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Die Landesregierung hat weitere Investitionen in das baden-württembergische Gründernetzwerk in die Wege geleitet. Gefördert werden unter anderem Projekte wie der Gründermotor und universitäre Entwicklungseinrichtungen. Ziel ist es, ein dezentrales Innovationsnetzwerk aufzubauen und Unternehmen von Anfang an zu unterstützen.

Hierzu haben wir vier Experten zum Gespräch eingeladen: Prof. Dr. Nils Högsdal (Hochschule der Medien – Prorektor Innovation), Adrian Thoma (Gründermotor, Pioniergeist, STEYG), Dr. Helmut Schelling (Vector Informatik GmbH & Vector Stiftung), Dr. Eric Heintze (Uni Stuttgart & Coral Innovation).

Der folgende Text stellt eine Zusammenfassung aus dem Dialog sowie den Maßnahmen der Regierung dar.


Als Antwort auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor die die COVID-19-Pandemie uns aktuell stellt, hat das Wirtschaftsministerium eine weitere Welle an Unterstützungen für das Start-up Ökosystem zugesagt. Der Titel: „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“.
Damit soll die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standortes weiter ausgebaut werden, indem die aktuell bereits erfolgreichen Programme sowie Gründungen aus der Wissenschaft gefördert werden.

Betont wird, dass diese Programme in der Vergangenheit u.a. High-Tech-Unternehmen hervorgebracht haben. Ein Beispiel hierfür ist CureVac, welches auch einst mithilfe des Programms „Junge Innovatoren“ gegründet wurde.
Der Transfer von der Wissenschaft zu Unternehmertum soll daher auch weiterhin fokusmäßig unterstützt werden. Dafür sollen alle baden-württembergischen Hochschulen motiviert werden, gemeinsam zu arbeiten und einen Austausch voranzutreiben. Das Ziel: Die Funken der Wissenschaft sollen weiter in die Wirtschaft überspringen können.

Gleichzeitig soll das Start-up Ökosystem ausgebaut und enger vernetzt werden, aber auch sichtbarer nach innen und außen aufgestellt werden. Hierfür könnten gemeinsame Standards für Gründungsförderungen in ganz BW aufgebaut werden und kooperierende überregionale Angebote unterstützt werden.
Das Start-up Ökosystem soll daher nicht nur mit Blick auf Stuttgart, sondern für ganz Baden-Württemberg enger zusammenrücken und gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Unterstützung des Landes wird daher auch in eine Kooperationsstruktur fließen, welche gemeinsame Synergien und Transferopportunitäten für Gründer aufdecken soll.

Um das zu bewerkstelligen, so Dr. Eric Heintze und Prof. Dr. Nils Högsdal, wird von den Hochschulen ein sogenanntes „Dezentrales Innovationsnetzwerk“ abgezielt, welches dezentral in den verschiedenen Einrichtungen ansprechbar ist, aber gleichzeitig auf ein ganzes Netzwerk an Informationen, Hilfen und Partnerschaften zurückgreifen kann.

„Das Ziel muss sein, dass es egal ist, welche Postleitzahl das Start-up hat. Jeder soll auf die Angebote zugreifen können. Am Ende ist jedes Start-up ein Baden-Württembergisches.“

– Adrian Thoma

Gründer können sich in Zukunft daher auf noch engmaschigere Unterstützungsangebote und eine Betreuung von der „(Hoch-)Schule bis zum Erstinvestment“ freuen. Die Wichtigkeit von Kapitalgebern, die bereit sein, in junge Unternehmen zu investieren, wurde auch von Dr. Helmut Schelling gegenüber dem Ministerpräsidenten betont.

„Kapital kommt dann, wenn genug interessante Unternehmen in ein Stadium heranreifen, das für Investoren interessant ist.“

Dr. Helmut Schelling

Bis dahin müssten die jungen Samen u. a. mit öffentlichen Angeboten unterstützt und herangezogen werden. Die kritische Menge an investmentbereiten Start-ups sieht Herr Dr. Schelling bereits vereinzelt gegeben. Aber um diesem Ziel näher zu kommen, empfiehlt Herr Dr. Schelling den Gedanken, Gründer zu werden, bereits frühzeitig an die nächsten Generation heranzutragen. Er unterstreicht, dass nicht nur Hochschulen, sondern auch Schulen diesen Karrierepfad klarer herausarbeiten könnten.

Dr. Eric Heintze setzt sich nun schon seit einiger Zeit für die Unterstützung von Aktionen im universitären Raum ein. So leitet er auch das Projekt „Let US Start“, das in Kooperation mit der Vector Stiftung und der Universität Stuttgart Studenten darin hilft, an ihren Ideen zu arbeiten und das nötige Grundwerkzeug zum Gründen vermitteln. Bereits mehrere Hundert Studenten haben dieses Angebot wahrgenommen und sind nun auf verschiedene weitere Pfade aufgestoßen, unter anderem zur Meisterklasse des Gründermotors.

Die Meisterklasse geht nun bereits in ihre fünfte Runde und wurde seit dem ersten Durchgang ständig verbessert. So konnte der Mitveranstalter Gründermotor in den letzten Jahren organisch wachsen und somit mehr interessante Unternehmensunterstützer gewinnen, die wiederum mehr Investoren anlocken und dem Standort BW und Großraum Stuttgart mehr Aufmerksamkeit und Publizität geben.
Die Meisterklasse, so Adrian, wird weiterhin wachsen und mehr Unternehmen helfen, Investment-ready zu werden!

Hier sehen die Teilnehmer natürlich auch gewachsene Start-ups aufgefordert, öffentlich für den Standort einzustehen und den unternehmerischen Weg für die folgenden Generationen selbstverständlicher und greifbarer zu machen. Dafür ist beispielsweise der Gründermotor eine Möglichkeit, den aufkommenden Start-ups als Mentor beizustehen. Nils Högsdal, Professor für Innovation und Entrepreneurship, unterstreicht diese Aussage mit dem Verweis, dass das wie ein Turbolader für das Ökosystem wirken kann. Es wäre eine Situation, in der mehr Luft und Energie im Ökosystem den Gründermotor weiter anfeuert und allen im Ökosystem hilft.


Key-Takeaway:

Der Umbruch im baden-württembergischen Start-up Ökosystem muss weiterhin von innen heraus stattfinden. Die Weichen sind gestellt, viele Angebote sind bereits aktiv und können mit den neuen Mitteln der Landesregierung ihre Unterstützung ausbauen und gleichzeitig durch Kooperationen besser vermitteln. Gleichzeitig sollen der Standort Stuttgart und ganz Baden-Württemberg sichtbarer nach außen werden: Mit den bereits angesprochenen Angeboten und den bestehenden exzellenten Startups.


Pressemitteilung des Landes: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/exzellenzprogramm-fuer-gruenderkultur-an-den-hochschulen/

Bild Quelle: https://unsplash.com/photos/5QgIuuBxKwM?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink

Tessa und Denise von finance ,baby! bauen gemeinsam eine Learning-Plattform für Frauen rund um finanzielle Challenges in jeder Lebenssituation auf. 

Tessa hat Werbung & Marktkommunikation studiert, Denise ist Kommunikationswissenschaftlerin und hat in den letzten Jahren im Marketing und im Produktmanagement gearbeitet. Sie haben sich bei ihrem vorherigen Job in einem StartUp in Stuttgart kennen- und die gemeinsame Arbeit als auch das Unternehmertum lieben gelernt. 

Vor allem sind sie jedoch eins: Befürworterinnen einer Welt, in welcher jeder gleichberechtigt ist. 

Wir konnten Denise und Tessa von finance, Baby! unsere Fragen stellen.

Wie hat alles bei euch angefangen?

