gäste, die jede Woche ihre acht Portionen Spätzle holen *lacht* wir haben aber auch festgestellt, dass wir neue Kunden gewonnen haben. Es ist also auf jeden Fall ein schönes Zusatzgeschäft und wenn wir perspektivisch wieder samstags 40-60 Gäste im Restaurant empfangen können und zusätzlich 30-40 Kochpakete vorbereiten müssen, brauche ich wieder ein paar Köche mehr.

Unser Plan ist es, auch den Shop auszubauen. Irgendwann gibt es unsere Hummersuppe im Glas, die Pfeffermischung oder meinen Kalbsfonds. Also, wir haben da noch ein paar Ideen.

Startup Stuttgart: Was möchten Sie an ihrem Konzept noch verbessern?

Franz Feckl: Ich würde gerne von dem Müllberg wegkommen. Wir haben lauter Einzelportionen, was für unsere Logistik und Vorbereitung gut ist. Aber der Müllberg beim Gast muss kleiner werden. Es ist nicht zeitgemäß. Mein Sohn hat durchgesetzt, dass wir teure Verpackungen einsetzen, die recycel- und kompostierbar sind.

Startup Stuttgart: Auf welche Gerichte kann man sich aktuell freuen und was ist denn ihr Leibgericht?

Franz Feckl: Wir haben gerade das Oster-Kochpaket mit Spargel und Lamm auf die Webseite genommen. Lecker ist auch unsere Bouillabaisse von Edelfischen oder etwas ganz Feines – eine Roulade von der Maispoularde in Pommery-Estragon-Sauce.

Ich esse gerne einfach ein Wiener Schnitzel und einen geilen Kartoffelsalat dazu. Oder einen Schweinsbraten, einer mit dieser Kruste, das gibt es kaum noch. Denn je einfacher, desto besser ist es oft. Weil einfach weniger, oft mehr ist. Und das kriegst du erst im Laufe der Zeit raus.

Anleitung

Startup Stuttgart: Eine Frage zum Schluss, wie sind Sie und ihre Frau, als Bayern inzwischen in Schwaben angekommen?

Franz Feckl: Sehr gut. Also das Geschäft, was wir machen, da möchte ich nicht in Bayern sein. Also in München hätten wir es toll, aber ich kenne die Gastronomie auf dem Land in Bayern. Wir wissen, was es heißt, da Gastronomie zu machen. Da möchte man den Schweinsbraten immer noch für unter 10 Euro und der muss links und rechts vom Tellerrand ragen. Hier ist es schon ein anderes Essensniveau, eine andere Essenskultur. Und deswegen fühlen wir uns hier auch sehr wohl. Und ich sage immer: den Schwaben, wenn du den mal hast, ist das ein sehr treuer Gast. Natürlich ist der Anspruch auch hoch, aber das ist ja in Ordnung. Ich habe ja auch einen Anspruch an mich selber, dass es super sein muss.

Startup Stuttgart: Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Christoph Röscher

Fotos: Landhaus Feckl – teilweise von vor der Corona Pandemie

Esslingen will im Startup Geschehen als Zukunftsstandort nicht nur am Ball bleiben, sondern in der oberen Liga mitspielen

„Netzwerk, Räume, Gründergeist – das sind die drei Hauptziele, die wir uns als Stadt Esslingen auf die Fahne geschrieben haben, berichtet Marc Grün, Leiter des Wirtschaftsamtes der Stadt Esslingen. 

Eine Frage, die sich die Stadt mit ihren knapp 100.000 Einwohnern stellte, bewegt derzeit auch viele andere Städte in Baden-Württemberg: Wie können wir als Stadt insgesamt innovativer werden? Denn außer Frage steht, dass ein Innovationsruck durch das Land das Land der Tüftler und Denker gehen muss.

Esslingen ist auf dem besten Weg, als bisher Hidden Champion der Startup Kultur ein zusätzlicher Hotspot für Gründungswillige zu werden. Wie machen die das? Und warum wollen die das? Ein entscheidender Teil der Lösung ist das Rathaus, das ein klares Konzept erarbeitet hat und offen ist für Neues. Denn ein disruptiver Wandel muss auch diese Stadt, in der Automobilindustrie und Maschinenbau bisher der Quell von Wohlstand und Fortentwicklung waren, erschüttern und wachrütteln. Dieser Wandel wird ausschlaggebend sein für das Wohl und Wehe der zauberhaften Fachwerkstatt. 

Mit dem Stadtkompass stets auf Kurs

Zwei Buzz Words, Disruption und Startup, bewegen die Gesellschaft zunehmend – auch in Esslingen. Um „als Zukunftsstandort am Ball zu bleiben“, wie es Grün ausdrückt, hat er mit seinem motivierten Mitarbeiterstab einen „Stadtkompass“ ins Leben gerufen. „Es muss uns gelingen, unsere Stadtgesellschaft insgesamt zu motivieren – zu mehr Eigenständigkeit, zu Kreativität, zu innovativen Lösungen. Das bedeutet auch, angstfrei zu werden vor Veränderungen“, beschreibt der Wirtschaftler den anstehenden Kraftakt. Diese Veränderungen, die die nächsten Jahrzehnte deutlich prägen werden, will Esslingen aktiv mitgestalten – mit dem Stadtkompass, der klar die Richtung/en weist.

In diesem Stadtkompass spielt die Gründungsförderung durch die Stadt eine große Rolle. Dazu kommt die Transformation der Innenstadt, die der Gründungsförderung zusätzlich zugutekomme und unter Federführung der Esslinger Stadtmarketing GmbH (EST) und mit Unterstützung der Stadt Esslingen vorangetrieben wird. 

Dass es Esslingen ernst meint mit seiner Gründungsoffensive, manifestiert sich nicht zuletzt in der Person von Innovationsmanagerin Daniela Gorka, die sich seit Sommer 2019 mit Verve für Gründer und die Netzwerkpflege ins Zeug legt.

„Wir brauchen Menschen, die das Morgen vorbereiten“, so die klare Erkenntnis. Daher die Gründungsförderung, die zweierlei Ziele verfolgt: Einerseits will sie Gründer in ihrer Selbständigkeit nach vorne bringen, andererseits diese mit Betrieben koppeln, die es in der Stadt schon gibt, um Netzwerk und Kapital zu fördern. „Mit der Gründungsförderung möchten wir gerne die Festos und Daimlers von morgen großmachen und dafür sorgen, dass sie auch hier bleiben.“ An diesem Prozess soll die ganze Stadtgesellschaft beteiligt sein, weshalb die Gründer nicht „in der Peripherie arbeiten müssen“, sondern mitten ins Stadtzentrum geholt werden sollen. 

Hotspot für Innovation und Gründung im Stadtzentrum 

Umgesetzt hat Esslingen bereits das, wonach die Landeshauptstadt noch sucht: Ein Gründerquartier inmitten des pulsierenden Stadtlebens, wenn Corona ein solches Leben dann wieder zulässt und die idyllische Küferstraße aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden kann. Und tatsächlich hat sich die Küferstraße trotz Corona zur Gründermeile gemausert. Genau hier entstanden vergangenes Jahr die Räumlichkeiten der Innovationsmeile Küferstraße. Der Open Space lock mit einladend innovativem Flair und großen, offenen Räumen. Hier können sich Netzwerken und der richtige Spirit ungehindert entwickeln. Gründungswillige können sehr günstig einen Schreibtischplatz auch mal nur für einen Monat mieten und mit ihrer Idee loslegen. Drum herum machen neue Läden auf, ein klares Zeichen dafür, dass die Innovationsmeile „in“ ist. 

Als Kontrapunkt, aber genauso verlockend, steht der 800 Jahre alte Wolfstorturm, das ehemalige Tor zur Stadt am Ende der Küferstraße, für Gründer offen. Seine Räumlichkeiten eignen sich für kleine Workshops oder intime Investorengespräche in rustikalem Ambiente. „Der Vorteil dieses sehr traditionellen historischen Gebäudes im Vergleich zum Open Space sind Räume, die auch mal zugeschlossen werden können und deren Nutzer damit nicht immer in der Öffentlichkeit sind“, sagt Innovationsmanagerin Gorka. Dieses Schaufenstergucken in Sachen Startup ist andererseits genau das, womit der sehr moderne Open Space inmitten der Küferstraße eine Brücke vom Gründergeschehen zur Bevölkerung schlägt und letztere einlädt, einfach mal einzutreten. Niedrigschwellige Angebote sind für Grün und Gorka das, womit sie Gründern und Bürgern den disruptiven Wandel auf breiter Front schmackhaft machen wollen.

Die Masse der Ideen macht’s 

Die Gründer sollen nicht irgendwo auf Wolke versteckt und abgesondert wirken, sondern im Herzen der Stadt die Bürger bestenfalls infizieren mit innovativem Gründergeist. „Bewusst machen wir auch niederschwellige Angebote“, sagen Gorka und Grün. „Ob Florist oder Rentner, alle sollen die Möglichkeit haben zu sagen: Ich hab eine Idee und will mich austauschen mit Leuten, die auch Ideen haben.“ Die beiden Innovationstreiber sind davon überzeugt, dass es viele kleine Projekte braucht, um letztendlich die guten Ideen herauszufiltern. Ideen wie Fahrrad.de, das bislang erfolgreichste Startup, das in Esslingen bereits anno 2013 von René Köhler gegründet wurde – als online Plattform, damals basierend auf dem Fahrradgeschäft seines Vaters.

In Esslingen gebe es zahlreiche interessante Gründerpersönlichkeiten. „Bis zur Fertigstellung der Räumlichkeiten in der Innovationsmeile waren sie eher isoliert. Diese Gründungsinseln, wie wir sie genannt haben, wollten wir zusammenbringen, damit sie sich untereinander austauschen können“, sagt Grün. Mit der Innovationsmeile hat Esslingen dafür jetzt einen Startpunkt. Doch die Pläne der Stadt gehen deutlich weiter. Viele der „Inselbewohner“ waren davon sehr angetan, und so gründeten sie den Verein Makers League e.V. In dieser Liga der MacherInnen stecken Leute, die anpacken und etwas Neues schaffen wollen. Das Narrativ dahinter: Entdecke Deine Superkraft! Jeder hat eine Superkraft, mit der er die Community bereichern kann, meinen die Vereinsgründer. „Die Makers League ist der richtige Ort, um diese Superkraft nicht nur zu entdecken, sondern sie auch mit viel PS auf die Straße zu bringen“, sagt Gorka. Die Stadt arbeite eng und sehr fruchtbar mit der Liga zusammen – in der Rolle des Lotsen. 

Zwar hat sich die Makers League direkt vor dem Ausbruch von Corona im Februar vergangenen Jahres gegründet, trotzdem sind aus den elf Gründungsmitgliedern am Ende des Jahres schon 40 Mitglieder geworden. Allein daran merke man den Bedarf an Austausch, der als Stammtisch zunächst ausschließlich digital stattfinde. Die Mitglieder, so lasse sich beobachten, unterstützen einander stark. „Wer eine Frage hat, findet ganz schnell jemand, der eine Lösung hat. Ein toller Zulauf und alle fiebern darauf, sich auch endlich im realen Leben zu treffen.“

Von Makers League bis Mach ES! 