“Die Idee kam tatsächlich aus einem eigenem, persönlichen Problem im ersten Lockdown letztes Jahr, da plötzlich das Thema Kurzarbeit, Kündigungen und finanzielle Unsicherheit überall zu sehen und hören war. Denise hatte plötzlich große Angst vor einer Kündigung und ihr ist bewusst geworden, dass sie, sollte dies eintreffen, kaum Puffer auf dem Konto hat, der sie über Wasser hält und sie fernab davon auch überhaupt keine Ahnung von ihren Finanzen hat. Das Thema war immer etwas fernes, was man von einem wegschiebt, weil es so unangenehm ist und es ja sowieso mehr Spaß macht, im Hier und Jetzt sein Geld auszugeben.

Denise hat angefangen zu recherchieren und nach einer Lösung zu suchen, die anschaulich und einfach erklärt ist und vor allem so, dass die Angst vor dem Thema genommen wird, statt sie noch zu vergrößern. 

Es gab jedoch absolut nichts, was passend gewesen wäre und so hat sie das Thema kurzer Hand selbst in die Hand genommen, indem sie anfing, mit möglichst vielen Frauen über Geld zu sprechen. Schnell hat sie bemerkt, dass es nicht nur ihr so ging, sondern so ziemlich jeder Frau, mit der sie gesprochen hat. Dann war klar: eine Lösung muss her – und wenn diese keiner baut, dann bauen wir sie selbst.”

Was kann man, wenn man die Kurse gemacht hat?

“Die Kurse, die wir finance classes nennen sind so ausgelegt, dass Du, je nach Deiner individuellen Lebenssituation, genau da starten kannst, wo Du am meisten Hilfe benötigst. 

In unserer Starter Class gehen wir mit Dir zum Beispiel den Weg ganz von vorne: wir schauen uns Deine aktuelle finanzielle Situation an, verschaffen uns einen Überblick über Deine Einnahmen und Ausgaben, Du setzt Dir finanzielle Ziele und lernst, wie Du Dein Geld budgetierst und damit umgehst. Wir zeigen zudem alle Möglichkeiten auf, die es gibt, um finanziell vorzusorgen, sodass Du Dir ein erstes Bild darüber machen kannst, welche Möglichkeit für Dich in Frage kommt. 

Unsere weiteren finance classes bauen dann darauf auf – wie zum Beispiel die Investment Class. Hier lernst Du Schritt für Schritt alles über die Börse, über Aktien und ETFs und Du legst mit uns fest, welche Anlagestrategie zu Dir passt und welche Investments Du tätigen möchtest. Außerdem erstellen wir mit Dir in wenigen Schritten Deinen ersten Sparplan.

Das Beste daran ist, dass Du nie allein bist: in unserer Community kannst Du vor, während oder nach einem Kurs jederzeit Fragen an uns richten oder Dich mit anderen KursteilnehmerInnen zu Themen austauschen.”

Wie reagieren Männer auf finance, baby?

“Die Reaktionen sind gemischt. Wir haben unglaublich viele männliche Supporter, die uns danken und unsere Mission verstanden haben. Erst vor kurzem hat uns ein Vater geschrieben, dass er sich von Herzen bei uns bedankt, da wir seiner Tochter einen Weg oder viel mehr eine Welt ermöglichen, in welcher sie unabhängig von jedem selbst finanziell stark werden kann. 

Die erste Frage, die wir meist von Männern gestellt bekommen, ist “Warum macht ihr das für Frauen und nicht für Männer?” – und das ist auch berechtigt. Wir schließen prinzipiell niemanden aus, sprechen uns aber bewusst FÜR Frauen aus, da diese noch benachteiligt sind. Angebote im Finanzbereich sind stark auf den Mann ausgerichtet. Zum einen sind Inhalte nicht verständlich aufbereitet, es wird also oft davon ausgegangen, dass schon Vorkenntnisse da sind, was bei Frauen aber meistens nicht der Fall ist. Außerdem sind viele von uns noch mit traditionellen Rollenbildern aufgewachsen und leben oftmals selbst noch in diesen Rollenbildern: der Mann kümmert sich um das Geld und die Finanzen, die Frau bleibt bei den Kindern zuhause, hat das geringere Einkommen und überlässt Geldthemen dem Mann. Dadurch entstehen Berührungsängste mit dem Thema und die Frauen trauen sich erst gar nicht sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn dann aber der Fall eintritt, dass man plötzlich nicht mehr die finanzielle Sicherheit von einem Mann hat aus welchen Gründen auch immer, dann muss man sich mit dem Thema beschäftigen aber weiß überhaupt nicht wie und es fehlt ein Startpunkt, der einem genau sagt wo man anfangen soll und welche Schritt dann nacheinander kommen. 

In vielen Bereichen herrscht immer noch keine Gleichberechtigung von Mann und Frau und beim Thema Geld eben auch. Zum Beispiel liegt die Gender Pay Gap im Moment bei 21%, was bedeutet, dass Frauen für die exakt selbe Arbeit im Schnitt 21% weniger Geld bekommt als Männer. Ein anderes Beispiel: die Pension Gap also die Rentenlücke. Frauen erhalten im Schnitt 59% weniger Rente. Und das kommt zB dadurch, dass Frauen noch häufiger für die Erziehung der Kinder zu hause bleibt und für diese Zeit natürlich weniger oder gar nichts verdient. Hier fehlt es eben an Gleichberechtigung. Frauen sollten für die gleiche Arbeit gleich viel Geld bekommen und nicht nur aufgrund des Geschlechts anders behandelt werden. Oder Männer dürfen gerne häufiger in Elternzeit gehen.”

Welchen Tipp habt ihr für andere Gründer*innen?

“Sich nicht beirren zu lassen und auch InvestorInnen eine menschliche Seite zu zeigen. Wir müssen uns nicht verbiegen, nur um Gelder einzusammeln oder vor einer Jury stark zu wirken. Vielleicht bringt uns das in dem einen Moment den Sieg, ja. Aber langfristig profitiert der, der sich selbst treu bleibt und ehrlich und offen ist. Und wenn das bedeutet, in manchen Momenten Unsicherheit zu zeigen oder ehrlich zu sagen, dass man eine Meinung nicht teilt, dann ist das in Ordnung.”

Der nächste Schritt bei finance, baby! wird sein, dass sie in den kommenden drei Monaten eine GmbH gründen und in die erste Finanzierungsrunde gehen. Dann möchten sie sich voll darauf konzentrieren ihre Learning-Plattform auszubauen und langfristig Lösungen für jede finanzielle Herausforderung im Leben einer Frau zu bieten. Finance, baby! wird hierfür der zentrale Ort sein. 

Zudem tragen sie einen großen Schritt zu female empowerment und Gleichberechtigung bei. Mit ihrer Produktpalette, die nicht nur aus Online-Kursen sondern auch aus Live- und Online-Events sowie Workbooks bestehen wird, tragen sie Schritt für Schritt dazu bei, die Ungleichheit zu schließen und Frauen dahingehend stark zu machen, dass sie finanziell keine Angst mehr haben müssen und Herausforderungen einfach und vor allem gemeinsam bewältigt werden können.