Der Open Space in der Küferstraße ist das Aushängeschild der Innovationsmeile: Von außen kann man von vorne bis hinten ins Gebäude durchsehen. Architektonisch ist es sehr schön gelöst, das Nutzungskonzept für alle Bereiche gemeinsam von Stadt und Makers League erarbeitet. 

Im Laufe des Jahres, so hoffen alle, soll endlich Leben in die Bude, sprich in den Open Space in der Küferstraße kommen. Die Vereinsmitglieder haben schon Ideen zu Veranstaltungsformaten – bei allen steht das tatsächliche Sich-Begegnen und der Austausch im Vordergrund. „Ich denke, dass es nochmal einen schönen Schub für den Verein gibt, wenn man dann auch außen wahrgenommen wird und sich die Vereinsmitglieder endlich im Space treffen können“, freut sich Gorka über den neuen Hotspot in der Stadt. 

Ihre Rolle sieht Esslingen aber gerade nicht darin, sich von anderen Städten der Region abzuheben. Nein, es geht darum, vereint schlagkräftige zu sein. „Wir als Stadt Esslingen möchten mit den anderen Städten gemeinsam etwas voranbringen. Deshalb haben wir uns mit Filderstadt, Nürtingen und Kirchheim (Teck) zusammengetan und entwickeln unsere Idee Mach es! als gründungsfreundliche Kommune weiter. Auch wieder auf der Grundlage, niederschwellige Angebote zu schaffen“, berichtet Grün und verweist auf den Preis, den dieser Verbund von startup Baden-Württemberg für sein Konzept erhalten hat. 

Vierfache Durchschlagskraft durch starke Städte

MachES“ ist unsere Dachmarke, unter der wir alles in unseren vier Kommunen bündeln, was Gründungsförderung betrifft. Dazu zählt unsere Innovationsmeile oder auch der Wettbewerb Start-U, den wir gemeinsam mit dem Esslinger Stadtmarketing (EST GmbH) initiiert haben“, erklärt Gorka. Es liege auf der Hand, mit den großen Städten des Landkreises die Kommunikation zu bündeln, damit das innovative Denken besser in die Köpfe dringen könne. 

Die Wirtschaftsförderer sind sich sicher, dass die Corona-Krise zu einer erhöhten Gründungsaktivität führen werde, weil die Menschen sähen, dass die alten Geschäftszweige neue Impulse barauchen. Sie suchten also nach etwas Neuem. „Mit Mach es! bieten wir das richtige Netzwerk, um innovativ durchzustarten.“ Und das nicht exklusiv, sondern offen auch für kleine Kommunen, die vielleicht gar keinen Wirtschaftsförderer haben. Denn, so Grün: „Wir als die vier großen Städte sehen uns in der Verantwortung, die Zugpferde zu sein und da die kleinen Städte mitzunehmen – so dass am Ende der ganze Landkreis davon profitiert und dadurch das Netzwerk gestärkt wird.“

Ob Sporthacks für Sportbegeisterte, Gipfelapfelmomente für Meetings im Freien, Fahrrad.de oder Codeatelier für IoT Lösungen, schon Esslingen allein kann mit einer bunten Palette höchst unterschiedlicher Startups jüngeren Datums überzeugen. Keine Frage: In der Quadratur der Ideenschmieden werden aus dieser Region noch viele Innovationen für Schlagzeilen sorgen.

Text: S. Roeder Fotos: Stadt Esslingen

Das Stuttgarter Startup DUSCHBROCKEN hat mit bereits über 500 000 verkauften DUSCHBROCKEN mehr als eine Millionen Shampoo-Flaschen aus Plastik eingespart. Ein DUSCHBROCKEN ersetzt 2 Plastikflaschen.

“Der DUSCHBROCKEN ist das erste feste Shampoo und Duschgel in Einem. Dank seiner milden Sauberkraft kann er für die Reinigung von Haut, Haaren und Gesicht verwendet werden. Die perfekte Alternative also zu Shampoo und Duschgel in der Plastikflasche, denn er schäumt, duftet lecker, verschmutzt die Umwelt nicht und hinterlässt keinen Plastikmüll.” 

Wir haben den beiden Gründern Johannes und Christoph unsere Fragen gestellt:

Wie hat es sich angefühlt und wo wart ihr gerade als die millionste Plastikflasche durch DUSCHBROCKEN eingespart werden konnte?

“Für unser gesamtes Team war es ein toller Meilenstein und ein wunderbares Gefühl, dass wir gemeinsam mit allen Schaumköpfen seit unserer Gründung eine Millionen Plastikflaschen einsparen konnten. Ein virtueller Zähler hat für jeden verkauften DUSCHBROCKEN 2 Plastikflaschen auf den Counter gerechnet. Wir waren gemeinsam in der Schaumstation zwischen den beiden Lockdowns Ende letzten Jahres und haben angestoßen, als wir die Millionen durchbrochen haben. Wir sind super stolz und gleichzeitig war die Vorfreude zu spüren, dass wir noch mehr Gas geben wollen, um flüssig überflüssig zu machen.”

Wie hat alles bei Euch angefangen und wie ist Euer Weg bis heute verlaufen?

“Wir haben uns zufällig während unserer Weltreise 2017 auf dem Pagodenfeld in Myanmar kennengelernt und uns von Beginn an super verstanden. Wir haben uns acht Monate später am anderen Ende der Welt wieder getroffen und gemeinsam den kolumbianischen Regenwald bereist. Auf dieser Reise entstand die Idee des DUSCHBROCKEN. Als wir von der Weltreise zurückkehrten, haben wir in der heimischen Waschküche im Keller ein eigenes Rezept für den DUSCHBROCKEN entwickelt, verbessert und die Idee per Crowdfunding realisiert. Diese Kampagne zählt heute auf der größten deutschen Funding-Plattform Startnext zu den erfolgreichsten im Jahr 2018. 

Wir haben im ersten Jahr nach der Gründung alle DUSCHBROCKEN eigenhändig produziert und die Produktion anschließend in eine Manufaktur in Stuttgart verlegt.

Nachdem 2020 über die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bei VOX ein Millionenpublikum den DUSCHBROCKEN kennengelernt hat, arbeiten wir heute mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daran, dass noch mehr Menschen vom DUSCHBROCKEN erfahren. Unsere DUSCHBROCKEN werden heute bei einem Seifenhersteller in Baden-Württemberg und einem Familienbetrieb in Österreich nach unserem Rezept produziert. Unsere Schaumstation, von der aus wir auch alle DUSCHBROCKEN eigenhändig versenden, ist in S-Hallschlag angesiedelt. Unsere Vision ist es mit dem DUSCHBROCKEN, Shampoo & Duschgel in der Plastikflasche zu ersetzen.”

Was sind Eure Tipps an andere Startups?

“Wir richten unsere Entscheidungen auf die Frage, was das beste Erlebnis bei unserem Kunden auslöst. Dazu zählt, dass wir in der Kommunikation nicht größer wirken wollen, als wir sind. Das nehmen wir in der Startup-Szene teilweise immer etwas anders wahr. Wir sind der Überzeugung, dass Authentizität und Transparenz ein größeres Vertrauen zum Kunden aufbauen und so zu einer höheren Loyalität führen. Auch, was unser Wachstum betrifft, arbeiten wir eher wie ein Anti-Startup: Wir investieren in Wachstum, ohne dabei die Liquidität des DUSCHBROCKENs zu riskieren. Da sind wir konservativer, weil uns ein nachhaltiges Wachstum wichtiger ist, als das nächste Unicorn zu werden. Wir haben Spaß an der Sache und wollen einen Impact erzielen.”

Wie geht es bei Euch weiter?

“Das Jahr 2021 startet mit dem vierten Umzug in der DUSCHBROCKEN-Historie. Ab März werden wir buchstäblich die Straßenseite wechseln und uns räumlich nochmal etwas vergrößern. Wir freuen uns jeden Tag über mehr Menschen, die zu Schaumköpfen konvertieren und planen aktuell die erste Erweiterung unseres Produktportfolios im ersten Halbjahr 2021. Über Dreiviertel unserer Kunden sind weiblich, weshalb wir aktuell an der Umsetzung eines Conditioners arbeiten, um die nächste Plastikflasche im Badezimmer zu ersetzen. Noch vor Ostern wird es mit Toni Zitroni außerdem eine neue Sonderedition mit einem neuen Duft geben, auf den wir uns sehr freuen.”

Wir wünschen DUSCHBROCKEN weiterhin ganz viel Erfolg und hoffen, dass noch viele weitere Plastikflasche durch ihre Arbeit eingespart werden können.

CeGaT, kurz für Center for Genomics and Transcriptomics oder deutsch Zentrum für genomische und transkriptomische Analysen (https://www.cegat.de), ist kein beliebiges Buchstabenpuzzle. Das Gründerehepaar des Startup mit Sitz in der Tübinger Paul-Ehrlich-Straße 23, Saskia und Dirk Biskup, hat den Namen so gewählt, dass Kenner ihn mit dem Begriff Genetik in Verbindung bringen, weil er mit den Buchstaben der menschlichen DNA spielt: C wie Cytosin, G wie Guanin, A, wie Adenin, T wie Thymin.

Häufig denkt man bei der Arbeit mit Genen an Genmanipulation, zumindest in der Pflanzenwelt. Doch Dirk Biskup stellt unmissverständlich klar: „Wir manipulieren keine Gene, sondern lesen genetische Informationen aus, sind ausschließlich als Diagnostiker unterwegs.“ Was genau also macht CeGaT und wie kam es zu der Gründung, die Saskia und Dirk Biskup, beide Jahrgang 1971, vor elf Jahren zu allein verantwortlichen Unternehmern machte? 

Kurz gesagt suchen die genetischen Analysen den oder die Fehler im System. Ein Fehler an einer wichtigen Stelle im 6 Milliarden großen Erbgut kann schwere Erkrankungen auslösen. Genetische Diagnostik ist „ein wesentliches Puzzleteil auf dem Weg zur bestmöglichen Therapie des Patienten.“ Am Beispiel Tumorgenetik, ein CeGaT Diagnoseschwerpunkt erklärt Dirk Biskup was er damit meint: „Wir sind ein großer Befürworter sogenannter molekularer Boards, in denen verschiedene Experten zusammenkommen, um gemeinsam zu besprechen, wie ein Patient am besten zu therapieren ist.“ An solchen Besprechungsrunden nimmt auch ein Facharzt für Humangenetik teil und erklärt den genetischen Befund. Für ihre Patienten ist das Saskia Biskup immer persönlich. Mit an Bord sind Pathologen, der Onkologen, Radiologen und nicht zu vergessen der behandelnde Arzt, der den Patienten am besten kennt. Gemeinsam besprechen sie anhand aller Ergebnisse, die vorliegen, welches die beste Behandlung für den Patienten ist. „Aus unserer Sicht ist das der richtige Ansatz, um Tumorpatienten bestmöglich zu therapieren“, ergänzt Humangenetikerin Saskia. „Am Ende hat der Patient das Wort, denn es geht ja um ihn.“

Labor CeGatT

Auf den Einwand, ob der behandelnde Arzt den vom Board empfohlenen Prozess auch wirklich einleitet, entgegnet Dirk Biskup: „Das ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Dazu braucht es auch ein Umdenken auch bei den Versicherungsträgern und in der Politik.“ Positiv ist aber, dass die sieben Jahre, seit denen Cegat Tumorgenetik anbietet, Wirkung zeigen. Immer mehr Ärzte entwickelten ein Verständnis für die Diagnose, die einer zielgerechten Behandlung vorausgehe, stellen Dirk und Saskia fest. 

Unternehmung Gendiagnostik

Die Aufgabenteilung bei CeGaT ist von Anfang an klar strukturiert. Der finanzielle und administrative Teil bei CeGaT geht hauptsächlich auf das Konto des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers Dirk Biskup, der viele Jahre in der Industrie insbesondere im Finanzwesen und Management tätig war, zuletzt als europaweiter Finanzvorstand der AEG Elektrowerkzeuge in Winnenden.

Dirk Biskup

Das medizinische Herz als Motor steuert Saskia Biskup bei. Schon frühzeitig im Studium hat die gebürtige Frankfurterin viel geforscht, mit Fokus insbesondere auf die neurogenerative Erkrankung Parkinson. Auf ihren Dr. med. von der Uni Würzburg sattelte sie nach drei Jahren Forschung noch einen Dr.rer.nat. bevor sie im Jahr 2009 dann als Fachärztin für Humangenetik ihre medizinische Ausbildung beendete. Just in diesem Jahr gründeten ihr Mann und sie CeGaT. Ein Jahr später kam die Praxis für Humangenetik dazu, „so dass ich auch gesetzlich versicherte Patienten versorgen kann“, freut sich die Medizinerin, deren erklärtes Ziel es schon seit zehn Jahren ist, die Versorgung von Menschen mit genetischen Erkrankungen und Tumorpatienten zu verbessern. 

Drei Jahre lang forschte Saskia an der seit Corona weltweit bekannten, weil für ihre Fallzahlen in aller Welt vielzitierten Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Danach ging es für zwei Jahre ans Institut für Humangenetik in Tübingen. 

Corona Pandemie und CeGaT 

Als Reaktion auf Covid-19 hat CeGaT sein Wirkungsfeld ausgeweitet und sich entschlossen, einen unkomplizierten, aber präzisen Test anzubieten. Aus den zwei Gründen, der ihren Managemententscheidungen immer zugrunde liege: Helfen und Geld verdienen. Letzteres ist ebenso wichtig, damit Gehälter bezahlt werden können, niemand entlassen werden muss und das Unternehmen gesund wachsen kann und unabhängig bleibt. 

„Wir hielten den Corona Antikörpertest für enorm wichtig. Und in der Anfangszeit kamen viele Leute nicht an den Test ran“, sagt Dirk Biskup. Als Profis in der Labor-Diagnostik kennen sie sich mit der Technologie, der Probenverarbeitung und dem Abrechnungsprocedere aus. Man hatte zudem die Kapazitäten, den Antikörpertest aufzubauen, weil die Auftragseingänge gegenüber normalen Zeiten um 30 bis 40 Prozent einbrachen. „Und zwar nicht, weil es weniger Tumorpatienten gegeben hätte“, betont Biskup. Auch der Diagnosebereich war etliche Monate betroffen von der Fixierung auf das bis dato unbekannte Corona-Virus. Unterschwellig schwingt mit, dass viel mehr Leute wegen Corona sterben als an Corona. Die Diskussion um Kollateralschäden steht noch aus. 

Mobile Blutabnahme in Tübingen

„Die Akzeptanz unseres Antikörpertests ist ausgesprochen hoch. Wir merken das daran, dass wir sehr viel positive Presse haben“, beobachten die Biskups und merken an, das sei in so einem Bereich durchaus nicht immer zu erwarten. Zudem merken sie, dass die Leute „gerne hierher kommen zur Blutabnahme. 

Ein donnerndes Halali für simplifizierte HighTech Medizin 

Nicht erst Termin beim Arzt, dann Blutabnahme beim Arzt, dann das Blut vom Arzt versenden, dann einen Befund zurück zum Arzt schicken, der dann wieder den Patienten einbestellen muss? Dirk Biskup quittiert ein solch langwieriges Verfahren mit einem für einen Norddeutschen ungewöhnlich emphatischen „Halleluja“. CeGaT, erklärt er, komme aus einer hoch qualitativen Denke, die immer den besten Test anbieten möchte und das für überschaubare 25 Euro (siehe Website), egal ob vor Ort oder via Teströhrchenversand.

Standort Tübingen

Natürlich sei Tübingen in punkto Medizin ein hervorragender Standort, sagt der Hamburger Biskup. Wie häufig bei Unternehmensgründungen spielten aber auch Zufälle mit. „Wir haben im TTR (Technologiezentrum Tübingen Reutlingen) hier in Tübingen, einem sogenannten Inkubator-Gebäude, einfach gut ausgestattete Laborflächen gefunden. Die Miete war zwar stattlich, aber wir konnten direkt loslegen“, erinnert er sich an die Anfangszeiten. 

„Unser gesamtes Labor ist sehr kapitalintensiv, denn wir haben extrem teure Maschinen“, erzählt er. Somit lohnte es sich, alles an einem Standort zu konzentrieren. Inzwischen haben die Biskups ihr eigenes CeGaT Gebäude erstellt, in dem sie arbeiten. Es hat gut 4.000 Quadratmeter. Noch. Denn ein Neubau schafft weiteren Platz für das expandierende Hightech Unternehmen.

Entwicklung vom Kleinstunternehmen zum prosperierenden Mittelständler

Spannend beim Gründen der CeGaT, speziell für jemanden, der wie Dirk Biskup aus der Großindustrie kommt, seien die Umbrüche, die man in dieser Zeit durchmache. Konkret meint er damit, den Prozess von der Pike auf mitzumachen, das Wachsen von „einer kleinen Bude mit drei bis vier Leuten, die in einem Raum sitzen, sich austauschen und wo jeder alles weiß“ hin zu einem mittelständischen Unternehmen. Das, so der Betriebswissenschaftler, bedinge das Einführen von Prozessen und Abteilungen. Dadurch empfänden sich Mitarbeiter in einzelne Funktionen gezwängt und fühlten sich plötzlich degradiert, Warum? „Weil der Einzelne nicht mehr alles weiß.“ Aber das liege nun einmal in der Natur der Sache, wolle man nicht ein „großer Debattierklub“ werden.

Die CeGaT ist eine GmbH. Weil aber Leistungen für gesetzlich Versicherte in Deutschland nicht über diese Unternehmensform abgerechnet werden können, betreibt Saskia Biskup parallel zum Labor CeGaT eine Praxis für Humangenetik. Leider gibt es Strukturen in Deutschland aus dem letzten Jahrtausend. Es kommt nicht auf Qualität und Leistung an, sondern auf Besitzstandswahrung. Viele Tests von CeGaT gibt es nur im Ausland, da die Regelungen für gesetzlich Versicherte den Zugang unmöglich machen. Eine medizinische Katastrophe sei das, wie Saskia Biskup findet. 

Saskia Biskup

Drum prüfe, wer da wirklich gründet…

… ob sich nicht noch ein Haken findet. Die beiden hatten sich im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht. Dazu gehörten auch die zwei grundlegenden Fragen „was wollen wir inhaltlich machen und wie könnte man das machen.“ Fragen, die sicherlich auch für andere Gründer passen. Mit der Untersuchung von Genen, zunächst auf Epilepsie und bald schon auf Tumore, hatten die Biskups ein Alleinstellungsmerkmal, weil sie mit ihrem Diagnoseverfahren sehr viele Gene gleichzeitig untersuchen konnten. „Das gab es vor zehn Jahren noch überhaupt nicht. Wir gehörten weltweit zu den Ersten, die so etwas gemacht haben“, weiß der 49jährige Unternehmer.

Nicht zu vergessen die dritte sehr wichtige Frage: Wer bezahlt eigentlich dafür, also für die Diagnostik? Wie also kann das Unternehmen Umsätze realisieren, Gehälter bezahlen, in Technologie investieren, woher kommt das Geld dafür? „Diese Ertragserfassung oder Revenue Recognition ist in einer normalen Lieferanten-Kundenbeziehung ganz einfach“, erzählen die Biskups. Schwierig wird’s im deutschen Gesundheitswesen mit den Krankenkassen und der kassenärztlichen Vereinigung einerseits und den privaten Krankenkassen andererseits. 

Komplex und langsam bürokratisches Gesundheitswesen 

An dieser Stelle bricht unterdrückter Ärger aus der sonst ruhigen Frau heraus: „Bis wir gesetzlich versicherte Patienten in Deutschland mit innovativen Methoden versorgen können, vergehen im Schnitt dreizehn Jahre“, äußert sie empört und fährt fort: „Ein Beispiel zum Finden der genetischen Ursache bei seltenen Erkrankungen heißt ‚Trio‘, das heißt, man untersucht beide Eltern und das betroffene Kind. Und versucht, die Position im Erbgut zu finden, die bei dem kranken Kind anders ist als bei den gesunden Eltern.“

Dazu müsse man das gesamte Erbgut untersuchen. Denn dann finde man die betroffene Stelle im Erbgut recht schnell. Diese Trio Diagnostik macht CeGaT hauptsächlich fürs Ausland. Die Frage nach dem Warum kann die Medizinerin mit Leib und Seele schnell beantworten: Den meisten Patienten, die hier in Deutschland nach deutschen Gesundheitsrecht versorgt sind, ist die CeGaT Methode noch nicht zugänglich. „Jetzt kann man sagen: drei Jahre kann man noch dazu rechnen, bis hiesige Patienten endlich Zugang erhalten.“ Macht summa summarum die oben genannten dreizehn Jahre – und das bei höchst zeitkritischen Krankheiten, das heisst bei Krankheiten mit Therapierelevanz für den Patienten.

„Sie können sich vorstellen: Wenn ein Kind auf die Welt kommt, eine seltene Erkrankung hat und dann noch ewig warten muss, um eine Diagnose zu bekommen, die dann die Therapie mitbestimmt, das ist eigentlich ein Ding, wo man wirklich vor Ärger die Wände hochlaufen könnte.“ 

Unternehmer aus Leidenschaft mit präziser Diagnose 

Trotz Hindernissen und zum Unwohle der Patienten schmerzlich bürokratischen Stopp-Schildern haben die beiden ihre Vision durchgezogen. „Wir sind inzwischen schon Vollblutunternehmer, weil wir unsere Arbeit gern machen“, unterstreicht Saskia ihrer beider Wirken. Ganz wichtig ist dabei nicht nur die Diagnose für Patienten, also die positive Außenerscheinung, sondern es geht auch darum, gute Bedingungen für die vielen Mitarbeiter zu schaffen. Eigentlich seien das selbstverständliche Dinge, die jedoch nicht vom Himmel fallen. Insgesamt will sich CeGaT verdreifachen, um das derzeitige Wirken „noch viel weiter in die Breite zu bringen.“ 

Text: Roeder, Bilder: CeGaT

Acht Startups präsentierten sich am 09.07.2020 beim Demo Day der Gründermotor Meisterklasse#3 vor dem buntgemischten Publikum aus potenziellen Investoren, Partnern und Interessierten. Drei Minuten hatten die Teams jeweils Zeit – drei Minuten, um die Zuhörer von ihrer innovativen Gründungsidee zu überzeugen. 