Landtag Stuttgart

Am 14.03.2021 wählt Baden-Württemberg den neuen Landtag. Wir haben alle Kandidaten des Wahlkreises Stuttgart I, deren Partei in aktuellen Umfragen mindestens drei Prozent erreicht, um eine Stellungnahme zu drei Fragen aus dem Start-up-Bereich gebeten. Folgende Antworten wurden unverändert übernommen:

Was werden Sie dafür tun, damit mehr Startups im Raum Stuttgart gründen und diese hier gute Rahmenbedingungen vorfinden?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Um die Gründungskultur an Hochschulen zu unterstützen, macht die Landesregierung vielfältige Angebote. Das Programm „Junge Innovatoren“ unterstützt junge Wissenschaftler*innen dabei, ihre innovativen Gründungsvorhaben zu realisieren. Mit dem Wettbewerb „Start-up BW ASAP“ werden studentische Gründungsteams gefördert. Schließen möchte ich die Förderlücke bei Unterstützungsstrukturen für Gründerinnen. Die „Start-up BW Accelerators“-Programme in den Bereichen Finanzierung, Coaching und Networking sollten gezielt mit Blick auf die Unterstützung von Frauen ausgebaut werden. Mit „Start-up BW Women“ wollen wir Gründerinnen noch besser fördern.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Gründungskultur an Schulen und Hochschulen fördern, insbesondere auch Frauen zur Gründung motivieren 
  • Gründerfonds des Landes zur Finanzierung der Startups weiter ausbauen 
  • Kontakt mit Risikokapitalgebern fördern (Business Angels, Venture Capital) 
  • Startup Zentren in der Region noch stärker vernetzen (z.B. Tübingen, Heilbronn, Mannheim) 
  • Startup meets Mittelstand – Startups stärker mit dem Mittelstand verknüpfen 
  • Steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital und Start-ups verbessern 
  • Orte schaffen, an denen sich Startups niederlassen können 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Für mich braucht es zunächst mehr Struktur im Raum Stuttgart: es gibt unglaublich viele Angebote an Veranstaltungen und Ansprechpartner. Hier sind Informationen aus einem Guß und eine Hilfestellung in Form von Gründerlotsen, wie im Kreis BB sicherlich sinnvoll. Zudem muss eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen auf der einen Seite und startups auf der anderen Seite stattfinden. Diese Vernetzung kann landesseitig durch Förderungen von zentralen Hubs gestützt werden.

Johanna Molitor (FDP):

Neben Finanzierungsfragen sind bürokratische Hürden eines der größten Probleme für StartUps. Daher trete ich für StartUp-Unternehmen für eine Entlastung von Bürokratie ein. Des Weiteren mache ich mich für die Einrichtung von wirtschaftlichen Freiheitszonen stark, welche insbesondere StartUps Möglichkeiten zur schnellen Entfaltung geben. Zusätzlich kann ein bürokratiefreies Gründungsjahr für neue Unternehmen gründungsfreundlich wirken – dafür setze ich mich ein.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Existenzgründungszentren und Beratungsstellen für die Gründung von Start-ups sollen landesweit ausgebaut werden. Ein öffentlicher Wagniskapitalfonds fördert innovative Start-ups, wenn diese gemeinwohlorientierten Zwecken wie z.B. dem sozial-ökologischen Umbau dienen. Unternehmerinnen und Menschen mit Behinderung, wollen wir insbesondere fördern. Gerade im Bereich der nachhaltigen Mobilität wollen wir Gründungen und neue Ideen Fördern.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass z. B. München oder Berlin deutlich stärker im Bereich Startup sind?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Ich denke, in Berlin gibt es die Alternative einer Industriekarriere nicht so wie in Stuttgart. München ist uns zudem voraus in der Vernetzung von Wissenschaft und Gründerinnen. Hier holen wir aber auf. Land, Automobilindustrie, Startup-Unternehmen und Universität kooperieren etwa in der Arena 2036 bei der Suche nach Innovativen für die Mobilität der Zukunft. Gerade diese Nähe zwischen neuen Ideen und der direkten Anwendung hat bei uns ein enormes Potential, denn Startups sind zentrale Innovationstreiber. Potential für die Region sehe ich auch in der Kooperation von Gründerinnen in der Gesundheitswirtschaft mit den Unikliniken.

Ruth Schagemann (CDU):

  • Bessere Förderung und Finanzierung der Startups 
  • Startup Kultur wird stärker beworben 
  • Start-up-Standort werden besser vermarkt 
  • Berlin: Schwerpunkt liegt bei IT und Plattformentwicklung, die leicht zu skalieren sind 
  • München: Bessere Vernetzung zwischen Universitäten und Hochschulen mit den ausgegründeten Startups z.B. Technische Universität München 

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Zu einem attraktiven Gründerstandort wie München oder Berlin braucht es auch Wagniskapital, Orte der Vernetzung in einem kreativen Umfeld, Anlaufstellen, wie es ja auch das Unternehmer-TUM in München bietet. Das Land kann hier Anreize für Unternehmen und Hochschulen setzen, sich vermehrt einzubringen.

Zudem baucht es ein attraktives Umfeld: eine pulsierende Stadt mit einer Clubszene und Nachtleben, gute Anbindungen an den ÖPNV, bürokratiearme Verwaltungen, all das sind Themen, die jungen Unternehmern wichtig sind.

Johanna Molitor (FDP):

Eine Schwäche Baden-Württembergs sind die bürokratischen Hürden und die unzureichenden Finanzierungsmöglichkeiten. Die Bedeutung von Venture Capital ist hoch. Mir ist es ein Anliegen, dass mehr VC Geber ihre Chancen in Baden-Württemberg erkennen. Darüber hinaus müssen die Empfehlungen des Normenkontrollrats aufgegriffen und überfällige Entlastungen für Gründungswillige vorangetrieben werden.

Filippo Capezzone (Die Linke):

Das hat sicher verschiedene Gründe. Berlin ist einfach anziehend für kreative Köpfe. Aber ein handfester Grund ist sicherlich, dass es in Berlin noch etwas leichter ist halbwegs bezahlbare, kleine Gewerbeimmobilien zu finden. Hier muss man durch eine Bereitstellung von entsprechenden Flächen durch Kommunen und Land fördern, sowie durch eine Deckelung der Gewerbemieten. In Stuttgart absorbiert die nach wie vor intensive Industrie viel Hochschulabsolvent*innen, so dass die eigene Gründung weniger interessant ist…

Welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit Startups?

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen):

Seit meiner Wahl 2011 habe ich regelmäßig Startups besucht, auch mit Fachkolleginnen aus Land- und Bundestag. Als Steuerberaterin betreue ich viele Gründerinnen. Deren Erfahrungen, Bedürfnisse und auch Sorgen nehme ich mit in die Politik. In den vergangenen zehn Jahren ist Politik insgesamt aber spürbar offener gegenüber den Bedürfnissen von Startups geworden. Deren größte Hürde ist die Akquise von Wagniskapital. Hier haben wir „Start-up BW Pre-Seed“ eingeführt und unterstützen die Startups in der wichtigen Gründungsphase. Direkt nach der Wahl wollen wir da auch nochmal nachlegen.

Ruth Schagemann (CDU):

Mit meinem Mann habe ich ein Architekturbüro gegründet. Mir sind daher die Herausforderungen bei Gründungen bekannt. In der Architektenkammer Baden-Württemberg habe ich das Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums und der Architektenkammer Baden-Württemberg für Gründungen betreut. Bei Startups spielt noch die „Disruptive Idee“ eine Rolle, der unternehmerische Gedanke, wie z.B. Markterschließung, Betriebswirtschaft, Technologietransfer ist allerdings ähnlich.

Dr. Sascha Meßmer (SPD):

Als Wirtschaftsförderer im Landkreis BB habe ich die Förderung der Gründerszene zu einem meiner Schwerpunkte gemacht; dies ist auch in unserer Standortstrategie so hinterlegt. Dort arbeiten wir eng mit GründerInnen zusammen. Der Landkreis hat 2020/21 beim Wettbewerb „gründungsfreundliche Kommune“ den dritten Platz erreicht. Sollte ich nicht gewählt werden, will ich übrigens da nochmal antreten und besser werden. Wir führen jedes Jahr einen der Elevator Pitches des Landes durch. Darüber hinaus habe ich unlängst im Wahlkampf in Stuttgart das Steyg besucht.