Ministerpräsident BaWü Winfried Kretschmann eröffnete den Abend und brachte es mit folgendem Zitat auf den Punkt. „Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Green Tech, Mobilitätswandel – das ist die Zukunft. Und ohne neue, junge Unternehmen und ihre explosive Kreativität kommen wir hier nicht weit. Startups bilden die Basis für einen neuen digitalen Mittelstand und vielleicht auch für eines der nächsten Weltunternehmen. Wir brauchen solche Macher wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 3. Gründermotor-Meisterklasse. Ihr Erfolg ist auch der Erfolg unseres Landes und wir müssen alles tun, sie zu unterstützen.“ 

Die gesamte Veranstaltung fand getreu der Vision von Gründermotor statt: „Gründermotor vereint Startups, Corporates und Wissenschaft, um die Gründerpersönlichkeiten und Wachstumsunternehmen von morgen zu formen.“ Die Startups hatten seit dem Launch Event im April das Programm der Gründermotor Meisterklasse durchlaufen. Bei der Entwicklung eines investment- und skalierfähigen Geschäftsmodells wurden sie hierbei von erfahrenen Mentoren, Co-Piloten, Gründern sowie starken Corporate Partnern unterstützt.


Diese Meisterklasse war jedoch anders als die vorausgegangenen. Das komplette Programm fand  online und remote statt und so war dieser Tag ein ganz besonderer. Alle Teilnehmenden, also die Teams, die Mentoren, die Co-Piloten und das Gründermotor-Team sahen sich an diesem Tag zum ersten Mal in “real life”, da das große Finale als einzigartiges Hybrid-Event stattfand.

Beim großen Finale der Meisterklasse präsentierten sich folgende Teams:

●  AskYourUI – automatisiertes Testen von User an Interfaces, ohne Code 

  • auvisus – Self-Checkout in der Kantine durch Bildverarbeitung 
  • bill.less – Digitalisierung von Kassenbelegen
  • EMECTRIC – maßgeschneiderte Lithium-Ionen-Batteriesystemen
  • MyCabin – digitale Plattform zur Vermittlung von naturnahen Übernachtungsmöglichkeiten
  • SAM-Dimension – präzise Unkrautkontrolle durch Drohnentechnologie
  • Twenty-One Semiconductors – Technologieplattform für den Laser der Zukunft
  • WRS Energie – transparente Druckluftkosten für Unternehmen

Natürlich gab es für die Teams auch etwas zu gewinnen. Die Preise wurden von Prof. Dr. Peter Middendorf an die Gewinnerteams übergeben. Das Team von SAM-Dimension konnte dabei den Jurypreis für sich gewinnen, während sich  MyCabin den Publikumspreis und das Team von bill.less den Mentorenpreis sicherte.

Das Video vom Demo Day in voller Länge findet ihr hier. Den Zusammenschnitt hier

Die Meisterklasse #4 startet bereits am 09. Oktober 2020 mit dem Launch Event. Interessierte können sich ab sofort bewerben und finden hier weitere Informationen.

Über Gründermotor:

Das Programm Gründermotor verfolgt das Ziel, die Lücke zwischen Startups und der freien Wirtschaft, insbesondere im Hinblick auf die Investment- und Wachstumsfähigkeit junger Gründerteams zu schließen. Damit vereint die Initiative Wirtschaft, Wissenschaft und Startup-Szene und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt.  

Text und Fotos: Gründermotor

 

Duschbrocken – sympathische Startup-Gründer aus Stuttgart

Immer wieder freut man sich über lokale Erfolgsgeschichten, die nationale Bekanntheit und Größe erlangen. So haben auch Johannes Lutz und Christoph Lung den schwäbischen Erfinder- und Startup-Geist in die Welt hinausgetragen und sind jüngst in DER Startup-Sendung im deutschsprachigen Raum, in „Die Höhle der Löwen“, aufgetreten und konnten einen erfolgreichen Deal mit dem Löwen Ralf Dümmel erzielen.

Die beiden Gründer haben sich auf Reisen getroffen und nach einer ausgelaufenen Shampooflasche beschlossen, ein festes Shampoo in Form einer Seife, die aber keine Seife ist, zu produzieren und die auf Plastiktuben sowie die Nachteile des „alten“ Seifenstücks verzichtet.

Vom ersten Prototyp zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne

Unter dem Motto „Fest ist the best“ und „flüssig überflüssig machen“ tüftelten sie an dem Rezept für ihre 2-in-1 Dusch- und Shampoo-„Seife“ herum, um nach 20 Prototypen an ihrem finalen Ergebnis festzuhalten.

Nach der Pilotphase, in der die Seife in der eigenen Produktion mit einer Pizzateigmaschine hergestellt wurde, werden die „Duschbrocken“ inzwischen aufgrund der explodierten Nachfrage in zwei Seifenmanufakturen in Deutschland und Österreich hergestellt.

Nach ihrem rasanten Erfolg und einer sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurden Johannes und Christoph von der Erfolgssendung „Die Höhle der Löwen“ kontaktiert, um dort mitzumachen. So erzählte uns Johannes, dass sie nach der Einladung nur eine Woche Zeit hatten um sich auf das „Casting“ vorzubereiten. Um nicht nur bei den harten Zahlen und Fakten sicher zu sein, sondern auch beim Pitch, bot das Team von VOX Unterstützung in Form eines Unternehmensberaters, der die Story nochmal von außen beleuchten und Tipps für den Pitch geben sollte.

Johannes Lutz & Christoph Lung, die beiden Gründer von „Duschbrocken“

Die Aufzeichnung zu „Die Höhle der Löwen“ – Blick hinter die Kulissen

Da die Aufzeichnung in Köln war, begab sich das Gründerteam für einen langen Drehtag gen Norden mit der Absicht, den Duschbrocken einem nationalen Publikum vorzustellen.

Höchstkonzentriert durchliefen sie Briefings durch das TV-Team, welches Sie den ganzen Tag betreute.

Der Dreh selbst dauerte insgesamt etwa zwei Stunden. So wurden die Gründer nach ihrem Pitch für etwa 1 ¾ Stunden von Fragen der Jury durchleuchtet – weit mehr als man im Fernsehen immer in der zusammengeschnittenen Fassung zu sehen bekommt. Da die Löwen jedoch im Vorfeld keine Infos zu den pitchenden Startups bekommen, ist die Länge der Fragen vor einem Investment auch verständlich.

Duschbrocken bei „Die Höhle der Löwen“ am 21.04.2020

Insgesamt waren Johannes und Christoph sehr zufrieden mit Ihrem Auftritt und konnten sich über einen Deal mit ihrem „Traum-Löwen“ Ralf Dümmel freuen. Sein breites Wissen und Netzwerk für den Vertrieb über Einzelhandelsketten und andere Vertriebswege ebnet den Weg für den Duschbrocken in vielen Läden.

Ausbau der Kapazitäten

Das Wachstum, von 100 bis 150 Duschbrocken pro Tag auf inzwischen mehrere tausend Duschbrocken/Tag, welche inzwischen in zwei Seifenmanufakturen in Deutschland und Österreich hergestellt werden, ist wirklich sehr bewundernswert. Doch ist bei den Gründern merklich der Boden unter den Füßen „hängengeblieben“, denn die Brocken werden weiterhin mit viel Liebe zum Detail in ihrer „Schaumstation“ verpackt und zu den Kunden CO² neutral versendet. Hierbei zählt die Nähe zum Kunden als einer der Hauptstärken des Unternehmens. Diese ermöglicht die hohe Individualisierung und führt zu der hohen Kundenzufriedenheit und zu Wiederholungskäufern, welche auch den Löwen imponierten.

Traum-Löwe Ralf Dümmel beim Test des „Duschbrocken“

Wirtschaftlicher Erfolg, so Johannes, kommt durch zufriedene Kunden. Nur wenn ein Mehrwert dem Kunden geliefert werden könne, habe ein Unternehmen langfristig eine Zukunft.

Tipps für Unternehmensgründer

Anderen Unternehmensgründern legt Johannes ans Herz, unkompliziert und unbürokratisch zu denken. Alle administrativen Tätigkeiten bieten keinen sofortigen Mehrwert – der Fokus muss zunächst auf dem Produkt liegen. Auch weil dieses Mantra in Deutschland nicht immer leicht umzusetzen ist, lohnt es sich, sobald das Produkt steht, externe Profis wie Rechtsanwälte, spezialisierte Steuerberater wie den „Startup Steuermann“ Tobias Sick von HWS oder Profis für den Online-Shop (um auch dem Ansturm nach der TV-Ausstrahlung gewachsen zu sein) mit an Bord zu holen und bestimmte Aufgaben abzugeben und auszulagern.

Durch ihren Auftritt bei der Höhle der Löwen mit mindestens 2 bis 3 Millionen Zuschauern hoffen die beiden Duschbrocken-Gründer ein weites Publikum zu erreichen und von in ihrem neuen Online-Shop zu überzeugen. Die Duschbrocken wird es daneben ab sofort auch flächendeckend im Einzelhandel zum Kauf geben.

Die Duschbrocken im Einzelhandel nach der DHDL-Show

Mit dem Duschbrocken treffen die Gründer exakt den Nerv der Zeit – indem Sie darauf achten, ihre Produkte frei von Plastik, nachhaltig und vegan herzustellen. Neben diesen Zielen war es für die Gründer aber ebenso wichtig, dass sich der Duschbrocken gut anfühlt, sehr gut riecht und vor allem beim Duschen viel, viel schäumt!

Wir wünschen dem sympathischen Stuttgarter Startup weiterhin sehr viel Erfolg!


Text: Colin Lieb
Bilder: Johannes Lutz


Spoontainable produziert nachhaltiges und sogar essbares Besteck

„Wir konnten letztes Jahr über eine Million Löffel verkaufen und dadurch einen wirklich guten Markteintritt hinlegen“, berichtet Amelie Vermeer, Geschäftsführerin von Spoontainable. Löffel verkaufen? Ja, aber nicht etwa aus Edelstahl oder Silber. Es sind nachhaltig produzierte und gleichzeitig essbare Löffel für den Eisgenuss.

Spoontainable nennt sich das Startup, das an der Universität Hohenheim seinen Anfang nahm. Der Name ist ein Portmanteau aus Spoon (Löffel) und Sustainable (nachhaltig). Er klingt aber auch nach Entertainment und Spaß, kurzum: nach Nachhaltigkeit, die genussvollen Spaß erlaubt.

„Spoonie choc“ und „Spoonie classic“. Wer könnte dazu schon nein sagen? Doch die Eisdielen bleiben angesichts der Corona Pandemie natürlich auch in Deutschland erst mal geschlossen. Das trifft das Geschäftsmodell von Amelie Vermeer und Co-Gründerin Julia Piechotta mitten ins Herz. Die jungen Frauen nehmen es gelassen: „Wir machen das Beste daraus. Derzeit sind wir mitten im Umzug mit unserem Geschäft nach Heidelberg.“

Iss mich, ich schmecke lecker und bin nachhaltig  

„Wir wollen der Anbieter für nachhaltiges Einwegbesteck und -geschirr werden und damit die To-go-Branche revolutionieren“, sagt Jungunternehmerin Amelie. So sehr den engagierten Gründerinnen die Corona Pandemie einen Strich durch dieses Geschäftsjahr machen dürfte, so sehr dürfte ihnen das Plastikverbot, das nächstes Jahr für Einmalplastik gilt, positiv in die Hände spielen. 

Also nicht nur Löffel? „Wir sind da noch im Prozess. Der Unternehmensname könnte sich also nochmal ändern“, verrät Amelie. Doch das werde sich herausstellen, wenn sie weitere Produkte auf den Markt bringen. All das gelte es dann zu planen. „Die Spoonies sind unsere erste Marke. Und je nachdem, zu welchem Zeitpunkt wir weitere Besteckteile produzieren, kommen noch weitere Marken dazu.“

Wie steht es mit der Hygiene? „Man kann unsere Produkte mit den essbaren Waffeln vergleichen, die die Eisdielen ausgeben“, so Amelie. Im Übrigen seien die Spoonies in 500er Verpackungen abgepackt und vorschriftsmäßig einmal in einer Folie umgeschlagen.

Gleiche Interessen und Arbeitsauffassung

Amelie und Julia kennen sich seit ihrem Masterstudiengang Management in Hohenheim, den sie beide vor wenigen Wochen abgeschlossen haben. Bei Spoontainable haben sie die Aufgaben gut verteilt; Julia konzentriert sich auf Marketing und Finance, Amelie auf den Vertrieb und die Produktionskommunikation.

Wieso haben die beiden überhaupt gegründet, statt einem sicheren Job nachzugehen? „Wir sind in Hohenheim zu einer Projektgruppe hinzugestoßen, in der es darum ging, Alternativen zu Plastik zu entwickeln. Uns beiden hat das sehr viel Spaß gemacht. Zudem sind Julia und ich Menschen, die etwas anfangen und es dann auch gerne richtig machen.“ Deshalb haben die beiden Studentinnen das Projekt kurzerhand fortgesetzt, ein „super funktionierendes“ Rezept entwickelt für einen essbaren Löffel, ein Patent angemeldet und dann die Firma gegründet.

„Wir sind da mit der Zeit einfach reingepurzelt“, schmunzeln sie. Damit stand auch bald die Entscheidung, es mit einem Alleingang zu versuchen und den neben dem Studium ernsthaft zu verfolgen. „Es lief tatsächlich super an, und wir hatten so tolles Feedback, dass wir uns nach dem Studium jetzt komplett selbständig gemacht haben“, bilanziert Amelie. 

Straffes Zeitmanagement und gutes Team

Die größte Herausforderung für die beiden Frauen war die Zeit. „Als wir kurzerhand beschlossen hatten, die Firma großzuziehen, brauchten wir ein richtig gutes Zeitmanagement, da wir darüber hinaus noch in Vollzeit studierten und zudem noch Nebenjobs hatten.“ 

Das sei sehr anspruchsvoll gewesen, funktioniere aber mit einem guten Team. „Man hat halt weniger Freizeit als die Kommilitonen“, resümiert Amelie und fügt lachend hinzu: „und wie vermutlich fast jedes Startup hatten wir natürlich Finanzierungsprobleme.“ 

Spoontainable ist komplett eigenfinanziert. Eine Crowdfunding Kampagne haben sie vor zwei Jahren gemacht und dabei rund 12.000 Euro gesammelt. „Das hat uns am Anfang sehr geholfen, weil allein Patent, Anwaltskosten und Gründung ordentlich Geld verschlucken“. Seitdem tragen sie sich über ihre Umsätze, zahlen sich bisher noch nichts aus. „Aber das kommt dann natürlich mit der Zeit“, zeigen sich beide zuversichtlich. Die schwarze Null jedenfalls haben sie erreicht.

Und wie soll es weitergehen? Auch da sind die Gründerinnen ambitioniert. Letztes Jahr konnten sie über eine Million Löffel verkaufen und somit einen wirklich guten Markteintritt hinlegen. Diesen Erfolg wollen sie jetzt weiterverfolgen. „Vielleicht ab Sommer“, hoffen beide.

Probleme lösen, ohne neue zu kreieren

Was macht die beiden so sicher, dass ihre Erfolgskurve steil nach oben verläuft? „Wir haben als USP, Unique Selling Point, dass wir nicht nur essbares Besteck herstellen, sondern auch nachhaltiges“, betont Amelie und erklärt, Spoontainable verwende Reststoffe der Lebensmittelindustrie, also Produkte, die üblicherweise weggeworfen werden. „Wir upcyceln diese Reststoffe und machen daraus unsere Spoonies.“ Wer ihr Besteck nicht essen wolle, könne es guten Gewissens einfach wegwerfen. Weder zum Schaden der Umwelt, noch sei es Lebensmittelverschwendung. 

Was den Gründerinnen von Spoontainable besonders wichtig ist: „Wir provozieren kein neues Problem. Im Gegenteil. Wir gehen zwei Probleme gleichzeitig an und lösen sie.“ Außer dass sie dem Plastik als Essgeschirr den Kampf angesagt haben und eine essbare Lösung aus Reststoffen anbieten, gleichen sie ihren CO2 Ausstoß nach eigenen Aussagen komplett aus. Zudem sind die Produkte vegan. Einer der Spoonies ist auch glutenfrei. „Wir versuchen wirklich, die komplette Lieferkette so nachhaltig wie möglich zu gestalten.“

Skalierbare Rezepte und einfaches Erfolgsrezept

Das Ziel ist klar definiert: Mit Spoontainable wollen Amelie und Julia der Anbieter Nummer eins für nachhaltiges Einwegbesteck werden und mit Löffeln, Gabeln, Messern, Rührstäbchen und vielleicht sogar Geschirr dafür eine breite Produktpalette aufbauen. 

Die Grundrezepturen aus Kakaoschalenfasern und Haferfasern sind gleichfalls erweiterbar. Doch die beiden Gründerinnen wollen sich nicht verzetteln, konzentrieren sich derzeit auf ihre Spoonies mit zweierlei Geschmacksrichtungen, der neutralen und der mit leichtem Kakaogeschmack.

„Das wichtigste ist meiner Meinung nach wirklich das Team – dass es sich so gut es geht ergänzt und dass man mit dem Team auch wirklich durch alle Phasen, auch die schwierigen, gehen kann“, sind sich Amelie und Julia sicher.

Außerdem sei es wichtig, in jeden Wettbewerb zu gehen, der sich anbiete. „Nutzt jede Möglichkeit, um Eure Idee vorzustellen“, so der Rat. Amelie und Julia haben letztes Jahr an sehr vielen Wettbewerben teilgenommen. „Das Feedback und die ganze Medienaufmerksamkeit, die man da bekommt, das ist wirklich sehr wertvoll.“ Die beiden Gründerinnen haben nicht nur teilgenommen, sie konnten auch häufig gewinnen, wie ein Blick auf die vielen Pokale und Urkunden im Regal ihres neuen Büros verrät.

Momentan sind sie wieder zu zweit, nachdem sie zwischenzeitlich einen Praktikanten bei sich hatten. Aber sobald die Krise vorbei ist, wollen sie ihr Team ausbauen.

Text: S.Roeder
Bilder: Amelie Vermeer


Online Expertise von Experten im Minutentakt

Was tun mit dem alten „Schinken“ der Großeltern? Kann man das Ölgemälde vielleicht zu Geld machen? Wenn ja, was könnten es wert sein? Solche und andere Fragen landen auf dem Schreibtisch von Andreas von Brühl. Der 33 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg hat deshalb als Ergänzung zu seinem Auktionshaus noch ein online Startup gegründet – mit dem Namen estimando, was soviel wie ‚zu schätzen / einzuschätzen‘ bedeutet und somit schon aussagt, was es mit der Plattform auf sich hat.

„Wenn es um Kunst und Antiquitäten geht, gibt es mittlerweile auf ziemlich jedem TV Sender ein eigenes Format“, weiß Andreas. Der Gründer ist selbst demnächst in der RTL Sendung „Kitsch oder Kasse“ zu sehen. Das sei gut für seine neu gegründete Plattform estimando, weil es Aufmerksamkeit für ihn und sein Wirken mit sich bringe. Der Jungunternehmer mit dem Auktionshaus von Brühl im Stuttgarter Westen, das er seit mehr als fünf Jahren betreibt, hat aufgrund der vielen Anrufe und E-Mails an sein Haus erkannt, wie wichtig ein Multikanal-Ansatz auch für seine Branche ist. Schon seit 14 Jahren ist Andreas selbständig, so dass ihm das Startup estimando keinen Schweiß mehr auf die Stirn treibt. Der Vater von bald vier Kindern weiß, worauf er sich eingelassen hat.

Auf Nachlassauflösungen spezialisierter Quereinsteiger

„Wir haben beschlossen, uns auf Nachlassauflösungen zu spezialisieren“. Es gehe ihm darum, Menschen zu helfen, ihre Wertobjekte zu einem fairen Marktpreis zu verkaufen. Mit estimando gelinge es ihm, Experten, Verkäufer und Käufer zusammen zu bringen – zu reellen Konditionen. Seine Expertise erhält ein Antragsteller binnen zwei Tagen – für eine Gebühr von 19 Euro. Je präziser die Angaben von Kundenseite, desto besser können die Experten ihre Expertise erstellen. Andreas kooperiert mit Experten aller Fachrichtungen. Den für ein Objekt jeweils am besten geeigneten Experten sucht der estimando spezifische Algorithmus heraus.

Während seines Studiums hin zum Bachelor of Arts hatte Andreas noch keine Erfahrung mit Kunst. „Den ersten Berührungspunkt hatten wir, als wir ein Haus kauften, das noch komplett voll war mit Gegenständen“, erzählt er und erinnert sich, dass er als kleines Kind immer mal wieder auf einen Flohmarkt mitgenommen wurde. „Aber eigentlich bin ich ein Quereinsteiger.“

Think local, act global

„Mein bester Kumpel und der Entwickler der estimando Site ist vor zehn Jahren nach Brasilien ausgewandert“, erzählt Andreas. So stand unmittelbar fest, dass der Ansatz und Anspruch ein internationaler sein würde. „Eigentlich wollten wir die .com Adresse für estimando, um diesen globalen Ansatz gleich zu unterstreichen. Aber die war schon belegt.“ Deshalb die Adresse estimando.de, die zunächst nur auf Deutsch erscheint. Man habe aber durchaus den Ansatz, das Ganze recht schnell auch international anzubieten.

Der Name sollte außer dem Hinweis, worum es geht, vor allem auch cool klingen, international und nach Startup – siehe Zalando. Ein Vergleich, den Andreas nicht scheut, denn er sieht viel Potenzial für sein Geschäft. Als Inhaber seines Auktionshauses hat er schnell festgestellt, dass hier eine Marktlücke klafft.