Johanna Molitor (FDP):

Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Start-Ups in ganz Baden-Württemberg Kontakt gehabt. Ich habe gesehen, wie verschieden die Herangehensweise der im Landtag vertretenen Parteien in dieser Thematik sind. Zudem kenne ich die Förderinstrumente und Maßnahmen aus anderen Bundesländern. Nicht immer muss man das Rad neu erfinden, sondern kann sich gut laufende Pilotprojekte aus den anderen Bundesländern, zumindest in Ansätzen zu eigen machen. 

Filippo Capezzone (Die Linke):

Ehrlich gesagt nicht so viel. Im Rahmen meines Studiums der Agrarwissenschaften habe ich Kontakt zu Personen gehabt, die z.T. im Rahmen ihrer Master- und Promotionsarbeit einfache technische Gerätschaften für die Anwendung in der Landwirtschaft in Ländern des globalen Südens entwickelt haben (Solar-Milchkühlung, Biogaskochherd, Solatrockungsanlagen etc.) und sich z.T. im Anschluss daran selbstständig gemacht haben damit. Start-ups in der Entwicklungszusammenarbeit ist sicherlich ein spannendes Thema. Wichtig ist dabei aber sicher wie sonst auch – es muss ein Wissens- und Technologietransfer in die ärmeren Länder stattfinden.

Wir danken allen Kandidaten für Ihre Stellungnahme. Von der AfD haben wir keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Bildquelle: https://im.baden-wuerttemberg.de/de/land-kommunen/lebendige-demokratie/wahlen/landtagswahl-2021/

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Baden-Württemberg zu einem der führenden Startup Regionen Europas zu entwickeln. Frau Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst BaWü, und Frau Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau BaWü, haben dafür in ihren Ministerien diverse Aktivitäten gestartet.
Die Ministerinnen waren am Demo Day der Initiative Gründermotor vor Ort und wir haben das als Anlass genutzt, um mal nachzufragen wie das Zwischenfazit lautet.

Startup Stuttgart: Frau Ministerin Bauer, Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut im gemeinsamen Koalitionsvertrag haben sie in 2016 den Anspruch definiert „Wir werden Baden-Württemberg zur dynamischsten Gründerregion Europas machen.“ Woran werden sie am Ende der Legislaturperiode in 2021 entscheiden, ob die Regierung das Ziel erreicht hat und wie fällt ihr Zwischenfazit nach fast genau 3 Jahre nach Veröffentlichung des Koalitionsvertrags aus?

Hoffmeister-Kraut: Es hat sich in den letzten drei Jahren bereits vieles sehr positiv entwickelt. Mit der Landeskampagne „Start-up BW“ ist es uns gelungen, nahezu alle Partner und alle wesentlichen Angebote unter einem Dach zu bündeln und eine Community mit einem gemeinsamen Verständnis zu entwickeln. Diesen „neuen Spirit“ und die vielen neu eingeführten Instrumente tragen wir jetzt weiter in die Breite. Klar ist aber auch, dass hier große Kontinuität gefragt ist. Mit „Start-up BW@School“ bringen wir beispielsweise Gründerinnen und Gründer von Start-ups als Vorbilder mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Das begeistert Jugendliche für die berufliche Selbstständigkeit und fördert bereits heute das Unternehmertum von morgen. Solche Formate sind natürlich langfristig ausgerichtet.

Ministerin Hoffmeister-Kraut

Bauer: In den letzten Jahren haben zahlreiche Maßnahmen des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums erfolgreich dazu beigetragen, die Gründerszene in Baden-Württemberg neu zu beleben. Ich sehe einen großen Mehrwert im Förderprogramm „Gründungskultur in Studium und Lehre“. Mit diesem bundesweiten Programm unterstützen wir die Hochschulen dabei, Studierende möglichst früh für die unternehmerische Selbständigkeit zu begeistern. Im Landeshochschulgesetz gibt es jetzt die Möglichkeit für Hochschulen, Ausgründungsvorhaben ihrer Studierenden, Absolventinnen und Absolventen und ihrer Beschäftigten für bis zu drei Jahre innerhalb der Hochschule Raum zu geben. Junge Unternehmerinnen und Unternehmer werden damit gerade in der ersten Phase der Unternehmensentwicklung unterstützt.

Startup Stuttgart: Wenn sie auf BaWü im Vergleich zu den anderen Bundesländern schauen, wo sehen sie die Stärken, Schwächen ggü. den anderen Ländern? Womit wollen sie punkten, um die besten Gründer zu halten oder nach BaWü zu holen?

Hoffmeister-Kraut: Unser Gründungsgeschehen ist sehr vielschichtig und wesentlich stärker auf B2B konzentriert als im Silicon Valley, in China oder in Berlin. Bei uns sind Gründungen außerdem nachhaltiger und geographische recht gleichmäßig im Land verteilt. Wir sind mit unseren vielen „Hidden Champions“ im Mittelstand und großen Industrieunternehmen gut aufgestellt. Doch im digitalen Zeitalter sind es immer öfter junge und agile Start-ups, von denen disruptives Geschehen ausgeht. Bei der Weiterentwicklung des Gründerlands Baden-Württemberg setze ich deshalb auch auf die bessere Zusammenführung von Start-ups, Mittelstand und Corporates. Baden-Württemberg muss den nationalen und internationalen Wettbewerb noch offensiver annehmen und seine besonderen Stärken als Start-up-Standort für innovative und technologieorientierte Gründungsvorhaben besser vermarkten. Als „the Place 4B2B“ gelingt es uns zunehmend, auch auf internationalen Messen und Start-up-Festivals wie Slush oder South by Southwest zu punkten.

Bauer: Einmalig in ganz Baden-Württemberg ist, dass bodenständige Großkonzerne mit internationaler Ausrichtung mit Technologiebegeisterten, kreativen Gründerinnen und Gründern zusammentreffen. Die großen Unternehmen haben das Potenzial der „Start-up-Generation“ verstanden. Und durch die räumliche Nähe entsteht auch ein ganz eigenes Innovationsgefüge.

Grundlage dessen ist – und das ist aus meiner Sicht der wohl nachhaltigste Wettbewerbsvorteil –, dass Forschung und Innovation in Baden-Württemberg sowohl in der Spitze als auch in der Breite wettbewerbsfähig aufgestellt sind. Die dezentrale Hochschul-, Forschungs- und Innovationslandschaft stellt sicher, dass es in allen Regionen Hochschulen (Universitäten aber auch Hochschulen) mit breiter fachlicher Ausrichtung gibt, die als regionale Innovations- und Gründungszentren wirken können.

Startup Stuttgart: Das Feedback aus der Startup Community ist trotz vieler angestoßener Aktivitäten der Landesregierung eher zurückhaltend. Ist das aus ihrer Sicht nur ein „Kommunikationsproblem“ oder gibt es auch Anlass zur Selbstkritik?

Ministerin Bauer

Bauer: Es besteht kein Anlass zur Selbstkritik, aber wir wissen, dass mehr erfolgreiche Gründungen nach wie vor nötig sind. Wir versuchen immer, unsere Maßnahmen noch besser auf die Bedürfnisse der Gründerinnen und Gründer abzustimmen. Dafür dienen auch regelmäßige Workshops, wo sich Hochschulen mit Start-ups austauschen. Erfolgreiches Beispiel ist das Förderprogramm „Junge Innovatoren“ des Wissenschaftsministeriums und Wirtschaftsministeriums, in dem mehr als 260 innovative Gründungsideen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert werden konnten. Es hat die Bedürfnisse der Start-ups gedeckt und war darüber hinaus Vorbild für das EXIST-Gründungsstipendium.