Verbindlichkeiten schaffen

Täglich bekommt er 50 bis 100 Anfrage, telefonisch, per eMail oder über WhatsApp. „Ganz viele dieser Personen wollen ein Preisangebot“, berichtet er und merkt an, oft habe er geantwortet, erhalte aber häufig keine Rückmeldung, zumal die Fragenden sich gerne gleichzeitig an mehrere Auktionshäuser richten. Diese mangelnde Verbindlichkeit, die nur Zeit frisst, wollte er ändern. So kam es zur Idee für sein Schätzportal.

„Ich merkte, die Leute wollen eine unabhängige Meinung, und die wollen sie sehr schnell – und am besten kostenlos oder günstig“, so der Unternehmer. Der beschloss, diesen Service für ein geringfügiges Entgelt anzubieten. Der Vorteil seiner Plattform liege darin, dass Experten weltweit die eingehenden Anfragen beantworten können. „Der Kunde erhält rasch Antwort und zwar von einer qualifizierten Person.“ Jemand, der sich in einem Bereich auskenne, könne binnen Minuten eine Beschreibung vornehmen. „Von wo aus auch immer, etwa vom Strand oder von einem Kreuzfahrtschiff aus.“ Das garantiert maximale Flexibilität für seine schätzenden Kooperationspartner. Andreas ist sich sicher, dass seine Plattform für alle Beteiligten attraktiv ist – für Kunden, Experten und letztlich auch für ihn selbst als Betreiber.

Expertennetzwerk für Expertisen

Jemanden zu nehmen, der sich in der spezifischen Materie nicht auskenne, sich dann erst mal stundenlang einlesen und recherchieren müsse, bevor er antworten könne, habe keinen Sinn. „Ich brauche schon Leute, die wirklich Experten auf ihrem Fachgebiet sind. Sie erstellen diese Expertisen für die Anfragen, die bei uns auflaufen.“ Das Ziel des Portals estimando sei es, diese zwei Menschen zusammenzubringen, den Ratsuchenden und den jeweiligen Experten. Andreas ist zuversichtlich, dass er rasch ein weltweites Netzwerk von 200 bis 300 Experten für Kurzexpertisen, die auch Handlungsempfehlungen für die Kunden beinhalten, zusammengestellt haben wird.

Ganz wichtig ist ihm zu betonen, dass estimando ein unabhängiges Expertenportal ist, ausgelagert vom Auktionshaus und unabhängig von etwaigen Folgeaufträgen. Mit anderen Worten: Der Ratsuchende zahlt seine Gebühr, hat ansonsten keine weitere Verpflichtungen.

Weltweite Standards durch estimando

Das Team von estimando ist klein und strukturiert: Andreas verantwortet Marketing und Vertrieb, Johann Noebels, Freund und Entwickler des Portals, ist erfahrener Gründer mit Sitz in Brasilien, wo er schon viele Startups gegründet hat.

„Es ist die ideale Konstellation fürs Home Office“, berichtet Gründer Andreas und nennt als Beispiel die Kunsthistorikerin Claudia Paula Wunder, die als Expertin ihre Expertisen stressfrei und ohne Beeinträchtigung ihres Tages mit Kleinkind erledigen kann.

Sein Expertenteam wird Andreas sukzessive erweitern – auch Experten für Möbel und andere Bereiche sollen dazukommen. Der Aufbau dieses weltweiten Teams läuft dieses Jahr auf Hochtouren. Zunächst wird das Portal sich an die deutschsprachigen Länder wenden. Danach soll es zusätzlich englisch und portugiesisch vorhanden sein.

Ein Ziel: „Mit unseren Gutachten wollen wir auch weltweite Standards definieren. Die Meinungen der Experten werden solide sein, so dass sie die Ratsuchenden vor einer potentiellen Dummheit oder dummen Entscheidung bewahren“, sagt Andreas und wirbt mit dem Motto von estimando: ‚Werte online schätzen‘ durch ‚Weltweites Wissen vereint auf einem Portal.‘

Kurzum: Sein Portal brauche es, um die Unwissenheit und Unerfahrenheit des Kunden durch Expertenwissen abzufangen. Als Beispiel nennt der Unternehmer Erbschaften, in denen es oft darum gehe, die Werte eines Erbfalls fair zu verteilen und so dabei zu helfen, dass Erbschaftsstreitigkeiten vermeidbar werden. Der Weg dahin: alles in eine Auktion geben und den Erlös entsprechend unter den Erben teilen.

Skalierbarkeit als Geschäftsmodell

Wenn man zu hunderten von Kunden physisch fahren müsse und die Stunde dann mehr als 80 Euro koste, sei das nicht skalierbar. Online dagegen werde ein Schuh daraus.

Deshalb ist Gründer Andreas zuversichtlich, dass er und sein Expertenpool in fünf Jahren Europa, Nord- und Südamerika mit Expertisen für die Kunden versorgen könne. „Ich sehe da ein Potential von mehreren hundert Expertisen pro Tag. Definitiv.“

Auf dem Weg dahin wolle er in diesem und im nächsten Jahr das Wachstum beschleunigen – via Marketing und weiter entwickelte Technologie.

Wer gründen will, sollte…

Viel Einsatz mitbringen. „Für den Aufbau meines Portals bin ich sehr früh morgens aufgestanden, war immer zwischen vier und fünf Uhr früh im Büro, um zwei bis drei Stunden vor dem Arbeitsalltag konzentriert arbeiten zu können“, berichtet Andreas.

Fleiß, Hingabe und Frustrationstoleranz seien unabdingbar für ein erfolgreiches Gründen.

Zudem habe ihm immer geholfen, die Welt im Flugzeug von oben zu betrachten. „Da kommen mir klare Gedanken, und ich habe mir die Frage beantwortet: Was wollen die Leute.“

Nicht zuletzt lautet sein Rat: Wenn man seine Geschäftsidee ersonnen hat, dann müsse man einfach MACHEN. Die Idee dann auch wirklich umsetzen und nicht von Anfang an höchste Qualität fordern – eine typisch deutsche Eigentschaft. „Hat man die Idee dann erst mal auf die Beine gestellt – wie ich mit meinem Portal – dann geht es ans Verbessern, den Feinschliff. Das kommt nach und nach.“

Die eindeutige Botschaft bei estimando: „Wir sind klar auf Wachstum ausgelegt.“ Dadurch, dass Andreas Schritt für Schritt und besonnen vorangeht, klingt das nach einem überzeugenden Erfolgsmodell.

Text: S.Roeder
Fotos: Andreas von Brühl

Startup Laserhub agiert im B2B als virtueller Blechbearbeiter und als effizienter Ansprechpartner.

„Unser Ziel ist es, den Beschaffungsprozess in einem B2B Umfeld auf ein ähnliches Niveau zu bringen, wie es die Einkäufer im B2C erleben“, berichtet Adrian Raidt, Gründer von Laserhub und zitiert Zalando und Amazon als bekannte Beispiele dafür, wie bequem der Ablauf von Bestellung bis Lieferung funktionieren kann.

Diesen Komfort will das Startup auf den Blechbereich übertragen. Laserhub agiert dabei als Ansprechpartner für beide Seiten: die Unternehmen, die Blechteile herstellen und diejenigen, die sie kaufen. Daher auch der Name. Über die Drehscheibe, den Hub, wird das Blech- oder Metallteil entsprechend geordert, mit oder ohne Laser bearbeitet und dann an den Kunden ausgeliefert. Alles aus einer Hand. Was unmittelbar einleuchtend klingt, war „eine lange Reise“, sagen die drei Co-Founder einhellig über die Genese ihres innovativen Geschäftsmodells.

Simpel und Effizient für die Kunden

„Wir betreiben eine online Plattform, über die wir für Kunden in der Industrie kundenspezifische Metallteile beschaffen“, beschreibt Adrian die Funktionsweise von Laserhub, dessen Initiator er war. Nach neun Jahren in der Industrie, während derer er sehr tiefe Einblicke in die Blechbearbeitung und die damit befasste, stark fragmentierte Branche gewinnen konnte, „dachte ich viel über die Auslastung der Maschinen nach und darüber, wie man mit den stark schwankenden Auftragseingängen zurechtkommt.“ Dass diese teuren Hightech Maschinen nicht rund um die Uhr laufen, damit wollte er sich nicht zufrieden geben.

Gegründet hat Adrian das Startup Laserhub im Juli 2017 und war zunächst mit seiner Idee alleine im Co-Working Space Wizemann zugange. Das Alleinsein war von kurzer Dauer. Schon im Dezember 2017 und Januar 2018 stießen mit Christoph Rößner und Jonas Schweizer zwei neue Co-Founder hinzu. Das Trio war komplett. Auch sonst mangelt es nicht an Dynamik: „Vor drei Monaten sind wir mit 16 Mann dort wieder ausgezogen“ – in ein frei gewordenes Büro in der Eberhardstraße, mitten hinein in die City.

Gründertrio Laserhub

Gründertrio mit perfekter Kompetenzaufteilung

„Wir sind jetzt drei Co-Founder bei Laserhub. Das ist ideal, weil wir drei ganz unterschiedliche Kompetenzen in diese Firma einbringen“, lautet Adrians‘ Diagnose. Christoph und Jonas nicken.

Adrian schaut auf Laserhub aus der Perspektive eines Maschinenbauers „mit stark prozessualer Denke, also mit dem Fokus darauf, wie man die Prozesse verbessern kann.“ Christoph lernte er auf einem Kongress kennen. „Dabei haben wir festgestellt, dass wir beide ‚Blech sprechen‘“, lacht der und berichtet, dass er die Branche aus genau der anderen Richtung kennengelernt hat. „Ich hatte bei meinem damaligen Arbeitgeber einen Inkubator aufzubauen versucht und ihn Adrian vorgestellt“, erinnert er sich. „Davor war ich im Unternehmen meiner Familie tätig, als Zulieferer für den Maschinenbau. Wir haben Blech und Metall mit Maschinen verarbeitet. Dabei spürte ich genau diesen Schmerz in punkto Auslastung der Maschinen live, den Adrian beobachtete.“ Als „perfekter“ Dritter im Bunde stieß mit Jonas ein Software- Entwickler hinzu. „In der raren Kombination, dass er nicht nur entwickeln kann, sondern gleichzeitig das Gesamtthema Digitalisierung aus strategischer Sicht sehr gut kennengelernt hat“, lobt Adrian.

Für Jonas reifte während seiner Elternzeit der Entschluss, sich beruflich zu verändern. Eine Ausschreibung in seinem Alumni-Netzwerk für einen CTO faszinierte ihn. „Total angefixt hat mich, dass ich mein Wissen über Softwareentwicklung, und das Wissen über Digitalisierung aus meinem zweiten Job als Berater anwenden kann auf eine super Branche“, sagt er und fügt hinzu: „Es war sofort offensichtlich, dass mir das Spaß machen würde und gründungswillig war ich auch.“ Beste Voraussetzungen, sich auf Laserhub einzulassen. Bereut hat er es seit fast zwei Jahren kein einziges Mal. „Ich hatte davor nie etwas mit Blech zu tun. Nun geh ich durch die Welt und sehe nur noch Blech“, ergänzt er schmunzelnd.

Tausche Frust gegen Sorgen

Das Faszinierende an ihrem Startup sei der Speed, mit dem sie nicht nur ans Werk gehen, sondern auch umsetzen. „Im Konzern reden viele mit. Meist sind mehrere Lenkungskreise vorgeschaltet, die man mit seiner Idee durchlaufen muss, bis die mehrfach nachjustierte Idee nach sechs bis neun Monaten bei der Geschäftsleitung landet. Und dann kommt es stark auf die gerade hier herrschende Großwetterlage an.“

Also alles besser mit einem Startup, das Freiheit und Schnelligkeit verspricht? „Es ist mindestens ein Tauschgeschäft – nach dem Motto, tausche Frust gegen Sorgen.“ Letztere zum Beispiel, weil das Gehalt nicht einfach am Monatsende kommt und viel Energie und Frustrationstoleranz vor- und auszuhalten sind. Christoph dazu: „Mit Sorgen kann man umgehen, man kann sie steuern und abbauen. Frust dagegen muss man ertragen und das ist grauslich.“

Einfach nur machen

Mit Vollgas ging’s deshalb an den Aufbau von Laserhub – mit Erfolg. Sichtlich zufrieden erzählt Adrian: „Exakt drei Monate nach Gründung hatten wir die erste live Transaktion auf der neuen Laserhub Plattform.“ Ein funktionierendes Produkt und Transaktionen mit echten Kunden binnen drei Monaten – das gelinge nur, wenn man fokussiert arbeitet. Ein weiterer Treiber sei sicherlich auch ein gewisser finanzieller Druck, aber vor allem der, dass „man keine 100 Leute fragen muss, um etwas zu tun – sondern wenn man einfach nur machen kann.“

Förderlich ist aus Christophs Sicht auch, dass Laserhub keine lange Historie und Tradition mit sich herumschleppe. „Dadurch hat man die Möglichkeit und die Freiheit, mit einem nicht perfekten Produkt auf den Markt zu gehen und möglichst früh Market Feedback zu bekommen.“ Das sehen die drei Gründer als das wesentliche Erfolgsgeheimnis. Dann der Rat und die gleichzeitige Erkenntnis: „Das würde ich auch jedem Corporate raten.“

Vorteil Startup: Mit Verve, Effizienz und Schnelligkeit an den Markt

Allen Startups rät Christoph eindringlich, möglichst früh an den Markt zu gehen, auch wenn das Produkt sich noch nicht richtig gut anfühlt oder noch gar kein Produkt ist, also noch nicht mal ein Prototyp, sondern ein Pretotype.

Laserhub jedoch kam gleich mit einem Prototyp. Der Grund: „Bei uns war das wichtig, weil wir in einer sehr Corporate orientierten Umgebung unterwegs sind – als Berater hatte ich sehr viel mit großen Unternehmen zu tun; deshalb ist es mir sehr wichtig, diese Effektivität auf die Straße zu bringen“, erklärt Jonas. Gerade als Berater habe er festgestellt, „dass zu viel Geld den Jordan runterfließt, ohne eigentlichen Output zu generieren.“ Umso entscheidender war es für Laserhub, unter Beweis zu stellen, dass sie mit ihrem Startup „mit geringeren Mitteln etwas komplett neu aufbauen und das machen wir auch jeden Tag. Das macht einfach riesig viel Spaß.“

Schon jetzt macht Laserhub Umsätze in einstelliger Millionenhöhe mit mehr als 2.000 Kunden, für die das Startup bisher deutlich mehr als zwei Millionen Kilo Metallteile in die Welt verschickt hat. Um all das abwickeln zu können, ist die Zahl der Mitarbeiter zügig angestiegen, auf insgesamt rund 35. Das Fazit der Gründer: Wir sind auf gutem Weg.

Laserhub

Mit Risikokapital nachhaltig unterwegs

Und woher kommt das Kapital? „Wir sind risikokapitalinvestiert“, sagt Christoph. Laserhub investiert aktuell hauptsächlich in Menschen. „Mit diesen Menschen bauen wir möglichst schnell an unserem Geschäftsmodell weiter, um in der Industrie einen Fußabdruck zu hinterlassen und uns da vorwärts zu bewegen. Das heißt, mit diesem Geld von Investoren kaufen wir eine gewisse Schnelligkeit“, erklärt er. Das erklärt auch, dass Laserhub aktuell noch nicht profitabel ist. Denn wenn ein neuer Mitarbeiter kommt, ist er nicht sofort ein Umsatztreiber.

Die wirtschaftliche Abkühlung ist für Laserhub kein Problem. Im Gegenteil. „Wir spüren keinen Geschäftseinbruch, nicht zuletzt deshalb, weil wir de facto die vorher beschriebenen Ineffizienzen aus dem Markt nehmen“, erläutert Adrian. In solchen Zeiten beschäftigt sich die Industrie damit, wie sie effizienter werden kann, und gerade im Einkauf, so sagt man, liege das Geld. Entsprechend die Anstrengungen bei den Einkäufern, hier Geld einzusparen. Davon profitiert Laserhub, weil das Startup gerade hier Lösungen anbietet.

Ambitionierte Ziele realistisch angehen

Wie geht es weiter? Gibt es einen Fünf-Jahresplan. Ja, den gebe es. „Wir haben es mit einer sehr traditionellen Branche zu tun, die noch nicht digital ist. Unser Ziel ist es, diese Branche zu digitalisieren und letztlich an jeder Transaktion im Digitalbereich beteiligt zu sein“, so Christoph. Das könne über das heutige Geschäftsmodell funktionieren, doch es seien darüber hinaus viele andockende andere Geschäftsmodelle möglich, so dass, was auf den ersten Blick sehr groß klinge, wenn man es runterbreche, durchaus ein erreichbares Ziel sei.

„Unser Nahziel ist ganz einfach: Wir vervierfachen den Umsatz von diesem Jahr auf nächstes Jahr.“ Ja, das sei sehr ambitioniert, aber erreichbar und habe zur Folge, dass ein erfolgreiches Startup wie Laserhub weitere Investoren anlocken könne, mit deren Geld die drei Geschäftsführer wiederum in noch mehr gute Leute investieren können.

A propos Investoren. Folgende Tipps legen die drei Gründer potentiellen Gründungswilligen ans Herz: Wenn das Geschäftsmodell auf Venture Capital hinausläuft, müsse man sich im zweiten Schritt überlegen, welche Investoren am besten geeignet sind und auch zu den Gründern und deren Zielen passen. „Mit unseren Themen Code und Personal waren wir zwangsläufig im Thema Risikokapital drin. Dort die richtigen Investoren zu finden, war nicht einfach, wenngleich wir ein gutes Netzwerk in die Branche hatten“, betont Adrian. Weil man mit den Gesellschaftern regelmäßig zu tun hat, bestehe die hohe Kunst darin, die Investoren zu finden, „die über das Investment hinaus wirklich nachhaltig Wert bringen.“ Dazu müsse man mit den Leuten reden, sich auch trauen, eine Tür mal wieder zu schließen. Das braucht Zeit, Mut und Energie.

Die richtigen Kapitalgeber für sich gewinnen

Dann das positive eigene Fazit: „Wir sind super happy mit unseren Investoren. Aber das war ein Prozess von sechs bis neun Monaten, bis wir entschieden: Jetzt machen wir mit denen die Finanzierungsrunde.“ Wichtig sei daher, diesen Selektions- und Werbeprozess nicht zu unterschätzen. „Man sollte auch ein bisschen Spaß daran haben, sich mit klugen Leuten über das Geschäftsmodell und die Vision für das Geschäftsmodell zu auszutauschen.“

Seine Hausaufgaben hat das Gründertrio erfolgreich absolviert. Beim Standortthema Stuttgart schlagen zwei Herzen in der Brust von Adrian, Christoph und Jonas. Das Ökosystem in Stuttgart sei „super“, vor allem im B2B Bereich. „Tolle Kundenbasis, tolle Lieferantenbasis.“ Das Venture Capital allerdings sei anderswo besser ausgeprägt, auch die gesamte unterstützende Infrastruktur um Startups herum. Das Fazit: „Für uns ist Stuttgart der richtige Standort. Klare Nachteile: Stuttgart ist nicht bekannt und auch Baden-Württemberg nicht als Startup Hotspot. Es fehle ein gesunder Pool an Startups, „die auf einer gleichen Ebene oder sogar gerne darüber sind, so dass man sich gut austauschen kann.“

Inzwischen ist das Team sehr international. So könne man wachsen, was mit einem Blick nur auf den regionalen Markt ausgeschlossen sei. Zudem bringe das Mindset mit Leuten von außen, die schon viele Startups gesehen habe, Laserhub definitiv weiter. Mit solchen jungen Talenten gestärkt will Laserhub ein Leuchtturm werden, dessen Erfolge über Stuttgart hinaus nach außen strahlen. Dann das Versprechen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Text und Fotos: S.Roeder

Startup Koena tec spart Energie für Endnutzer und erhielt Anschubhilfe vom M.Tech 

„Energie einzusparen, ist uns eine Herzensangelegenheit“, sagt Manuel Armbruster. „Das hat letztendlich auch den Ausschlag gegeben, dass wir sagten: Wir wollen in diesem Bereich aktiv werden.“ Manuel ist einer der drei Gründer des Stuttgarter Startup Koena tec. Wie Pirmin Boch und Malcolm Yadack kommt er aus dem Energiebereich. Der Motivationsschub entsprang dem Gefühl der Drei, etwas bewegen zu wollen. Orientierungs- und Starthilfe gab es knapp zwölf Monate lang vom Stuttgarter Accelerator M.Tech

Den M.Tech gibt es seit gut zwei Jahren. In dieser Zeit hat das Team mehr als 50 Gründungsvorhaben bei ihrem Gründungsprozess begleitet. Das Gründungsdatum hat Projektleiter Moritz Stahl genau im Kopf: „Uns gibt es seit dem 14. Juli 2017. An diesem Tag übergab uns Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut auf dem ersten Startup-Gipfel in Stuttgart offiziell die Co-Finanzierungserklärung. Damit war das Programm quasi geboren.“ Das M im Namen steht für den Bereich Mobility und Manufacturing, erklärt der Berater.

Moritz und Manuel von Koena

Das Programm, ein Acceleratoren-Programm, richtet sich an in der Frühphase. Aber nicht an x-beliebige, sondern solche, die Mobilität, Manufacturing und Engineering zum Inhalt haben. „Unser USP ist, dass wir nicht den Ansprüchen eines großen Unternehmens genügen müssen, sondern die Gründer neutral begleiten können. Dabei wissen wir eine breite Anzahl von Partnerunternehmen in unseren Reihen, unser sogenanntes Mobility & Manufacturing Board und das kann Türen öffnen“, unterstreicht Moritz die Vorteile von M.Tech. Wie der Name nahelegt, beschleunigt ein Accelerator die Vorgänge, weil er manch eine Klippe zu umschiffen weiß und über ein großes aktives Netzwerk verfügt.