Hoffmeister-Kraut: Über 5.000 Teilnehmende beim „Start-up BW Summit 2019“ sind für mich kein zurückhaltendes Feedback. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass an vielen Orten eine neue Aufbruchsstimmung entstanden ist. Gründungskultur kann aber nicht isoliert als Aufgabe der Politik betrachtet werden. Auch Unternehmen, private Investoren, die Kommunen, Kammern und Verbände, letztlich alle Beteiligten müssen ein anderes Verständnis von Risiko und Start-up-Unterstützung entwickeln, wenn wir die Gründungsdynamik spürbar erhöhen wollen. Solch ein Kulturwandel vollzieht sich nicht von heute auf morgen. Dafür setzten wir zum Beispiel mit Start-up BW Pre-Seed und unserem Start-up BW Summit starke, durchaus auch international beachtete Impulse, für die wir sehr viele positive Rückmeldungen aus der Start-up Community erhalten.

Startup Stuttgart: Frau Bauer, in anderen Ländern (z.B. USA, Israel) sind Hochschulen die wichtigste Keimzelle für Startups. Wir, wie andere auch, sehen hier einen großen Nachholbedarf in BaWü Studenten für das Gründen zu begeistern und auch dabei zu unterstützen. Gibt es hier Ideen wie Sie das nicht nur über Programme an Hochschulen fördern, sondern auch gezielt einfordern können?

Bauer: Kreativität kann man nicht diktieren und Risikobereitschaft nicht verordnen, aber beides kann mit Angeboten an den Hochschulen gefördert werden. Mit dem Programm „Gründungskultur in Studium und Lehre“ werden die Hochschulen ermutigt, das Gründungsthema früh im Studium zur Sprache zu bringen und auch curricular einzubinden. Das Programm läuft sehr gut. Einige Hochschulen erreichen mittlerweile alle Studierenden schon im ersten Semester. Wir haben daher die Förderung der laufenden Projekte über das Jahr 2019 hinaus verlängert und unterstützen nunmehr insgesamt 23 Hochschulen.

Startup Stuttgart: Wir bekommen viele Anfragen um z.B. Investoren mit Gründern zu vernetzen. Leider gibt es heute keine Übersicht von Startups die aus Hochschulen heraus gegründet wurden, könnte man nicht so eine Liste mit allen Startups veröffentlichen?  

Bauer: Wir arbeiten gemeinsam daran, die Hochschulen und deren Startups im Rahmen der Landeskampagne Start-up BW sichtbarer zu machen. Dennoch: Nur eine Liste im Internet kommt der Dynamik bei den Ausgründungen nicht entgegen. Gerade in der frühen Phase einer Gründung steht sehr viel auf dem Spiel.

Eine Datenbank ist eher ein ergänzendes Instrument. Wichtiger ist es, Investoren und Gründerinnen und Gründer besser zu vernetzen. Beispiel ist der Wettbewerb Start-up BW ASAP, der im letzten Wintersemester erstmalig erfolgreich durchgeführt wurde. Insgesamt 61 Gründerteams aus 22 Hochschulen haben sich beteiligt.

Mit solchen Programmen oder Formaten gelingt es, den spannendsten Gründungsprojekten aller baden-württembergischen Hochschulen landesweite Sichtbarkeit und damit Zugang zu Investoren und Partnern zu bieten. 

Startup Stuttgart: Im Großraum Stuttgart gibt eine Vielzahl von Hochschulen, was spricht dagegen ein gut ausgestattetes Gründungszentrum über alle Hochschulen zu etablieren und damit auch die Vernetzung (auch zwischen den Studenten) zu verbessern, anstatt an jeder Hochschule eigene kleine „Insel-Zentrum“ zu betreiben?

Bauer: Wir brauchen beides: Leuchttürme und Lagerfeuer. Der Einstieg in das Gründungsthema muss so einfach wie möglich sein. Studierende benötigen auf direktem Wege Ansprechpartner, die auch auf kleineren Veranstaltungen da sind. Es gibt schöne Ansätze mit Makerspaces und Containern mit räumlicher Präsenz in unmittelbarer Nähe zur Cafeteria, wo sich die Studierenden zwischendurch aufhalten. Das sind die Lagerfeuer.

Gleichzeitig denke ich, dass Stuttgart ein echter Leuchtturm guttut. Erst letztes Jahr war ich in Paris zu Besuch beim weltweit größten Startup-Campus „Station F“. Ein solches, international sichtbares Gründerzentrum ist ein Magnet, auch für internationale Gründer und Investoren.

Für einen solchen Leuchtturm braucht es ein nachhaltiges Konzept, das auch die vorhandenen Gründungskapazitäten vor Ort berücksichtigt. Mit der Startup Autobahn in der ARENA 2036, dem Innovationscampus „Cyber Valley“, den Gründungs- und Beratungsstrukturen an den Hochschulen aber auch den diversen Inkubatoren, Accleratoren und Co-Working-Spaces wie z.B. dem Code_n Spaces oder dem Wizemann Areal bieten sich in Stuttgart zahlreiche und vielfältige Anknüpfungspunkte.

Ich sehe allerdings auch die Privatwirtschaft in der Pflicht. In großen internationalen Start-up Zentren arbeiten Politik und Wirtschaft Hand in Hand. Es bedarf gemeinsamer Finanzierungskonzepte und eines abgestimmten Vorgehens.   

Startup Stuttgart: Frau Hoffmeister-Kraut mit Startup BW haben Sie vor rund 2 Jahren eine Dachmarke für Startup Aktivitäten BaWü geschaffen und der Startup Summit wurde bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ausgetragen. Sind Sie mit den Ergebnissen bisher zufrieden?

Hoffmeister-Kraut: Auf jeden Fall, das Konzept unserer neuen Landeskampagne beinhaltet eine ganze Reihe von neuen Instrumenten, beispielsweise unsere Start-up Acceleratoren, unsere neue Frühphasenfinanzierung „Start-up BW Pre-Seed“ oder „Start-up BW Local“. Unser Wettbewerb für „Gründungsfreundliche Kommunen“ ist in dieser Form europaweit einzigartig. Bewährte Angebote, zum Beispiel die Innovations- und die Beratungsgutscheine, haben wir in das neue Konzept zur Gründungsförderung integriert. Besonders erfolgreich war unser 2. Start-up BW Summit mit über 350 Start-ups aus Baden-Württemberg und vielen internationalen Gästen. Und ich kann Sie schon heute zu unserem nächsten Start-up BW Summit im Juli 2020 einladen. Der wird, so viel kann ich schon verraten, noch internationaler ausgerichtet sein.

Startup Stuttgart: Sie haben sich auf ihren Delegationsreisen in Israel, China, Baltikum, USA auch immer mit dem Thema Startup auseinandergesetzt. Was haben Sie dort gesehen, wo einerseits die Politik in D/BaWü bessere Rahmenbedingungen setzen sollte und wo sehen Sie auch Eigenverantwortung bei der Community? 

Hoffmeister-Kraut: Es ist beindruckend, welche Dimension und konsequente Geisteshaltung bei der Umsetzung des Innovationstransfers durch Start-ups gerade in Israel oder im Silicon Valley herrscht. Bei „Start-up BW Pre-Seed“ hat uns ein israelisches Programm sehr inspiriert. Ich bin überzeigt, dass wir uns an den besten und erfolgreichsten Start-up-Ökosystemen orientieren und mit diesen kooperieren sollten, um auf internationales Top-Niveau zu kommen. Dass Israel beim Summit unser Partnerland und mit 20 Start-ups in Stuttgart vertreten war, ist ein sehr guter Schritt. Und auch wenn die Landesregierung vieles unternimmt und wichtige Impulse setzt – erfolgreich sind wir nur gemeinsam. Ein zentrales Element von „Start-up BW“ ist eine noch bessere Vernetzung und Unterstützung der Akteure aus den Start-Up-Ökosystemen in Baden-Württemberg und der enge Austausch mit der Start-up Community. Das setzt voraus, dass sich auch vor Ort Menschen dafür begeistern und einsetzen. An dieser Stelle daher mein ausdrücklicher Dank an alle, die sich ehrenamtlich beim Start-up-Stuttgart e. V. engagieren.

Bauer: Ich habe bis heute zahlreiche Start-up Hot-Spots besucht und habe mich mit den dortigen Akteuren unterhalten. Eine „one-size fits all“ Formel gibt es nicht. Jedes Ökosystem hat sich aus den spezifischen Rahmenbedingungen entwickelt und vermeintliche Nachteile zu ihrem Vorteil genutzt. Was aber alle vereint, ist der grundsätzliche Glaube daran, dass „the next big thing“ direkt hinter der nächsten Ecke liegt. Das Vertrauen darauf, dass aus jeder Idee ein erfolgreiches Unternehmen werden kann, erzeugt ein ganz eigenes, offenes Gründungsklima.

Was mir gerade in den USA aufgefallen ist: Unternehmerinnen und Unternehmer denken sehr frühzeitig an den internationalen Markt, z.B. in Asien. Auch wenn es in Baden-Württemberg aufgrund seiner starken KMU-Ausprägung zahlreiche potentielle Kunden gibt, sollten auch junge Gründer frühzeitig global denken. 

Startup Stuttgart: Die Geschäftsmodelle von Startups hängen nicht immer mit der Digitalisierung zusammen, aber natürlich bietet die Digitalisierung große Chancen die wir auch im Ländle nutzen sollten. Gleichzeitig herrscht bei uns in vielen Bereichen eher Schneckentempo. Als Wirtschaftsministerin sind Sie ja auch daran interessiert gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Wann kann man denn endlich mal im ICE oder im Auto von Stuttgart nach Laiz ohne Funkabbruch telefonieren und surfen?

Hoffmeister-Kraut: Für das Hightech-Land Baden-Württemberg ist eine möglichst flächendeckende Mobilfunkversorgung von zentraler Bedeutung. Es ist die Aufgabe der Telekommunikationsunternehmen, für eine angemessene und ausreichende Mobilfunkabdeckung zu sorgen. Ein vollständiger Lückenschluss im Mobilfunknetz wird dennoch wohl nur mit Unterstützung der öffentlichen Hand möglich. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass sie bis zum Sommer 2019 eine Gesamtstrategie für einen möglichst flächendeckenden Mobilfunk vorlegen wird. Aber mir ist in noch ein anderer Aspekt sehr wichtig: Das Mobilfunknetz kann nur dann den erforderlichen Standard erreichen, wenn in der Bevölkerung auch die Akzeptanz für zusätzliche Mobilfunkmasten vorhanden ist. Wer ein leistungsfähiges Mobilfunknetz möchte, muss grundsätzlich auch bereit sein, einen Sendemast vor der eigenen Tür zu akzeptieren. Ansonsten werden wir keine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Baden-Württemberg hinbekommen.

Startup Stuttgart: Der Anlass des Gesprächs heute ist die Initiative Gründermotor in Stuttgart. Was erhoffen sie sich von der Initiative?

Gewinner Jury Preis mit Helmut Schelling (Vector), Ministerin Bauer und Hoffmeister-Kraut

Bauer: Die Gründermotor-Initiative kann dazu beitragen, die Hochschulen im Bereich der Gründungsunterstützung noch besser miteinander zu vernetzen und gleichzeitig vielversprechenden Gründungsvorhaben bis zum erfolgreichen Markteintritt zu unterstützen. Sie kann auch dazu beitragen, dass ein „Gründungsmiteinander“ entsteht.

Hoffmeister-Kraut: Der Technologietransfer durch Ausgründungen von Start-ups aus Universitäten und Hochschulen spielt eine wichtige Rolle. Hier stehen Frau Bauer und ich in einem engen Austausch. Wichtig ist, die Förderangebote auf dem Campus in eine ganzheitliche Konzeption der baden-württembergischen Gründungsförderung einzubetten. Gerade an diesen Schnittstellen kann die Initiative Gründermotor in Stuttgart einen positiven Beitrag leisten.

Startup Stuttgart: Worauf werden sie heute beim Demo Day genau schauen, bzw. was interessiert sie heute besonders?

Hoffmeister-Kraut: Ich bin ich sehr gespannt auf die Gespräche mit den anwesenden Start-ups, auf ihre Geschäftsmodelle und darauf zu erfahren, wie sie mit ihren Ideen den zukünftigen Herausforderungen begegnen wollen.

Bauer: Ganz besonders freue ich mich auf die kreativen Gründungsideen. Ich bin gespannt, welche Lösungen die jungen Studierenden für die Probleme und Herausforderungen der Zukunft entwickelt haben. Ich will auch mit den Gründerinnen und Gründern und mit den Investoren ins Gespräch kommen.

Startup Stuttgart: Was genau ist ihre Rolle bei Gründermotor?

Bauer: Gemeinsam mit meiner Kollegin, Frau Dr. Hoffmeister-Kraut, begleite ich die Entwicklung und Umsetzung der Gründermotor-Initiative von Anfang an. Da wir vom Mehrwert der Initiative überzeugt sind, haben wir uns bereit erklärt, die Schirmherrschaft für den DemoDay der ersten Meisterklasse zu übernehmen. Und wir unterstützen Herrn Dr. Schelling und Herrn Thoma bei der Weiterentwicklung der Initiative.   

Hoffmeister-Kraut: Ganz genau, das machen wir natürlich sehr gerne, denn diese Initiative setzt einen wichtigen Impuls zur Stärkung der Gründungsaktivitäten an den Hochschulen der Region Stuttgart. Sie trägt dazu bei, dass wir mit vereinter Kraft die Gründungskultur vorantreiben.

Startup Stuttgart: Soll das ein Modell für ganz BaWü werden?

Bauer: Ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, dass in die Gründermotor-Initiative weitere Hochschulpartner auch außerhalb des Großraums Stuttgart aufgenommen werden. In der Flexibilität der Initiative sehe ich hier einen großen Vorteil.   

Startup Stuttgart: Jeden Monat betreiben wir das Gründergrillen in Stuttgart und erreichen so pro Jahr bis zu 1000 Gründer und Gründungsinteressierte. Wir würden uns freuen sie mal vor Ort zu begrüßen.

Hoffmeister-Kraut: Ich nutze solche Gelegenheiten gerne und bewusst im ganzen Land, um mit Gründerinnen und Gründern möglichst häufig ins Gespräch zu kommen. Ich freue mich über die Einladung und bin gerne am 8. Juli dabei, wenn auch das Landesfinale unseres Start-up BW Elevator Pitch stattfindet.

Startup Stuttgart: Wir freuen uns darauf. Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Andreas Dalferth

Sichtbarkeit ist gerade am Anfang eines jeden Startups enorm wertvoll. Professionelle Public Relations können sich aber die wenigsten Startups leisten. Aus diesem Grund helfen wir unseren Startups aus der Region Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit unseren Partnern vom StartupSpot bei uns kostenlose PR zu bekommen.

Wir porträtieren Euch und Euer Startup und schaffen gemeinsam mit Eurem Startup Profil im StartupSpot Baden-Württemberg mehr Sichtbarkeit. Baden-Württemberg hat zahlreiche vielversprechende Startups, die unserer Meinung nach alle noch mehr Beachtung finden sollten.

Was ist ein Startup-Porträt?