Netzwerken als A und O

Wie aber fanden Manuel, Pirmin, Malcolm von Koena tec und M.Tech zueinander? „Wir von bwcon, kurz fürBaden-Württemberg connected und einer von derzeit fünf Projektpartnern und Initiatoren des M.Tech und hat die inhaltliche Projektleitung. Die andern Partner sind die Landeshauptstadt Stuttgart, WirtschaftsförderungRegion Stuttgart, TTI GmbH und wizemann.space. Bwcon, wo ich angestellt bin, machen schon seit vielen Jahren Vorgründungs- und Gründungsberatung im Technologiebereich. So haben sich auch Manuels und meine Wege schon relativ früh gekreuzt, nämlich Anfang des Jahres 2016“, erinnert sich Moritz. Manuel hatte damals einen der EXIT Hightech Gründungsscheine des Landes Baden-Württemberg ergattert und kam so mit dem Innovationsdienstleister bwcon in Kontakt. „Als Netzwerk kennen wir natürlich viele Leute, Unternehmen und gute Technologie-Startups, die wir aktiv für das M.Tech Programm ansprechen.“ Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte sich das Gründertrio beim M.Tech über die Homepage bewerben können. „Jeder ist meines Erachtens selbst dafür zuständig, sich Programme oder Acceleratoren rauszusuchen, die zur eigenen Person passen“, meint Manuel. 

Die Wahl der drei ehemaligen Absolventen der Hochschule für Technik in Stuttgart fiel nicht auf das Wizemann Space, in dem M.Tech ansässig ist und dessen mietfreie Nutzung für drei Monate Teil der Unterstützung durch den Accelerator ist, sondern auf den Steyg als Aktionsplattform von Koena Tec. Das hat einen rein praktischen Grund: Das Pendeln zwischen den Büros an der Hochschule und den Coworking Spaces im Steyg war räumlich problemlos möglich. Inzwischen haben alle drei Energieexperten ihre Beschäftigungsverhältnisse an der Hochschule gekündigt, um sich ganz auf Koena Tec konzentrieren zu können. Das Programm beim M.Tech Accelerator haben sie abgeschlossen. „Wir sind im November 2018 eingetreten und jetzt beim letzten Mobility Board Meeting im September offiziell verabschiedet worden. Seit zweieinhalb Jahren sind wir mit dem Studium fertig, hatten aber alle für die Anfangsphase der Selbständigkeit noch einen Job nebenher. Jetzt heißt es: Volle Pulle für Koena“.

With a little Help from M.Tech Accelerator

M.Tech sitzt im Wizemann Space nicht zuletzt, weil es ein Partner im Accelerator-Konsortium ist und in diesem Co-Working Space die Veranstaltungen von M.Tech stattfinden und eben auch Gründer hier arbeiten können. „Im Wizemann zu arbeiten, ist ein Angebot von uns, es ist kein Muss-Kriterium“, erklärt Moritz und fügt hinzu, dieses Angebot rühre nicht zuletzt daher, dass der M.Tech Accelerator Gründungsvorhaben in einer frühen Phase unterstützt. Denn, so weiß der Projektleiter aus Erfahrung: „Manche liebäugeln mit dem Gründungsvorhaben, haben aber auch noch eine feste Anstellung. Das bedeutet: Sie haben gar nicht die Kapazität, Vollzeit an ihrer Gründung zu arbeiten. Denen soll aber auch die Möglichkeit gegeben werden, in einem neutralen Umfeld einen potenziellen Kunden oder Partner zu treffen.“ Im Übrigen sei es ein Grundcharakteristikum des M.Tech Programms, dass man an ihm auch quasi von auswärts teilnehmen könne. „Um an den entscheidenden Veranstaltungen teilzunehmen, muss man nicht dauerhaft vor Ort sein aus Sorge, etwas zu verpassen.“ 

Die Auswahl der Gründungsvorhaben, die M.Tech inhaltlich unterstützt, geht über eine klassische Anfrage seitens der Gründer. „Wenn die Förderlinie und Branchenfokus passen, dann erörtern wir in einem persönlichen Gespräch das beiderseitige Commitment. Also, ob wir einerseits die Anforderungen des Gründungsvorhabens erfüllen können. Wir sind da transparent, versprechen nichts, was wir nicht halten können“, betont Projektleiter Moritz. Genauso schaue man, ob es sinnvoll ist, das ausgelobte Gründungsvorhaben aufzunehmen. 

Generell sei zu beachten, dass sich in der Gründungsphase die Geschäftsmodelle oder Anwendungsfelder von Startups schnell ändern können. „Man muss ein bisschen über den Tellerrand blicken und abwägen, ob die Branche die richtige ist, oder ob das Startup nicht vielleicht zunächst in einem anderen oder nahen Anwendungsfeld schneller Fuß fassen kann. Aber das ist alles ein Prozess, den man im Programm erarbeiten kann“, unterstreicht Moritz mit Nachdruck die Vorteile des Accelerators mit angeschlossenem Mentoring. „Wir können Türen öffnen, durchgehen müssen die Gründer allein.“

Zielsetzung bei M.Tech

Was ist die Zielsetzung des M.Tech Accelerator? Zielgruppe sind Gründungsvorhaben aus dem Mobilitäts- und Produktionsbereich. „Das kann relativ breit gefasst sein, kann Hardware sein, kann Software sein, kann eine Mischform sein. Da sind wir recht flexibel“, beschreibt Moritz die Auswahlkriterien und ergänzt: „Uns geht es darum, den Fit mit den Partnerunternehmen herzustellen“ Logisch, denn je besser das Zusammenspiel mit den Partnerunternehmen, desto höher die potenziellen Synergien für alle Beteiligten. Wesentlich dabei ist, dass die Partnerunternehmen interessant sind für die Gründer, dass sie attraktive Mehrwerte liefern können, Anwendungsfelder liefern können, im Zweifel Kapital liefern können. Und dass die Gründer ihrerseits eine interessante Technologie für die Partnerunternehmen darstellen. Für den M.Tech Accelerator bedeutet dies, „mit unserem Programm Gründungsvorhaben in einer vorwettbewerblichen Phase idealerweise bis hin zur Marktreife hin zu entwickeln.“ Sei es, dass es zur ersten Pilotanwendung im Markt kommt, dass das Startup erste Aufträge erhält oder das erste Kapital akquiriert.

Finanziert wird der M.Tech Accelerator als einer der Startup BW Landesacceleratoren, deren Programm unter anderem vom Wirtschaftsministerium und Geldern des Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Aktuelles Thema: Stabilisieren des Stromnetzes

Was ist das Geschäftsmodell von Koena tec, das M.Tech unterstützt? „Unsere ganz große Vision ist, dass wir mit unserem System das Stromnetz stabilisieren“, sagt Manuel, der bei Koena den Part des Geschäftsführers innehat. Diese Vision steckt programmatisch im Namen des Startup. Denn koena steht hawaianisch für stabilisieren und balancieren. Warum hawaianisch? Ist einer der Gründer passionierter Surfer? „Nein. Auf der Suche nach einem Namen, fanden wir, dass der Name sich einfach gut anhört“, sagt er lachend.

Aus dem Anliegen, grundsätzlich Energie einsparen zu wollen, entstand die Idee, in diesem Bereich professionell aktiv zu werden. Die Idee zu Koena Tec entstand dann Schritt für Schritt. „So ist das meines Erachtens immer bei Ideen. Es war also nicht so, dass wir die Idee hatten: Wir sparen im Gastronomiebereich Energie ein und machen das genau so, wie das Produkt auf dem jetzigen Stand dasteht. Denn ich glaube, man hat nie das fertige Produkt“, erklärt Manuel den Entwicklungsprozess. Gerade deshalb sind Acceleratoren wie M.Tech so wichtig, weil sie mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Wären auch andere Acceleratoren in Frage gekommen? „Klar“, sagt Manuel. Schließlich recherchiere man, wo und wie man mit seiner Gründungsidee am besten weiterkommen könne. „M.Tech war immer schon auf dem Schirm, weil die gut zu uns passen. Aber ich glaube, man muss sich nicht auf einen beschränken. Wir haben auch noch mit ein paar anderen gesprochen. Wenn ein anderer auch gepasst hätte, dann wären es eben zwei gewesen.“ Tatsächlich komme vielleicht bald ein neuer Accelerator bei Koena Tec dazu. „Dazu“, das sagt er ganz bewusst. Man solle den Begriff Accelerator nicht auf die Vorgründungsthematik beschränken. Vom Netzwerk eines Accelerators könne Koena auch weiterhin profitieren. Moritz nickt zustimmend.

Oh-Je-Tage überstehen 

Schon mal überlegt, alles hinzuwerfen, weil der Druck zu groß, die Angst vor der eigenen Courage übermächtig wurden? Manuel schüttelt entschieden den Kopf. Wenn ein Startup eine Gründungsidee hat, dann wolle es das auch mit Commitment vorantreiben. Muss der Accelerator dennoch einen gewissen Erfolgsdruck ausüben? Wiederum Kopfschütteln. „Druck entsteht da von ganz allein“, weiß Moritz. „Jedes gute Startup geht ambitioniert vor. Da müssen wir nicht noch Druck schüren. Wenn wir der ausschlaggebende Hebel wären, dass etwas geschieht, dann würde die Geschäftsidee am Markt relativ schnell untergehen.“ 

Koena Tec sieht sich gut aufgestellt. „Auch im Team haben wir uns sehr gut entwickelt, haben unsere Aufgaben gut verteilt, stehen jetzt wo wir stehen und sind motiviert, weiterzumachen.“ Klar, Momente des Zauderns habe jeder, nach dem Motto: „Oh Gott, was habe ich mir da bloß angetan“? Das, so Manuels Überzeugung,  sei „grundsätzlich auch ein Moment, den man miterleben muss. Aber ich glaube, bei uns war es nie so, dass die Gefahr bestand, dass einer hinschmeißen würde.“ 

Region mit viel Potenzial – „Da kommt noch einiges“

Den Vorwurf, Deutschland kleckere mit Unterstützung finanzieller wie ideeller Art, wo Länder wie die USA, China oder Israel klotzen, will Manuel nicht teilen. Er könne keine Vergleiche mit Ländern wie Amerika anstellen, weil er es nicht selbst erlebt habe. Mit Sicherheit gebe es aber dort wie auch hierzulande Vor- und Nachteile. „Es ist immer leicht, sich zu beschweren. Ich will nicht jammern, das hat keinen Sinn. Zumal ich glaube, dass es uns hier in Stuttgart ganz gut geht. Da wächst etwas heran und da ist in den letzten Jahren auch schon viel passiert und ich glaube, da wird auch in den nächsten Jahren noch viel passieren.“ Kurzum: Koena Tec sieht sich in Stuttgart „in einer ganz guten Umgebung. Das ist wichtig.“

Hat Tipps für andere Gründungswillige parat? „Nun packe ich vermutlich wohl bekannte Phrasen aus. Trotzdem befolgen wir sie bei Koena: Nicht aufgeben! Immer dran bleiben! Einfach machen, wenn man eine Idee hat! Und immer schön fokussiert bleiben!“ 

Text und Foto: S.Roeder