Die ersten Porträts über Code2Order , Mauz&Wauz und aucubo sind bereits im Rahmen der IT&Business  Messe in Stuttgart erschienen. Startup Stuttgart hat es möglich gemacht, dass ihre Startups vom 4. bis 6. Oktober auf dieser Messer ausstellen konnten.

Einfach kostenlos in den StartupSpot Baden-Württemberg eintragen und bei der Verlosung mitmachen!

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Ich will mein Startup auch vorstellen! Wie geht das?

Das ist ganz einfach: Nimm an unserer Verlosung teil und nutze die Chance ein von vier Startup Porträts zu gewinnen. Trage einfach Dein Startup im StartupSpotBW ein und füge die URL deines Spot-Profils in unser Verlosungs-Tool im Widget unten ein. Schon nimmst Du an der Verlosung teil.

 

Wir drücken ganz fest die Daumen!

Bereits zum 18. Mal zeichnet der Hightech Award CyberOne innovative Geschäftsideen von Startups aus Baden-Württemberg aus. Bewerbungen von aufstrebenden Unternehmen aus allen Technologiebranchen sind bis zum 30. Juni 2016 unter www.cyberone.de möglich. Der CyberOne Hightech Award wird von der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected e.V. in Kooperation mit dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg ausgeschrieben.

Egal ob Life Science, Health Care, Industrielle Technologien oder Medien- und Kreativwirtschaft – der Businessplan-Wettbewerb richtet sich an Startups aus allen Technologiebranchen, die mit innovativen Konzepten und Strategien neue Standards setzen und Märkte revolutionieren. Der CyberOne hat einen starken Landesbezug, daher müssen die Unternehmen ihren Firmensitz in Baden-Württemberg oder in
angrenzenden Wirtschaftsräumen haben. Auf die erfolgreichen Teilnehmer warten Geld- und Sachpreise im Wert von 90.000 Euro. Von der Teilnahme am Wettbewerb profitieren nicht nur die Preisträger. Jeder, der mitmacht, gewinnt Kontakte und Know-how für seine Unternehmung. So erhalten die Start-ups unter anderem Zugang zu relevanten Unternehmen und Investoren in ihrer Branche, qualifiziertes Feedback der
Fachjury sowie eine einjährige Gastmitgliedschaft bei bwcon. Die Preisverleihung beim
zweiten Hightech Summit Baden-Württemberg mit 600 erwarteten Gästen ist das zentrale Highlight und ein Gipfeltreffen von Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Forschung.

Weitere Informationen mit allen Informationen zur Bewerbung und zu den Gewinnern des Vorjahres: www.cyberone.de

Was kann eine neue Landesregierung für Startups tun? Ich denke da nicht an große Gesetzeskataloge oder neue Förderwettbewerbe, sondern an bessere Koordination und mehr Offenheit im Bildungssystem für Gründergeist.

Wahlen haben vorne ein W wie „Wünsche“ – und so will ich eine Woche vor der baden-württembergischen Landtagswahl aus meiner Sicht formulieren, was eine neue Landesregierung der Startup-Szene im Land Gutes tun könnte. Auch zwischen den Zeilen ist das nicht als Wahlempfehlung gedacht. Ich habe keine konkrete Partei im Kopf – das Thema wird jede Regierung angehen, die sich nach der Wahl konstituiert.

Startup-Förderung ist etwas anderes als traditonelle Wirtschaftsförderung: Themen, Arbeitsweisen, Kultur, Finanzierungswege sind anders gelagert. Insbesondere der IT-Bereich hat andere Spielregeln, pflegt mehr Schnelligkeit, mehr Beta-Versionen, andere Geschäftsmodelle. Ein künftiges Wirtschaftsministerium bräuchte einen öffentlich weithin sichtbaren Beauftragten, der die Sprache der Szene spricht. Im besten Fall wäre das jemand, der (oder die) selber einmal gegründet hat, der das Vokabular kennt und nicht nur nachplappert. Es muss  ja nicht gleich bei jedem Startup-Wettbewerb der Minister sich höchstpersönlich profilieren.

Die Landesregierung muss sich um das Bild nach außen kümmern

Ein solcher Startup-Beauftragter  hätte eine ganz konkrete Aufgabe: Er sollte die Fäden  zwischen Mannheim und Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart, Ulm und Konstanz zusammenhalten. Förderzentren, Gründerwettbewerbe, Subventionen und Mini-Cluster gibt es heute schon en masse. Zwar gibt es löblicherweise die Koordinierungsinitiative Ifex. Aber ein wenig straffer dürfte eine künftige Landesregierung die Zügel schon halten. Wenn ein halbes Dutzend oder mehr Logos verschiedener Förderer bei ein und derselben Veranstaltung versammelt sind, nenne ich das noch nicht Kooperation oder gar Koordination.

Das Land hat viel Geld ausgegeben, um mit der berühmten Imagekampagne „Wir können alles außer Hochdeutsch“ Baden-Württemberg als Marke zu etablieren. Marken schaffen Außenwahrhnehmung – und daran krankt es bei dem ingesamt hervorragenden Startup-Standort Baden-Württemberg immer noch.  Nein, keine Sorge: Zentralismus wird es im Bindestrich-Bundesland auch an diesem Punkt nie geben.  Aber das Land zahlt an vielen Stellen mit. Und wer zahlt, sollte mitreden. Gibt es Doppelungen, kann man an der einen oder anderen Schraube drehen, um beispielsweise Gründer nicht nur in der Frühphase zu fördern? Kann man vielleicht ein abgestimmtes Baukasten-Fördersystem etablieren? Was wir nicht brauchen, sind weitere, separat agierende Gründerwettbewerbe, die auch den letzten noch nicht beackerten Nebenschauplatz bespielen.

Wenn regionale Initativen ihre eigenen Wege gehen, sei das ihnen unbenommen. Eine Landesregierung muss aber die Interessen von Baden-Württemberg als Ganzes im Blick haben. Ein kritischer Blick darauf, wo Steuergelder private Iniative womöglich  zu verdrängen drohen, ist hier übrigens mindestens so wichtig wie allzeit prall gefüllte Fördertöpfe.

Bildungspolitik ist für jede Landesregierung die Königsdisziplin

Die Rahmenbedingungen für Startups sind nicht nur durch Geld definiert. Ein guter Teil der deutschen Bürokratie liegt in der Verantwortung der Länder. Wenn Finanzämter darauf getrimmt werden, die spezifische Situation von Startups bei der Regelauslegung stärker in den Blick zu bekommen, dann ist mehr gewonnen als mit der dutzendsten Förderinstitution.

Viele Gesetze werden im Bund gemacht, ein einzelnes Bundesland hat darauf nur begrenzten Einfluss. Natürlich soll ein neuer Wirtschaftsminister auch beim Bund unermüdlich für Entbürokratisierung, ein gründerfreundliches Steuerrecht  und eine bessere digitale Infrastruktur werben. Und an dem einen oder anderen Punkt wie dem Breitbandausbau darf das Land auch gerne selber Geld in die Hand nehmen. Aber eine Landesregierung sollte insbesondere auf die Zuständigkeitsbereiche blicken, in denen sie wirklich das Sagen hat – und das sind die Schulen und Hochschulen. Die Programme  zur Innovations- und Technologieförderung von der Industrie 4.0 bis zur Bioökonomie sind in Baden-Württemberg vielfältig.

Doch zum Gründen braucht es nicht nur technische Expertise, sondern auch die richtigen Gründer-Typen. Dazu passen aktuelle Umfrageergebnisse, wonach sich zwar in Deutschland fast jeder zweite zwischen 18 und 34 Jahren mit dem Gedanken anfreunden kann, vielleicht einmal zum Gründer zu werden – aber am Ende nur 10 Prozent dies realisieren.

Und hier lassen sich in Bildung und Ausbildung wichtige Fundamente legen. Das Schulfach Wirtschaft ist an den Schulen bereits etabliert, Schüler können sogar schon als Mini-Gründer im Rahmen des Unterrichts Erfahrungen sammeln. Es gibt Gründerlehrstühle an den Hochschulen. Hierauf kann man aufbauen – etwa durch Änderungen an der Studien- und  Prüfungsordnung, die es leichter machen, schon während des Studiums zu gründen. Hier hat eine Landesregierung Spielraum – und sie sollte ihn auch nutzen.

Bildquelle: Till Westermeyer unter CC BY-SA 2.0

Die Zukunft ist digital – wer Dinge zum Anfassen baut, ist von gestern. Für den  (Produktions-) Standort im Südwesten ist das ein Gruselszenario. Aber stimmt es? Ein Plädoyer für  Differenzierung.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein nettes, lebhaftes Gespräch mit dem Vertreter eines Unternehmens aus der Berliner Startup-Szene, dessen Geschäftsmodell es ist, etablierten Unternehmen beizubringen, was disruptive Innovation ist, und das bald nach Stuttgart kommt. Man will Firmenvertreter unter der fachkundigen Begleitung der gründungserfahrenen Coaches ganz aus ihrem gewohnten Denken herauskatapulieren. Und dabei sollen sie von ihren Produktionsentwicklern und Ingenieuren zunächst einmal möglichst fern gehalten werden. Nach dem Motto: Geht nicht? Gibt’s  nicht! Im Verlauf des Gespräches – das ein mitschreibender junger Kollege als „Boxkampf“ titulierte – spitzten  die Berliner ihre These zu: Um ein Produkt zu entwickeln und an den Mann zu bringen, brauche man keine Ahnung von Technologie zu haben. Im Gegenteil, das sei sogar schädlich. Man müsse innovativ den Markt und das Kundeninteresse erspüren, genügend Power ins Marketing stecken – die Technik folge dann sozusagen auf dem Fuß. Mein trotz aller Begeisterung für Startup-Denken à la USA durchaus vorhandener, schwäbischer Patriotismus reizte mich zum provokativ zugespitzen Widerspruch: So kann man nur in einer Stadt denken, welche ihre industrielle Substanz schon 1945 verloren hat. Wer so redet, vergisst die Stärken und Eigenheiten im Südwesten.

Die Entwicklungsprozesse und das Denken in den hiesigen Unternehmen mögen häufig viel zu technologielastig sein. Zu viele Daniel-Düsentrieb-Ideen versanden in der Tat, weil sie am Ende keiner braucht oder weil sie an den Bedürfnissen der Kunden vorbei konzipiert wurden. Aber wenn es die hiesige Region im weltweiten Wettbewerb und in Abgrenzung gegen andere Startup-Standorte schaffen will, dann muss sie selbstbewusst ihre Eigenheiten weiterentwickeln. Am Ende ist es eben nicht ganz schlecht, wenn die kreativ ausgedachten Bauteile auch höchst präzise funktionieren.

Eine der spannendsten Zukunftsfragen für den Südwesten überhaupt

Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen. Ich halte es für eine der spannendsten Zukunftsfragen überhaupt, inwieweit sich die Wirtschaft in Baden-Württemberg von der Produktion lösen wird. Und damit meine ich nicht nur die Frage, ob Produkte nach südwestdeutschen Blaupausen nicht überall auf der Welt produziert werden können. Es geht um die Frage, welche Rolle in der künftigen Welt des „Internet of Things“, die „Dinge“ und deren nicht-digitale Aspekte überhaupt noch spielen werden. Reichen Geschäftsideen und clevere Vermarktung – und ist es letzlich egal wer die „Things“ konstruiert? Löst sich die so schön benannte „Wertschöpfung“ völlig von fassbaren Gegenständen? Wird alles virtuell und digital? Oder braucht es irgendwo kompetente Ingenieure, welche die kreativen Ideen in funktionsfähige und solide „Dinge“ zu übersetzen wissen? Und damit meine ich nicht nur die IT-Experten, welche sie zu programmieren verstehen. Wird die Technologieforschung, die Kenntnis der Materie im wahrsten Sinn des Wortes, die eine große Stärke im Südwesten ist, irgendwann einmal überflüssig?  Oder braucht es weiterhin diejenigen, welche sozusagen die Gesetze der Schwerkraft verstehen?

Ich halte das für eine der spannendsten Fragen für die hiesige Wirtschaft überhaupt – und bin selbst weit davon entfernt, hier eine abgeschlossene Meinung zu haben. Ich glaube aber, dass die Antwort in einer sehr spezifischen, südwestdeutschen Mixtur bestehen wird. Es muss sich etwas grundlegend in der Denkweise unserer „hidden champions“ ändern, in der Tat. Und man darf dafür auch zeitweise die eigenen, detailverliebt tüftelnden Techniker entmachten. Aber irgendwann mal benötigt man sie dann doch. Und deshalb braucht es einen selbstbewussten Startup-Standort mit speziellen, baden-württembergischen Akzenten. Wenn die Akteure der hiesigen Startup-Kultur nicht nur Rezepte von außen kopieren, sondern sie an die gewachsene Kultur anpassen, dann werden sie Erfolg haben und in einem großen Startup-Biotop namens Deutschland und Europa ihren Platz finden.
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Bildquelle: Horst JENS unter CC BY-SA 2.0

Baden-Württembergs Wirtschaft nimmt im nationalen und europaweiten Vergleich einen Spitzenplatz ein. Diese Position verdankt es seinen vielen leistungsstarken Unternehmen – und den Köpfen, die sie erfolgreich führen. Es sind Unternehmer mit neuen Ideen, die das Land für die Zukunft fit machen. Diese Persönlichkeiten wollen die Landesregierung und die L-Bank mit dem Landespreis für junge Unternehmen auszeichnen.

Sie führen ein junges Unternehmen mit einer guten Geschäftsidee? Sie haben eine innovative Dienstleistung oder ein neuartiges Verfahren auf den Markt gebracht? Sie wirtschaften erfolgreich mit ökologischem Weitblick? Sie nutzen die Chancen der Digitalisierung? Sie leisten mit Ihrem sozialen Engagement einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft? Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung! Teilnehmen können alle baden-württembergischen Unternehmen, die nach dem 01.01.2005 gegründet oder übernommen wurden und Bilanzzahlen für mindestens zwei volle Bilanzjahre vorlegen können.

Aufgerufen sind Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel, dem Dienstleistungssektor und der Gesundheitswirtschaft sowie Vertreter der freien Berufe. Eine Jury mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik bewertet die Leistung des Unternehmers, das Unternehmenskonzept und den wirtschaftlichen Erfolg.

Die Ausschreibung für den mit insgesamt 90.000 EUR dotierten Landespreis endet am 18.03.2016.

Bewerben Sie sich jetzt für den Landespreis 2016: http://www.landespreis-information.de

Jubiläum! Der Venture Capital-Pitch geht in die fünfte Runde und wird am 28. Januar 2016 in den Räumen der L-Bank Stuttgart stattfinden. Aus den Bereichen IT, High Tech und Life Science wird auch im kommenden Jahr eine Expertenjury das „Best of Baden-Württemberg“ zusammenstellen. Die überzeugendsten Hightech Startups präsentieren ihr Konzept vor Investoren aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter den pitchenden Jungunternehmern werden im Anschluss die besten Teilnehmer gekürt.

Für eine erfolgreiche Anmeldung benötigt ihr nur zwei ausgefüllte Formulare: eines mit Euren Kontaktinformationen und einen Onepager. Bitte sendet beide Dokumente bis zum 11.Dezember 2015 an info(at)vc-bw.de

Die Anmeldung für Investoren und Wirtschaftsförderer ist direkt online möglich.